Großformatige Lehmsteine: Nachhaltig und wirtschaftlich bauen

Mit dem Erscheinen der DIN-Norm 18940 im Juni 2023 ist die Anwendung von tragendem Lehmsteinmauerwerk bis einschließlich Gebäudeklasse 4 zulässig. Das umfasst Gebäude mit einer Höhe von bis zu 13 Metern und Nutzungseinheiten mit jeweils maximal 400 m².

Entwicklung industriell gefertigter Lehmsteine für den Neubau

Auf dieser Grundlage konnte das Unternehmen Kimm aus Hessen im Rahmen eines DBU-Projekts großformatige Lehmsteine für den Neubau entwickeln. Bis dahin standen keine industriell gefertigten Lehmsteine für tragendes Mauerwerk zur Verfügung; das Projekt untersuchte und entwickelte deren Herstellung für nachhaltige und wirtschaftliche Gebäude.
Im Zentrum standen dabei nicht nur die Produktion selbst, sondern die gesamte Prozesskette – von der Auswahl geeigneter Sekundärlehme aus dem Kiestagebau über die Aufbereitung und Formgebung bis hin zu Trocknung, Lagerung und Verarbeitung. Untersucht wurden insbesondere die Materialeigenschaften sowie die Einflussfaktoren wie Korngröße, Tonmineralogie und Feuchtegehalt. Ergänzend wurde ein Qualitätssicherungssystem aufgebaut und der Herstellungsprozess ökologisch bewertet.

Industrielle Herstellung in bestehenden Werken möglich

Das Ergebnis: Lehmsteine können in bestehenden Kalksandsteinwerken industriell bis zu einem Format von 16 DF gefertigt werden. Dabei handelt es sich um großformatige Mauersteine mit etwa 50 cm Länge und rund 25 cm Höhe. Die entwickelten Produkte erfüllen die normativen Anforderungen und eignen sich für tragendes Mauerwerk im Neubau. Eine begleitende Ökobilanz schafft zudem die Grundlage für eine spätere Umweltproduktdeklaration und damit für verlässliche Planungs- und Entscheidungsgrundlagen.

Durchbruch für den Lehmbau: DIN 18940

Die DIN 18940 ist eine Norm, die im Rahmen eines DBU-geförderten Forschungsprojekts des Bundesamtes für Materialforschung entwickelt wurde und erstmals die Bemessung sowie Anwendung von tragendem Lehmmauerwerk im Neubau regelt, wodurch Lehm als vollwertige Bauweise auch im mehrgeschossigen Bauen technisch und normativ zulässig wird. Mehr Infos zum Projekt gibt es hier.

Fazit

Damit zeigt das Projekt eindrücklich: Lehm ist nicht nur ein traditioneller Baustoff, sondern kann – richtig industrialisiert – zu einem zentralen Baustein für klimafreundliches und ressourcenschonendes Bauen werden. Die Ergebnisse leisten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der DIN 18940 und zur Markteinführung nachhaltiger Lehmbauweisen im großformatigen Wohnungsbau.

Projektdurchführung 
Kimm GmbH & Co. KG
Waberner Str. 39
34590 Wabern

DBU-AZ: 38358

Förderzeitraum: 01.04.2023 – 01.10.2025