Auf einem Teilareal der DBU-Naturerbefläche Kaarzer Holz hat sich eine offene Landschaft mit schützenswerten Pflanzengesellschaften wie Magerrasen und Heideflächen entwickelt. Doch um den Lebensraum zu erhalten und das Zuwachsen vor allem durch Besenginster, Traubenkirsche, Birken und Kiefern zu verhindern, muss die Fläche regelmäßig gepflegt werden.
Bereits in den vergangenen Jahren wurde ein Großteil des ehemaligen Schießplatzes maschinell gepflegt. Die Koordination vor Ort erfolgt durch den Bundesforstbetrieb Trave. Nun folgten weitere elf Hektar, auf denen ein Traktor mit Forstmulchgerät die Gräser, Sträucher und jungen Bäume abmähte und häckselte. Das einmalige Mulchen wird zur Pflege der wertvollen Lebensräume jedoch nicht ausreichen. Um die Gehölze in Schach zu halten, ist eine Beweidung der entbuschten Bereiche in Kombination mit maschinellem Rückschnitt in den Folgejahren essenziell. Ohne die Schafbeweidung ginge ein Paradies für Vögel verloren: Neuntöter und Baumpieper finden in der abwechslungsreichen Landschaft und ihren halboffenen Übergängen zum Wald wertvollen Lebensraum. Daher bleiben kleine Baumgruppen und Einzelbäume als Nist- und Rückzugsorte stehen.
Ursprünglich entstand das Offenland im Kaarzer Holz nicht aus Naturschutzgründen: Das Militär nutzte das Gebiet von 1972 bis 2006 als Übungsplatz. Auf dem ehemaligen Schießplatz Demen hielten Nationale Volksarmee und später Bundeswehr das Areal zur besseren Sicht für die Militärübungen frei von Gehölz. 2013 ging die Fläche Kaarzer Holz als Teil des Nationalen Naturerbes an das DBU Naturerbe, das seitdem für die Offenhaltung sorgt.



Insgesamt 24 helfende Hände packten Mitte September auf der DBU-Naturerbefläche Authausener Wald an und leisteten gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen und dem DBU Naturerbe einen wichtigen Beitrag zur Pflege der wertvollen Zwergstrauch-Heide. Per Hand und mit dem Spaten rupfte, zupfte und buddelte die Gruppe auf einem Teil des ehemaligen Übungsplatzes zahlreiche Sträucher und Büsche aus, um das Offenland frei von Bewuchs zu halten.
Über 30 Jahre ist es her, dass auf der DBU-Naturerbefläche das Militär übte. Inzwischen ist es ruhig geworden im Naturpark Dübener Heide nordöstlich von Leipzig. Und dennoch prägt die militärische Vergangenheit die Fläche: Durch die jahrelange Nutzung konnte sich ein großer Bestand der Zwergstrauch-Heide auf der Fläche entwickeln. Ab August entfaltet das 30 bis 50 Zentimeter hohe Heidekraut seine lila Blütenpracht und seinen würzigen Geruch. Damit der europäisch geschützte Lebensraum Jahr für Jahr kräftig blüht, braucht er dauerhafte Pflege. Ohne Mahd und andere Entbuschungsmaßnahmen droht das Offenland durch aufwachsende Sträucher und Bäume wieder zu Wald zu werden. Seit vielen Jahren arbeitet das DBU Naturerbe daher gemeinsam mit den Mitarbeitenden des Bundesforstbetriebes Mittelelbe, dem Pächter Marco Göttert sowie dem Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen daran, dass die Fläche dauerhaft gepflegt wird. Schon im vorherigen Jahr veranlasste der Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen in enger Zusammenarbeit mit dem DBU Naturerbe und dem Bundesforstbetrieb Mittelelbe eine Entfernung der sich immer weiter ausbreitenden Spätblühenden Traubenkirsche innerhalb eines Teilbereichs. Diese Pflanzenart hält sich äußerst hartnäckig und deshalb müssen regelmäßig Sprösslinge mitsamt Wurzel sowie Jungaufwuchs bekämpft werden. So waren die Verantwortlichen sehr glücklich, dass tatkräftige Hände mit Spaten, Schere und Freischneider zur Seite standen, um den Erfolg der vorangegangenen Arbeit zu gewährleisten.
