MOE-Fellowship

Michaela Sladova

Luchs, Wolf, Wildkatze - Fragmentierung der Landschaft und Habitatwahl

Das vorliegende Projekt beschĂ€ftigt sich mit dem Schutz großer Raubtiere und der Wildkatze im Nationalpark Bayerischer Wald. Das Wissen ĂŒber die Verbreitung bestimmter Arten und ihre AnsprĂŒche an den Lebensraum sind beispielsweise wichtig, um geeignete Habitatmodelle zu erstellen. In meinem Projekt habe ich zunĂ€chst beim Luchsmonitoring mitgearbeitet, weil diese Daten eine Grundlage zur Erstellung des Habitatmodells sind. Außerdem wurden Daten ĂŒber Wolf und Wildkatze gesammelt.

Die Methoden werden in zwei Bereiche unterteilt:

1/ Monitoring der Beutegreifer

Je mehr Daten zur VerfĂŒgung stehen, desto besser werden die entsprechenden Habitatmodelle. In unserem Fall wurden vier unterschiedliche Methoden verwendet. Die wichtigste Methode zur Erfassung der individuell gezeichneten Luchse ist heute das Fotofallen-Monitoring. Fotos von guter QualitĂ€t ermöglichen eine genaue Identifikation der Tiere anhand des individuell markanten Fellmusters. Im MĂ€rz haben wir einige Kamerastandorte kontrolliert, um Batterien und SD-Karte zu wechseln.

Eine andere Methode ist die Verwendung von Infrarotkameras. Dazu wird die natĂŒrliche WĂ€rmeabstrahlung von WarmblĂŒtern genutzt, um die Wildtiere in der DĂ€mmerung und Nacht zu detektieren. Dabei bewegte ich mich im Auto auf einer Linie (Transekt) und nahm alle sichtbaren Wildtiere auf. Die Daten gab ich in eine Software ein, mit der die Abundanz und Dichte der Tiere berechnet werden kann. Eine weitere Monitoringmethode sind Lockstöcke mit Lockstoff. Das Luchsmonitoring mit der Lockstock-Methode begann im April. 44 Stöcke mit Fotofallen wurden systematisch zwischen Rachel und Falkenstein aufgestellt. Vom 7.4. bis 30.4.2017 wurde mit Baldrian gearbeitet, danach haben wir die Lockstöcke bis zum 28.5.2017 mit Rotluchs-Urin besprĂŒht. Eine neue Methode im Wildtiermonitoring ist der Einsatz von Suchhunden zum Auffinden von Wildtierkotproben. Die Datenaufnahme begann im MĂ€rz/April 2017. Das Gebiet des Nationalparks Bayerischer Wald wurde in 44 verschiedene Transekte unterteilt. Die ausgewĂ€hlten Transekte reprĂ€sentieren verschiedene Landschaftsnutzungsformen, menschliche EinflĂŒsse, Höhen ĂŒber dem Meeresspiegel und topographische KomplexitĂ€t. Unser „Monitoringteam“ bestand aus einem Hund, dem Coach des Hundes, und mir. Ich war verantwortlich fĂŒr die Orientierung auf dem Transekt.

2/ Habitatmodellierung - MAXENT

Der Luchs ist eine perfekte Leitart um eine Habitatmodellierung zu erstellen. Er besitzt eine mittlere AusbreitungsfĂ€higkeit und hat hohe AnsprĂŒche an seinen Biotop. Dauerhaft besiedelt der Luchs in geringer Dichte geeignete Habitate von mehreren hundert Quadratkilometern FlĂ€chenausdehnung. Dieses Projekt setzt den Fokus darauf, ein Habitatmodell fĂŒr Mitteleuropa zu entwickeln, das mit Hilfe der Maxent Methode simuliert und analysiert wird. Als Grundlage eines effektiven und umfangreichen Habitatmodells wurden Telemetriedaten verwendet. In meinem Projekt lag ein Augenmerk auch darauf, die Streifgebiete der Luchse zu untersuchen.

Zusammengefasst kann man durch das Habitatmodell erkennen, dass einerseits genug potenziell geeignete LebensrĂ€ume in Zentraleuropa vorhanden sind, andererseits die Kerngebiete aufgrund Zersiedelung und Zerschneidung isoliert sind. Die Verbindung der Kerngebiete, kann nur durch Vernetzung auf Basis ĂŒberregionaler Wanderkorridore quer durch Europa erreicht und sichergestellt werden, um den genetischen Austausch zwischen lokalen Populationen gewĂ€hrleisten zu können.

Im Rahmen dieser AktivitĂ€ten nahm ich an verschiedenen Veranstaltungen teil. Das Jahr 2017 gilt als ein „Wolfsjahr“ in Bayern. Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand vorhersagen, ob sich Wölfe in Bayern etablieren können. Mit Hilfe einer DNA-Analyse und einem Fotofallenbild wurde nachgewiesen, dass sich ein Wolfspaar im Nationalpark Bayerischer Wald aufhĂ€lt. Da eventuell Wolfsnachwuchs zu erwarten ist, blicken die Wissenschaftler gespannt auf den Herbst. Der Bayerische Jagdverband veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Akademie fĂŒr Jagd und Natur und der Wildland-Stiftung Bayern am 6. und 7. April 2017 ein Symposium zum Thema „Große Beutegreifer – Luchs und Wolf“. WĂ€hrend des Symposiums hatten wir auch eine Tagung mit Wissenschaftler aus dem Nationalpark Ć umava. Ende April lud der Nationalpark zur Internationalen Konferenz ĂŒber Waldnaturschutz („Temperate and Boreal Forest Conservation in a rapidly changing world“) ein. Ich nahm an der Konferenz teil und war Mitglied im Organisationskomitee. WĂ€hrend der Konferenz wurde mein Poster ausgestellt. Ich besuchte einige Veranstaltungen der wissenschaftlichen Vortragsreihe der Nationalparkverwaltung u. a. ĂŒber die Wölfe in Bayern – Status, Management, Perspektiven von Walter Joswig (Bayerisches Landesamt fĂŒr Umwelt).


Übersicht

Förderzeitraum

07.02.2017 - 06.02.2018

Institut

Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald Sachgebiet Naturschutz und Forschung

Betreuer

Prof. Dr. Marco Heurich

Kontakt

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