DBU aktuell Nr. 08 | 2019

Informationen aus der FördertÀtigkeit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt

Der Druck auf die natürlichen Ressourcen nimmt zu und macht auch vor entlegenen Gebieten nicht halt. Eines dieser entlegenen Gebiete ist der Gebirgszug Sharr/Šar Planina/Korab-Koritnik, der sich entlang des Grünen Bandes im Grenzgebiet von Nordmazedonien, Kosovo und Albanien befindet. Die Region ist seit vielen hundert Jahren durch traditionelle Landnutzungsformen geprägt und zählt zum wertvollen Naturerbe der Balkanregion. Man findet hier eine außergewöhnliche biologische Vielfalt. Viele Arten sind endemisch, demnach nur in dieser Region und sonst nirgendwo auf der Welt anzutreffen. Aber auch Arten, die weltweit bedroht sind und auf der Roten Liste stehen, wie beispielsweise die Wiesenotter (Vipera ursinii), leben hier.

„Es ist wirklich eine unglaublich schöne Natur! Es gibt hier über 200 endemische Pflanzenarten, aber auch bedrohte Säugetierarten wie Wölfe und Bären“, berichtet DBU-Abteilungsleiterin Dr. Cornelia Soetbeer, die die Region mit einer DBU-Delegation im September bereiste.

Das noch weitgehend intakte Waldökosystem und die Lebensräume oberhalb der Baumgrenze stellen wichtige Ökosystemleistungen, wie beispielsweise  Wasser, Medizinalpflanzen und Erosionsschutz, für die Menschen der Region bereit. Daher wird bereits seit rund 20 Jahren über die Einrichtung eines grenzüberschreitenden Schutzgebietes in der Region diskutiert. Der kosovarische und der albanische Teil des Gebirgszuges stehen bereits unter Naturschutz.

Unterstützt von der DBU arbeitet die Stiftung Europäisches Naturerbe EuroNatur seit Januar 2019 zusammen mit der „Macedonian Ecological Society“ in Nordmazedonien, „Protection and Preservation of Natural Environment“ in Albanien und der „NGO Finch“ im Kosovo an einem Projekt, das zu Konzepten und Maßnahmen im Naturschutz und zur Förderung einer nachhaltigen Regionalentwicklung in der Sharr/Šar Planina/Korab-Koritnik-Region führen soll. Das übergeordnete Ziel ist es, neue Lösungsinstrumente zu identifizieren, um anstehenden Herausforderungen im Biodiversitätsschutz in der Region angemessen begegnen zu können.

Das Projekt gliedert sich in mehrere Abschnitte und eine abschließende Evaluation. Im Januar startete das erste Modul mit einer regionalen Situationsanalyse, für die auch bereits gesammelte Daten genutzt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Umweltverschmutzung, nicht nachhaltige Landnutzung, Jagd, Fischerei und illegale Rodungen zu den akuten Bedrohungen für die regionale Biodiversität zählen. Um diese Bedrohung zu verringern, sind insbesondere Maßnahmen zur Sicherung von Lebensräumen, zur Erhöhung des Einkommens der Bevölkerung, zur Reduzierung der Nachfrage nach Holz und Energie, sowie zur Sensibilisierung und Bildung in der Bevölkerung notwendig.

Weiterhin wurden lokale Akteure und Organisationen in den jeweiligen Ländern identifiziert, die einen Beitrag zur Bewahrung der biologischen Vielfalt in der Region sowie zu verschiedenen Maßnahmen zur Förderung einer nachhaltigen regionalen Entwicklung leisten können.

„Bei unserem Besuch der Region haben wir auch mit Vertreterinnen und Vertretern des nordmazedonischen Umweltministeriums gesprochen“, erzählt Soetbeer. „Es sieht so aus, als sei das Ziel, ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet einzurichten, an dem sich auch die nordmazedonische Seite beteiligt, auf einem guten Weg. Das freut uns und unsere Partnerinnen und Partner vor Ort sehr! In den von der DBU geförderten Projekten ist es uns wichtig, die lokale Bevölkerung einzubinden und zu erreichen, sodass sie das Schutzgebiet als Chance für eine nachhaltige Entwicklung der Region begreifen.“

