Umweltpreis-Ausgezeichnete unterstützen Frankfurter Erklärung

Engagement für die biologische Vielfalt vor dem Weltnaturgipfel in Montreal: Wissenschafts- und Nichtregierungsorganisationen fordern Schulterschluss von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um das Wirtschaften gegen die Natur zu beenden.

Eine Woche vor Beginn der 15. Vertragsstaatenkonferenz zur biologischen Vielfalt (CBD COP15) im kanadischen Montreal fordert ein Bündnis deutscher Wissenschafts- und Nichtregierungsorganisationen in der sogenannten „Frankfurter Erklärung“, das Wirtschaften gegen die Natur zu beenden. Die Organisationen stellen in ihrem Positionspapier Forderungen an die Bundesregierung und die Europäische Union, damit der Weltnaturgipfel ein Erfolg wird. Sie erwarten beispielsweise ein verpflichtendes Biodiversitäts-Reporting von Unternehmen als ein konkretes Ergebnis der Konferenz. Die Politik müsse sicherstellen, dass Unternehmen und Finanzinstitutionen ihre Biodiversitäts-Auswirkungen und -Abhängigkeiten messen. In der Erklärung machen die Organisationen konkrete Vorschläge, um eine naturverträgliche Wirtschaft zum Standard zu machen. Dabei bieten sie ihre Expertise an, um die dringendste Herausforderung der Menschheit zu bewältigen – die „Zwillingskrise“ aus Biodiversitätsverlust und Klimawandel.

Die Natur stellt Nahrung und Rohstoffe, sie reguliert das Klima, Stoffkreisläufe sowie Erosion und bietet Raum für Erholung und Bildung. Der volkswirtschaftliche Gesamtwert dieser „Dienstleistungen“ wird auf eine Größenordnung von 170 bis 190 Billionen US-Dollar pro Jahr geschätzt. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft treten nun in der „Frankfurter Erklärung“ gemeinsam für den Erhalt der Artenvielfalt und ein naturverträgliches Wirtschaften ein. Rosengren/ZGF

Mitunterzeichnende sind mehrere Trägerinnen und Träger des Deutschen Umweltpreises der DBU, darunter der aktuelle Preisträger Dr. Christof Schenck, die Makroökologin Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese (Deutscher Umweltpreis 2021) und die Meeresbiologin Prof. Dr. Antje Boetius (Deutscher Umweltpreis 2018). Der Umweltpreisträger des Jahres 2015, Prof. Dr. Johan Rockström, begleitet die Initiative. Ein weiterer Unterzeichner ist der DBU-Kuratoriumsvorsitzende Prof. Dr. Kai Niebert.

Globale Vereinbarung historischen Ausmaßes nötig – Deutschland mit Vorreiterrolle

Umweltpreisträger Schenck sagte anlässlich der Veröffentlichung der Frankfurter Erklärung am Dienstag, 29. November 2022: „Wir brauchen dringend eine Trendwende! Nach der ernüchternden Bilanz des soeben zu Ende gegangenen Weltklimagipfels in Sharm el-Sheikh gilt dies umso mehr für den Weltnaturgipfel in Montreal. Nötig ist eine verbindliche, globale Vereinbarung historischen Ausmaßes zum Schutz der Natur. Sie muss den Rahmen setzen, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, mit und nicht gegen die Natur zu wirtschaften und geschädigte Natur wiederherzustellen!“

Das Bündnis hinter der Frankfurter Erklärung hat sich zum Ziel gesetzt, alle nötigen Voraussetzungen für ein natur-positives Unternehmenshandeln zu schaffen. Dabei sieht es Deutschland in einer Vorreiterrolle. Als viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt hat die Bundesrepublik einen enormen „Biodiversitäts-Fußabdruck": Die globalen Wertschöpfungsketten deutscher Unternehmen beeinflussen die Natur in erheblichem Maße und tragen vielfach zu ihrer Zerstörung bei. Zudem gebe es kaum ein Land mit mehr wissenschaftlichen Erkenntnissen, flächendeckenden Biodiversitätsdaten und ambitionierten Initiativen zum weltweiten Naturschutz, so die Forschenden in ihrer Erklärung.


Den kompletten Text der Frankfurter Erklärung mit den Unterzeichnenden finden Sie hier: https://frankfurter-erklaerung.eu/

Mehr zum Thema lesen Sie in einer Pressemitteilung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Foto: DBU/Peter Himsel

Sehen Sie hier das Videostatement von Umweltpreisträger Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Weitere Statements unter https://frankfurter-erklaerung.eu/videostatements/

Text: PM Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Verena Menz, Titelbild: Daniel Rosengren/ZGF