Naturschutzplanung

Naturschutz in großem Maßstab

Beobachten, dokumentieren, auswerten – bevor es an die praktische Naturschutzarbeit im Gelände geht, sammeln wir jede Menge Daten zum Zustand der Natur und planen auf dieser Basis für unsere Flächen die erforderlichen Naturschutzmaßnahmen. Grundlagendaten und Maßnahmenplanungen schreiben wir jeweils für zehn Jahre in den Naturerbe-Entwicklungsplänen fest. Zum Jahresabschluss 2025 lagen für knapp 48.000 Hektar DBU-Naturerbeflächen abgestimmte Planungen vor. Parallel zu den Maßnahmenplanungen haben wir 2025 die Grundlagen für die Fortschreibung der ersten Pläne in den Fokus genommen. Dafür haben wir mit der Entwicklung eines digitalen Dokumentationstools für die Maßnahmenumsetzung begonnen, das zukünftig die Steuerung der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen vereinfachen wird.

Was zwitschert da so schön? Ein Neuntöter-Pärchen auf Sitzwarte im DBU Naturerbe Weißhaus in der Lausitz © Andreas Matthews/OEKO-LOG

Vögel zwischen Wald und Heide

Das Naturschutzmonitoring in den Bereichen Biotope, Waldentwicklung, Brutvögel und Tagfalter lieferte auch 2025 wieder aussagekräftige Daten zur Entwicklung der Arten und Habitate. Im Frühjahr wurden Revierkartierungen seltener und mittelhäufiger Brutvogelarten auf DBU-Naturerbeflächen Kühnauer Heide, Roßlauer Elbauen, Cuxhavener Küstenheiden und Weißhaus durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild der Entwicklung der Habitate in den unterschiedlichen Pflege- und Prozessschutzbereichen. Besonders schutzwürdige Arten des Halboffenlandes, wie Heidelerche, Nachtschwalbe, Neuntöter und Baumpieper profitieren vom Mosaik unterschiedlicher Sukzessionsstadien zwischen Offenland und Wald. Gerade diese wertvollen Übergangsbiotope fehlen außerhalb von Schutzgebieten heute nahezu vollständig. Im DBU Naturerbe kommen sie häufig vor und werden durch Pflege erhalten.

Heidelerchen bevorzugen offene, karge Standorte mit sandigen Böden. Man trifft sie zum Beispiel in Heiden, an Lichtungen oder offenen Kiefernwäldern an.

Gut versteckt auf kargem Boden zwischen Kiefernnachwuchs hat hier eine Heidelerche in einer ausgepolsterten Bodenmulde ihr Nest gebaut.

Die Eier werden vom Weibchen alleine 12 bis 15 Tage lang bebrütet. Sind die Jungen geschlüpft, kümmern sich beide Partner um sie.

Baumpieper auf Sitzwarte auf der DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheiden © Moritz Otten/BIOS 2025

Unscheinbarer Sänger auf dem Vormarsch

Der häufigste erfasste Brutvogel auf den DBU-Naturerbeflächen bleibt der Baumpieper. Obwohl die Art deutschlandweit seit den 1990er Jahren um bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist, sind die DBU-Naturerbeflächen weiterhin dicht besiedelt. Lichte Wälder, lückige Waldränder und extensiv gepflegte Offenlandflächen mit verschiedenen Stadien der Gehölzsukzession sind sein bevorzugtes Habitat. Dort fängt er Insekten und legt seine Nester am Boden, gut versteckt in dichter Vegetation, an. Von Strauchspitzen aus beginnt der kleine Vogel ab März seinen auffälligen Singflug. Hierbei kann er vormittags und in den frühen Abendstunden besonders gut beobachtet werden. In Deutschland ist der Rückgang ausgedehnter Bereiche mit Übergangsstadien zwischen dichtem Wald und baumarmem Grün- und Ackerland einer der wichtigsten Gründe für den Einbruch der Populationen. Auch der allgemein beobachtete Rückgang der Insekten in der Landschaft ist problematisch für die Art. Der Baumpieper ist ein Zugvogel der in Zentral- und Ostafrika und in Indien überwintert. Seine Bestände werden auch von negativen Veränderungen in den Überwinterungsgebieten und auf den Zugrouten beeinflusst.

