Zwei Bagger schaufelten im März 2025 auf der DBU-Naturerbefläche Peenemünde Erde beiseite und rüttelten doppelte Stahlplatten mit einem Kippwehr in mehr als fünf Meter breite Entwässerungsgräben. Schließlich schütteten sie Natursteine an die Stahlrahmen, um ein Ausspülen durch das Wasser zu verhindern. 19 solcher regulierbaren Kippwehre und sechs Grabenplomben sollen in den Peenewiesen zukünftig helfen, den Grundwasserstand auf knapp über 300 Hektar anzupassen. Dadurch setzt der bislang entwässerte Torfboden weniger Klimagase frei, intakte Feuchtwiesen und ein Bruchwald können sich entwickeln. Die Naturschutzmaßnahme hat das DBU Naturerbe mit finanzieller Unterstützung der Joachim Herz Stiftung sowie der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS geplant und mit den Behörden eng abgestimmt. Beide Stiftungen werden die Maßnahmen im DBU Naturerbe über die nächsten 25 Jahre als freiwillige Kompensationsleistung unterstützen, um freiwillig ihren CO2-Fußabdruck zu verringern.


Etwa sieben Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland entweichen aus trockengelegten Torfböden. Rund 95 Prozent dieser Lebensräume sind entwässert, was die Freisetzung von klimaschädlichen Gasen anheizt. Intakte Ökosysteme sind dagegen natürliche Klimaschützer. Wälder und Auen, Grünland und gut wasserversorgte wachsende Moore binden große Mengen Kohlenstoff. Daher spielen Torfböden als Kohlenstoffsenken eine wichtige Rolle beim Klimaschutz.
Wie werden die Stauwehre arbeiten? Bis in den Frühling hinein sollen die Böden und die entsprechenden Lebensräume davon profitieren, dass möglichst kein Wasser durch die Gräben abfließt. Im Sommer dagegen sollen unsere Pächter das wiedervernässte Grünland befahren und mähen können. Falls notwendig, kann Revierleiter Wobser vom Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz die Klappen in den Stahlwehren öffnen, damit Wasser in die Hauptgräben abfließen kann. Nach der Bewirtschaftung wird mit dem Wasserrückhalt in der Fläche umgehend wieder begonnen.
Die Veränderungen werden nicht von heute auf morgen sichtbar. Nur langsam regenerieren sich die Lebensräume. Vergleichsweise schnell verbessert sich die Zahl an Libellen und Amphibien in den angestauten Gräben ebenso wie die der Feuchtigkeit liebenden Wirbellosen im wiedervernässten Feuchtgrünland. Wenn in den nächsten Jahren auf größerer Fläche beispielsweise wieder Seggen wachsen, die Kuckuckslichtnelke pink oder die Sumpfdotterblume gelb blühen, dann zeigen diese Pflanzen an, dass hier wieder Feuchtwiesen entstehen.



Tief in den Wäldern der rund 9.600 Hektar großen DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide machten sich Bagger in den Wintermonaten und im Herbst 2025 an die Arbeit: Ein lokales Unternehmen setzte mehr als 100 Grabenplomben, verschloss 15 verrohrte Durchlässe und verfüllte einen Grabenabschnitt auf über 100 Metern mit umliegendem Erdmaterial.
Insgesamt 23 Kleinstmoore steuerte der Bagger auf der DBU-Naturerbefläche an, die das Naturerbe-Team auf Basis von digitalen Geländemodellen, historischen Moorkarten und Flächenbereisungen identifizierte. Kleinstmoore sind ursprünglich in abflusslosen Bodensenken gewachsen. Sowohl für landwirtschaftliche als auch militärische Nutzung wurden sie über Gräben entwässert. Dies führte dazu, dass die Torfkörper nicht mehr wassergesättigt waren und in Verbindung mit Luftsauerstoff klimawirksame Gase wie Kohlenstoffdioxid freisetzten. Bleibt dagegen ein Torfkörper unter Wasser, entweichen weniger Klimagase und das Moor hat eine Chance auf Erholung. Denn Moorlebensräume brauchen Wasser und wir wollen das Wasser in der Ueckermünder Heide halten – für den Erhalt wertvoller Ökosysteme und für den Klimaschutz.

