Untersuchung der Effizienz, Standzeit und Handhabbarkeit eines von arche noVa entwickelten mobilen Langsam-Sand-Kohlefilters für den Einsatz im Irak und eines kommerziellen Keramikfiltersystems im Bereich der humanitären Selbsthilfe und Entwicklungszusammenarbeit

Aktenzeichen 23736/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.05 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
Abschlussbericht: DBU-Abschlussbericht-AZ-23736.pdf (20.05 MB)
Projektträger: arche noVa Initiative für Menschen in Not e. V.
Schützengasse 18
01067 Dresden
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Telefon: 0351/49 43 590
Internet: http://www.arche-nova.org
Bundesland: Sachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Im Jahr 2003 wurde von arche noVa innerhalb eines Nothilfeprojektes zur medizinischen Versorgung, Hygieneaufklärung und Wasserversorgung in Diyala, Irak ein dezentrales Sand-Kohle-Filtersystem implementiert. Durch das Fehlen bzw. dem schlechten Zustand der zentralen Wasserver- und entsorgung sind viele Menschen in ländlichen Gegenden mittlerweile längerfristig auf eine dezentrale Wasseraufbereitung angewiesen. Da die im Jahr 2003 vom arche noVa mit lokalen Materialien entwickelten Wasserfil-ter keine kurzfristige Übergangslösung mehr darstellten, sollte eine Testreihe Aussagen zur Effizienz, Standzeit und Handhabbarkeit der Sandfilter liefern, um daraus Empfehlungen für die langfristige Benutzung der Filter vor Ort abzuleiten.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenArche noVa e.V. hat in Dresden einen der traditionellen irakischen Tonfilter nachbauen lassen. Ein kommerzielles Keramikkerzenfiltersystem war bereits vorhanden. Diese beiden Filtersysteme wurden mit Hilfe der Stadtentwässerung Dresden GmbH und dem kooperierenden Labor DGI Umweltanalytik Ebersbach getestet. Seit August 2005 wurden die Recherchen und Vorbereitungen für die Testreihe begonnen. Von Februar bis Juli 2006 liefen die Tests mit den Filtern.
Diese Filter wurden täglich mit ca. 40 Litern Spreewasser befüllt. Ein- bis zwei mal pro Woche erfolgte über einen Zeitraum von 6 Monaten die Beprobung des Rohwassers und des Filtrates hinsichtlich der Gesamtkeimzahl, E. Coli, coliforme Keime, Clostridium perfringens, Trübung und sprektraler Adsorbi-onskoeffizienten. Die Ergebnisse sollten Aussagen zur Handhabbarkeit, Effizienz und Standzeit und Wirkung des Filters liefern, um daraus Empfehlungen für die Benutzung und Verbesserung der Filter abzuleiten.