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Der Gebirgszug Sharr/Ć ar Planina/Korab-Koritnik im Grenzgebiet von Nordmazedonien, Kosovo und Albanien
© Dr. Alexander Bittner (DBU)

Bereits im Jahr 2007 beschloss die Bundesregierung die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) zum Schutz und Erhalt der Artenvielfalt. Diese besagt unter anderem, dass 5 Prozent der Waldfläche in Deutschland bis zum Jahr 2020 ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden soll. Dennoch kann ein ausreichender Schutz der Artenvielfalt selbst bei Erreichen des Zieles nicht sichergestellt werden. Ein Grund besteht darin, dass Wirtschaftswälder oft strukturarm sind und sich nicht innerhalb kurzer Zeit zu einem naturnahen Wald entwickeln können, der auch gefährdeten Tieren und Pflanzen als wertvoller Lebensraum dient. Waldbauliche Praxismodelle, die notwendige Innovationen in der Waldnutzungs- und Waldnaturschutzpraxis voranbringen, sind daher dringend erforderlich.

Die Universität Würzburg, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, arbeitet derzeit zusammen mit mehreren Projektpartnern an einem Praxismodell zur Förderung von Betadiversität in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Dazu wurden in vier Waldbeständen je 15 Probeflächen eingerichtet, die mithilfe von Vorher-Nachher Untersuchungen Aussagen über die Artenvielfalt zulassen. Zunächst wurde auf den Probeflächen der Ausgangszustand erhoben (Vorher Untersuchung). Dazu wurden – unter Beteiligung von Bachelor- und Masterarbeiten – beispielsweise Bestände von Fledermäusen anhand von Rufaufzeichnungen erfasst, Nachtfalter und Käfer mittels diverser Fallen gefangen und bestimmt und Fadenwürmer aus dem Boden herausextrahiert, gezählt und bestimmt. Im Anschluss an die Ist-Aufnahme wurden die Probeflächen dann strukturell verändert.

Derzeit wird unter anderem untersucht, welchen Einfluss variable Bestandslücken sowie diverse Totholztypen und -mengen auf die Artenvielfalt haben und ob Verbiss durch Tiere an Eichen, eine lichtliebende Art, die Konkurrenzkraft gegenüber schattentoleranten Arten vermindert.

Die Ergebnisse sollen in die Aus- und Fortbildung von Naturschützerinen und Naturschützern, Waldbäuerinen und -bauern, Forstexperinnen und -experten sowie Studierenden eingebunden werden.

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Ein Harvester fĂŒhrt experimentelle FĂ€llungen durch.
© Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Die UN-Dekade Biologische Vielfalt zeichnet Projekte und Beiträge aus, die sich in besonderer Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. Ausgezeichnete Projekte dürfen für zwei Jahre ab dem Datum der Auszeichnung den Titel „Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt“ führen. Das gilt seit Kurzem auch für zwei DBU-geförderte Vorhaben:


Stabilisierung der Population wertgebender Arten in der Zülpicher Börde

Die Biodiversität in Agrarlandschaften ist europaweit rückläufig und die Ursachen vielfältig. Ein Grund für die Artenverarmung ist die Verschlechterung der Lebensraumqualität von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Um die Akzeptanz von Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutzmaßnahmen zu steigern, wurde unterstützt vom Land Nordrhein-Westfalen (NRW) und der DBU das Naturschutzprojekt „Stabilisierung der Population wertgebender Arten in der Zülpicher Börde“ initiiert. Der Schwerpunkt des Projektes liegt auf der gezielten Beratung von Landwirtinnen und Landwirten hinsichtlich biodiversitätsfördernder Maßnahmen. Umgesetzt wird das Projekt von der Landwirtschaftskammer NRW, Münster, in Kooperation mit der Biologischen Station im Kreis Düren e.V. im Kernbereich der Zülpicher Börde – eine besonders intensiv genutzte Agrarregion. Inzwischen hat ein Experte der Landwirtschaftskammer NRW rund 130 landwirtschaftliche Betriebe zu den Themen Natur- und Artenschutz in ihren Betrieben beraten. Die Projektergebnisse sollen anschließend auf andere Agrarlandschaften in Nordrhein-Westfalen übertragen werden.