In den abgeschiedenen und unwegsamen Bereichen arbeitete vor allem ein Kleinbagger, der aufgrund seines Gewichts und der Wendigkeit das Gelände nur minimal beanspruchte. Für die Arbeiten in besonders feuchten Mooren kamen Bodenmatten zum Einsatz, um tiefe Furchen oder das Einsinken zu vermeiden. Dabei setzte der Bagger rund 110 sogenannte Erdplomben, bei denen Entwässerungsgräben an einzelnen Punkten zugeschüttet wurden. Er verstopfte zudem Betonrohre und verfüllte ganze Grabenabschnitte. Als Füllmaterial diente Mineralboden direkt von der DBU-Naturerbefläche. In den flach abgebaggerten Senken entstanden zusätzlich kleine Tümpel, sogenannte Blänken, in denen sich etwa Amphibien ansiedeln. Der Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz koordinierte die Maßnahmen vor Ort und warf selbst täglich einen Blick auf die Umsetzung.
Wie es gelingen kann, den Wasserstand auch auf anderen Teilflächen langfristig in der Fläche zu halten, wird im Rahmen des Modellprojekts „NaturErbeKlima“ derzeit untersucht. In mehreren Machbarkeitsstudien werden verschiedene Maßnahmen für zahlreiche DBU-Naturerbeflächen geplant und auf ihre Klima- und Naturschutzwirkung überprüft. Im Modellprojekt geht es darum, den Landschaftswasserhaushalt und degradierte Moore und Auen zu optimieren, standortheimische Laubbäume zur Brandvermeidung einzusetzen sowie mögliche Anrainergrundstücke an den DBU-Naturerbeflächen in Augenschein zu nehmen. Die Umsetzung in der Ueckermünder Heide ist Teil des Modellprojekts „NaturErbeKlima“, welches mit insgesamt rund 2,2 Millionen Euro im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) gefördert wird.



Das Quaken eines Laubfrosches, das Schimmern der zarten Flügel der Großen Moosjungfer im Sonnenlicht und das leise Vorbeigleiten einer Kreuzotter – all das bietet die Kulisse der Feuchtgebiete im Pöllwitzer Wald. Jedoch nur, wenn ausreichend Wasser vorhanden ist.
Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz entstanden in Folge stauender Böden zahlreiche Muldenmoore und weitere Feuchtbiotope. Diesen wertvollen Lebensräumen wurde in der Vergangenheit jedoch durch ein Netz an Entwässerungsgräben sozusagen der Stöpsel gezogen, um das Gebiet für Militär und Forstwirtschaft nutzbar zu machen.

Jetzt aber steht der Naturschutz im Fokus. Zukünftig halten 88 Grabenplomben wieder mehr Wasser im Gebiet. Bis März 2025 haben wir in Zusammenarbeit mit dem Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge und einer ortsansässigen Firma anstehendes Bodenmaterial, angepasst an die jeweiligen Gegebenheiten, in die Entwässerungsgräben eingebracht. So wurden die zahlreichen Muldenmoore wieder mit einem passenden Stöpsel versehen. Dies hilft nicht nur bei der Regeneration der Moor- und Sumpfbiotope, sondern fördert grundsätzlich die Wasserretention und wirkt sich deshalb auch positiv auf die Quell- und Bruchwälder im Gebiet aus.
Gerade angesichts des Klimawandels stehen Feuchtbiotope und ihre Bewohner*innen unter erheblichem Druck und insbesondere Moore rücken mehr und mehr in den Fokus. Denn während ein entwässertes Moor CO2 emittiert, fungiert ein gesundes Moorökosystem ganz im Sinne des natürlichen Klimaschutzes als CO2-Senke. Auf diese Weise leisten wir mit Mitteln aus dem ELER-Programm der EU und des Landes Thüringen einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Zudem fördern die verschlossenen Gräben auch die Lebensräume stark bedrohter Arten wie des Rundblättrigen Sonnentau, verschiedener Libellen-Arten oder der Kreuzotter.



