Smart Nature

Digitale Innovationen für eine nachhaltige Landnutzung

Hintergrund

Die Vielfalt der Lebensräume und Arten ist eine zentrale Grundlage des menschlichen Wohlergehens. Intakte Ökosysteme erbringen unverzichtbare Leistungen wie saubere Luft und reines Wasser, fruchtbare Böden, Nahrungsmittel und Holz sowie Naturerholung und Lebensqualität. Gleichzeitig führen Intensivierung und Vereinheitlichung der Land- und Gewässernutzung weiterhin zu einem erheblichen Verlust biologischer Vielfalt.

Die Digitalisierung bietet ein erhebliches Potenzial, den Umwelt-, Klima- und Biodiversitätsschutz wirksam zu unterstützen. Die Möglichkeit, große Datenmengen zu erfassen und zu verarbeiten, kann ökologische Zusammenhänge transparent machen, datenbasierte Entscheidungen ermöglichen und Prozesse in Planung, Vollzug und Bewirtschaftung effizient und nachhaltig gestalten. Gleichzeitig bestehen bei der Nutzung digitaler Methoden vielfach Defizite bei Zielklarheit, Indikatorenbezug, Interoperabilität, Datenverfügbarkeit und gesellschaftlicher Integration. Hinzu kommt, dass der demographische Wandel die Lage im Umweltschutz weiter verschärft: Zahlreiche Ingenieur- und Planungsbüros, Umweltgutachter sowie Fachstellen in Verwaltungen und Beratungspraxis stehen vor altersbedingten Abgängen, während qualifizierter Nachwuchs fehlt.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sieht daher einen zunehmenden Bedarf, Umweltaufgaben durch Nutzung digitaler Prozesse trotz Fachkräftemangels effizient zu bewältigen. Zugleich sieht sie in der dynamischen Entwicklung digitaler Technologien die Chance, innovative und wirksame Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur nachhaltigen Landnutzung zu entwickeln. Die DBU versteht Digitalisierung dabei ausdrücklich als Instrument zur Förderung der ökologischen Wirkung, nicht als Selbstzweck.

Vor diesem Hintergrund besteht ein besonderer Bedarf, digitale Technologien gezielt so weiterzuentwickeln und einzusetzen, dass sie konkrete ökologische Wirkungen entfalten und gleichzeitig bestehende Kapazitätsengpässe in Planung, Vollzug und Bewirtschaftung adressieren. Mit dem Förderinitiative „Smart Nature – Digitale Innovationen für eine nachhaltige Landnutzung“ adressiert die DBU praxisnahe digitale Lösungen für nachhaltige Landnutzung.

Ziel der Förderinitiative

Ziel der Förderinitiative ist die Entwicklung, Erprobung und Überführung interoperabler, skalierbarer und verstetigungsfähiger digitaler Anwendungen für zentrale Umweltziele der Landnutzung. Die digitalen Entwicklungen sollen einen messbaren Beitrag zum Umweltschutz in der Landnutzung leisten und zugleich die Umsetzung von Umweltaufgaben in Planung, Vollzug und Bewirtschaftung erleichtern.

Der Fokus liegt insbesondere auf den Themenfeldern Biodiversität (Erfassung, Monitoring und Management), Klimaanpassung und Wasserhaushalt (Dürre-, Hitze- und Starkregen-Vorsorge sowie Wasserrückhalt und -nutzung) sowie Bodenschutz (Erosion, Bodenfeuchte und Standortbewertung).

Gefördert werden praxisnahe Modell- und Pilotvorhaben mit klarer Umweltwirkung, messbaren Indikatoren und hoher Anschlussfähigkeit in die Praxis. Die Vorhaben sollen offene Schnittstellen, geeignete Datenstandards und, wo möglich, Open-Source-Komponenten vorsehen und eine Übertragbarkeit auf andere Regionen und Anwendungsfelder sicherstellen. Die Umweltwirkungen sollen projektangemessen beschrieben und, soweit möglich, durch geeignete Indikatoren nachvollziehbar dargestellt werden.

Förderfähig sind insbesondere Vorhaben, die digitale Technologien gezielt zur Erfassung, Bewertung und Steuerung ökologischer Prozesse einsetzen. Die folgenden thematischen Schwerpunkte beschreiben zentrale Anwendungsfelder des Förderaufrufs. Die genannten Beispiele sind nicht abschließend und dienen der inhaltlichen Orientierung.

Thematischen Schwerpunkte der Förderung

Biodiversität

Gefördert werden digitale Anwendungen, die Ingenieur- und Planungsbüros, Kommunen und andere Praxisakteure dabei unterstützen, biologische Vielfalt effizient, nachvollziehbar und standardisiert zu erfassen, zu bewerten und in Planungs- und Entscheidungsprozesse zu integrieren. Beispielhafte Ansätze sind:

  • Digitale Werkzeuge zur Unterstützung von Kartierungen und Artenschutzprüfungen, z. B. durch Vorstrukturierung von Erfassungsdaten oder KI-gestützte Auswertung von Bild-, Audio- oder Drohnendaten
  • Anwendungen zur automatisierten Aufbereitung biodiversitätsbezogener Daten für Gutachten, Ausgleichs- und Ersatzkonzepte.
  • Digitale Lösungen zur Dokumentation und Fortschreibung von Maßnahmen- und Monitoringkonzepten, einschließlich indikatorbasierter Erfolgskontrollen.
  • Kommunale oder regionale Biodiversitäts-Dashboards, die Monitoring- und Kartierungsdaten bündeln und für Aufgaben der Landschaftsplanung, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sowie für Berichts- und Nachweispflichten nutzbar machen.
  • Schnittstellenlösungen, die Biodiversitäts- und Monitoringdaten strukturiert und automatisiert in bestehende Planungs-, GIS- oder Fachanwendungen integrieren.
Klimaanpassung

Gefördert werden digitale Anwendungen zur Bewertung, Planung und Umsetzung klimaangepasster Land- und Wassernutzung, die den Umgang mit Dürre-, Hitze- und Starkregenereignissen erleichtern. Der Fokus liegt auf lokal und regional anwendbaren Lösungen mit hoher Praxisrelevanz. Beispielhafte Ansätze sind:

  • Entscheidungshilfen in Planungsprozessen, z. B. zur Auswahl von Maßnahmen bei Dürre- oder Starkregenrisiken.
  • Digitale Werkzeuge zur Integration klimabezogener Daten in Planungs- und Genehmigungsunterlagen.
  • Anwendungen zur laufenden Überprüfung und Anpassung umgesetzter Maßnahmen auf Basis aktueller Klima- und Standortdaten.
Bodenschutz

Gefördert werden digitale Anwendungen zur standortbezogenen Bewertung und Planung bodenschonender Bewirtschaftung in land- und forstwirtschaftlichen sowie planerischen Kontexten. Beispielhafte Ansätze sind:

  • Digitale Werkzeuge zur schnellen Standortbewertung im Rahmen von Planungs-, Beratungs- oder Genehmigungsprozessen.
  • Anwendungen zur Prognose und Bewertung bodenbezogener Risiken, etwa Erosion oder Verdichtung.
  • Digitale Lösungen zur Dokumentation bodenbezogener Maßnahmen und ihrer Wirkung.
Qualitätssicherung digitaler Umweltanwendungen

Gefördert werden Vorhaben, die die Qualität, Transparenz und ökologische Aussagekraft digitaler Umweltanwendungen sichern und damit die fachliche Absicherung in Planung, Vollzug und Genehmigung verbessern. Beispielhafte Ansätze sind:

  • Validierungs- und Prüfkonzepte zur Nachvollziehbarkeit digitaler Bewertungen in Gutachten und Planunterlagen.
  • Standardisierte Dokumentations- und Berichtsmodule für den behördlichen Vollzug und die Fachaufsicht.
  • Wirkungsvergleiche digitaler und konventioneller Arbeitsweisen im Rahmen konkreter Leistungsbilder.

Antragstellung

Die Förderinitiative richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie an Kooperationen zwischen Praxisakteuren und Forschungseinrichtungen. Einzelanträge von KMU sind ausdrücklich erwünscht. Zu den antragsberechtigten Akteuren zählen insbesondere:

Bitte beachten Sie die aktuellen Förderleitlinien der DBU. Unter Projektförderung – DBU finden Sie alle wichtigen Informationen für Ihre Antragstellung.

Hier finden Sie thematisch passende Projektbeispiele:

Kontakt

Dr. Steffen Walther
DBU: Umweltforschung: Landnutzung und Digitalisierung
+49 541 9633-340