Wasser und andere Umweltleistungen: Multilaterale Kooperation in der Wassergewinnungsregion Nord-Hannover (Fuhrberger Feld); Modellhafte Entwicklung und Erprobung eines integrierten Schutzgebietsmanagements unter dem Primat des Trinkwasserschutzes

Aktenzeichen 12068/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: CONSULAQUA Hildesheim Geo-Informetric
Gropiusstr. 3
31137 Hildesheim
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 05121/7682-0
Internet: http://www.fuhrberger-feld.de
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die Bodennutzung im Wassergewinnungsgebiet Fuhrberger Feld hat Auswirkungen auf die Wasserqualität. Folgende Problembereiche wirken in ihrer Kombination nachteilig und müssen verbessert werden:
1. Mangelnde Effizienz: Die Kombination aus Beratung und Prämien reicht nicht aus, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.
2. Motivationsdefizite: Die bisherige Regulierungspraxis motiviert die Landwirte nicht, tatsächlich Umweltleistungen zu erbringen.
3. Unzureichende Ausnutzung von Synergieeffekten: Möglichkeiten für multifunktionale Maßnahmen werden nicht ausreichend wahrgenommen.
4. Mangelnde Transparenz: Die Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Formen der Landnutzung und der Grundwasserbeschaffenheit ist zu wenig nachvollziehbar.
5. Unzureichende Partizipation: gegenwärtig werden fast ausschließlich Land-/ und Forstwirtschaft beteiligt


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Aktivitäten der Wasserwirtschaft, der Land- und Forstwirtschaft, des Umwelt- und Naturschutzes sollen koordiniert und aufeinander abgestimmt werden. Dadurch sollen Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Nutzungsinteressen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ausgeschöpft werden.
- Entwicklung von Zielkonzepten: Gemeinsame Ziele aus Sicht der verschiedenen Nutzungsinteressen zusammengetragen und Entwicklung von Gestaltungsspielräumen, um diese Ziele zu erreichen.
- Honorierung von Umweltleistungen: Ergänzung bestehender Honorierungsmodelle für Umweltleistungen zur Erhöhung der Motivation zur Teilnahme an freiwilligen Maßnahmen und zur Verbesserung des Images und der Akzeptanz land- und forstwirtschaftlicher Nutzungen im Wasserschutzgebiet.
- Einrichtung eines Finanzierungspools: Instrument bzw. Organisationsform zur Bündelung unterschiedlicher Finanzquellen.
- Aufbau einer Informations- und Steuerungsplattform: Planungshilfe, Steuerungsinstrument und Kommunikationsmedium (GIS, Internet).