Anfang Oktober 2019 wurde das Projekt als UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Mehr dazu in der Pressemitteilung der Landwirtschaftskammer NRW und in der DBU-Projektbeschreibung

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Mit F.U.N. in die Wildnis

Das Citizen Science (Bürgerwissenschaft)-Projekt „Forschung. Umweltbildung. Naturschutz – Mit F. U. N. in die Wildnis“ bringt Ehrenamtliche, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Schülerinnen und Schüler an einen Tisch, um Erwachsene und Kinder in den angewandten Naturschutz und die Naturschutz-Forschung einzubinden – und zwar am Beispiel von Fledermäusen. Dafür wurde es nun als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Durchgeführt wird es von der Universität Greifswald in enger Kooperation mit der Abteilung „Fachdidaktik Biologie“ der Universität Rostock in Wooster Teerofen im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide. Der Naturpark ist dabei Projektpartner.

Ein erster Meilenstein des Projekts war das Erstellen einer umfangreichen eigenen Homepage (www.fledermausfun.de), welche unter anderem als Informationsquelle zum Projekt und Plattform für die Mitarbeit im Citizen Science-Projekt genutzt wird. Hier können interessierte Bürgerinnen und Bürger bereitgestellte Daten zu Fledermäusen auswerten und Forschungsfragen beantworten. Die Daten werden überwiegend automatisch durch Erfassungsgeräte aufgenommen, teilweise aber auch durch Studierende und eine Doktorandin manuell erhoben. Zur Qualitätssicherung bei der Datenauswertung sind Tutorials und Zugangstests für die Bürgerinnen und Bürger auf der Homepage hinterlegt.

Darüber hinaus wurden im Projekt Unterrichtkonzepte für Schulen und Kindergärten erstellt und getestet. Die Einbindung von Schulen erfolgt modellhaft vor allem über bereits bestehende Kontakte in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Es ist geplant, die Zusammenarbeit mit Schulen und die Ansprache von weiteren Bürgerwissenschaftlern zu intensivieren.

Die im F.U.N.-Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen in Handlungsempfehlungen für ein naturschutzorientiertes Waldmanagement münden. Basierend auf den Ergebnissen einer Abschlussarbeit lassen sich bereits jetzt Handlungsempfehlungen für die menschliche Präsenz an Überwinterungsquartieren von Fledermäusen ableiten. Das Projekt soll darüber hinaus demonstrieren, dass Citizen Science auch in besonders naturschutzrelevanten, aber dünn besiedelten Gebieten Deutschlands möglich ist und dabei einen Mehrwert gegenüber rein universitärer Naturschutzforschung bietet.

Weitere Infos unter: www.fledermausfun.de und in der Pressemitteilung der Universität Greifswald

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Im Beisein von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (3. v.l.) und LandwirtschaftskammerprĂ€sident Karl Werring (4. v.l.) ĂŒberreichte Thomas Muchow (3. v.r.), GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die Auszeichnung an die Projektpartnerinnen und Projektpartner, fĂŒr die Landwirtschaftskammer an Dr. Armin Hentschel (l.) und Georg Milz (2. v.l.), an Heidrun DĂŒssel-Siebert (r.), GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Biologischen Station Kreis DĂŒren e.V. und Dr. Lili Hofmann (2. v.r.), DBU.
© Ulla JĂŒrgensonn
Der Kiebitz gehört zu den Vogelarten, die im Beratungsprogramm BerĂŒcksichtigung finden.
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Freuen sich ĂŒber die Auszeichnung von F.U.N. als UN-Dekade-Projekt: Projektleiter Prof. Dr. Gerald Kerth, der Greifswalder OberbĂŒrgermeister Dr. Stefan Fassbinder mit einem Fledermauskasten und Projektkoordinator Marcus Fritze (v.l.)
© Till Junker

Derzeit sind etwa 40 Millionen chemische Verbindungen bekannt, etwa 80.000 Chemikalien werden kommerziell vertrieben. Für weniger als 5 Prozent davon liegen vollständige Daten zur Umweltbewertung vor. Aus diesem Grund initiierte die DBU in den Jahren 2013 und 2014 einen Stipendienschwerpunkt „Integrierte Chemikalienbewertung: Umwelt, Wirtschaft, Recht“. Da die meisten der 15 Stipendiatinnen und Stipendiaten ihre Promotion erfolgreich abgeschlossen haben, gab es am 2. und 3. Juli eine Abschlussveranstaltung zum Thema „Pestizide in der Umwelt – Defizite erkennen, Handlungsoptionen entwickeln" im DBU Zentrum für Umweltkommunikation in Osnabrück.

