Verringerung der Transportbelastungen in der Holzbranche - Modellprojekt einer integrierten Holzbereitstellungs- und Logistikkette Wald-Werk für die Forstwirtschaftliche Vereinigung Lüneburg GmbH (FVL)

Aktenzeichen 16273/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.12 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Albert-Ludwigs-Universität FreiburgInstitut für Forstbenutzung undForstliche Arbeitswissenschaft
Werthmannstr. 6
79085 Freiburg
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Telefon: 0761/203-3764
Internet: -
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Unternehmenskonzentrationen im Bereich der be- und verarbeitenden Holzindustrie, der freie Warenaustausch in Verbindung mit der Öffnung der Grenzen auch nach Mittel- und Osteuropa und Deregulierungen in der Transportbranche führen europaweit zu einem vom Volumen und von der Entfernung her wachsenden Transportaufkommen an Holz und Holzprodukten. Ökobilanzen weisen aus, dass die ansonsten hervorragende Position des Rohstoffes Holz vor allem durch diesen zumeist auf der Straße stattfindenden Transport negativ beeinflusst wird. Erfahrungen aus anderen Ländern (Skandinavien), aber auch aus anderen Branchen sowie erste Logistik-Studien im Inland legen den Schluss nahe, dass durch angepasste, integrierte Logistikkonzepte unter Einsatz moderner Transporttechnik und Informationstechnologie substanzielle Verbesserungen möglich sind. Spezifische Strukturprobleme und Reibungspunkte an den Branchengrenzen zwischen der Forstwirtschaft, dem Transportgewerbe und der be- und verarbeitenden Holzindustrie behindern bislang die Realisierung solcher Logistikkonzepte, von denen eine wirksame Verbesserung dieser unbefriedigenden Situation erwartet werden könnte.
Vor diesem Hintergrund ist es Ziel des Projekts, an einem konkreten Beispiel (der Region Lüneburg) unter Einbeziehung aller beteiligten Akteure ein an die dortigen, für die Gesamtsituation typischen Verhältnisse angepasstes Logistikkonzept zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Damit soll die Machbarkeit derartiger Lösungen, aber auch ihre Vorteilhaftigkeit im Hinblick auf Umweltbelastungen im Verkehrsbereich sowie in wirtschaftlicher Hinsicht demonstriert und quantifiziert werden.
Oberziel: Optimierung der Lieferströme unter besonderer Berücksichtigung der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Lüneburg und ihrer bedeutendsten Marktpartner; eine Begrenzung des Transportvolumens soll vor allem durch Transportoptimierung beziehungsweise Verlagerung auf andere Verkehrsträger erreicht werden. Damit wird zugleich ein Beitrag zur Konkurrenzfähigkeit des nachwachsenden und natürlichen Rohstoffes Holz geleistet.
Teilziele:
· Zeitnahe Erfassung von aufgearbeiteten Holzmengen hinsichtlich Lagerort, Menge und Struktur der Sortimente durch Einsatz von moderner Informationstechnologie
· Routenoptimierung unter besonderer Berücksichtigung der Schnittstelle Waldwegenetz - öffentliches Straßennetz, gegebenenfalls unter Einsatz von GIS; Reduktion der Transportvorgänge und bessere Auslastung der vorhandenen Transportkapazitäten
· Erprobung alternativer Transporttechniken (Wechselpritsche, Container, Truck-Point-Konzept), Einsatz alternativer Transportmittel und -wege
· Nutzung von Rückfrachtmöglichkeiten· Minimierung der Lagerhaltung durch auftragsangepasste Bereitstellung von Rundholz
· Entwicklung von Konzepten zur Datenerfassung, -übertragung und -verwertung zur Steuerung von Lager-, Transport- und Entladephase
· Zusammenfassung der obigen Teilaspekte im Rahmen einer Transportbörse
· Evaluierung und Quantifizierung der Konzepte gegenüber dem Status Quo: Vorteile für Umwelt, Produktqualität und Wirtschaftlichkeit)