Den Arten auf der Spur: DBU Naturerbe Mitarbeiter kartiert Pflanzen in Bayern. © Kerstin Heemann

Viel Platz für Hungerkünstler

Gut gedüngte Erde, weder zu trocken noch zu feucht für viele Pflanzenarten in freier Natur sind dies denkbar schlechte Standortbedingungen. Sie bevorzugen karge, nährstoffarme Böden und wachsen an sehr trockenen oder ganz nassen Standorten. Während viele dieser Arten in der vielfach gedüngten und entwässerten Landschaft immer seltener werden, sind sie auf den DBU-Naturerbeflächen noch regelmäßig und zahlreich zu finden. Dies belegen die Ergebnisse der Kartierungen von Biotoptypen und Gefäßpflanzenarten auf 63.058 Hektar DBU-Naturerbeflächen aus den Jahren 2012 bis 2023. Über 100 erfahrene Biotopkartierende waren in diesen Zeitraum an der Erhebung der Daten auf 64 DBU-Naturerbeflächen beteiligt. Ein dreistufiges Qualitätssicherungsverfahren stellte die Vergleichbarkeit der Daten nach festgelegten Standards sicher. Das Ergebnis ist beeindruckend: Über eine Million Artenfunde wurden erfasst. Diesen umfangreichen Datenbestand haben wir im Frühjahr 2025 in Zusammenarbeit mit der Hochschule Bremen ausgewertet und veröffentlicht.

Studie zeigt: 1500 Pflanzenarten auf DBU-Naturerbeflächen

Das erste flächendeckende Biotopmonitoring der DBU-Naturerbeflächen lieferte bemerkenswerte Erkenntnisse zu Vorkommen und Verteilung seltener Farn- und Blütenpflanzen auf den ehemaligen Bundesflächen. 51,1 Prozent der in Deutschland etablierten Farn- und Blütenpflanzen, insgesamt 1503 Arten, konnten auf den DBU-Naturerbeflächen nachgewiesen werden. Das sind deutlich mehr Arten als auf vergleichbaren, zufällig ausgewählten Flächen in der Umgebung. Waldbiotope nehmen mit 76 % den Großteil der untersuchten Fläche ein. Im Wald wurden insgesamt 112 Rote-Liste-Arten nachgewiesen. Offenland, das heißt Wiesen und Weiden, Heiden, Magerrasen, Säume, Ruderalflächen und Äcker, umfassen etwa 20 Prozent der Gesamtfläche. Die Zahl der Rote-Liste-Arten war hier mit 227 Arten mehr als doppelt so hoch. Die Ergebnisse unterstreichen die herausragende Bedeutung von Biotoppflegemaßnahmen für nährstoffarme, sehr trockene und feuchte bis nasse Offenstandorte. Dort haben wir die meisten gefährdeten Arten und die meisten unterschiedlichen Arten gefunden.

Seifert C., Merling B., Zacharias D. (2025) Flora und Biotopausstattung auf Flächen des Nationalen Naturerbes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und deren Bewertung aus Naturschutzsicht. Natur und Landschaft 100. Jahrgang (5): 185-196. DOI: 10.19217/NuL2025-05-01

Hier geht es zur Studie

Auf die Vielfalt kommt es an

Jede Pflanzenart ist Nahrungs- oder Fortpflanzungsgrundlage für eine riesige Zahl spezialisierter Insekten und Krabbeltiere, die wiederum zahlreichen Vögeln, Amphibien, Reptilien und Säugetieren als Lebensgrundlage dienen. Wir wollen diese vielfältigen Lebensräume und Lebensgemeinschaften in der Natur erhalten. Dafür setzen wir im Offenland auf aktive Pflege und in zusammenhängenden Wäldern, Mooren und Röhrichten auf eine natürliche Entwicklung. Eingriffsfreie Wildnisbereiche und vom Menschen geprägte Biotope sichern so Biodiversität und Ökosysteme für zukünftige Generationen.

Foto: Tobias Leikauf
Die leuchtend gelbe Sumpf-Dotterblume, Caltha palustris, wächst in Feucht- und Nasswiesen. Zur besseren Nutzbarkeit sind diese bundesweit im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts weitgehend entwässert worden. Auf den DBU-Naturerberflächen findet die Art noch viele geeignete Standorte.
Foto: Roland Schröder
Hier blüht und summt es von Frühjahr bis Spätsommer: Magere Flachland-Mähwiesen bieten geeignete Bedingungen für die Wiesen-Glockenblume, Campanula patula. Die zierliche Pflanze steht bundesweit auf der Vorwarnliste, ist auf artenreichen Wiesen des DBU Naturerbes aber noch regelmäßig anzutreffen.
Foto: Jörg Tillmann
Ein Mosaik aus Heidelandschaften mit Heidekraut, Calluna vulgaris, und eingestreutem Kiefern- und Birkenjungwuchs prägt viele DBU-Naturerbeflächen. Die Gehölze dienen Vögeln als Schutz. Als Schattenspender zögern sie in zunehmend heißen und trockenen Sommern ein Verdorren der umliegenden Vegetation hinaus.
Foto: Dominik Poniatowski
Die Sand-Strohblume, Helichrysum arenarium, braucht karge, nährstoffarme Sandböden, wie sie vielfach in den Sandmagerrasen und Zwergstrauchheiden auf den DBU-Naturerbeflächen in Nordostdeutschland zu finden sind. Bundesweit gilt sie als gefährdet.
Foto: Lena Fitzner
Das widerstandsfähige Borstgras, Nardus stricta, wächst sowohl in trockenen Heiden und Rasen als auch in feuchten Wiesen und Weiden auf kalkarmen überwiegend silikatischen Böden, vor allem auf sehr nährstoffarmen, gehölzfreien oder lichten Standorten. Die Pflanze steht bundesweit auf der Vorwarnliste. Auf den DBU-Naturerbeflächen ist es regelmäßig zu finden.
Foto: Tobias Leikauf
Das Englische Fingerkraut, Potentilla anglica, wächst an nährstoffarmen bis mäßig nährstoffversorgten frischen bis feuchten Standorten in offenen und halboffenen Landschaften genauso wie in lichten Wäldern und an Waldrändern. Die Vorkommen in Deutschland sind neben dem auf den britischen Inseln besonders wichtig für den weltweiten Fortbestand der Art.
Foto: Tobias Leikauf
Der Siebenstern, Trientalis europaea, wächst in Laub- und Nadelwäldern auf armen, bodensauren Standorten. Die kleine Pflanze mit der leuchtenden weißen Blüte wächst bevorzugt unter einem dichten Blätterdach. Sie kommt sowohl in Kiefern- als auch in Eichen- und Buchenwäldern vor und ist auf vielen DBU-Naturerbeflächen anzutreffen. In Bayern und Brandenburg ist die Art als gefährdet eingestuft.
Foto: Lukas Stroot
Auf vielen DBU-Naturerbeflächen findet man die Zweiblättrige Schattenblume, Maianthemum bifolium. Die Pflanze mit den rötlichen Beeren, die nur zwei Blätter und einen unscheinbaren weißen Blütenstand ausbildet, gedeiht am besten am schattigen Waldboden. Sie kommt in bodensauren Laub- und Nadelwäldern an eher nährstoffarmen, frischen bis feuchten Standorten vor. Achtung, alle Pflanzenteile sind giftig!
Foto: Jan Felix Schneider
Die Stiel-Eiche, Quercus robur, ist auf allen DBU-Naturerbeflächen zu finden und darf dort ungestört uralt werden. Als bestandsbildende Art trockener und feuchter Eichen- und Eichen-Hainbuchenwälder oder als Einzelbaum im Offenland spielt die Baumart eine besondere Rolle. Insbesondere sehr alte oder bereits abgestorbene Exemplare bieten unter der dicken Borke, in Spechthöhlen oder im Mulm am Stammfuß vielen Tieren Brut- und Ruhestätten.
Foto: Werner Wahmhoff
Die weißen Blütenstände des Wollgrases, Eriophorum spec., erzeugen im Moor eine verwunschene Stimmung. Sie treten dort auf, wo sich die Wasserstände in torfhaltige Moorböden ganzjährig nahe der Oberfläche halten, wie hier in einem Kesselmoor auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide in Mecklenburg-Vorpommern.