Förderinitiative „Textile KreislĂ€ufe“

BetriebsĂŒbergreifende Lösungen fĂŒr textile KreislĂ€ufe

Die Förderinitiative „BetriebsĂŒbergreifende Lösungen fĂŒr textile KreislĂ€ufe“ wird bis MĂ€rz 2023 fortgesetzt: Sie richtet sich insbesondere an kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen (KMU). AusdrĂŒcklich erwĂŒnscht sind Kooperationsprojekte zwischen KMU und Forschungseinrichtungen. Projektskizzen können bis einschließlich 31.03.2023 hier eingereicht werden.

Die Förderinitiative „Textile KreislĂ€ufe“ ist Teil des DBU-Förderschwerpunktes #DBUcirconomy.

Der schonende und effiziente Umgang mit Ressourcen ist eine Kernaufgabe heutiger und kĂŒnftiger Generationen. Mit dieser Herausforderung ist auch die Textilindustrie in Deutschland konfrontiert. Ob nun fĂŒr den Heim- oder Bekleidungsbereich, im Bausektor oder beim Fahrzeugbau: Die derzeitige Textilwirtschaft funktioniert ĂŒberwiegend linear. Notwendig ist daher eine Alternative zum herkömmlichen linearen „take – make – waste“-Konzept, das zahlreiche negative ökologische und gesellschaftliche Auswirkungen mit sich bringt. Anstatt wertvolle und endliche Rohstoffe zu gewinnen, Produkte daraus herzustellen und am Ende der Nutzung als Abfall zu entsorgen, bedarf es einer KreislauffĂŒhrung, die alle Stufen des Lebenszyklus eines Produktes berĂŒcksichtigt und bereits beim Design an das spĂ€tere Recycling denkt (Design for Recycling). Als eine derartige, umfassende Lösung wird die Circular Economy diskutiert.

Der sogenannte RESOLVE-Ansatz (acatech 2019) benennt sechs Teilaspekte der Circular Economy: REgenerate (erneuerbare Ressourcen nutzen), Share (Nutzergruppe erweitern), Optimize (Abfall vermindern, Energie-/Materialeffizienz erhöhen), Loop (Wiederverwertung), Virtualize (Ersetzen durch Digitalisierung/Virtualisierung) und Exchange (Ersetzen durch ressourcenschonende Alternativen). Neben diesen vorrangig im B2B-Bereich angesiedelten AnsÀtzen spielt das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher eine zentrale Rolle, um das Ziel einer Circular Economy zu erreichen.

Die Umwandlung bestehender linearer in zirkulĂ€re textile Wertschöpfungssysteme bietet Start-ups und etablierten Unternehmen neben einem erheblichen Umweltentlastungspotenzial Chancen fĂŒr die Weiterentwicklung ihrer GeschĂ€ftsmodelle. Hindernisse sind neben technischer und rechtlicher hĂ€ufig auch organisatorischer Natur. FĂŒr eine KreislauffĂŒhrung stellen die bestehenden wechselseitigen Beziehungen zwischen Lieferantinnen/Lieferanten, Produzentinnen/Produzenten, HĂ€ndlerinnen/HĂ€ndlern, Aufbereiterinnen/Aufbereitern, Logistikerinnen/Logistikers und Nutzerinnen/Nutzer vielfach HĂŒrden dar, die eine KreislauffĂŒhrung erschweren. Oft fehlt es zudem an transparenten und zielgruppenrelevanten Informationen ĂŒber Angebote auf der einen Seite und zu Anforderungen und Kriterien auf der Nachfrageseite. Wichtige Erfolgsfaktoren fĂŒr die Entwicklung zirkulĂ€rer KreislĂ€ufe sind eine ganzheitliche Betrachtung, digitale Lösungen (z. B. Plattformen oder MarktplĂ€tze) sowie geeignete und fĂŒr die etablierten Unternehmen meist neue GeschĂ€ftsmodelle. Ganz entscheidend ist das Zustandekommen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von Akteurinnen und Akteuren in der Wertschöpfungskette auf Entscheidungsebene.

Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, durch innovative technische und gleichzeitig wirtschaftlich realisierbare LösungsansĂ€tze sowie durch neuartige Bildungs- und Qualifizierungsformate zur Schließung ĂŒberbetrieblicher ressourceneffizienter Produkt-, Material- und StoffkreislĂ€ufe zu gelangen. Es sollen Wertschöpfungsnetze und Kaskadensysteme fĂŒr Produkte, Komponenten und Materialien ermöglicht werden. FörderfĂ€hig sind insbesondere innovative, modellhafte Projekte, die zeitnah in die Praxis ĂŒberfĂŒhrt werden können und sich u. a. durch eines oder mehrere der folgenden Merkmale auszeichnen:

  1. Einrichtung unternehmensĂŒbergreifender Kooperationen, in denen z. B.
    • Altprodukte zurĂŒckgefĂŒhrt und wiederverwendet werden (z. B. Reverse-Logistik),
    • Anforderungen an kreislaufgerechtes und recyclingfĂ€higes Design ĂŒberbetrieblich etabliert und genutzt werden,
    • die Lebensdauer von Produkten verlĂ€ngert wird (Reinigung/Reparatur/Refurbish/Repair/Re-Use),
    • innovative, praxistaugliche Sharing-, Pfand- und Leasingkonzepte realisiert werden,
    • die Energie- und Materialeffizienz in WertschöpfungskreislĂ€ufen gesteigert wird,
    • Verbundmaterialien durch Mono-Materialien ersetzt werden,
    • RecyclingsansĂ€tze wie Trennschichten fĂŒr Multimaterialien entwickelt und so KreislĂ€ufe ermöglicht werden,
    • kreislauffĂ€hige Materialinnovationen entwickelt werden sowie
    • (Neben- und Abfall-)Produkte und Stoffe eines Unternehmens als Input-Material fĂŒr ein anderes Unternehmen genutzt werden.
  2. Innovative GeschĂ€ftsmodelle zur Überwindung von Hemmnissen fĂŒr eine hochwertige KreislauffĂŒhrung von Textilien.
  3. Bereitstellung und Nutzung von Produkt- und Materialinformationen, z. B. mittels digitaler Plattformen, Produkt-/MaterialpĂ€ssen, Kennzeichnung, Fingerprinting, ĂŒberbetriebliche Standards fĂŒr Recyclingprodukte.
  4. IT-basierte Lösungen fĂŒr die Umsetzung von GeschĂ€ftsmodellen wie Sharing-Konzepten oder Kollaborationsplattformen.
  5. Neuartige Bildungs- und Kommunikationskonzepte im Bereich der beruflichen Bildung (Berufsorientierung, Aus-, Fort- und Weiterbildung) sowie im Bereich der schulischen und außerschulischen Nachhaltigkeitsbildung unter Erprobung und Nutzung neuer, digitaler Medien möglichst unter Einbezug von Partnerinstitutionen der Praxis und der BerĂŒcksichtigung der LehrkrĂ€ftequalifizierung.
  6. Aufbau neuer und innovative Erweiterung bereits bestehender (Bildungs-/Qualifikations-)Netzwerke zur Umsetzung zirkulÀrer AnsÀtze.
  7. Innovative Recycling- und Sortierprozesse zur werkstofflichen und rohstofflichen RĂŒckfĂŒhrung textiler Produkte in den Kreislauf.
  8. Innovative EntfĂŒgetechnologien und Verarbeitungsverfahren fĂŒr Materialmischungen.
  9. Aufbau neuer kreislauffĂ€higer Textil-Logistiken, wie z. B. RĂŒcknahmekonzepte, Pfandsysteme, digitale Materialverfolgungssysteme, digitale Kennzeichnung und smarte SammelbehĂ€lter.

Das Einreichungsverfahren fĂŒr Projekte im Rahmen der „Förderinitiative Circular Economy“ ist vorrangig fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Forschungseinrichtungen offen. AusdrĂŒcklich erwĂŒnscht sind Kooperationsprojekte zwischen KMU und Forschungseinrichtungen; die Beteiligung weiterer Akteurinnen und Akteure (z. B. Großunternehmen) ist möglich, ebenso die Einbindung internationaler Partnerinnen und Partner der Lieferkette. Es gelten die Förderleitlinien der DBU in der aktuellen Fassung. Hier geht es zur Antragstellung.

Einreichungsfrist fĂŒr Projektskizzen ist der 31.03.2023. Bitte kennzeichnen Sie die Projektskizze zu dieser Förderinitiative im Titel mit „FI TEX“, um die korrekte elektronische Zuordnung sicherzustellen.

Im Rahmen des DBU-Promotionsstipendienprogramms können StipendienantrĂ€ge zu dem Themenkomplex gestellt werden. Die Einreichungsfristen fĂŒr StipendienantrĂ€ge sind der 15. Januar und der 15. Juni (siehe https://www.dbu.de/stipendien_promotion).

Bei Fragen zur Ausschreibung nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.

Beispielhafte Projekte der Förderinitiative

Kontakt

Dr. Volker Berding
DBU: Umweltforschung: Ressourcenmanagement
+49 541 9633-310
Dr. Melanie Kröger
DBU: Umweltforschung: ZirkulÀre Wirtschaft und Bioökonomie
+49 541 9633-322
Dr. Thomas Pyhel
DBU: Umweltkommunikation und KulturgĂŒterschutz, Internationale Förderung: Informelle Bildung und Medien
+49 541 9633-432
Dr. Michael Schwake
DBU: Umwelttechnik: Umwelt- und gesundheitsfreundliche Verfahren und Produkte
+49 541 9633-212