Mit dem Meeresnaturschutzfonds verfügt die DBU dauerhaft über Mittel in Höhe von rund zehn Millionen Euro jährlich, um Projekte zu fördern, die sich dem Schutz und der Bewahrung der Meeresökosysteme in Nord- und Ostsee widmen.
Seit dem Start Ende November 2024 sind bereits acht Projekte in die Förderung gegangen. Sechs weitere Förderprojekte wurden im Juni 2026 bewilligt. Im Stipendienschwerpunkt Meeresschutz gelangten bereits acht Vorhaben zur Förderung. Zwei Projektbeispiele finden sich untenstehend.
Weitere Informationen gibt es im DBU-Jahresbericht.
Zudem lädt die DBU ein zur Meeresnaturschutzkonferenz 2027.
Kieselalgen der Ostsee als Bioindikatoren
Benthische, das heißt am Gewässergrund lebende Kieselalgen sind mikroskopisch klein. Aber: Sie leisten bis zu 30 Prozent der Photosynthese in Küstenökosystemen, stabilisieren Sedimente und sind Nahrungsquelle für wirbellose Tiere. Und sie reagieren durch ihre glasartigen Zellwände besonders empfindlich gegenüber Umweltveränderungen. Das macht sie zu qualifizierten Bioindikatoren, beispielsweise für Erwärmung, Überflutung und Schleppnetzfischerei.

Ziel eines dreijährigen Vorhabens der Universität Rostock, der Universität Duisburg-Essen sowie des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums der Freien Universität Berlin ist es, eine Referenzdatenbank für benthischen Kieselalgen in der Ostsee aufzubauen, die so noch nie für eine Mikroalgengruppe umgesetzt wurde. Dazu werden mikroskopische Techniken, molekulare Ansätze sowie KI-basierte und digitale Bildanalysen kombiniert. Ein besonderer Fokus liegt auf dem eDNA-Metabarcoding. Diese Methode nutzt Spuren von Erbmaterial in der Umwelt (eDNA = environmental DNA), die Lebewesen durch Ausscheidungen oder über die Körperoberfläche im Lebensraum hinterlassen haben. So können sogar invasive und neue Kieselalgen-Spezies identifiziert werden – eine wichtige Grundlage für zukünftiges Biodiversitätsmonitoring.
DBU-Promotionsvorhaben zu bedrohten Haien in Nord- und Ostsee

Stipendiat Lennart Voßgätter widmet sich in seinem DBU-Promotionsvorhaben im Stipendienschwerpunkt Meeresschutz dem starken Rückgang pelagischer Haie. Diese Haiarten leben in offenen Meeren und kommen nicht am Meeresboden, an Küsten oder in Riffen vor.
Ihr Rückgang stellt eine zentrale Herausforderung für den Meeresschutz dar, denn sie gehören aufgrund von Überfischung zu den bedrohten Arten. Seit 1970 sind ihre Populationen innerhalb von 50 Jahren um mehr als 70 Prozent zurückgegangen.
Als Räuber haben sie eine regulierende Funktion innerhalb der Nahrungskette und tragen wesentlich zur ökologischen Stabilität der Ökosysteme bei. Im Fokus der Untersuchungen liegen der Blauhai, der unter anderem in der deutschen unter anderem Nord- und Ostsee verbreitet war, und der Heringshai, der in der Nordsee heimisch war. Beide gelten als stark gefährdete und ökologisch bedeutsame Arten.
Bestehende Schutzmaßnahmen haben bisher kaum Erfolge gezeigt, weil das nötige Wissen über wichtige Lebensräume, saisonale Wanderwege und die Verbindungen zwischen verschiedenen Populationen in europäischen Gewässern fehlt. Ziel des Promotionsvorhabens ist es Daten zu erfassen, um diese Lücke zu schließen.
Das Vorhaben verbindet Konzeptentwicklung, Feldbeobachtungen und moderne Ortungstechnologien, um den Schutz dieser Arten in europäischen Gewässern zu verbessern.
Informationen zum Vorhaben unter: https://www.dbu.de/promotionsstipendium/20026-004/