Ergebnisse und Diskussion

Folgende Empfehlungen für den Bau und die Handhabung von Sandfiltern lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen und Ergebnissen der Testreihe ableiten:
Die Körnung der Gesteinsschichten soll nach untern immer feiner werden, damit sich diese nicht vermischen (Ein- und Ausspülungen). Diese sollten spätestens alle 6 Monate gereinigt bzw. ausgewechselt werden.
Es sollten keine organischen Materialien (Gewebe) in den Filter eingebracht werden, da diese im Inneren des Filters zersetzt werden und ein anaerobes Milieu bilden. Besser geeignet zur Trennung der Schichten sind mineralische Materialien (Gaze, Vlies).
Das Einbringen von fein gestampfter Kohle in einem Tuch in den Filter ist nicht zwingend für die Effizienz des Filters erforderlich, kann bei richtiger Handhabung aber kurzfristig eine effektive Sperrschicht für Keime darstellen. Da diese Schicht durch den biologischen Metabolismus zur Bildung eines anaeroben Milieus führt, sollte die Kohleschicht alle 14 Tage ausgewechselt werden. Um das Auswechseln einfacher zu gestalten sollte die Kohleschicht unter die oberste Schicht aus grobem Kies herausnehmbar eingebracht werden.
Ein Aufbringen eines für die Reinigung auswechselbaren Baumwolltuches über der letzen Filterschicht und mit großen Kieselsteinen beschwert, erhöht die Effizienz und Standzeit des Filters, weil sofort Trübungspartikel und Keime zurückgehalten werden.
Das Auffanggefäß aus Ton fördert die Wiederverkeimung des Filtrats und ist für eine sachgemäße Chlorung (Durchmischung) ungeeignet. Weiterhin können sich Partikel aus dem Tongefäß lösen und die Trübung im Filtrat erhöhen. Daher sind offene Auffanggefäße aus anderen Materialien (z.B. saubere Eimer) geeigneter. Für die kurzfristige Aufbewahrung des desinfizierten Wassers sollte das Gefäß abgedeckt werden.
Der Filter sollte permanent mit Wasser überstaut sein, damit der biologische Rasen nicht trocken fällt und eine Sauerstoffdurchsetzung der Schichten gefördert wird. Dies kann durch regelmäßige Schwallbeschickung gewährleistet werden. Zwischen Filter- und Auffanggefäß muss eine Abdeckung mittels einer Plane oder ähnlichem eingerichtet werden, um Kontamination des Filtrats und Auffanggefäß zu verhindern.
Diese Art von dezentraler Wasserversorgung ist nur mit einführender und begleitender Hygienebildung und Monitoring seitens lokaler Hygieneverantwortlicher sinnvoll, denn die Aufbereitung mit diesem Sandfiltersystem und anschließender Chlorung kann nur richtig benutzt werden, wenn ein Wissen um seine Funktionsweise und Wirkung dieser Behandlung vorhanden ist.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Ergebnisse der Literaturrecherche und die wichtigsten Erkenntnisse der ersten Testreihe werden unter dem Titel Dezentrale Wasseraufbereitung in der humanitären und entwicklungsorientierten Nothilfe als pdf-Druckversion in englischer und deutscher Sprache auf der Homepage des arche noVa e.V. (www.arche-nova.org) veröffentlicht. Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus Auslandsprojekten im Bereich der Trinkwasserversorgung und aus der Testreihe im Inland werden von der Öffentlichkeitsarbeit des arche noVa e.V., beispielsweise bei Ausstellungen, Info-Ständen und Vorträgen an eine interessierte Öffentlichkeit getragen. Das Bildungsprojekt des arche noVa e.V. eine Welt - deine Welt thematisiert in seinen Bildungsmodulen Wasser - ein globales Problem und Helfen - eine Gratwanderung das Thema Wasserversorgung in der Nothilfe und benutzt die Erfahrungen der Auslands- und Inlandsprojekte als Fallbeispiele und Anschauungsmaterial für die Bildungsveranstaltungen.


Fazit

Die Testreihe zur Untersuchung der Effizienz, Standzeit und Handhabbarkeit eines von arche noVa e.V. entwickelten Sand-Kohle-Filters für den Einsatz im Irak hat gezeigt, dass mit lokal verfügbaren, traditionellen und kostengünstigen Materialien, ohne Fremdtechnologie und elektrischen Betrieb ein Filtersystem implementiert werden kann, welches kurzfristig effizient die Trübung und coliforme Keime und Parasiten reduziert. Mittels anschließender sachgemäßer Desinfektion kann ein gesundheitlich unbedenkliches Wasser aufbereitet werden. Mit verbesserten einführenden und begleitenden Hygienebildungsprogram-men und einfachen Modifizierungen des bisherigen Filtersystems kann die Effizienz des Filters erhöht, die Standzeit verlängert und seine Handhabbarkeit vereinfacht werden.

Förderzeitraum: 15.08.2005 - 15.08.2006 (1 Jahr)
Fördersumme: 4.000,00
Förderbereich: I.1.1
Themengebiet: Umwelttechnik
Stichworte: Umweltforschung, Klimaschutz, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen:
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