Entwicklung und Erprobung eines Automaten zur Entsorgung von Inkontinenzartikeln für Pflegeheime und Privathaushalte

Aktenzeichen 20052/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
Abschlussbericht: DBU-Abschlussbericht-AZ-20052.pdf (49.83 MB)
Projektträger: AHE GmbH Alternative Hygieneprodukteund Entsorgungssysteme
Rochusstr. 1
41836 Hückelhoven
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Telefon: 02462-200960
Internet: -
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Im Vorhaben sollte auf Basis bisheriger Funktionsmodelle der Prototyp eines Automaten (AHE ECOLU-TION 10) zur Entsorgung von Inkontinenzartikeln mit einem Trommelvolumen von 60 l und einem Wasserverbrauch von 70 l konzipiert und erprobt werden. Vergleichbar mit einer Waschmaschine für Textilien sollte der Automat dezentral in normalen Haushalten, Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern aufgestellt werden können. Der Entsorgungsautomat sollte den Vorteil bringen, dass die anfallende Inkontinenzabfallmenge auf 5% reduziert wird. Die ausgetragenen Stoffe sollten hygienisch einwandfrei sein und in logistischer Hinsicht vom anliefernden Unternehmen der Inkontinenzartikel wieder mitgenommen werden. Des Weiteren sollte eine Dokumentation für die Betriebsweise des Entsorgungsautomaten, das Aufstellen der Verfahrensparameter mit Hinweisen auf Energie- und Wasserverbrauch sowie der umweltverträglichen Arbeitsweise sowie für die Einbindung in bestehende Ver- und Entsorgungswege erstellt werden.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Beschickung des Entsorgungsautomaten (AHE ECOLUTIONÒ 10) sollte möglichst einfach erfolgen. Dazu wurde die Menge der Inkontinenzprodukte genau definiert, die Größe der Sammelsäcke wurde auf das Füllvolumen der Trommel und Menge und Gewicht der Inkontinenzprodukte (Arbeitsschutz) abge-stimmt. Der Abfallanfall an Inkontinenzprodukten, die Anfallzeiten und -mengen wurden genau ermittelt, die Lagerzeiten der Abfallsäcke wurden minimiert (Geruchsbelästigung), der Personaleinsatz pro Schicht oder Tag wurde bestimmt und die Möglichkeiten der innerbetrieblichen Logistik herausgearbeitet. Die Parameter, wie Wassermenge, Temperatur während des Reinigungsvorgangs, Reinigungsdauer, Chemikalieneinsatz, Spüldauer etc. wurden überprüft und im Hinblick auf Einsparungen durchleuchtet. Das Verfahren sollte umweltschonend, energie-, rohstoff- und wasser-/ abwasser-effizient ausgelegt sein. Folgende Arbeitsschritte wurden unternommen: Erstellen der schriftlichen Dokumentation für die Fahrweise des Entsorgungsautomaten, Aufstellen der Verfahrensparameter (wie in Feldversuchen ermittelt), Bedienungshinweise, Störfallbehebung nach Eintritt von Anlagenausfällen, Hinweise auf die Bedienung und den sachgerechten Umgang mit Reinigungsmitteln, Einfluss auf den Energie- und Wasser-verbrauch sowie eine umweltverträgliche Arbeitsweise; Erstellen einer Betriebsanleitung, die den Nutzern des Entsorgungsautomaten (AHE ECOLUTIONÒ 10) zum Betrieb ausgehändigt wird; Einweisungen der Mitarbeiter vor Inbetriebnahme des Automaten, Schulungen bei Bedarf während des Betriebes.