Ergebnisse und Diskussion

Entwicklung von Zielen
Für das Fuhrberger Feld wurden die Ziele der Wassergewinnung, des Naturschutzes und der Landwirtschaft herausgearbeitet. Die Wassergewinnung benötigt Maßnahmenprioritäten für die Erreichung konkreter Ziele bei der Grundwasserqualität, die auf einzelne Teileinzugsgebiete heruntergebrochen und dabei drei Anspruchsniveaus zugeordnet werden. Die Ziele des Naturschutzes aus Landschaftsplänen und Gutachten wurden um das Biotopentwicklungspotential ergänzt und zu einem umfangreichen digitalen Karten- und Informationsangebot zusammengefasst. Die Ziele der Landwirtschaft wurden nach den Vorstellungen der im Gebiet wirtschaftender Landwirte herausgearbeitet: verstärkte Lenkung von Kompensationsmaßnahmen auf Forstflächen, Unterstützung bei einer rentablen Grünlandnutzung die Bereitschaft, im Rahmen freiwilliger Maßnahmen u.a. Acker in Grünland umzuwandeln, wenn eine Rückumwandlung möglich bleibt. Finanzielle Mittel und neue Instrumente sollten Zukunft vor allem auf den Erhalt von Grünland konzentriert werden.
Steuerungs- und Kommunikationsplattform
Die Plattform besteht aus drei physikalisch getrennten Komponenten:
1) Eine für Fachanwender konzipierte GIS-basierte Fachinformationsplattform, in der Daten und Ergebnisse von Grundwassermodellierungen und Landnutzungsinformationen zusammengeführt wurden.
2) Eine internetbasierte Kommunika-tionsplattform, die am 22. März 2002 öffentlich zugänglich ins Netz gestellt wurde. Sie ist seither über die Adresse www.fuhrberger-feld.de erreichbar, die Trägerplattform liegt unter www.waterclick.de. Die aktuel-len Inhalte können im Internet eingesehen werden.
3) Ein Interaktives Prognoseverfahren Flächenmanagement und Rohwasserqualität (Nicomat): Das pragmatische, umsetzungsorientierte Simulations- und Prognoseverfahren visualisiert interaktiv die Zusammenhänge zwischen Flächenmanagement und Rohwasserqualität in Raum und Zeit.
Der Endanwender nutzt dabei ein speziell vorbereitetes Tabellenkalkulationsblatt, das im Hintergrund auf Ergebnisdaten der Grundwassermodellierung und der Fachinformationsplattform zugreift.
Honorierung ökologischer Leistungen
Neben einer Analyse von Kombinationen unterschiedlicher Finanzierungsinstrumente (Förderprogramme - Eingriffsregelung) zum Zwecke des Grundwasserschutzes wurde insbesondere die ergebnisorientierte Honorierung von arten- bzw. blütenreichem Grünland mit 7 Landwirten auf 86 ha praktisch erprobt. Sie ist sehr positiv angenommen worden und konnte mit Unterstützung der Niedersächsischen Umweltstiftung fortgeführt werden. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde die bisherige Förderpraxis zwei neuen Honorie-rungsmodellen für Umweltleistungen gegenübergestellt. Zum diesem Themenkomplex Finanzierungspool wurde ein Vorschlag für die Aufgaben und die Organisation einer neuen Institution der Wasser- und Landschaftsagentur entwickelt, deren Hauptaufgaben in der gezielten Nutzung des Fördermittelmarktes, im Maßnahmenmanagement und in der Öffentlichkeitsarbeit gesehen wird.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Dem partizipativen Projektansatz entsprechend wurden die lokalen Akteure der Region umfassend in die Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen. Dies erfolgte im wesentlichen durch die Bildung von Arbeitskreisen, die Integration der Projektergebnisse in die laufende Kooperationsarbeit, durch die Einbeziehung der Akteure in die zweimal abgehaltenen Regionalen Wassertage sowie durch zahlreiche informelle Gespräche. Anfang 2002 wurden diese Aktivitäten durch Initiative der Projektpartner und der Bezirksregierung Hannover zum Gesprächskreis Multilaterale Kooperation weiterentwickelt. Anfang Dezember wurden die Projektergebnisse im Zentrum für Umweltkommunikation der DBU in Osnabrück einem erweiterten Interessentenkreis vorgestellt. Der Abschlussbericht wird auf Fuhrberger-Feld.de zum download bereitgestellt.


Fazit

Das Oberziel, ein ganzheitliches (integriertes) Schutzgebietsmanagement zu induzieren, wurde erreicht. Die Beteiligung der regionalen Akteure wird als Multilaterale Kooperation weitergeführt. Mit dem vorhandenen Datenpool werden in Zukunft z. B. im Rahmen der Eingriffsregelung Kompensationsmaßnahmen zu beiderseitigem Nutzen (Grundwasserschutz und Naturschutz) durchgeführt.
Die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Wassergewinnung in der erprobten Form ist neu. Für die Grundwasserschutz-
koordination wurden bereits vorhandene Ideen erweitert, verstärkt und konkretisiert. Sie konnten außerdem in einer verbesserten Arbeitsatmosphäre sehr viel schneller realisiert werden, als dies ohne das Projekt der Fall gewesen wäre. Außerdem hat das Projekt den Realisierungszeitraum erheblich abgekürzt und auch unter Berücksichtigung der bisher noch nicht umgesetzten Teilergebnisse den Grundstein dafür gelegt, dass sich sowohl nach dem top-down- (Treibende Kraft) als auch nach dem bottom-up Prinzip (Beteiligung der lokalen Akteure) ein integriertes Schutzgebietsmanagement entwickeln kann. Dabei sind die Faktoren Geduld und Beharrlichkeit zwei wichtige Erfolgskriterien.

Förderzeitraum: 01.01.2000 - 31.12.2002 (2 Jahre und 12 Monate)
Fördersumme: 370.009,15
Förderbereich: II.6.4
Themengebiet: Umweltforschung
Stichworte: Naturschutz, Umweltkommunikation, Landnutzung, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen: