Modellhafte Anwendung und Erprobung eines Dekontaminationsverfahrens zur Entgiftung von Holzschutzmitteln an den Holzbauteilen der wertvollen Buchholzorgel in Barth (Mecklenburg-Vorpommern)

Aktenzeichen 18698/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Ev. KirchengemeindeFörderverein Barther Kirchenmusik e. V.
Papenstr. 6
18356 Barth
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Telefon: 038231/2783
Internet: -
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die Orgel in der St. Marien-Kirche Barth ist ein historisches Instrument, erbaut im Jahre 1821 von der Berliner Firma Buchholz. Sie ist in ihrem Bestand mechanisch wie klanglich erhalten geblieben und deshalb ein besonders wertvolles Kulturgut, in der Fachwelt hoch geschätzt und für den Orgelbau von europäischer Bedeutung. (www.buchholzorgel.de )
Darüber hinaus steht das Instrument in einer historisch wie gegenwärtig bedeutenden Kirche (Norddeutsche Backsteingotik). Sie wird nicht nur von der Kirchengemeinde vielfältig genutzt, sondern auch von bis zu 300 Urlaubern täglich besucht.
Seit geraumer Zeit wird die Restaurierung und Sanierung der Barther Buchholz-Orgel geplant. Das gesamte Vorhaben ist mit ca. 900.000 DM Kosten veranschlagt. Die Restaurierung begann am 3.9.2001.
Um neben einer lebendigen Kirchenmusik speziell diese Aufgabe zu betreiben, hat sich 1994 der Förderverein Barther Kirchenmusik e.V. konstituiert, der die Kirchengemeinde als Eigentümerin hierbei unterstützt. Im vergangenen Jahr übernahm die Bundesjustizministerin, Frau Herta Däubler-Gmelin die Schirmherrschaft über unser Vorhaben.
Im Zusammenhang mit der Erstellung eines Gutachtens und vieler Beratungsgespräche ergab sich auch die Frage einer Befreiung des Instruments von alten Holzschutzmitteln (Hylotox 59 u.a.), die in DDR-Zeiten zum Schutz der Holzsubstanz (Pfeifen, Windladen, Mechanik, Gehäuse) eingebracht wurden. Die Organisten und besonders die Mitarbeiter aus dem Orgelbau sind hierdurch nach wie vor gefährdet. Die kristallisierten Salze werden über die Luft abgegeben und belasten die Umwelt. Eine Generalsanierung ohne vorherige Dekontamination würde die Orgelbauer hochgradig gesundheitlich belasten.
Herr Dr. Unger vom Rathgen- Forschungslabor Berlin ist von Anfang an durch die Firma Kr. Wegscheider in die Schadensbegutachtung einbezogen gewesen, und er stand im Blick auf die Umsetzung der Aufgabe mit uns in Verbindung.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie beauftragte Orgelbau-Firma Wegscheider, Dresden, hat zur Durchführung der Dekontamination das gesamte Pfeifenwerk ausgebaut, um alle Holzteile technologisch gut erfassen und reinigen zu können. Die ausführende Firma bhd Bautenschutz- und Hygienedienstleistung GmbH 01139 Dresden (Scharfenberger Str. 27) hat ab dem 3.9.2001 in einem Arbeitsgang und in unmittelbarer Zusammenarbeit mit den Orgelbauern die Dekontaminationsarbeiten ausgeführt.
Dabei wurde das patentierte Vakuumwaschverfahren angewandt. Außerdem wurden grobe Kristalle mit einem Spezialtrockensauger abgesaugt bzw. mit einem speziellen Mikrofaserschwamm gereinigt.
Nach einer zeitlichen Pause wurden nochmals Teile im Frühjahr mit dem Schwamm gereinigt.


Ergebnisse und Diskussion

Die Ergebnisse sind im Bericht der bhd dargestellt. Der Fachbeirat hat den Bericht erhalten.
Nach telefonischer Rücksprache mit Herrn Dr. Unger am 28.11.2001 ist er der Ansicht, dass eine abschließende Beurteilung erst im Frühjahr 2002 aus klimatischen Gründen sinnvoll ist.Er ist vorläufig mit dem Bericht einverstanden - bemängelt aber, dass nach der Behandlung nur eine Probe genommen worden ist.
Im Frühjahr 2002 wurden die gereinigten Teile nochmals durchgesehen. Dabei zeigten sich keine deutlichen giftigen Kristalle auf den Oberflächen. Kleinere unwesentliche Ausblühungen wurden nochmals mit dem Schwamm nachgereinigt.
Die größten Probleme entstanden an den stark kontaminierten Holzpfeifen. Diese Pfeifen befanden sich zu einem großen Teil in Dresden in der Werkstatt und wurden von Herrn Föckel bhd ebenfalls nochmals nachbehandelt.
Auch für die noch nach Dresden kommenden Pfeifen hat Herr Föckel eine Nachbehandlung zugesagt. Es handelt sich aber nur um kleinere Kristallnester.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Zum offiziellen Baubeginn am 3. Sept. 2001 wurde eine Pressemitteilung herausgegeben. (s. Anlage)
Der offizielle Baubeginn mit den Maßnahmen zur Dekontamination war uns Anlass, neben den Mitarbeitern der beiden beteiligten Firmen Vertreter der ZEIT-Stiftung, des Landesamtes für Denkmalschutz Mecklenburg-Vorpommern, aus Politik und Wirtschaft durch die Kirchengemeinde sowie den Förderverein Barther Kirchenmusik einzuladen. Zu den Anwesenden gehörten Herr Zander, Herr Ende (Landesamt f. Denkmalpflege) Herr Dr. Unger (Rathgen- Labor, Berlin), Herr Dr. Adlung, Prof. U. Röhl, M. Ohse u.a. (Sachverständigen-Gruppe ZEIT- Stiftung), M. Rost (Orgelsachverständiger der Pommerschen Ev. Kirche), M. Löttge (Bürgermeister der Stadt Barth).
Eine Dokumentation ist erfolgt.Presse-Auszüge zu den Maßnahmen legen wir als Anlage bei.


Fazit

Die Maßnahme konnte nun im Juni 2002 erfolgreich abgeschlossen werden. Die in die Orgel eingebauten bzw. aus klimatischen Gründen verbleibenden Teile (Balganlage, Gehäuse, Windladen u.a.) wurden bereits, ohne dass die Orgelbauer Schutzkleidung tragen müssen, Weiter restauratorisch bearbeitet. Die beweglichen Holzteile, insonderheit die Pfeifen und Rasterbretter, befinden sich nach der Sanierung und Restaurierung in der Dresdener Orgelwerkstatt wieder in der Barther Kirche.
Die meisten Teile sind bereits wieder eingebaut.
Wenn auch nicht alle Gifte aus den Holzteilen vollständig entfernt werden konnten, so sind doch die Oberflächen nun gereinigt und dekontaminiert. Eine Berührung mit diesen Teilen ist daher nicht mehr gesundheitsgefährlich.

Förderzeitraum: 07.06.2001 - 07.06.2002 (1 Jahr)
Fördersumme: 18.406,51
Förderbereich: III.12.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Kulturgüter, Ressourcenschonung
Publikationen: