Benutzergerechte Implementierung und begleitende Wirkungsanalyse einer Kommunikationsplattform (ORISS) zur optimierten Bündelung des Individualverkehrs mit dem Ziel der CO2-Einsparung

Aktenzeichen 19924/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.12 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Carl von Ossietzky Universität OldenburgFakultät II
Ammerländer Heerstr. 114 - 116
26129 Oldenburg
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Telefon: 0441/798-0
Internet: http://www.uni-oldenburg.de
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Ein Weg zur Reduktion der Umweltbelastung durch den Straßenverkehr besteht in der Bildung von Fahrgemeinschaften. - eine Möglichkeit, die Untersuchungen vor Projektbeginn zufolge nur von einem relativ geringen Anteil der Mitglieder der Universität Oldenburg genutzt wurde. Ursachen hierfür sehen wir unter anderem im Defizit an Information, Koordination und Motivation bzgl. möglicher Fahrgemeinschaften. Anhand des Einsatzes einer Koordinationsplattform im Internet sollen Informationsdefizite abgebaut und Erfolgsfaktoren für die Implementierung von elektronischen Fahrgemeinschaftsvermittlungen bestimmt werden. Es gilt zu untersuchen, welche Wirkung eine solche Plattform auf die Mitglieder der Universität hat. Erkenntnisse über Gründe der Nutzung/Nicht-Nutzung des Systems sollen zur nut-zungsorientierten Optimierung der Internet-Plattform und zur verstärkten Nutzungsmotivation verwendet werden.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen eines Modellversuchs wurde ein einjähriger Probebetrieb einer prototypisch bereits vor Projektbeginn realisierten Internet-Plattform zur Fahrgemeinschaftsvermittlung durchgeführt. Um die Aufmerksamkeit der Zielgruppe auf die Internetplattform zu richten, wurden gezielt vielfältige universitäre und außeruniversitäre Kommunikationskanäle genutzt. Nach einer kurzen Konsolidierungsphase der Vermittlungs-Software, in der bereits erste Anpassungen an konkrete Benutzerwünsche vorgenommen wurden, wurden dann basierend auf einer Begleitstudie Erweiterungen und Modifikationen der Plattform mit dem Ziel einer gesteigerten Benutzerakzeptanz und einer erweiterten Nutzungsmöglichkeit umgesetzt. In dieser Begleitstudie wurde für den Probebetrieb - als elektronisch vermittelte Dienstleistung - die Akzeptanz und Zufriedenheit für relevante Dienstleistungsdimensionen gemessen. Dazu erfolgte mehrfach die Messung der Qualität von Potenzial- und Prozessdimensionen des Dienstleistungsange-bots. Dazu dienten mit der Internet-Plattform verlinkte, an die IOS 9241 Norm angelehnte Fragebögen, die gleichzeitig zufriedenheitsorientiert ausgerichtet waren, als auch Einstellungsitems zur Nutzung des Dienstleistungsangebots enthielten. Daraus resultierte ein Katalog möglicher Probleme, der Hinweise auf Barrieren umfasste, die teilweise durch eine Weiterentwicklung des Systems bzw. durch weitere flankierende Maßnahmen ausgeräumt werden konnten. Gleichzeitig konnten förderliche Faktoren ermit-telt werden, die im Rahmen eines Kommunikationsansatzes spezifische Nutzungsvorteile herauszustellen erlauben.


Ergebnisse und Diskussion

Ergebnisse des Projekts wurden in zwei Kategorien erreicht:
a) Etablierung der Web-basierten Fahrgemeinschaftsvermittlungsplattform CarPooling (siehe hierzu www.fgm.uni-oldenburg.de) an der Universität Oldenburg,
b) Analyse von Akzeptanz und Barrieren sowohl zur Bildung von Fahrgemeinschaften allgemein als auch in Bezug auf die Nutzung von CarPooling sowie Optimierung der CarPooling-Plattform.
Zu a): Durch erheblichen Aufwand in der Öffentlichkeitsarbeit wurde für das CarPooling-System bei Universitätsangehörigen ein Bekanntheitsgrad von ca. 60% erreicht. Mittels gezielter Maßnahmen in der Software und deren Benutzungsoberfläche konnte eine hohe Stabilität und Verfügbarkeit, sowie eine erheblich verbesserte Benutzbarkeit erreicht werden, so dass insgesamt ein hoher Reifegrad des Systems erreicht wurde. Es wird für wenigstens weitere drei Jahre an der Universität Oldenburg betrieben.
Zu b): Da trotz eines hohen Bekanntheitsgrades die Nutzerzahlen hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück blieben, musste der Wirkungsanalyse eine Analyse auf Akzeptanzkriterien und Barrieren vorweg gestellt werden. Hierzu wurden im Rahmen der Begleitstudien mehrfach Befragungen sowohl zu Fahrgemeinschaften generell als auch zur Nutzung von CarPooling durchgeführt. Um erkannten Barrieren zeitnah entgegen zu wirken, erfolgte hier eine noch sehr viel engere Verzahnung der Arbeitsgruppen Marketing und Umweltinformatik als in der ursprünglichen Projektplanung vorgesehen war:
1. Zur Erhöhung der Transparenz und Planbarkeit wurden eine Übersicht über alle verfügbaren Angebote und Gesuche sowie eine Statusanzeige für eigene Angebote und Gesuche eingeführt.
2. Neben Fahrten von und zur Universität wurden der Freizeitbereich und die Heimfahrten sehr früh als weiteres Potenzial erkannt und durch die Integration eines Veranstaltungskalenders aufgegriffen.
3. Zur Erhöhung des Vertrauens in Fahrgemeinschaften wurde die Möglichkeit einer Personalisierung (Angaben zur Person und zum Fahrzeug) in die Plattform integriert.
4. Durch die Hinzunahme weiterer, regionaler Kooperationspartner wurde eine Erweiterung der Nutzerbasis erreicht. Insbesondere wurden hierbei regionale, mittelständische Unternehmen integriert.
5. Zur weiteren Erhöhung der Flexibilität in der Verwendung von CarPooling wurden prototypisch Nutzungsoberflächen für PDAs und Handys neuerer Generation entwickelt.
Zum Abschluss des Projekts sind ca. 400 Nutzer registriert, die etwa ebenso viele Angebote und Nachfragen eingestellt haben. Insgesamt konnten zentrale Faktoren zur Akzeptanz/Nicht-Akzeptanz von Fahrgemeinschaften ermittelt werden. Diese Ergebnisse konnten unmittelbar in die Funktionalität der Plattform CarPooling und die Konzeption des Marketingansatzes einfließen, deren Wirkung im konkreten Umfeld nach einem einjährigen Betrieb allerdings noch nicht abschließend bewertet werden kann.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Nach umfangreichen Aktionen zur Öffentlichkeitsarbeit an der Universität Oldenburg erfolgte eine Ausweitung des Nutzerkreises auf die FH OOW, die EWE AG, EWE TEL und die Nordwestzeitung. Über die Initiative wurde mehrfach in der regionalen Presse, sowie im lokalen Fernsehkanal O1 berichtet. Zum Abschluss des Projekts fand ein überregional organisierter Workshop statt, auf dem die Ergebnisse präsentiert und vergleichen diskutiert wurden. Eine Präsentation der Technik der Vermittlungsplattform erfolgte auf einer internationalen Tagung zur Umweltinformatik, auf der die Studierendengruppe, die den Prototyp der Plattform entwickelte, den Preis für die beste studentische Arbeit erhielt. Die Ergebnisse des Projekts werden in Form eines Abschlussberichts überregional bekannt gemacht.


Fazit

Fahrgemeinschaften bieten gleichermaßen ökonomische, ökologische und soziale Vorteile, was im Allgemeinen so auch anerkannt wird. Barrieren bestehen in erster Linie in der wahrgenommenen Einschränkung persönlicher Unabhängigkeit und Flexibilität durch die erforderliche Koordination von Fahrten sowie in der Fixierung auf Mobilitätsgewohnheiten. Zu ersterem Punkt kann eine Vermittlungsplatt-form wie CarPooling einen wichtigen, attraktivitätssteigernden Beitrag leisten. Die zweite Feststellung bestätigte sich auch darin, dass mit einem hohen Bekanntheitsgrad eines solchen Angebots nicht automatisch ein hoher Nutzungsgrad begründet wurde. Hierzu wären flankierende Maßnahmen wie etwa eine Parkraumbewirtschaftung zu überlegen, die die wirtschaftlichen und ökologischen Kosten des Individualverkehrs transparenter werden lassen und massivere Anstöße zur Reflexion der eigenen Mobilitätsgewohnheiten liefern. Darüber hinaus wäre es zweifellos sinnvoll, ein solches Angebot auf überregionaler Ebene für einen offenen Nutzerkreis zu untersuchen, was jedoch weit über den Rahmen des durchgeführten Projekts, das auf die Unterstützung einer geschlossenen Benutzergruppe zielte, hinausgegangen wäre.

Förderzeitraum: 20.05.2003 - 31.10.2004 (1 Jahr und 5 Monate)
Fördersumme: 86.150,00
Förderbereich: III.11.3
Themengebiet: Umweltkommunikation
Stichworte: Umweltforschung, Umweltkommunikation, Klimaschutz, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen: