Entwicklung eines Softwaremoduls zur Prognose von Ruhezeiten für Erdbestattungen unter Berücksichtigung pedologischer, klimatischer und standortspezifischer Parameter

Aktenzeichen 27821/01
Abschlussbericht:
Projektträger: ENTERA Umweltplanung & IT
Fischerstr. 3
30167 Hannover
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Telefon: -
Internet: https://www.entera.de
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Zur Planung und kosteneffizienten Nutzung von Friedhofsflächen ist eine konkrete Festlegung von Ruhezeiten für Erdbestattungen und eine Vermeidung von Verwesungsstörungen unabdinglich. Ziel des Projektes war die Erarbeitung eines Softwaretools, das in Abhängigkeit klimatischer, pedologischer und standortspezifischer Einflussparameter individuelle Ruhezeiten für Friedhofsstandorte berechnet. Das Werkzeug sollte zur Visualisierung der Ergebnisse an die GIS-Komponente für Friedhofsverwaltungssysteme angebunden werden. Unter Vorgabe der o. a. Einflussparameter wurde vom Programm die Ruhefrist für einen Leichnam berechnet. Bestattungstechnisches Fehlverhalten sowie Veränderungen der natürlichen Abbaurate sollten im EDV-Tool nicht integriert werden, da davon ausgegangen werden konnte, dass in der zukünftigen Friedhofsnutzung durch die Anwendung der Grundsätze der guten fachlichen Praxis Fehler der Vergangenheit vermieden werden.
Das Softwaretool sollte so ausgelegt werden, dass es mit leicht zugänglichen und kostengünstigen Daten einsetzbar war.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZu Beginn erfolgte die Vereinfachung vorhandener Modellberechnungen auf die wesentlichen Parameter. Hierzu wurden die pedologischen Einflussfaktoren (Textur, luftgefülltes Porenvolumen bzw. Diffusionskoeffizient) sowie deren Einfluss auf die Ruhezeit mathematisch beschrieben. Anschließend musste der Einfluss klimatischer Faktoren (Bodentemperatur, Bodenwassergehalt sowie Niederschlagsmengen und -verteilung) auf die Verwesung und damit auf die Ruhezeiten in die Berechnungen integriert werden. Des Weiteren erfolgte die Quantifizierung des Einflusses von Grabpflege und -gestaltung (Versiegelung, Vegetation, Bewässerung) auf die Verwesung und Ruhezeit.
Aus den erarbeiteten mathematischen Zusammenhängen erfolgte die Programmierung einer Software-Anwendung, aufgeteilt in die Erarbeitung des Softwarekerns, die Nutzeroberfläche und die Anbindung in die GIS-Komponente.
Weiterführend sollte das erarbeitete Modul anhand konkreter Friedhofssituationen bzw. anhand vorhandener Daten zu Friedhöfen überprüft werden. Anschließend sollten die Veröffentlichung der Projektergebnisse und die Markteinführung des Softwaremoduls erfolgen.


