Meere leisten Enormes: Sie binden Kohlendioxid, produzieren Sauerstoff, regulieren das Klima und bieten Lebensraum für unzählige Arten. Damit es so bleibt, braucht es gezielte Schutzmaßnahmen. Genau hier setzt die Förderung der DBU an.
Seit Ende November 2024 steht der Stiftung für den Schutz von Nord- und Ostsee ein neues Instrument zur Verfügung: der DBU-Meeresnaturschutzfonds. Durch eine Zustiftung des Bundesumweltministeriums in Höhe von 400 Millionen Euro konnte die DBU ein neues Förderthema aufbauen. Die Mittel stammen aus Ausgleichszahlungen für Lizenzen zum Bau von Offshore-Windenergieanlagen (OWEA) gemäß dem Windenergie-auf-See-Gesetz.
Mit dem Fonds verfügt die Stiftung nun dauerhaft über Mittel in Höhe von rund 10 Millionen jährlich, um Projekte zu fördern, die sich dem Schutz und der Bewahrung der Meeresökosysteme in Nord- und Ostsee widmen. Ziel ist es, gefährdete Tierarten zu schützen, marine Lebensräume zu erhalten oder wiederherzustellen und gleichzeitig innovative, nachhaltige Technologien für den ökologischeren Ausbau der Offshore-Windkraft zu fördern. Der Ausbau von Windkraft auf See ist notwendig, um die Energiewende und Klimaziele zu erreichen, wobei Meeresnaturschutz als Teil einer naturverträglichen Lösung eine zentrale Rolle spielt.
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde zieht ein Jahr nach Start des DBU-Meeresnaturschutzfonds Bilanz und erläutert Ziele sowie Hintergründe des neuen Förderthemas.
Durch den Ausbau der Offshore-Windenergie werden die Meeresökosysteme in Nord- und Ostsee belastet. Um die Schäden zu kompensieren, zahlen „bezuschlagte Anbieter“ fünf Prozent der gebotenen Summe zweckgebunden für den Meeresnaturschutz. So sieht es das Gesetz „zur Entwicklung und Förderung- der Windenergie auf See“ vor. Das Geld fließt zweckgebunden als „Meeresnaturschutzkomponente“ in den Bundeshaushalt. Davon gingen 400 Milliarden als Zustiftung an die DBU, in den Meeresnaturschutzfonds.
Die DBU warb mit Beginn des Jahres 2025 Projektideen für den Meeresnaturschutzfonds ein. Gefördert werden Projekte, die gefährdete marine Arten wie Stör, Lachs, Aal, Hai oder Rochen schützen, Lebensräume wie Riffe und Seegraswiesen erhalten oder wiederherstellen und die Durchgängigkeit relevanter Einzugsgebiete verbessern. Auch naturverträgliche Entwicklungen beim Bau, Betrieb und Rückbau von Offshore-Windanlagen sowie der Abbau kumulativer Wirkungen anderer Nutzungen werden unterstützt. In Einzelfällen können außerdem innovative Methoden für Monitoring, Partizipation und Kommunikation im Meeresnaturschutz gefördert werden. Alle Informationen zu Fördermöglichkeiten und den entsprechenden Rahmenbedingungen sind im Förderthema „Meeresnaturschutzfonds“ gebündelt.
Im Laufe des Jahres 2025 kamen bereits acht Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von rund fünf Millionen Euro in die Förderung.
Ziel des Projekts ClanSea des Alfred-Wegener-Instituts ist es, den Bestand der Chinesischen Wollhandkrabbe einzudämmen und damit zum Erhalt der Biodiversität sowie zum Schutz der Ästuar- und Flussökosysteme beizutragen. Durch Barrieren in Flussmündungen soll die weitere Ausbreitung der invasiven Art gestoppt und damit ökologische sowie wirtschaftliche Schäden vermieden werden.
Fördersumme: 174.913 Euro
Mehr Infos: Bekämpfung der invasiven Wollhandkrabbe mit Barrieren
Das Projekt des BUND Meeresschutzbüro Bremen hat zum Ziel, Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Biodiversität auf der Doggerbank zu entwickeln. Als Grundlage dafür werden die historische Entwicklung und der aktuelle Zustand der Biodiversität sowie die Auswirkungen anthropogener Aktivitäten erfasst. Darauf aufbauend werden konkrete Maßnahmen unter Einbindung von Behörden, Politik und Stakeholdern identifiziert.
Fördersumme: 1.164.277 Euro
Mehr Infos: Wiederherstellung des Internationalen Lebensraumes Doggerbank (WILD)
Um das bisherige Engagement bei der Wiederansiedlung von Lachs und Forelle in der Weser zu stärken, setzt die Fakultät Natur und Technik der Hochschule Bremen auf eine stärkere Koordinierung der beteiligten Akteure. Ergänzt wird das Vorhaben durch ein wissenschaftliches Monitoring zur Erfolgskontrolle.
