Projekt 40698/01

Stakeholderqualifizierung im Regional Mobility Lab – Ländliche Mobilität interaktiv erleben und gestalten

Projektdurchführung

KLIMA ARENA
Klimastiftung für Bürger
Dietmar-Hopp-Str. 6
74889 Sinsheim

Zielsetzung

Die Mobilitätswende im ländlichen Raum bleibt trotz zahlreicher Aktivitäten in Städten deutlich zurück: Der motorisierte Individualverkehr dominiert, Wege sind lang, der ÖPNV lückenhaft und alternative Angebote oft unattraktiv. Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche, Senior:innen und Menschen ohne eigenes Auto, deren Zugang zu Bildung, Versorgung und gesellschaftlicher Teilhabe eingeschränkt ist. Gleichzeitig fehlen im öffentlichen Diskurs positive, alltagsnahe Leitbilder dafür, wie zukunftsfähige Mobilität in ländlich geprägten Regionen konkret aussehen kann – mit konkreten, erprobbaren Lösungsansätzen für die Fläche abseits der Städte.

Vor diesem Hintergrund setzt das Regional Mobility Lab gezielt an zwei Defiziten an: dem Mangel an anschaulich vermittelten, realistischen Lösungsbildern für nachhaltige ländliche Mobilität und der bislang begrenzten Möglichkeit für Bürger:innen, ihre Mobilitätsbedürfnisse systematisch in Planungsprozesse einzubringen. Die umweltrelevanten Probleme – insbesondere hohe verkehrsbedingte CO₂-Emissionen pro Kopf, Flächenverbrauch und verkehrsbedingte Belastungen im ländlichen Raum – werden im Projekt mit konkreten Alternativen verknüpft, die zeigen, wie ein klimaverträgliches Mobilitätssystem in der Region aussehen kann.

Ziel des Vorhabens ist es, die Mobilitätswende in der Metropolregion Rhein-Neckar mit Fokus auf den ländlichen Raum zu unterstützen und damit verkehrsbedingte Emissionen dauerhaft zu senken. Dafür werden erstens zwei interaktive Exponate entwickelt, die Zusammenhänge von Mobilität, Raumstruktur und Klimaschutz anschaulich vermitteln, Verhaltensreflexion anstoßen und nachhaltige Alternativen erfahrbar machen. Zweitens werden über das Exponat „Alltags-Atlas“ kontinuierlich Daten zu Alltagswegen, Hindernissen und Wünschen der Besucher:innen erhoben, aufbereitet und über den Verband Region Rhein-Neckar in die kommunale und regionale Mobilitätsplanung eingespeist. Drittens werden zielgruppenspezifische Bildungsangebote und Fortbildungen für Schüler:innen, Lehrkräfte, Kommunen und Unternehmen umgesetzt, um Handlungskompetenz zu stärken und die im Projekt entwickelten Ansätze in bestehende Strukturen zu verankern.

Damit verbindet das Regional Mobility Lab Umweltbildung, datenbasierte Partizipation und Planungspraxis in einem modellhaften Ansatz, der explizit auf Übertragbarkeit in andere Regionen ausgelegt ist.

Arbeitsschritte

Die Projektteams von KLIMA ARENA und studio klv stehen in allen Planungsphasen in engem Austausch. Zu Beginn wurden Anforderungen sowie Ziele für eine nachhaltige Umsetzung und die Gewinnung weiterer Partner festgehalten. Es wurden DBU-geförderte und weitere Mobilitätsprojekte analysiert. Das Projekt „Sensor Kids“ beteiligte Kinder als Co-Forschende, stellte aber keine direkte Schnittstelle zur Planungspraxis her, worin das Potential des Regional Mobility Labs liegt. Im Rahmen des Projekts „Partizipatives Umweltkommunikationskonzept“ wurden Befragungsergebnisse in die Reform der Straßenverkehrsordnung eingebracht. Deutlich wird die Notwendigkeit einer engen Abstimmung mit Projektpartnern, um durch Beteiligung keine unrealistischen Erwartungen zu wecken. Das Projekt „Nachhaltige Verwaltung der Zukunft“ zeigt, dass Mitfahr- und Sharing-Angebote im ländlichen Raum weiterhin schwer umsetzbar sind. Die Akzeptanzstudie „Nachhaltige Mobilität im Quartier“ liefert Erkenntnisse zu mono- und multimodalem Mobilitätsverhalten. Das Tool „mobi.mapr“ gibt Anhaltspunkte für mögliche Kartenebenen an den Exponaten. Der „Climate Action Navigator“ dient mit seinem Co-Creation-Prozess mit lokalen Akteuren als Inspiration. „MobiData BW“ liefert wertvolle standardisierte und gebündelte Mobilitätsdaten. Für die Entwicklung zentraler Spielmechaniken, Berechnungsgrundlagen und Darstellungen wurden Erkenntnisse aus diesen Projekten sowie der Studie „Mobilität in Deutschland 2023“ herangezogen.
Über eine Bildungsplananalyse wurde die Anknüpfung an die Zielgruppen definiert. Der Schwerpunkt für die Exponate liegt auf der Sekundarstufe I. Ergänzend dazu sollen Bildungsformate für die Primarstufe und die Sekundarstufe II sowie Berufsschüler entstehen. Über konkrete Bildungsplanbezüge hinaus ist übergeordnetes Ziel, Handlungsmöglichkeiten für alle Altersstufen aufzuzeigen und Selbstwirksamkeit für Kinder und Jugendliche erfahrbar zu machen.

Die Zusammenarbeit mit externen Partnern ist zentral für eine bedarfsgerechte Entwicklung sowie Umweltwirkung. Der Verband Region Rhein-Neckar wirkt an der Ausgestaltung von inhaltlichen Fragestellungen, technischen Schnittstellen oder der Planung der gemeinsam ausgerichteten Konferenz mit. Um Wirksamkeit auf verschiedenen planerischen Ebenen zu entfalten, findet ein Austausch mit der Stadt Sinsheim auf kommunaler Ebene sowie dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar zu Inhalt, Übermittlung und Nutzung der in der Ausstellung erhobenen Feedbackdaten statt.

Sensor Kids (DBU-Projektdatenbank)Nachhaltige Verwaltung der Zukunft (DBU-Projektdatenbank)Nachhaltige Mobilität im Quartier (DBU-Projektdatenbank)Partizipatives Umweltkonzept (DBU-Projektdatenbank)Mobilität in Deutschland

Ergebnisse

Die vorliegende vorläufige Ausführungsplanung zeigt, dass die angestrebten Vermittlungsziele in ein differenziertes und zielgruppengerechtes Exponatkonzept übersetzt werden konnten. Die tatsächliche Verständlichkeit, Nutzbarkeit und Wirkung werden nach Inbetriebnahme überprüft. Besonders wertvoll ist die Kombination aus experimentellem Spielen im fiktiven ländlichen Raum und der Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Alltagswegen in der realen Umgebung. Die Komplexität der Mobilitätsplanung – etwa Parameter wie Klimafreundlichkeit, Mobilitätsgerechtigkeit und Investitionskosten – lässt sich heruntergebrochen darstellen. Eine Aushandlung dieser Zielkonflikte wird dadurch ermöglicht und das Spannungsfeld aufgezeigt. Einzelne Arbeitsschritte wurden im Projektverlauf zeitlich angepasst. Der Gesamtzeitplan sowie der geplante Mitteleinsatz bleiben davon unberührt.



Das Regional Mobility Lab wird durch die Zusammenarbeit mit starken Partnern aus unterschiedlichen Bereichen fachlich begleitet. Der Verband Region Rhein-Neckar unterstützt das Projekt durch seine regionale Vernetzung und seine Expertise. Die Stadt Sinsheim bringt die Perspektive der konkreten kommunalen Planungspraxis ein. Die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg bringt Erfahrungen aus der Beratung von Kommunen zu nachhaltiger Mobilität ein. Mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar wurde ein Partner für den öffentlichen Nahverkehr gewonnen. Gemeinsam wird erarbeitet, wie Erkenntnisse aus dem Projekt und Rückmeldungen der Besuchenden für den fachlichen Austausch und die Weiterentwicklung nachhaltiger Mobilitätsangebote in der Region nutzbar werden. Eine für 2027 geplante Konferenz soll den Austausch mit weiteren Kommunen und Akteuren vertiefen. Von den Partnern wurden jedoch auch begrenzte Handlungsspielräume signalisiert. Die Überführung von Impulsen in konkrete Maßnahmen ist an unterschiedliche Zuständigkeiten gebunden. Haushaltslagen, politische Schwerpunktsetzungen, formale Planungsprozesse sowie der Zeithorizont von Investitionsmaßnahmen können die Optimierung von Mobilitätsangeboten einschränken. Diese Rahmenbedingungen sind für den Projekterfolg sowie für das Erwartungsmanagement bei Besuchenden zu berücksichtigen. Dennoch kann das Projekt eine wertvolle Grundlage liefern, um die Daten bei wechselnden Rahmenbedingungen intensiver nutzen zu können. Wahrgenommene Barrieren, Wünsche und positive Beispiele werden sichtbar und diskutierbar und dienen als Gesprächsanlass für Fachakteure.

Übersicht

Fördersumme

175.000,00 €

Förderzeitraum

01.01.2026 - 30.04.2027

Bundesland

Baden-Württemberg

Schlagwörter

Umweltkommunikation