Die Gruppe der Pestizide umfasst Pflanzenschutzmittel (derzeit ca. 270 zugelassene Wirkstoffe) und Biozide (derzeit ca. 260 zugelassene Wirkstoffe). Der weltweite Einsatz von Pestiziden führt zu Umweltbelastungen und Beeinträchtigungen von Ökosystemen und Ökosystemleistungen. Ausgehend vom Status quo analysierten die rund 100 Veranstaltungsteilnehmenden in vier Workshops zu den Bereichen Monitoring, Regulation, Schutzlandschaften und Einzugsgebiete die aktuellen Herausforderungen, um daraus Perspektiven und zukünftige Handlungsfelder abzuleiten, an denen sich auch die DBU orientieren kann. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Koordinator des Stipendienschwerpunktes, Prof. Dr. Andreas Schäffer, Lehrstuhl für Umweltbiologie und Chemodynamik am Institut für Umweltforschung der RWTH Aachen, sowie weiteren Betreuenden, den Stipendiatinnen und Stipendiaten des Schwerpunktes sowie der DBU vorbereitet.

Wichtige Ergebnisse für die DBU waren: Pestizide werden nicht nur direkt an ihrem Einsatzort, sondern mittlerweile auch in Schutzgebieten gefunden. Hieraus ergibt sich dringender Handlungs- und Forschungsbedarf sowohl in der Langzeitbewertung der eingesetzten Chemikalien als auch in deren Wechselwirkung mit anderen Wirkstoffen und ihrem Kreislaufverhalten in unterschiedlichsten Biozönosen. Darüber hinaus ist die Entwicklung und Erprobung alternativer Pflanzenschutz- und Biozidkonzepte sowie die Erarbeitung neuer, zielführender Bewertungswerkzeuge der zeitlichen und räumlichen Auswirkung von Pestiziden auf die Umwelt von Bedeutung.

 

 

Rund 100 Teilnehmende diskutierten im DBU Zentrum fĂŒr Umweltkommunikation.
© Dr. Kathrin Schmidt (DBU)

Wildbienen sind wichtige Bestäuber von heimischen Wild- und Kulturpflanzen. Doch sind Wildbienenbestände durch vielfältige Bedrohungen wie etwa intensivierte Grünland- und Ackernutzung und Bebauung stark rückläufig.

Bislang konnten Langzeituntersuchungen der Populationsentwicklung (Langzeit-Monitoring) von Bestäuberinsekten nur unter enormem Zeitaufwand zuverlässige Daten liefern. Der DBU-Promotionsstipendiat Christopher Bause testet nun eine von ihm weiterentwickelte chemisch-basierte Methode, die es ermöglichen soll, Hummeln, eine wichtige Gruppe von Wildbienen, mit geringerem Zeitaufwand zu untersuchen.

Hummeln hinterlassen beim Blütenbesuch kohlenwasserstoffhaltige Rückstände ihres panzerartigen Außenskeletts – quasi chemische Fußabdrücke. Dabei besitzt jede Hummelart ihr arteigenes, chemisches Fußabdruckprofil, bestehend aus einer Vielzahl von Einzelkomponenten. Diese Spuren kann man nachträglich nutzen, um Rückschlüsse auf  die Artzugehörigkeit der Blütenbesucher zu ziehen. Dies geschieht, indem die Blüten gesammelt und im Labor entsprechend aufgearbeitet werden, sodass aufkonzentrierte Extrakte der Rückstände vorliegen, die mittels Gaschromatographie und Massenspektrometrie (GC/MS) identifiziert und quantifiziert werden können. Dank der großen Beständigkeit der Fußabdruck-Substanzen auf Blüten können sogar Hummelbesuche mehrerer Tage erfasst werden.

Die Methode ist dank der Analyse per GC/MS vergleichsweise kostengünstig und die leicht und schnell durchführbare Probennahme ermöglicht die zeitgleiche Untersuchung diverser Lokalitäten.