Fördersumme: 174.995 Euro
Mehr Infos: Wiederansiedlung und Schutz von Lachs und Meerforelle
Im Rahmen des Vorhabens der Universität Rostock wird eine Referenzdatenbank für benthische Kieselalgen der Ostsee aufgebaut. Dafür werden erstmals mikroskopische Verfahren, genetische Analysen (eDNA) und KI-gestützte Bildauswertung miteinander kombiniert. Die so entwickelte Methode macht benthische Kieselalgen erstmals systematisch als Bioindikatoren nutzbar.
Fördersumme: 578.613 Euro
DBU-AZ: 40616
Weitere Infos: Kieselalgen der Ostsee: Innovatives Biodiversitätsmonitoring mit eDNA und KI
In dem Projekt der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg wird erstmals das Flugverhalten von Singvögeln an Offshore-Windparks mit der Motus-Radiotelemetrie untersucht. Dabei werden Flugwege und Flugverhalten einzelner Vogelarten innerhalb der Windparks erfasst. Auf Grundlage der Ergebnisse sollen gemeinsam mit Windparkbetreibenden Maßnahmen entwickelt werden, um mögliche negative Auswirkungen auf Singvögel zu verringern.
Fördersumme: 1.143.975 Euro
Weitere Infos: Singvögel an Offshore-Windparks: Innovative Monitoringmethoden für Artenhilfsmaßnahmen
Das Projekt EcoBilge zielt darauf ab, die illegale Einleitung von ölhaltigem Bilgenwasser aus kleineren Schiffen ins Meer zu verhindern. Dazu wird ein praxistaugliches technisches System zur Ölabscheidung entwickelt, das durch begleitende Untersuchungen zu Umweltwirkungen, rechtlichen Rahmenbedingungen und Nutzerverhalten ergänzt wird.
Fördersumme: 174.977 Euro
Weitere Infos: Verbesserung der Bilgenwasserentölung kleiner und mittelgroßer Schiffe
Bei der Produktion von grünem Wasserstoff aus Meer- oder Brackwasser fallen Salzlaken an, die sensible Küstenökosysteme belasten können. Das Alfred-Wegener-Institut hat ein Verfahren entwickelt, das das Cyanobakterium Spirulina nutzt, um dem Wasser das Salz zu entziehen. Das Ziel des DBU-Projekts ist es, den Energieverbrauch bei der Anzucht der Mikroalgen mithilfe eines automatisierten Beleuchtungssystems deutlich zu senken.
Fördersumme: 172.553 Euro
Weitere Infos: Energieeffiziente Mikroalgenzucht für grünen Wasserstoff
Das Projekt des BUND Landesverbands Niedersachsen untersucht, welche Auswirkungen der Ausbau der Offshore-Energieinfrastruktur auf das Wattenmeer hat und wie ökologische Konflikte gemindert werden können. Dazu werden bestehende Infrastrukturen analysiert, Nutzungskonflikte erfasst, Szenarien modelliert und ein interaktives Entscheidungshilfesystem entwickelt.
Fördersumme: 1.168.441 Euro
Weitere Infos: Entwicklung naturverträglicher Strategien für den Ausbau der Offshore-Energieinfrastruktur im deutschen Küstenmeer
Das Thema Meeresnaturschutz begleitete uns durch das Jahr 2025 und stand bei verschiedenen Veranstaltungen im Mittelpunkt. Hier gibt es einen Rückblick auf die Highlights.
Am 19. Dezember 2024 fiel der Startschuss für den DBU-Meeresnaturschutzfonds. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde enthüllte in Berlin gemeinsam mit der damaligen Bundesumweltministerin Steffi Lemke das Logo für das neue Förderthema. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte am 3. Juli 2024 beschlossen, einen Teil der Auktionserlöse für Offshore-Windkraft-Lizenzen, die für den Meeresnaturschutz gedacht sind, bei der Bundesstiftung Umwelt zweckgebunden anzulegen.
Mehr Infos im Newsletter DBUaktuellDas Team der DBU war bei der „Nationalen Meereskonferenz 2025“ vertreten und stellte dort den DBU-Meeresnaturschutzfonds vor. Gemeinsam mit dem Blue Action Fund (BAF) zeigte das Team im Rahmen eines Side-Events am 6. Mai 2025, wie Stiftungen den Meeresschutz dauerhaft finanzieren können, und tauschte mit den Teilnehmer*innen erste Erfahrungen aus. Das Interesse an der neuen Fördermöglichkeit war dabei groß.
„Wir brauchen für den Klimaschutz dringend mehr Windenergie. Andererseits ist der Ausbau von Windkraftanlagen in unseren Meeren ein massiver Eingriff. Insofern sind wir froh, dass es mit dem Meeresnaturschutzfond eine zusätzliche Möglichkeit gibt, gemeinsam mit der Wirtschaft zu schauen, wie wir diesen inner-ökologischen Konflikt in Zukunft besser organisiert bekommen“, sagte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde anlässlich der Konferenz im Gespräch mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb).
Das Interview in voller LängeAuf der Jahrespressekonferenz am 16. Juli 2025 stellte die DBU ihr neues Förderthema „Meeresnaturschutzfonds“ vor. “In Deutschland steht nun mit dem DBU-Meeresnaturschutzfonds eine dauerhafte und nachhaltige Förderung zur Verfügung, um künftig die Meeresökosysteme in Nord- und Ostsee zu bewahren“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Dr. Stefanie Moorthi aus dem Referat Meeresnaturschutz machte deutlich, „dass wirksame Maßnahmen dazu beitragen können, marine Arten- und Lebensgemeinschaften zu schützen und zu erhalten.“ Nun gehe es darum, innovative und modellhafte Projekte zu fördern, die die Ziele des Meeresnaturschutzfonds wirksam voranbringen, schloss Abteilungsleiter Dr. Maximilian Hempel sich ihren Ausführungen an. „Wir freuen uns sehr auf die eingehenden Projektanträge.“
PressemitteilungDen Auftakt im Rahmen des „Meeresnaturschutzfonds“ bildete im August 2025 ein Projekt des Alfred-Wegener-Instituts zur Bekämpfung der invasiven Wollhandkrabbe. Wenig später folgte ein Vorhaben der Hochschule Bremen zur Wiederansiedlung von Lachs und Forelle in der Weser, über das wir im Newsletter DBUaktuell berichteten. Insgesamt erhielten 2025 acht Projekte eine Förderzusage. Die Fördersumme für alle Projekte beträgt rund fünf Millionen Euro.
Mehr zum Wollhandkrabben-ProjektIm Rahmen ihres Promotionsstipendienprogramms hat die DBU einen interdisziplinären Förderschwerpunkt eingerichtet. Dieser orientiert sich an den Zielen der UN-Ozeandekade und widmet sich den Herausforderungen des Schutzes von Nord- und Ostsee im Spannungsfeld von Nutzung und Belastung. Seit September 2025 können sich deutsche Hochschulabsolvent*innen um eine Förderung bewerben. Gesucht werden Promotionsvorhaben aus einem breiten Themenspektrum des marinen Umweltschutzes – von biodiversitäts- und technologiebasierten Ansätzen bis hin zu gesellschaftlichen, ökonomischen und kommunikativen Fragestellungen.
So funktioniert der StipendienschwerpunktWie der Konflikt zwischen dem Schutz von Nord- und Ostsee und der Nutzung dieses sensiblen Lebensraums gelöst werden kann, stand im Mittelpunkt des Parlamentarischen Abends am 30.09.2025 in Berlin, zu dem die DBU gemeinsam mit der Freien Hansestadt Bremen eingeladen hatte. Die Diskussion zeigte, dass es bereits erste Projekte gibt, die Hoffnung machen, zugleich aber viele offene Fragen bestehen, die evidenzbasierte Entscheidungen erfordern. Deutlich wurde auch: Nur im Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft lässt sich eine tragfähige Balance zwischen Klima- und Meeresnaturschutz erreichen.
Mehr Infos im Newsletter DBUaktuellDie DBU war auf der 30. Klimakonferenz (COP30) in Belem ab Mitte November mit einem Team vor Ort und Gastgeberin zweier Side-Events im German Climate Pavillon: Während es am 17. November in dem Side Event „The Peatland Breakthrough: From Evidence to Action um die Wiedervernässung und Wiederherstellung von Mooren ging, standen am 18. November die Ozeane im Vordergrund. Bei der DBU-Veranstaltung „Scaling up marine nature conservation and climate solutions“ wurde thematisiert, wie Ozeane als Speicher für CO₂ geschützt und genutzt werden können, und wie man erneuerbare Energie-Projekte wie Offshore-Wind umweltverträglich gestaltet – ein Thema, das sich sowohl auf den Klimaschutz als auch auf Meeresökosysteme bezieht.
Mehr dazu in DBUaktuellEin Jahr Meeresnaturschutzfonds liegt nun hinter uns – ein Jahr mit wertvollen Impulsen und konstruktiven Gesprächen. Für den intensiven Austausch und die vielfältige Unterstützung, die maßgeblich dazu beigetragen haben, das Profil des Fonds zu schärfen, bedankt sich die Projektgruppe Meeresnaturschutzfonds herzlich und freut sich auf weitere spannende Förderanträge.

Die Kontaktdaten der Ansprechpartner*innen zum Meeresnaturschutzfonds finden Sie hier.