Mit fast 10 000 Hektar ist die DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide mit Abstand die größte Fläche im Nationalen Naturerbe. Die gesamte Fläche gehört mit über 80 Prozent Waldanteil zu einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas, große Teile überschneiden sich mit dem Naturpark Am Stettiner Haff. Mit dem Ahlbecker Seegrund beherbergt die Ueckermünder Heide das größte, wachsende Kalkschwingmoor Deutschlands.
Große Teile der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide wurden bis in die 1990er Jahre militärisch genutzt – während des Nationalsozialismus durch die Wehrmacht, zu DDR-Zeiten durch die Nationale Volksarmee (NVA) und später von der Bundeswehr. Die militärische Nutzung umfasste das Ausbildungsgelände Altwarp, den Schießplatz Bellin, den Standortübungsplatz Rieth und den Wasserübungsplatz Ahlbeck. In den Wäldern zwischen Ueckermünde und Eggesin ließen die Nationalsozialisten eine Munitionsfabrik errichten und nutzten weitere Bereiche als Übungsgelände. Während des Zweiten Weltkrieges fanden in dem Gebiet Bombenangriffe statt. Von 1965 bis 1990 nutzte die NVA die heutige Ueckermünder Heide unter der Bezeichnung Eggesiner Forst großflächig als militärisches Übungsgelände. Nach der politischen Wende wurden die Flächen ab 1990 an die Bundeswehr übergeben. Die militärische Nutzung wurde sukzessive reduziert und der Truppenübungsplatz verkleinert. 2008 begann die schrittweise Übertragung der Flächen an das
DBU Naturerbe. Seitdem hat die Natur hier Vorrang.
Infolge der letzten Eiszeit entstanden im Gebiet um das heutige Altwarp durch Wind aufgewehte hohe Dünenzüge, die sich im Laufe der Zeit größtenteils bewaldeten. Der heute noch unbewaldete, bis zu 15 Meter hohe Abschnitt am südlichen Ortsrand des Fischerdorfes bildet das Kernstück dieser reizvollen Landschaft. Auf den nährstoffarmen, gut durchlässigen Sanden haben sich Spezialisten und konkurrenzschwache Tier- und Pflanzenarten wie die Kartäuser-Nelke oder Kerbameise angesiedelt. In den bewaldeten Bereichen der Binnendünen wachsen Besenheide und Wacholder
als Reliktarten der ehemals großflächigen, offenen Heidelandschaft – besonders schön zu erleben im Wacholdertal südwestlich von Altwarp. Entlang des Neuwarper Sees findet sich ein ausgedehnter Überflutungsmoorgürtel mit großen Bruch- und Moorwäldern, Übergangs- und Schwingrasenmoore sowie seggen- und binsenreiche Nasswiesen. An den Grenzen zum Stettiner Haff und Neuwarper See haben sich große, teils Salz beeinflusste, Röhrichte ausgebildet.
Ein eiszeitliches Relikt findet sich in den Wäldern zwischen Ueckermünde und Luckow. Hier liegt, umgeben von Bäumen, ein etwa drei Hektar großes Kesselmoor. Kesselmoore entstanden während der letzten großen Eiszeit nach dem Rückzug des Inlandeises in geschlossenen Geländehohlformen ohne natürlichen Abfluss, beispielsweise in Toteislöchern oder Senken. In diesem nährstoffarmen Lebensraum wachsen Torfmoos, Sonnentau, Sumpfporst und das Schmalblättrige Wollgras. Während die Wälder zwischen Eggesin, Ueckermünde, Bellin und Luckow vielerorts noch von Kiefernforsten geprägt sind, kommen vor allem im südwestlichen Bereich Misch- und Laubwälder vor. Auf nassen Standorten haben sich am Rande von Gewässern und verlandeten Seen Erlenbrüche entwickelt, die auf frischen bis mäßig trockenen Standorten in bodensaure Buchenwälder übergehen. Einen schönen Kontrast zu den Waldbildern bilden die artenreichen Sandmagerrasen auf dem ehemaligen Schießplatz in unmittelbarer Nähe des Stettiner Haffs.
Moore entstehen dort, wo Wasserüberschuss herrscht. Der Ahlbecker Seegrund, auch bekannt als Ahlbecker Fenn, ist ein Verlandungsmoor, das sich im Südosten der Gemeinde Ahlbeck an der Stelle eines trockengelegten Sees gebildet hat. Schilfröhrichte, Gräser, Seggen und Sumpffarne wachsen im kalkhaltigen Schlammboden und bilden eine dichte, lebendige Verlandungsfläche, die schwingt. In den Randbereichen haben sich Bruchwälder, Weidengebüsche und Feuchtwiesen
entwickelt. Das Schutzgebiet nahe der polnischen Grenze ist nicht zugänglich. Hier leben viele Tiere und Pflanzen nahezu ungestört. Weitere geschützte Biotope sind in den Grünlandbereichen westlich und östlich von Rieth sowie in der Beeke-Niederung und um den Großen Mützelburger See zu finden. Östlich des Ahlbecker Seegrundes zwischen Rieth und Hintersee erstrecken sich im Forstrevier Riether Neuhaus großflächig mittelalte Kiefernforste, die langfristig zu Mischwäldern mit standorttypischen Bäumen entwickelt werden.
Wer unberührte Natur sucht, findet sie in den alten Buchen- und Bruchwäldern der Gottesheide im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Polen. Straßen und Wege auf der DBU-Naturerbefläche sind hier rar, und so bleibt die Tier- und Pflanzenwelt der wald- und moorreichen Landschaft weitestgehend unter sich. Im Martenschen Bruch lässt sich gut beobachten, wie ein trockengelegtes Moor sich mit den Jahren regenerieren kann – wenn man es wieder vernässt. Wo einst Gräben dem Boden das Wasser entzogen, kommen heute Wassernabel, Flutender Schwaden, Schilf oder Sumpfblutauge vor. Seit 2011 wurde der Grundwasserspiegel mithilfe von regulierbaren Stauwerken in den Entwässerungsgräben angehoben. So konnten sich über die letzten Jahre auf 570 Hektar Moor-, Sumpf- und Flachwasserbereiche, Tümpel und artenreiche Feuchtwiesen ausbilden. Ein schöner Blick auf die vermoorte Senke bietet sich von der Aussichtsplattform. Weitere wertvolle Moorbereiche liegen in den Verlandungszonen des Schloßsees und des Lenzener Sees, die ganz der Natur gehören.