Mehr zum Projekt

Weitere spannende Stipendienprojekte in der Stipendiendatenbank

Klimawandel, Rückgang der Biodiversität, nicht nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen – dies sind nur einige der großen Umweltherausforderungen unserer Zeit. Welche Rolle spielt die Kommunikation bei der Suche nach Lösungen? Dazu sprach DBU aktuell mit der Leiterin der DBU-Abteilung „Umweltkommunikation und Kulturgüterschutz“, Dr. Cornelia Soetbeer.

DBU aktuell: Die sogenannte große Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft erfordert die Information und Beteiligung aller Menschen. Welche Rolle kann die Umweltbildung der DBU dabei spielen?

Soetbeer: Zunächst ist es wichtig festzuhalten, dass Bildung nichts ist, was sich nebenbei erledigen lässt. Bildung und lebenslanges Lernen sind zentrale Elemente einer nachhaltigen Entwicklung. Nachhaltige Entwicklung setzt einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel voraus, der ohne Bildung und Teilhabe der gesamten Gesellschaft nicht zu erreichen ist. Hier setzen viele unserer geförderten Projekte an: Ihr Ziel ist es, relevantes Wissen zu vermitteln und Menschen allen Alters und jeder Herkunft zu befähigen, ihre Umwelt ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig zu gestalten – und dabei die Auswirkungen ihres Handelns auf gegenwärtige und zukünftige Generationen einschätzen zu können. Einbringen kann die DBU somit ihre langjährige Erfahrung aus der Förderung beispielgebender Projekte und natürlich die Expertise und Kompetenz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich auf vielen Ebenen in aktuellen Debatten engagieren.

DBU aktuell: Analysen zeigen, dass sich populistische Thesen häufig schneller und politisch bestimmender verbreiten als differenzierte wissenschaftliche Argumentationen – auch durch das Nutzen der sozialen Medien. Wie ist damit umzugehen?

Soetbeer: Das ist in der Tat eine große Herausforderung, die uns – wie viele andere bildungs- und wissenschaftsfördernde Institutionen sowie die Wissenschaft selbst – sehr umtreibt. Die Sozialen Medien gehören zu den stärksten Waffen der Populisten in ihrem Kampf gegen die Wissenschaft und damit letztlich auch gegen die Demokratie. Das Wesen der modernen Wissenschaft steht der populistischen Vereinfachungsmaschinerie diametral entgegen. Wissenschaft hinterfragt, versucht zu verstehen, schafft letztlich keine endgültigen Wahrheiten. Es ist wichtig, den Menschen zu vermitteln, wie Wissenschaft funktioniert, was sie leisten kann und in welchem Zeitrahmen – und was eben auch nicht. Und all das muss auch in der „Echoblase“ der Sozialen Medien geschehen, in die sich die meisten Wissenschaftsskeptiker zurückgezogen haben. Wissenschaft muss sich mehr mit ihrer Bedeutung für die Gesellschaft auseinandersetzen und sich auch der Kritik stellen. Es ist wichtig, sich mit den Ursachen der Skepsis zu befassen, bevor man ihr etwas entgegensetzen kann. Mein Eindruck ist aber, dass dieses Bewusstsein unter den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den letzten Jahren zugenommen hat.

DBU aktuell: Frau Soetbeer, Sie haben eine langjährige Erfahrung bei der Arbeit für verschiedene Stiftungen. Was zeichnet Stiftungen generell aus und was ist das Besondere an der DBU?

Soetbeer: Stiftungen haben eine große gesellschaftliche Bedeutung, wobei natürlich die Vielfalt der Stiftungsarten und ihrer jeweiligen Satzungszwecke enorm ist. Stiftungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie komplementär – nicht substitutiv! – zur öffentlichen Hand schnell und oft auch unbürokratisch innovative und beispielhafte Projekte und Initiativen unterstützen können, darunter auch einmal riskantere Vorhaben mit einem unsicheren Ausgang. Sie eignen sich hervorragend als „Enabler“ und Initiatoren, weniger als Finanzierer dauerhafter Strukturen und öffentlicher Aufgaben. Ein weiterer Vorteil ist, dass Stiftungen in der Regel neutrale Akteure sind, die Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Positionen an einen Tisch bringen und einen produktiven Diskurs ermöglichen können. Das Besondere an der DBU ist für mich das große Thema, für das sie steht und das heute bedeutender ist denn je: der Schutz der Umwelt! Dazu zählen in hohem Maße auch die Umweltbildung und –kommunikation. Ich kenne keine Umweltstiftung, die in diesen Bereichen vergleichbar aktiv ist. Das ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal!


