Keywords: Bildung für nachhaltige Entwicklung, SDGs, Klimawandel, Nachhaltigkeitskompetenzen, Planetary Health, Citizen Science
Gegenstand und Ziele des Projektes
Im staatlichen slowakischen Bildungsprogramm für Schulen ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ein Wahlfach. Obwohl das Wahlfach hinsichtlich seiner Ziele und Bildungsstandards klar definiert ist, sind in der Praxis mehrere Herausforderungen zu beobachten: ein Mangel an Bildungsmaterialien, ein Mangel an Attraktivität sowie theorielastige Formate. Programme zu BNE in der Slowakei sind veraltet und konzentrieren sich auf einfache Kompetenzen wie Mülltrennung und allgemein bekannte Fakten. Sie schöpfen das Potenzial der Schüler*innen nicht aus, fordern sie nicht zu komplexem, problemlösungsorientiertem Denken heraus. Sie präsentieren Informationen meist ohne erweiterten Kontext, ohne Fokus auf aktuelle Lösungsoptionen, ohne Einsatz moderner / digitaler Werkzeuge, ohne Fokus auf das eigene Konsumverhalten (als Lösungsansatz), ohne Fokus auf die Klimakrise (Maßnahmen zur Klimawandelanpassung eingeschlossen). Solche Aspekte sollten zukünftig im schulischen Kontext Berücksichtigung finden. Ziel des Vorhabens war es, ein komplexes, praktisches Modell der ganzjährigen informellen BNE für Schüler*innen der Primar- und Sekundarstufe (Alter 6 bis 15 Jahre) zu entwickeln, zu testen und als festes Bildungsangebot in der Slowakei einzuführen. Im Mittelpunkt stand die Thematik Nachhaltiger Konsum. Zu dieser Thematik sollte die Förderung von BNE in Schulen modellhaft erprobt, die Attraktivität von BNE in Schulen erhöht und Capacity Building bei Lehrkräften über Weiterbildungen erreicht werden.
Im Projekt wurden folgende Aktivitäten umgesetzt:
Das Bildungsprogramm mit Modulen für Schüler*innen der Primarstufe und Sekundarstufe sowie mit Fortbildungsmodulen für Lehrkräfte wurde auf folgende drei Schlüsselthemen fokussiert:
Für die Primarstufe wurde das Programm „Akademie der Nachhaltigkeit – Junioren“ für Schüler*innen im Alter von 6 bis 10 Jahren entwickelt. Im Rahmen des Programms wurde Schüler*innen ein Zugang zu Informationen und zu praktischen Aktivitäten im Thema Nachhaltiger Konsum eröffnet. Ziel war es, dass die Schüler*innen praktische Erfahrungen hinsichtlich nachhaltigerer Handlungsoptionen sammeln können und sich mit der Thematik über das Klassenzimmer hinaus, in der Schule, in der Familie oder in der Gemeinschaft befassen.
Für die Sekundarstufe wurde das Programm „Akademie der Nachhaltigkeit – Profis“ entworfen. Zielgruppe sind hier Schüler*innen im Alter von 11 bis 15 Jahren. Das Programm zielte auf eine praktische Heranführung an die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft, der nachhaltigen Entwicklung und des verantwortungsvollen Konsumverhaltens in der Praxis. Hierbei sollten sie z. B. ein „Nachhaltigkeitsaudit“ in der Schule umsetzen und bewerten, welche Handlungsalternativen z. B. in den Bereichen Energie / Energieeffizienz, Beschaffung, Verpflegung, Mobilität erwogen werden könnten. Ergebnisse des Audits wurden mit externen Akteur*innen und Expert*innen erörtert und zu den Themen selbst organisierte Veranstaltungen wie z. B. Workshops, Tauschbörsen u. ä. für Mitschüler*innen und Lehrkräfte realisiert, die folgende Themen fokussierten:
Beide Programme wurden im Rahmen der Ganztagsbetreuung realisiert. Die Inhalte wurden jedoch so aufbereitet, dass sie auch in den Regelunterricht eingebettet werden können. Die Website wird über den Förderzeitraum hinaus mit neuen Materialien und Inhalten aktualisiert. Bereits im Projektzeitraum erreichte sie ca. 700 Schüler*innen und Lehrerkräfte. Mit den Online-Fortbildungen wurden im Projektzeitraum ca. 50 Lehrerkräfte erreicht.
Innovation und Modellhaftigkeit des Projektes
Aus dem Projekt resultiert ein umfassendes, integriertes, praktisches und praxiserprobtes Modell der ganzjährigen Bildung, welches es in der Slowakei derzeit nicht gibt. Die Programme sind Schüler*innen-zentriert, es sollen Kompetenzen, und Selbstwirksamkeit gestärkt werden. Lehrende agieren als „Coaches“. Die in der Slowakei einzigartige Website zum Projekt, enthält nicht nur Materialien für Lehrkräfte, sondern auch Aktivitäten für Schüler*innen. Der innovative Charakter des Projekts liegt auch in seiner Praxisnähe und Interaktivität. Die Schüler*innen hatten die Möglichkeit, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Praxis zu erleben und an der Umsetzung der Grundsätze in einem schulischen Umfeld zu partizipieren. Sie organisierten Veranstaltungen für ihre MitschülerInnen und erprobten die Organisation, Kommunikation und Koordinierung dieser Aktionen / Veranstaltungen (Bücher-SWAP, Kleider-SWAP, Workshops für Mitschüler*innen, Upcycling-Workshop, Erprobung der Funktionsweise des Wiederverwendungszentrums in der Schule).
Besondere Aspekte des Projektes
Ein wichtiger Bestandteil der Programme ist die Kooperation außerschulischer Akteur*innen mit Lehrkräften im Rahmen von Fortbildungen und im Kontext eines Mentorings der zu entwickelnden und zu erprobenden Programme. Ein integraler Teil der Lehrkräftefortbildung war u. a. die Partizipation der Lehrkräfte an der Entwicklung von Materialien und Aktivitäten. Derdeutsche Antragsteller, die Ruhr-Universität Bochum (RUB), Abteilung Geographiedidaktik trug im Vorhaben Verantwortung für die fachliche und fachdidaktische Beratung bei der Entwicklung von Materialien sowie methodischer Handbücher und Bildungspläne für die Lehrkräfte. Er übernahm die methodische und didaktische Beratung bei der Erprobung und Evaluation der entwickelten Materialien in den ausgewählten Schulen und die Verbreitung der Materialien und Bildungsangebote auch in Deutschland.




Förderthema 1: Nachhaltigkeitskommunikation, -bildung und -bewertung
Projektdurchführung:
Wirkungsort: Slowakei
Förderzeitraum: Juni 2024 bis Dezember 2025
Projektkosten: Gesamtvolumen: 274 570 Euro, Förderung durch DBU: 174 456 Euro
DBU-AZ: 39482
Stand: 10.03.2026