Ergebnisse und Diskussion

Durch Marktanalysen wurde festgestellt, dass es eine Menge unterschiedliche Inkontinenz-Produkte und Hersteller am Markt gibt. Aus diesem Grund ist das Verfahren so gestaltet, dass es keine Abhängigkeit von einzelnen Produkten gibt. Den Anforderungen des Pflegepersonals, wie einfache Bedienung, kein erhöhter Zeitaufwand und Geruchsminimierung wurde nachgekommen. Der technische Aufbau der AHE ECOLUTIONÒ 10 ist wie folgt: es wurde ein trommelähnlicher Behälter hergestellt, der einen sich drehenden Messerteller beinhaltet, dieser dreht sich im Wechsel rechts / links in der Trommel und zerkleinert das eingegebene Gut. Durch eine Einfüllklappe kann ein Plastiksack mit den Inkontinenzartikeln eingegeben werden. Nachdem der Bediener die Einschalttaste betätigt hat, werden etwa 80 L Wasser in die Trommel gegeben, automatisch werden die Chemiezusätze in die Trommel mittels Dosierpumpen eingefüllt. Der Zerkleinerungsprozess beginnt, nach 10 min. ist die Zerkleinerung abgeschlossen, die Abwasserpumpe fördert das Wasser mit Urin und Kot durchsetzt in das Kanalsystem. Die verbleibenden zerkleinerten Kunststoffe - Vlies und Zelluloseteile - werden mittels einer Transportschnecke im Ver-dichter entwässert und verdichtet das Restmaterial. Dieses wird in einen Auffangbehälter transportiert, der nach 3-4 Durchläufen geleert werden muss. Um diesen Stand der Technik zu erreichen, wurden un-zählige Versuche und Testreihen durchgeführt (so wurde zu Anfang ein Messerteller konstruiert, der drehend durch die Trommel fährt - die Gegenseite war ebenfalls mit Messern bestückt; diese Variante erwies sich jedoch als zu störanfällig und wurde daher wieder aufgegeben). Es wurden unterschiedliche Schneidmesser bzw. Reißhaken sowie verschiedene Antriebsstärken und verschiedene Chemikalien in Verbindung mit warmen und kaltem Wasser getestet.
Die Hygienevorschriften wurden eingehalten; dies bestätigte das Hygiene Institut des Ruhrgebietes, Gelsenkirchen, für das Restmaterial wie auch für das einzuleitende Abwasser. Die Analyse der Ruhranalytik - Laboratorium für Kohle und Umwelt GmbH, Herne, zeigten die sehr guten Ergebnisse im Brennwert, Brennverhalten sowie des Ascheverhaltens.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Es wurden Broschüren hergestellt, die an Alten- und Pflegeheime versandt wurden. Der Prototyp wurde auf Fachmessen und Tagungen vorgestellt. In der Presse und in Fachzeitschriften wurde die Entwicklung durch die AHE GmbH vorgestellt. Die Idee wurde sogar vom Handelsblatt auf einer halben Seite dargestellt. Die Teilnahme an Gründerwettbewerben wurde mit Erfolg gekrönt, so z. B. IDEE - Förderpreis (Kaffee Darboven) und DM EURO.


Fazit

Das Verfahren AHE ECOLUTION 10 ist mittlerweile ein patentiertes Verfahren zur Entsorgung von Inkontinenzprodukten. Die hier anzuwendende Verfahrenstechnik ist eine sinnvolle, ökologisch vorausschauende Entwicklung und eine Verbesserung der z.Zt. eingesetzten Verfahren zur Entsorgung. Die hohen ökologischen Anforderungen nach sinnvoller Trennung und anschließender Verwertung des entstandenen Restwertstoffes werden erfüllt. Durch das Verfahren werden enorme Volumen- und Ge-wichtsreduktionen erzielt. Die innerbetrieblichen Entsorgungswege verkürzen sich deutlich, die Lagerung der Säcke mit benutzten Inkontinenzprodukten entfällt, die raumintensive Containeraufstellung ist nicht mehr erforderlich. Durch den Einsatz der verpressten Restwertstoffe können diese z. B. in Feuerungsanlagen eine sinnvolle, gesetzeskonforme, thermische Nutzung des hoch energetischen Brennstoffs gewährleisten.
Trotz erheblich längerer Entwicklungszeit und Kosten als ursprünglich geplant, sind die Beteiligten Unternehmen und Institute überzeugt, dass diese Entwicklung sich durchsetzen wird. Bei potenziellen Kunden hat das Verfahren sehr hohes Interesse geweckt. Es lässt sich durch die Feldversuche sehr gut darstellen, welche Einsparungen erzielt werden können. Es können Reduzierung des Volumens um 60-80% erreicht werden, wobei die verbleibende Menge kein Müll zur Entsorgung ist, sondern einen Rest-wertstoff darstellt - mit gutem Brenn- und Ascheverhalten.
Momentan wird mit einer regionalen Beschäftigungsgesellschaft verhandelt, die ehemalige Mitarbeiter von Philips Aachen in Arbeit bringen soll. Mit deren Know-how soll eine Serienproduktion aufgebaut werden - dies mit Zuschüssen des Landes NRW, des Arbeitsamtes und der Ev. Kirche.

Förderzeitraum: 18.10.2002 - 18.01.2005 (2 Jahre und 3 Monate)
Fördersumme: 124.775,00
Förderbereich: I.1.1
Themengebiet: Umwelttechnik
Stichworte: Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen:
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