Zur Person:

Dr. Cornelia Soetbeer studierte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Germanistik und Romanistik und promovierte dort in Romanistik. Nach ihrer Promotion wurde sie Wissenschaftliche Referentin bei der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in Essen, wo sie vor allem  für die Satzungsbereiche Wissenschaft in Forschung und Lehre und Sport zuständig war. Im Jahr 2011 übernahm sie bei der VolkswagenStiftung in Hannover die Leitung des Teams „Herausforderungen – für Wissenschaft und Gesellschaft“. Seit September 2019 leitet sie die DBU-Abteilung „Umwelt- und Kulturgüterschutz“.

Dr. Cornelia Soetbeer
© DBU

Neue Wege der Kombination aus Experimentierräumen, Wissensvermittlung und gesellschaftlichem Engagement suchte die Jugendwerkstatt Wandelbar. Das gemeinsam vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und der DBU durchgeführte Pilotvorhaben zur Jugendpartizipation fand vom 18. bis 24. August 2019 in der Jugendherberge "Urwald-Life-Camp" Lauterbach in Thüringen statt. Unter dem Motto „Wir gestalten Zukunft“ entwickelten 90 Jugendliche und junge Erwachsene in eigenverantworteten Formaten Ideen, Konzepte und Forderungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Auch die Verantwortung für die Konzeption und Durchführung der Jugendwerkstatt lag vollständig in den Händen eines neunköpfigen Teams junger Erwachsener, das die Veranstaltung seit Februar 2019 entwickelt hatte.

Zwei Ergebnisse entstanden während der Veranstaltungswoche: Zum einen das Exponat „WandelBar“, auf dem die Visionen und Forderungen künstlerisch festgehalten wurden und das nun im Bundesgebiet auf Reisen geschickt wird. Zum anderen wurde ein Forderungspapier an die Bundesregierung erstellt, das im November während einer Sitzung der Bundespressekonferenz überreicht wird.


Weitere Informationen: https://www.jugendwerkstatt-wandelbar.de/

Interessenten für die Ausleihe des Exponats WandelBar melden sich gern beim DBU-Projektteam Jugendwerkstatt Wandelbar unter: al.krumme@dbu.de 

Ein vermeintlich "herrenloser" Unimog fährt durch die Wiesen - wer dieses Bild auf der DBU-Naturerbefläche Stegskopf sieht, darf seinen Augen durchaus trauen. Vor kurzem hat das gemeinnützige Tochterunternehmen der DBU, das DBU Naturerbe, den Landwirt Michael Buhl (Firma Agrar Buhl, Friedewald) erstmals beauftragt, rund acht Hektar Offenland mithilfe funkgesteuerter Technik zu mulchen. Der Grund für diese Fernsteuerung: Der Unimog fährt über mutmaßlich kampfmittelbelastete Bereiche.

„Wir tun unser Möglichstes, um die arten- und blütenreichen Wiesen und Weiden am Stegskopf offen zu halten – trotz der möglichen Kampfmittelbelastung im Boden“, betont die Fachliche Leiterin des DBU Naturerbes, Susanne Belting. Damit die Flächen nicht verbuschen, habe der Landwirt in Zusammenarbeit mit dem Bundesforstbetrieb Rhein-Mosel Weiden und Ginster mechanisch entfernt und hierzu neben der funkgesteuerten Technik auch einen gepanzerten Schlepper eingesetzt.

Für den Landwirt ist es nicht der erste Einsatz auf der Fläche. Bereits 2018 hatte er die Idee und das technische Geschick, einen Traktor mit genormten Bauteilen wie Panzerglas und speziellem Unterbodenschutz ausrüsten zu lassen und Teilareale auf der DBU-Naturerbefläche zu bearbeiten (siehe DBU aktuell 08/2018).


Mehr zum ferngesteuerten Unimog in der aktuellen Pressemitteilung des DBU Naturerbes.

Der Unimog fĂ€hrt ferngesteuert ĂŒber mutmaßlich kampfmittelbelastete Bereiche der DBU-NaturerbeflĂ€che Stegskopf.
© Michael Buhl/Buhl Agrar GbR

Stürme, extreme Dürre, Borkenkäferbefall und Waldbrände haben den Wäldern in Deutschland schwere Schäden zugefügt. Rund 150.000 Hektar Schadfläche muss die Forstwirtschaft laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) neu aufbauen, der gesamte Wald soll besser an den Klimawandel angepasst werden.

Am Rande des Nationalen Waldgipfels am 25. September 2019 in Berlin sprachen DBU Naturerbe-Prokurist Michael Dittrich (l.), die fachliche Leiterin der DBU Naturerbe GmbH, Susanne Belting (2.v.l.) und Dr. Otto Denstorf, beim DBU Naturerbe verantwortlich für Betriebsmanagement und BImA-Koordination (r.) mit dem Präsidenten des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR) und ehemaligen DBU-Kurator Georg Schirmbeck (2.v.r.) über Klimaschutzfunktionen und die Auswirkungen von Wetterextremen auf die Wälder Deutschlands. Gemeinsam mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus rund 170 Verbänden, Einrichtungen und Institutionen diskutierten sie auf Einladung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner über Maßnahmen, um klimaresilientere, naturnahe und standortgerechte Mischwälder mit einer höheren Artenvielfalt zu entwickeln.

„Zukunft Recycling - Neues Bauen mit der Kreislaufwirtschaft“, unter diesem Titel widmet sich das Fachforum des Zentrums für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt GmbH (ZEBAU), Hamburg, im Jahr 2019 erstmalig einem wachsenden Problem: dem Verbrauch an Ressourcen beim Bauen mit dem besonderen Blick auf die hiesige Bauwirtschaft. Auf der von der DBU unterstützten Veranstaltung am Donnerstag, 7. November 2019 in der Villa im Heinepark in Hamburg werden die richtigen Ansätze zu Planung und Bauen, zur Baustoffauswahl und zur Verarbeitung für eine spätere optimale Baustoffwiederverwertung gesucht. Neben den Grundlagen zeigen Expertinnen und Experten konkrete Lösungsbeispiele auf und diskutieren mit dem Publikum über die Breitenanwendung – darunter auch DBU-Referatsleiter Franz-Peter Heidenreich mit dem Thema „Rohstoffverbrauch verringern, Sekundärrohstoffe stärken – aktuelle DBU-Projekte und Fördermöglichkeiten“.

Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung unter: https://www.zebau.de/fortbildung/recycling/

Den Wandel aktiv gestalten - unter diesem Motto geht das Zukunftsforum Energiewende 2019 am 20. und 21. November in Kassel in die dritte Runde. Auf dem bundesweit größten Kongress für die dezentrale Energiewende treffen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunal- und Landespolitik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, um gemeinsam frische Impulse für die Energiewende und den Klimaschutz zu setzen. Mit dabei: Das DBU-Projekt „Modernisierungsbündnisse“ mit dem Forum 4 „Wie erreiche und mobilisiere ich Hausbesitzer*innen für Modernisierungsmaßnahmen zur Energiewende?“ am 20. November, 11:00 bis 12:30 Uhr.

Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung unter: https://www.zukunftsforum-energiewende.de/

Auch im kommenden Jahr kooperiert die DBU mit der re:publica, der nach eigenen Angaben größten Konferenz zu den Themen der digitalen Gesellschaft in Europa, und wird wieder mit einem Ausstellungsstand dabei sein.

Schon jetzt hat der Call for Participation für diese 14. re:publica vom 6. bis 8. Mai 2020 Berlin begonnen. Einsendeschluss ist der 15. Dezember 2019.

Weitere Infos unter: https://20.re-publica.com/de/page/allgemeines-zum-call-participation-0

 

Herausgeber
Deutsche Bundesstiftung Umwelt DBU
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Tel. 0541|9633-0
Fax 0541|9633-190
www.dbu.de

Redaktion
Verena Menz, Dr. Christina Schmidt
DBU Zentrum für Umweltkommunikation
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Tel. 0541|9633-962
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Verantwortlich
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