Ergebnisse und Diskussion

Die mathematische Modellierung wurde im Rahmen einer Java-Programmierung in die Software-Anwendung RuheSoft umgesetzt, die der Bestimmung der erforderlichen Ruhefrist für die Leichenumsetzung dient.
RuheSoft kann in zwei Anwendungsformen genutzt werden:
1. RuheSoft bietet als Stand-alone-Anwendung die Möglichkeit, die Ruhefrist für eine Fläche (Friedhof oder eine Teilfläche davon) zu berechnen. Weiterhin können beliebige Variationen von Einzelparametern vorgenommen werden.
2. RuheSoft als Plugin kann für das GIS OpenJump und DGF4 (RuheSoft OpenJump) verwendet werden, um so neben der Modellierung und Ergebnisdarstellung auch eine räumliche Visualisierung der Ergebnisse zu ermöglichen.
Zu vereinfachenden Anwendung sind als Minimaldaten nur Bodeninformation (Bodenartengruppe) und Klimadaten (Klimatische Wasserbilanz) einzugeben, während andere Parameter wie Gewicht der Leiche, Gewicht des Sarges, Tiefe des Grabes, Zusatzbewässerung, Sargholz und Grababdeckung als Standardwerte vorgeschlagen werden, aber veränderbar sind.
Im Rahmen der mathematischen Modellierung stellte sich heraus, dass speziell für den Bereich Friedhof und die damit verbundene Betrachtung des Untergrundes bis in 2 m Tiefe oder in Einzelfällen sogar darüber hinaus nahezu keine bodenkundlichen Grundlagenuntersuchungen zu Fragen der Diffusion vorlagen.
Auch bei der Frage nach der biologischen Umsetzung von Sargholz im Boden liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor, so dass hier zunächst nur mit einem kalorimetrischen Ansatz gearbeitet wird.
Bei der besonderen Betrachtung von Grababdeckungen kann der Anwender zwar die Flächenabdeckung variieren, es musste hier aber mit einem vereinfachten Ansatz gearbeitet werden, weil keine experimentellen Kenntnisse über die Sauerstoffversorgung bei Grabdeckungen vorliegen.
Hierzu wäre es im Rahmen einer weitergehenden Entwicklung des Modells und einer Verfeinerung der Aussagen wünschenswert, wenn die spezielle Frage von Umsetzungsbedingungen im Untergrund bear-beitet werden könnte.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Im Rahmen verschiedener Veranstaltungen wurden Friedhofsverwaltungen über die Entwicklung und Anwendung von RuheSoft informiert:
1. Frühjahrstagung des Verbandes der Friedhofsverwalter Deutschlands-VFD in Essen (21. bis 22. Januar 2010)
2. Sommer-Fortbildungsseminar des VFD am Seddiner See (16. bis 18. August)
3. Friedhofskulturelle Tagung in Bad Nauheim (10. und 11.9.2010)
Weiterhin wurde an der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf (15.9.2010) die Software-Anwendung RuheSoft auch in der speziellen Anwendung für Aufsichts- und Genehmigungsbe-hörden des öffentlichen Gesundheitswesens präsentiert.
In Heft 10/2010 der FRIEDHOFSKULTUR erschien unter dem Titel RuheSoft zur Ermittlung der Ruhefrist der erste Teil eines umfassenden Fachbeitrages über RuheSoft. Der 2. Teil ist für Februar 2011 geplant.
Weiterhin soll im Heft 1/2011 Der Hygieninspektor eine umfassende Darstellung zu RuheSoft erscheinen.


Fazit

Die Anwendung RuheSoft stellt erstmals eine einfach zu bedienende Softwareanwendung dar, die es im Rahmen einer Simulation erlaubt, den Leichenabbau zeitlich dimensioniert darzustellen.
Durch die Möglichkeit der Variation einzelnen Parameter wie Gewicht der Leiche, Gewicht des Sarges, Tiefe des Grabes, Zusatzbewässerung, Sargholz und Grababdeckung können an einem Standard bei gleichbleibender Bodenart und Klimabedingungen die Auswirkungen auf den Leichenabbau simuliert werden.
Der Anwender erhält Einblick in Möglichkeiten und Grenzen, im Rahmen eines gezielten Flächenmanagement, den Verwesungsprozess zu steuern und auch die Ruhefrist zu variieren.
Für großflächige Planung kann zudem mit dem Modul RuheSoft OpenJump eine GIS-gestützte Auswertung durchgeführt werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, RuheSoft als Planungswerkzeug für die Friedhofsverwaltungssysteme HADES und FIM einzusetzen.

Förderzeitraum: 03.07.2009 - 02.07.2010 (12 Monate)
Fördersumme: 64.841,00
Förderbereich: I.1.1
Stichworte: Software
Publikationen: