Wie der Bildungssektor zum Gamechanger gegen Lebensmittelverschwendung wird

Ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel landet im Müll – eine ökologische, und soziale Katastrophe, die auch ethisch angesichts des immer noch herrschenden Hungers in der Welt nicht vertretbar ist. Doch wo lässt sich der Hebel am effektivsten ansetzen? Die DBU fördert wegweisende Projekte, die zeigen, dass die Lösung oft schon im Bildungsbereich incl. notwendiger beruflicher Qualifizierungen beginnt. DBU-Referatsleiterin Verena Exner im Kurzinterview über große Hebel und praktische Ideen.

Die Zahlen zur Lebensmittelverschwendung sind alarmierend. Warum ist das Thema weit mehr als „nur“ ein ethisches Problem?
Weil jedes weggeworfene Lebensmittel eine enorme Verschwendung kostbarer Ressourcen bedeutet. Für den Anbau, Transport und die Verarbeitung werden große Mengen Wasser, Energie und landwirtschaftliche Flächen verbraucht. Nach Schätzungen der Food and Agriculture Organization of the United Nations geht weltweit rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel auf dem Weg vom Feld bis zum Teller verloren oder wird verschwendet – das entspricht 1,3 Milliarden Tonnen. Allein in Deutschland werfen wir laut dem Umweltbundesamt jährlich 10,9 Millionen Tonnen weg. Diese Verschwendung von Ressourcen belastet unser Klima massiv. Wenn wir Lebensmittelverluste vermeiden und Lebensmittel retten, schützen wir also direkt unsere Erde.

Rund 16 Prozent der Verluste und Abfälle in Deutschland entstehen in der Außer-Haus-Verpflegung, wozu u. a. die Kantinen der Kitas, Schulen, Universitäten, Bildungshäuser aber auch die der Betriebe gehören. Warum ist gerade der Bildungssektor so ein wichtiger Hebel?
Im Bildungssektor haben wir eine Doppelwirkung: Wir können in den Kantinen und Mensen Lebensmittelverluste reduzieren indem zunächst die dort Tätigen sensibilisiert und gemäß Bedarf in ihrem beruflichen Kontext qualifiziert werden. Besonders wichtig ist darüberhinaus, dass gleichzeitig das Bewusstsein der jungen Generation geschärft wird. Wer in Kita und Schule lernt, wie wertvoll Lebensmittel sind und wie man Verschwendung vermeidet, trägt dieses Wissen in den Alltag und in die Familien; nicht zu vergessen ist auch, dass die Vermeidung von Lebensmittelverlusten zudem noch Geld spart – also ein doppelter Gewinn. (Berufs-)Bildung und die Bildungseinrichtungen selbst sind somit echte Multiplikatoren und Booster für einen Alltag, der durch einen nachhaltigen Lebensstil geprägt ist

Welche konkreten Lösungsansätze fördert die DBU in diesem Bereich?
Die DBU setzt genau an dieser Schnittstelle von Praxis und (Berufs-)Bildung an. Ein hervorragendes Beispiel ist das geförderte Projekt „Mittel zum Leben“ des Verbandes der Bildungszentren im ländlichen Raum e. V. Der Verband nutzte seine Multiplikator-Rolle, um entlang der Wertschöpfungskette und innerhalb seiner bundesweit 44 Bildungszentren für einen nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren. Die Einrichtungen des Verbandes wurden als aktive Impulsgeber in ihrer Region gestärkt – sowohl intern in ihren eigenen Abläufen durch Professionalisierung des Nachhaltigkeitsmanagements als auch extern in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Einrichtungen, Teilnehmende wie v. a. Konsument*innen und landwirtschaftliche Erzeuger*innen wurden in zielgruppenspezifischen Bildungsformaten dabei angeregt, ihre Haltung zum Wert von Lebensmitteln zu überdenken und ihr Wissen so zu erweitern, dass im jeweiligen Alltag Lebensmittelverluste aktiv vermieden werden. Dieses ging damit einher insgesamt Strategien zur Reduktion von Lebensmittelverlusten übertragbar zu entwickeln und umzusetzen.

Zu nennen ist darüber hinaus auch das grenzüberschreitende Engagement der DBU in dem Themenfeld. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist das Vorhaben der Wasteless-Foundation „Umweltbildung zum Thema nachhaltige Ernährung unter Berücksichtigung Planetary Health Diet bei ungarischen Grundschulkindern“, bei dem es in Kooperation mit Grundschulen in Budapest neben dem Thema der nachhaltigen Ernährung insgesamt u. a. auch um die Vermeidung von Lebensmittelverlusten und der Wertschätzung von Lebensmitteln geht.