DBU aktuell – Umweltbildung IV/2016

Themen in dieser Ausgabe: Wissenschafts-Comic AnthropozĂ€n-KĂŒche - Theaterprojekt "Parlament der Fische" - Citizen Science Projekt PAN-App - ENEFF-BLEND: Blended Learning zu Energieeffizienz - Leitfaden zu GrĂŒnanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre - Bericht zur DBU-Fachtagung "KlimavertrĂ€glich konsumieren im Quartier"

Liebe Leserinnen und Leser,

seit Anfang des Jahres hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt nun schon neue Förderleitlinien. Das Thema Umweltbildung ist nach wie vor fest in der Fördertätigkeit verankert. Es gibt allerdings nicht mehr wie bisher einzelne Förderbereiche, die sich ausschließlich mit diesem Thema widmen, sondern Umweltbildung wird nun in allen 13 Förderthemen mitgedacht und berücksichtigt. So stellt die DBU sicher, dass die Förderung des Umweltbewusstseins und –verhaltens der Menschen durch Information und Maßnahmen der Umweltbildung auch zukünftig vorangetrieben wird. (Detaillierte Förderthemen unter https://www.dbu.de/index.php?menuecms=2505)

Daher freuen wir uns, Ihnen auch im letzten Quartal 2016 sechs interessante und innovative Projekte vorstellen zu dürfen.

Wir entführen Sie in ferne Küchenwelten – um genau zu sein in die „Anthropozän-Küche“. Die Autorinnen und Autoren des gleichnamigen Wissenschafts-Comics geben in ihren individuell illustrierten Geschichten einen faszinierenden Einblick in die Vielfalt der Ernährungsgewohnheiten und zeigen, welch wichtige Rolle Phosphor dabei spielt.

International geht es auch beim „Parlament der Fische zu“. Das Theaterstück sensibilisiert für die Problematik der Vermüllung der Weltmeere und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die Staaten des Westbalkans.

Die PAN-App bringt uns zurück in heimischere Gefilde. Mit ihrer Hilfe lassen sich Umweltveränderungen, insbesondere im UNESCO Global Geopark TERRA.vita, festhalten. Das Citizen Science Projekt lässt dabei Bürgerinnen und Bürger an wissenschaftlicher Forschung teilhaben.

Wir stellen Ihnen außerdem das Projekt ENEFF-BLEND der Hochschule Aschaffenburg vor. Darin werden Schülerinnen und Schüler mittels spannender Experimente und einer virtuellen Lernplattform über Energieeffizienz aufgeklärt.

Im vergangenen Jahr haben wir bereits über die Workshops zu öffentlichen Grünanlagen der 1950er- und 1960er Jahre berichtet. Die dort angekündigte Publikation zum Erkennen und Pflegen dieser Anlagen wurde nun vorgestellt und ist bald online verfügbar.

Zu guter Letzt berichten wir über die Abschlussveranstaltung des Projekts „Klimaverträglich konsumieren im Quartier“ und stellen die wichtigsten Ergebnisse vor.

Außerdem möchten wir an dieser Stelle noch einmal auf die Veranstaltung "Reallabore als transformative Methode in der Nachhaltigkeitsbildung" hinweisen. Die Anmeldung ist noch bis zum 17. Januar 2017 möglich. Weitere Informationen zu dem Termin finden Sie unter https://www.dbu.de/1254ibook77920_36990_2487.html

Wir wünsche Ihnen allen eine besinnliche Weihnachtszeit und freuen uns, Sie auch im kommenden Jahr mit Neuigkeiten aus der Förderwelt zum Thema Umweltbildung versorgen zu dürfen.

Alles Gute,

Ihr Team von DBUaktuell Umweltbildung

Das Team von DBUaktuell Umweltbildung wĂŒnscht Ihnen eine besinnliche Adventszeit
© Fotolia - Anton Balazh, 2010

Phosphor ist als endliche Ressource eines der wichtigsten Elemente der Welternährung. „Phosphor“ ist zugleich die Hauptfigur in einem neuen Wissenschafts-Comic, der im Rahmen des Projekts „Die Anthropozän-Küche“ des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung der Humboldt-Universität zu Berlin entstand: Zwölf Zeichnerinnen und Zeichner unterschiedlicher Kulturen nehmen Sie mit auf eine Reise durch die Kontinente und gewähren mit ihren subjektiv erzählten und individuell illustrierten Geschichten einen faszinierenden Einblick in die Vielfalt der Ernährungsgewohnheiten und Esskulturen der Welt. Dabei wird der verschiedenartige Umgang der Menschen mit verfügbaren Ressourcen sichtbar und dessen Auswirkungen auf die globalen Stoffflüsse aufgezeigt. Eine zentrale Rolle spielt hier der Phosphor mit seiner überragenden Bedeutung für alles Lebendige und als eines von drei Hauptbestandteilen von Düngemitteln.