Jahrhundertelang haben Menschen mithilfe von Gräben sehr effektiv Böden und Moore entwässert, um sie land- oder forstwirtschaftlich zu nutzen. Auch das sogenannte Adlermoor, ein Niedermoor auf der DBU-Naturerbefläche Authausener Wald im Naturpark Dübener Heide, zeigt diese Praxis: Entwässerungsgräben in Richtung Dommitzscher Grenzbach durchziehen die rund fünf Hektar große Fläche und leiten das Wasser ab. Das hunderte Meter lange Grabensystem entwässert und durchlüftet den organischen Boden seit Jahrzehnten. Dadurch verliert das Moor nicht nur seine ökologische Funktion als Kohlenstoffsenke, sondern es verschwinden gleichzeitig seltene Lebensräume und deren besondere Flora und Fauna.
Wir wollen den natürlichen Wasserhaushalt in dem Niedermoor wiederherstellen, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, aber auch, um den selten gewordenen Lebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.
Mit der Wiedervernässung schlagen wir nun den umgekehrten Weg ein. Die Baustoff- und Gewässersanierung GmbH Dessau (BSD) setzte Ende 2025 rund 68 sogenannte Erdplomben, bei denen Entwässerungsgräben an einzelnen Punkten zugeschüttet werden, und entfernte alte Betondurchlässe. Als Füllmaterial wurde ausschließlich Mineralboden von der DBU-Naturerbefläche genutzt. Außerdem wurden die Plomben im Kern mit Stammholz verstärkt. Der Bundesforstbetreib Mittelelbe koordinierte und kontrollierte die Arbeiten vor Ort. Ob der Verschluss der Entwässerungsgräben die erhoffte Wirkung entfaltet, wird das Naturerbe-Team weiter beobachten und mit Wasserpegelmessstellen regelmäßig überprüfen.



Drei sogenannte Sohlgleiten sowie 25 Grabenplomben sollen auf der DBU-Naturerbefläche Herzogsberge helfen, den natürlichen Wasserrückhalt entlang des Cremlinger Bachs wiederherzustellen. Der Bundesforstbetrieb Niedersachsen hat die Umsetzung im Auftrag der Flächeneigentümerin vor Ort begleitet. Grabenverschlüsse in Form von Grabenplomben und Sohlgleiten können den Wasserdurchlauf regulieren. Anders als bei Plomben, bei denen Entwässerungsgräben an einzelnen Punkten zugeschüttet werden und so das Wasser zurückstauen, verringern die drei eingesetzten Sohlgleiten nur die Durchflusshöhe des Wassers. Das führt zu einem leichteren Rückstau in den Gräben, was den angrenzenden feuchtigkeitsliebenden Pflanzen zugutekommen wird. Der Zeitpunkt für die Umsetzung war im August 2025 gut: Es stand wenig Wasser in den Gräben, so dass gut gearbeitet werden konnte. Eingesetzt wurde ein kleiner Bagger mit einer schmalen Schaufel, um die Flachland-Mähwiesen möglichst wenig zu belasten. Um Nährstoffeintrag zu vermeiden, wurde lehmiger Boden von der DBU-Fläche eingesetzt.
Die Veränderungen werden nicht von heute auf morgen sichtbar. Nur langsam regenerieren sich die Lebensräume. In Zeiten des Artenrückgangs ist es umso wichtiger, solche Lebensräume wie in dem europäisch geschützten Naturschutzgebiet zu erhalten. Wenn in den nächsten Jahren auf größerer Fläche beispielsweise wieder Seggen wachsen, die Kuckuckslichtnelke pink oder die Sumpfdotterblume gelb blühen, dann zeigen diese Pflanzen an, dass hier wieder Feuchtwiesen entstehen. Auch dank des engen Schulterschlusses mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Wolfenbüttel konnte die Planung der Feuchtgebietsmaßnahme vorangetrieben werden.