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Arbeitsplan sieht zunächst eine Erfassung der derzeitigen Materialströme vom Forstbetrieb zur Holzindustrie vor. Parallel zu den Untersuchungen im Forstbetrieb werden auf der Kundenseite die Produktstruktur sowie der innerbetriebliche Warenfluss untersucht und der tatsächliche Bedarf an Rundholz vor allem bezüglich der Dimensionen und der Bereitstellungskonditionen ermittelt. Eine Besonderheit dieses Projektes liegt dabei in der Einbindung sämtlicher bedeutender industrieller Kunden der FVL, wodurch nicht nur eine bilaterale Handelsbeziehung optimiert wird, sondern ein ganzheitlich anwendbares Konzept mit Netzwerkcharakter zur Entwicklung und Praxisreife ansteht. Hieraus mag zukünftig eine besondere Signalwirkung ausgehen.
Während der Aufarbeitung der ausgezeichneten Bestände durch einen Harvester werden die anfallenden Sortimente mit einer akzeptablen Genauigkeit automatisch vermessen. Die Produktionsdaten werden durch den Bordcomputer des Harvesters gesammelt und mittels drahtloser Kommunikation (Modem) als forstliches Kontrollmaß an den Zentralrechner des Forstbetriebes weitergegeben. Die Erstellung vorläufiger Holzlisten zur Vorbereitung des Holzverkaufes ist demnach ohne erneute Holzaufnahme durch den Revierleiter und ohne eine weitere Übermittlung von Daten einfach und vor allem sofort nach Hiebsende möglich.
Es werden die Möglichkeiten geprüft, Lagerort und Lagermenge zusammen mit GPS-Koordinaten nach der Holzbereitstellung an der Waldstraße an die forstliche Zentrale zu übermitteln und in ein geografisches Informationssystem einzubinden. Durch die Nutzung dieser Technologien wird die Abfuhr des Holzes ohne die Beteiligung von Mitgliedern der Forstverwaltung (Revierbeamten) möglich, indem Wegenetze über GIS-Datensätze direkt an die Fuhrleute übertragen werden und ein GPS die Fuhrleute an den jeweiligen Lagerort des abzufahrenden Holzes führt. Wesentliche Elemente hierfür wären die Adaption der für das öffentliche Straßennetz verfügbaren GIS-Daten an die forstlichen Belange sowie die Erstellung entsprechender Themenkarten für den forstlichen Bereich der FVL. Da bei den Fuhrleuten ein GPS-System in Teilen zwar bereits vorhanden ist, nähere Erfahrungen zu dessen Nutzung in der Regel jedoch nicht bestehen, liegt ein weiterer Arbeitsschwerpunkt in der Entwicklung von Arbeitsroutinen für dessen erfolgreichen Einsatz innerhalb der Logistikkette. Eine intensive Zusammenarbeit muss hier vor allem mit den dauerhaft für die FVL beziehungsweise für deren Kunden tätigen Fuhrleuten angestrebt werden.
Bei erfolgreicher Arbeit mit digitalen Karten ist die Veröffentlichung der Lagerdaten, zum Beispiel im Internet und die Einrichtung einer Transportbörse vorgesehen, welche unter anderem auch für die Organisation von Rückfrachten von Interesse ist.
Alternativ zur klassischen Lagerung des Rohholzes an der Waldstraße wird die Direktbeladung von Containern und Wechselpritschen im Wald (Truck-Point-Konzept) als ein Instrument zur weiteren Kostensenkung und Effizienzsteigerung einbezogen und anhand von Effizienzkriterien bewertet. Umweltrelevante Vorteile bestehen zum Beispiel im Wegfall von Beladungsvorgängen.
Den Abschluss der Holzbereitstellungskette bildet die Vermessung des Holzes auf einer geeichten und forstlich sortierüberprüften Werksvermessungsanlage; die hier ebenfalls automatisch ermittelten Rundholz-Dimensionen bilden die Grundlage für die Abrechnung der Lieferung.
Projektbegleitend werden umfassende Vergleiche zwischen dem Status Quo bei Projektbeginn und dem jeweils erreichten Projektstatus durchgeführt, um Veränderungen in der Holzernte- und Logistikkette aufzuzeigen, eine Evaluierung der Resultate durchzuführen und umweltrelevante sowie betriebswirtschaftliche Vorteile zu quantifizieren.


Ergebnisse und Diskussion

Die im Zwischenbericht ausführlich dargestellten Untersuchungsergebnisse zur naturalen Ausstattung der FVL Forstwirtschaftliche Vereinigung Lüneburg GmbH, zu den Methoden und Verfahren der Holzbereitstellung sowie die Beschreibung der industriellen Projektpartner verdeutlichen für das Untersuchungsgebiet einen hohen Innovationsstand. Trotz und zum Teil wegen der ungünstigen Bestandesverhältnisse und der damit verbundenen geringen Ertragskraft erbringt die FVL Forstwirtschaftliche Vereinigung Lüneburg GmbH schon heute Dienstleistungen für ihre Kundschaft, die in anderen Landesteilen mit ähnlichen Verhältnissen bei weitem nicht anzutreffen sind. Diese Innovationskraft wird von den Kunden erkannt und unterstützt.
Dennoch konnten einige weitere Optimierungspotentiale benannt werden, die Gegenstand der zweiten Projekthälfte sein werden. In enger Zusammenarbeit mit den Projektpartnern werden vor allem bei der Waldmärkerschaft Uelzen eG Arbeitsroutinen entwickelt und getestet beziehungsweise unterstützende Softwaresysteme eingerichtet, die auf das Projektziel ausgerichtet sind.

Die zweite Projekthälfte wurde vor allem der Entwicklung von Methoden und Instrumenten zur Steuerung von Informationen und von Rundholz gewidmet. Dabei gaben grundsätzliche Überlegungen zur Konzeption von Holzernte- und Logistikketten die Leitschnur für diese Entwicklungen.
Schwerpunkte der Entwicklungsarbeit waren zum einen die Einführung und Erprobung neuer Informationstechnologien und Softwaresysteme, wie zum Beispiel digitale Kartensysteme mit GPS-Anbindung oder Routingsysteme. Zum anderen wurde der Erprobung der direkten Verladung von Rundholz auf Sattelauflieger (Trailer) ein besonderes Augenmerk gewidmet. Hier wurden vor allem organisatorische und buchhalterische Veränderungen notwendig.
Im Ergebnis zeigten sich deutliche Rationalisierungseffekte innerhalb der Holzernte- und Logistikkette, wobei sich diese nur zum Teil in monetären Größen darstellen ließen. In der Regel sind die Vorteile in verringerten Schnittstellen, höheren Holzqualitäten und kürzeren Durchlaufzeiten zu sehen, wobei jedoch die Nutzung des Trailersystems zum Holztransport auch direkt umweltpolitische Vorteile brachte.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Publikationen im Berichtszeitraum:
· Ressmann, J. / Hecker, M. (2000): Logistik als Gemeinschaftsaufgabe: Holzernteketten rationell und effizient gestalten. Das Jahrbuch 2000, Bundesverband Lohnunternehmen, Barsinghausen. S. 139-144.
· Hecker, M. (2000): Estimating Benefit Potentials in German Logistics for Wood Procurement and Timber Logging. In: Sjöström, K. (Ed.; 2000): Logistics in the Forest Sector. Helsinki, Finnland. S. 153-164. ISBN 952-91-1942-9

Vorträge im Berichtszeitraum:
· IUFRO Weltkongress in Kuala-Lumpur, Malaysia, vom 07.-12.08.2000
Hecker, M.: Use of Information Technology to Improve Wood Supply Chains in German Forest and Wood Industry.
· Sommertagung des Hannoverschen Landesforstverbandes in Uelzen am 26.09.2000:
Hecker, M.: Logistikmanagement in Uelzen: Waldmärker Logistik.
· Forstwissenschaftliche Tagung 2000 in Freiburg vom 11.-15.10.2000
Hecker, M.: Integration von technischer Produktion und forstlichem Marketing.
· Treffen zum Projekttreffen Forst und Holz NRW am Institut für Robotertechnik in Dortmund am 23.03.2001
Hecker, M.: Vorstellung des Modellprojektes
· Tag des deutschen Rohholzhandels in Kassel am 30.05.2001
Hecker, M.: Integrierte Holzbereitstellungs- und Logistikketten.
· 1st International Precision Forestry Symposium in Seattle (USA) am 19.06.2001
Becker, G.: Precision Forestry in Europe - New Perspectives for a classical concept.

Messen/Ausstellungen/Exkursionen im Berichtszeitraum:
· Fleet navigation in German forest areas using mobile GPS tools. Forestry Information Systems 2000, Workshop in Hyytiälä, Finnland, 17.-19. Mai 2000 (Posterpräsentation Dr. Markus Hecker/Johannes Ressmann).
· KWF-Tagung in Unterlüß vom 13.-17.09.2000 (Posterpräsentation und Erläuterung zu einem Exkursionsbild)
· Sommertagung des Hannoverschen Landesforstverbandes in Uelzen am 26.09.2000: Vorstellung des Modellprojektes anhand praktischer Beispiele im Wald (Dr. Markus Hecker)
· Moderation des KWF-REFA-Workshops Logistikketten auf der LIGNA 2001-Messe in Hannover am 23.05.2001 (Prof. Dr. Dr. h.c. Gero Becker)

Am 06.07.2001 wurde der 25. Karl-Abetz-Preis, der für besondere Leistungen zur Förderung der Wirtschaftlichkeit von Forstbetrieben ausgelobt wird, an FD Schnepper (Forstamt Uelzen) und Gf. Wienecke (Waldmärkerschaft Uelzen eG) verliehen. In ihren Festvorträgen wurde das durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt erwähnt und erläutert.


Fazit

Das Projekt wurde von den beteiligten Partnern als ein voller Erfolg bewertet, sowohl fachlich aufgrund der erarbeiteten Ergebnisse als auch persönlich aufgrund der geknüpften Kontakte und der abgebauten Berührungsängste zwischen den Akteuren der Holzernte- und Logistikkette.
Wenngleich nicht alle aufgeworfenen Fragestellungen abschließend beantwortet werden konnten, sind doch die vorgestellten Projektergebnisse bundesweit auf großes Interesse gestoßen und haben die Diskussion um die Bedeutung einer effizienten Logistik in der Forst- und Holzwirtschaft nachhaltig verändert.

Förderzeitraum: 01.03.2000 - 31.03.2002 (2 Jahre und 1 Monat)
Fördersumme: 100.074,14
Förderbereich: II.6.3
Themengebiet: Umweltforschung
Stichworte: Naturschutz, Landnutzung, Ressourcenschonung
Publikationen:
Geografisch:


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