Neben dem Einsatz der Freiwilligen probierte der Bundesforstbetrieb Mittelelbe in den vergangenen Jahren verschiedene Pflegetechniken, da die Heidepflanzen mit zunehmendem Alter an Kraft verlieren, um Samen zu bilden und offener Boden für die Keimung junger Pflanzen fehlte. In Bahnen wurden die Heidepflanzen daher mal höher und mal tiefer mit einem Forstmulchgerät zurückgeschnitten. Die dabei teilweise bewusst geschaffenen offenen Bodenstellen, dienen jungen Heidepflanzen als neues Saatbett zur Keimung. Ganz nebenbei profitieren auch weitere typische, meist unscheinbare Pflanzenarten wie der Frühlingsspark oder die Frühe Haferschmiele von den Maßnahmen. Eine solche Verjüngungskur wird in den kommenden Jahren auf verschiedenen Abschnitten des PSA-Platzes fortgeführt und gemeinsam mit Freiwilligen, dem Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen und dem Bundesforstbetrieb Mittelelbe die Heidepflege im Blick behalten.
Vögel wie Heidelerchen und Baumpieper nutzen die halboffene Landschaft mit den vereinzelten Sträuchern und Tarnungskünstler wie die Blauflügelige Ödlandschrecke finden auf dem spärlich bewachsenen Sandboden wertvolle Lebensräume zum Sonnen und zur Eiablage.



Wie ein Phönix aus der Asche kehrt die Heide nach einem Feuer zurück. Bereits nach kurzer Zeit recken sich die jungen Triebe dem Licht entgegen und zeigen, dass der scheinbar leblose Zustand des verbrannten Bodens nur von kurzer Dauer ist. Als typischer Brandkeimer findet die Besenheide hier optimale Keimbedingungen vor und kann zudem aus noch vorhandenen Wurzelstöcken wieder austreiben. So dient ein Brand, auch wenn es zunächst abwegig klingen mag, der Heidepflege.
Im Jahr 2025 haben wir auf zwei unserer Naturerbeflächen überalterten und verholzten Heideflächen durch kontrollierte Brände zu neuem Leben verholfen. Bei passender Witterung und nach gründlicher Vorbereitung setzten wir im Februar in Weißhaus mit Unterstützung der gemeinnützigen Hilfsorganisation @fire und dem Bundesforstbetrieb Lausitz eine feuerökologische Pflegemaßnahme auf rund einem Hektar um. Weitere vier Hektar konnten im Zschornoer Wald in Zusammenarbeit mit dem Feuerökologen Alexander Held, dem Bundesforstbetrieb Lausitz und der Freiwilligen Feuerwehr Döbern im März kontrolliert abgebrannt werden. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden im Vorfeld detaillierte Brennpläne erstellt und vegetationsfreie Schneisen als natürliche Brenngrenzen geschaffen.
Die Heide ist als Lebensraum durch die militärische Vornutzung entstanden und würde ohne Pflege verbuschen und sich wieder zu Wald entwickeln. Schon früher wurde das Brennen als Mittel zur Heidepflege eingesetzt, denn nach einem Zeitraum von 15 bis 30 Jahren erlischt die Austriebskraft einer Heidepflanze. An diesen Lebenszyklus passen wir unsere feuerökologischen Pflegemaßnahmen an. Durch einen Brand entstehen optimale Keimbedingungen für die Heide, während Moose, Gehölze sowie weitere der Heide unzuträgliche Pflanzenarten wie beispielsweise Reitgras zurückgedrängt werden. So kann sich die Besenheide mit frischer Kraft ausbreiten und der in Deutschland selten gewordene Lebensraum für gefährdete Arten wie Heidelerche, Ziegenmelker, Brachpieper und Steinschmätzer bleibt erhalten.


