Tragfähiges Bauen mit Lehm: Bemessungsgrundlagen für Lehmmauerwerk auf Basis von DIN EN 1996/NA

Druckversuch an einem Lehmmauerwerkprobekörper – RILEM © BAM

Lehm gilt als klimafreundlicher Baustoff mit sehr guter CO₂-Bilanz: Die Herstellung von Lehmsteinen versursacht beispielsweise bis zu 75 % weniger C02-Emissionen im Vergleich zu gebrannten Ziegeln. Zudem sind Baustoffe aus Lehm vollständig recycelbar und ermöglichen eine geschlossene Kreislaufführung der eingesetzten Materialien. Trotz dieses Potenzials wurde Lehmmauerwerk bislang nur eingeschränkt eingesetzt, da bestehende Regelwerke den Einsatz stark begrenzen.

Wissenschaftliche Grundlagen für tragfähiges Lehmmauerwerk

Im DBU-Projekt untersuchte die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) gemeinsam mit der TU Darmstadt und dem Ingenieurbüro ZRS die mechanischen Eigenschaften und die Tragfähigkeit von Lehmmauerwerk. Ziel war es, die wissenschaftlichen Grundlagen für eine praxisgerechte Normung zu schaffen und damit den Einsatz eines besonders nachhaltigen Baustoffs im Bauwesen deutlich zu erleichtern. Das Ergebnis zeigt: Das Tragverhalten von Lehmmauerwerk ist mit konventionellen Mauerwerksarten vergleichbar. Zudem verfügt Lehm über eine hohe Fähigkeit zur Feuchteaufnahme und -abgabe und trägt damit zu einem ausgeglichenen Raumklima bei.

Neue DIN 18940 ermöglicht Einsatz im Neubau

Die im DBU-Projekt durchgeführten Untersuchungen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) gemeinsam mit der TU Darmstadt und dem Ingenieurbüro ZRS führten zu einer neuen DIN-Norm für Lehmmauerwerk. Damit ist Lehmmauerwerk künftig für Gebäude mit bis zu vier Vollgeschossen zulässig. Planungsbüros erhalten erstmals eine verlässliche Grundlage für die technische Anwendung, gleichzeitig wird der Weg für eine breitere Markteinführung klimafreundlicher Lehmprodukte geebnet. Insbesondere im Wohnungsbau, in dem in Deutschland der Großteil der Gebäude in Mauerwerksbauweise entsteht, eröffnet dies erhebliche Potenziale für mehr Klimaneutralität. Mit der neuen DIN 18940 nimmt Deutschland eine internationale Vorreiterrolle im Lehmbau ein.

Projektdurchführung 
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Unter den Eichen 87
12205 Berlin

DBU-AZ: 34599

Förderzeitraum: 01.05.2019 – 30.11.2022