Aktivierung der Hochmoorregeneration durch Ansiedlung von Bulttorfmoosen

Aktenzeichen 34436/01
Abschlussbericht:
Projektträger: Stiftung Lebensraum Moor
Tannenhof 16
49377 Vechta
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 04441 9792-57
Internet: https://www.stiftung-lebensraum-moor.de
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Aktivierung der Hochmoorregeneration durch Ansiedlung von Bulttorfmoosen (AktiMoos)
Die Regeneration von stark degradierten Hochmooren zu funktionell intakten Ökosystemen ist
langwierig und nur über lange Zeiträume erreichbar. Ein Schlüsselfaktor hierbei ist die erfolgreiche
(Wieder-)Ansiedlung von Bulttorfmoosen. Aufgrund der vielfach beobachteten Ausbreitungslimitierung
von Bulttorfmoosen ergibt sich die Notwendigkeit der gezielten Einbringung, um eine Entwicklung zu
lebenden Hochmoorökosytemen überhaupt erst zu ermöglichen. Laufende Untersuchungen haben
gezeigt, dass die Etablierung dieser Schlüsselarten als Voraussetzung für eine Aktivierung der
Hochmoorregeneration unter heutigen Rahmenbedingungen grundsätzlich möglich ist. Für die Umsetzung
fehlen der Renaturierungspraxis allerdings noch grundlegende Handlungsempfehlungen zu
zielführenden Maßnahmen, die den Aufwand sowohl aus praktischen als auch naturschutzfachlichen
Gründen rechtfertigen. Es stellt sich dabei vor allem die Frage nach einem effizienten Einsatz von
Spendermaterial und dem optimalen Zeitpunkt für die Aktivierung entsprechend der jeweiligen
standörtlichen Gegebenheiten. Für die Praxis von besonderer Bedeutung sind hier einfach zu
erhebende Indikatoren, anhand derer Maßnahmen individuell auf einzelne Flächen zugeschnitten und
die nach Umsetzung für die Maßnahmenevaluation und das Monitoring verwendet werden können.
Neben der Identifikation der für die Etablierung von Bulttorfmoosen günstigen standortökologischen
Faktoren umspannt das Projekt Tests zur Steigerung der Erfolgsquote von Ansiedlungsmaßnahmen
auch auf Flächen mit gegenwärtig weniger guten Ausgangsbedingungen. Diese Maßnahmen zur
Verbesserung des Etablierungserfolgs umfassen verschiedene Aspekte, insbesondere die
Abmilderung von negativen Auswirkungen ungünstiger hydrologischer Verhältnisse. Dies beinhaltet
die Anlage und Überprüfung der Wirksamkeit von aktiv gestalteten Mikroreliefstrukturen als
Ansiedlungsflächen für Bulttorfmoose auf zeitweise überstauten Flächen (in der Regel frühe
Sukzessionsstadien) im Vergleich zum gezielten Beimpfen von natürlicherweise vorzufindenden
Vegetationsstrukturen (in späteren Sukzessionsstadien). Die Versuche zur Identifikation optimaler
Etablierungsbedingungen und geeigneter Techniken setzen dabei modellhaft auf zwei im „Ober-
Unterfeld-Verfahren“ abgetorften Flächen an. Aufgrund der durch das Abbauverfahren nebeneinander
vorliegenden unterschiedlichen Sukzessions-stadien bieten sich günstige Voraussetzungen für eine
vielseitige Erprobung von Etablierungstechniken unter Praxisbedingungen. Da die Wirksamkeit
solcher zusätzlichen Strukturen aber in erster Linie die Hydrologie betrifft, sind die gewonnenen
Erkenntnisse grundsätzlich auch auf mit anderen Verfahren abgetorften Flächen übertragbar.
Ergänzend zu den relativ jungen, teilweise vegetationslosen Unterfeldern, werden bereits über längere
Zeiträume renaturierte Flächen sowie Freilandvermehrungsfelder als Referenz für Optimal-
Bedingungen zur umfassenden Beurteilung des erzielbaren Etablierungserfolgs ergänzend
untersucht. Damit soll zudem die Übertragbarkeit bislang gewonnener Erkenntnis zur erfolgreichen
Vermehrung von Bulttorfmoosen vom kleinen zum großen Maßstab im Freiland überprüft werden und
die Verfügbarkeit von Spendermaterial für eine Ausbringung auf größerer Skala sichergestellt werden.
Das Projekt liefert somit wichtige Erkenntnisse für die praktische Umsetzung von Ansiedlungsmaßnahmen
und entwickelt Konzepte für eine effektive Implementierung in die gängige Renaturierungspraxis
nach Abtorfung mit verschiedenen Verfahren. Darüber hinaus werden zur Charakterisierung der
Klimawirkung etablierter Bulttorfmoose umfangreiche Gasflussmessungen durchgeführt. Ziel der
Maßnahmen soll die frühestmögliche Aktivierung einer umfassenden Regeneration der wichtigsten
Ökosystemfunktionen von Hochmooren sein. Hierzu liefert das Projekt wichtige Hinweise zu
geeigneten Indikatoren für die Erfolgskontrolle der Maßnahmen. Durch einen intensiven
Fachaustausch mit nahverwandten Projekten wird ein relevanter Beitrag zu aktuellen
Moorschutzprogrammen aber auch zur Lösung von zukünftigen Problemen, in Anbetracht neuer
Herausforderungen bei der Moorrenaturierung angestrebt. Die Ergebnisse werden in Form eines
Praxisleitfadens für Akteure des Moorschutzes zusammengefasst.

Förderzeitraum: 01.01.2019 - 31.12.2021 (2 Jahre und 12 Monate)
Fördersumme: 208.819,00
Förderbereich: 12
Stichworte: Moor
Publikationen: