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Pflanzenkohle bietet – unter Einhaltung qualitativer Standards in der Herstellung – die vielversprechende Möglichkeit, Landwirtschaft klimafreundlicher und resilienter zu gestalten. Voraussetzung ist, dass keine Konkurrenzen zu höherwertigeren Verwertungen pflanzlicher Reststoffe entstehen.
Umweltnützliche Potenziale von Pflanzenkohle ergeben sich insbesondere im Bereich der Bodenverbesserung hinsichtlich Nährstoffversorgung, vermindertem Düngemittelbedarf sowie verbesserter Wasserverfügbarkeit und -haltekapazität. Potenziale bestehen auch als Filtermaterial in der Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung. Mögliche Anwendungsbereiche liegen hier etwa in der Behandlung von Regenwasser, Siedlungs- und Industrieabwässern. Durch die stabile Bindung von Kohlenstoff im Boden trägt Pflanzenkohle nicht zuletzt zur langfristigen CO2-Sequestrierung bei und stellt gegenüber der vielerorts aktuell praktizierten ungesteuerten Entsorgung pflanzlicher Reststoffe über Verbrennung ein „Upcycling“ dar.
Die Wirkung von Pflanzenkohle hängt stark von der Qualität, Dosierung und Einbettung in bestehende Agrarsysteme und Habitate ab. Für die sach- und fachgerechte Herstellung sind daher die Anwendung und Einhaltung etablierter Standards notwendig (z. B. European Biochar Standards), wie auch erweiterte Kompetenzen in Rohstoffkunde, Verfahrenstechnik/Pyrolyse, Analytik und Qualitätssicherung, Umwelt- und Rechtsfragen sowie Anwendungstechnik in der Praxis.
Im DBU-Projektcluster „Pflanzenkohle“ soll ein Länder-Scoping zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand der Pflanzenkohleproduktion und -anwendung sowie den Einfluss von Forschungs- und Entwicklungsprojekten für die dortigen Transformations- und Innovationsprozesse verschaffen. Über vertiefende Länderstudien und konkrete Umsetzungsprojekte können diese Potenziale dann von sachkundigen Akteur*innen vor Ort weiterführend ausgelotet, entwickelt und aktiviert werden (siehe Eigenverantwortlichkeit laut Kapitel XVI der Verfahrensbestimmungen in den Förderleitlinien der DBU).
Bei möglichen Förderinitiativen soll besonderes Augenmerk auch auf die Aus-, Fort- und Weiterbildung der eingebundenen Akteure in den Bereichen Biomassenutzung sowie Pflanzenkohleherstellung gelegt werden. Projekte, die einen physischen Herstellungsprozess für Pflanzenkohle beinhalten, beschreiben im Förderantrag das Sicherheitskonzept (Eingangsströme, Verarbeitungsverfahren, Pflanzenkohleprodukte und deren Anwendungen, Prozessnebenströme, Zulassungsfragen, Prozessüberwachung hinsichtlich Arbeitssicherheit und Toxikologie/Ökotoxikologie). Eine Systematik für regelmäßige Analysen der genutzten Biomasse und der erzeugten Pflanzenkohle durch eine unabhängige Institution ist einzuplanen. Vorhaben, die sich auf eine Förderung bewerben, müssen hierfür entsprechende Projektmittel einkalkulieren.
Der regionale Fokus für diesen internationalen Förderschwerpunkt liegt in der DBU-Zielregion in Mittelost- und Südosteuropa. Hier könnte der Einsatz von Pflanzenkohle die erosionsanfälligen und – durch intensive Landnutzung und Trockenperioden – teilweise sehr nährstoffarmen und semi-ariden Böden qualitativ aufwerten. Des Weiteren werden hier vor allem in den ländlichen Gebieten Potentiale zur Verbesserung der Wasserqualität gesehen, insbesondere dort, wo absehbar keine zentralen und hochtechnologischen Behandlungssysteme implementiert werden können.
Aufruf zur Interessenbekundung an nationale Expert*innen und Organisationen: Erstellung von Länderstudien zum Thema Pflanzenkohle in mittelost- und südosteuropäischen Ländern
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) beabsichtigt, Länderstudien zum Potenzial der nachhaltigen Produktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenkohle aus landwirtschaftlichen Reststoffen zu vergeben.
Die Arbeiten sind Teil des internationalen DBU-Förderclusters „Umweltnützliche Potenziale und Anwendungen von Pflanzenkohle aus landwirtschaftlichen Nebenströmen“. Die Technische Universität Berlin (TU Berlin) ist die begleitende Forschungseinrichtung für das Cluster.
Zielländer: Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Estland, Ungarn, Kosovo, Lettland, Litauen, Moldawien, Montenegro, Nordmazedonien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien und Ukraine. Für Albanien wird aktuell eine Länderstudie als Proof of Concept durchgeführt.
Rahmen und Zweck
Jede Studie soll einen strukturierten Überblick über die aktuelle Situation sowie Chancen und Hindernisse für Pflanzenkohle aus landwirtschaftlichen Reststoffen im jeweiligen Land liefern: Ausgangsmaterialien, Technologien, Anwendungsmöglichkeiten, ökologische Auswirkungen, realistische Optionen für eine zukünftige Skalierung und potentiell aussichtsreiche Geschäftsmodelle für die nachhaltige Produktion und nachhaltige Anwendung von Pflanzenkohle. Die Studien werden dazu beitragen, Prioritäten für zukünftige Forschungs- und Umsetzungsprojekte in den Ländern zu identifizieren.
Die Studien orientieren sich an einer von der DBU und der TU Berlin bereitgestellten Vorlage. Die Autor*innen können darüber hinaus länderspezifische Aspekte hinzufügen, sollten jedoch die Standardstruktur beibehalten, damit die Ergebnisse länderübergreifend vergleichbar sind. Die Studien sind in englischer Sprache zu verfassen.
Qualifikation der Autor*innen
Expert*innen oder Organisationen sollten im jeweiligen Land Expertise und Zugang zu Daten, Literatur und Akteuren in mehreren der folgenden Bereiche mitbringen: Pflanzenkohle, Biomasse, Land- und Forstwirtschaft, Abfall- und Reststoffwirtschaft, Technologie, Umweltverträglichkeitsprüfung, Märkte, Politik.
Sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen können sich bewerben.
Budget und Zeitplan
Budget: Bis zu 10 000 Euro pro Länderstudie
Dauer: bis zu 5 Monate
Studienbeginn: 1. Quartal 2027
Output
Strukturierte Länderstudie gemäß der DBU/TU Berlin-Vorlage, basierend auf Daten, Literatur und Beiträgen thematisch involvierter Stakeholdergruppen.
Interessiert, eine Länderstudie durchzuführen?
Nehmen Sie an der kommenden Informationsveranstaltung teil, um mehr über den Rahmen, die Anforderungen und die nächsten Schritte zu erfahren.
Informationsveranstaltung
Datum: 15. Oktober 2026
Uhrzeit: 11:30 – 13:00 Uhr
Sprache: Englisch