Die Narrative des Comics stehen im Zeichen einer Debatte um den Eintritt in eine neue erdgeschichtliche Epoche – das Anthropozän, das Zeitalter des Menschen. In unserem globalen Wirken hinterlassen wir zunehmend Spuren, die unseren Planeten dauerhaft verändern. Im Verständnis des Anthropozäns bedeutet das, die Wirksamkeit des persönlichen Handelns als Chance anzunehmen, die Umwelt aktiv zu gestalten. Gerade die Küche ist ein zentraler Ort, in dem diese Gestaltungsmöglichkeiten auf individueller Ebene zutage treten. Denn ähnlich wie die im Buch dargestellten Personen ist jeder einzelne von uns durch seine Alltagsentscheidungen auch Auftraggeber mannigfacher Produktionsketten und beeinflusst damit Stoffströme und Energieflüsse. Auf diese Weise gestalten wir die Welt, in der wir leben, mit.

Der Comic spricht Zielgruppen ab 14 Jahren an und ist bei Springer Spektrum (Heidelberg) erschienen. Neben der deutschsprachigen Originalausgabe gibt es auch eine englischsprachige Version.

Zu dem Wissenschafts-Comic wird zurzeit eine didaktische Handreichung für den Unterricht zusammen mit dem HUmanities Lab der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelt. Der Veröffentlichungstermin ist für Januar 2017 geplant.

Herausgeberinnen und Herausgeber

Reinhold Leinfelder ist Professor für Geologie und Paläontologie an der Freien Universität Berlin und Principal Investigator am Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung der Humboldt-Universität zu Berlin. Alexandra Hamann ist Autorin mehrerer Wissenschaftscomics und Leiterin der Agentur für Wissenschaftskommunikation und Bildungsmedien MINT WISSEN in Berlin. Der Geologe Jens Kirstein und der Biologie Marc Schleunitz sind wissenschaftliche Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin und beide am Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung der Humboldt-Universität zu Berlin tätig.

Weitere Informationen zur Publikation finden Sie unter:

https://www.interdisciplinary-laboratory.hu-berlin.de/de/content/die-anthropozan-kuche-das-labor-der-verknupfung-von-haus-und-welt/

Bestellen können Sie den Comic beispielsweise direkt beim Springer Verlag: http://www.springer.com/de/book/9783662498712

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Der Comic ist als 248-seitiges Hardcover erschienen
© Ruohan Wang
Zwölf internationale KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler verbinden in der AnthropozĂ€n-KĂŒche exzellente Wissenschaft mit exquisiter Darstellung
© Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung

3,4 Millionen Quadratkilometer Plastikmüll schwimmen auf oder kurz unter der Meeresoberfläche – ein Müllteppich so groß wie Indien. Die Plastikreste zersetzen sich nicht, sondern zerfallen in immer kleinere Partikel (Mikroplastik) und werden vor allem für die Meeresbewohner zur tödlichen Gefahr.

Die Künstlerin Regula Steiner-Tomic nahm die von ihr beobachtete zunehmende Vermüllung der Bucht von Kotor in Montenegro und den Mangel an Möglichkeiten der Müllvermeidung in Ländern des Westbalkans zum Anlass und initiierte das internationale Umwelt-Theater-Projekt „Parlament der Fische/ Parlament Riba/ The Parliament of the Fish“. Als Mitglied des kurtheater bitterfeld dessau-roßlau e.V. und gemeinsam mit dem EUCC - Die Küsten Union Deutschland e.V. (EUCC-D) möchte Steiner-Tomic Menschen motivieren, sich in ihrem nahen Umfeld für den Schutz von Gewässern, für die Vermeidung von Müll im Wasser und für ein aktives Handeln gegen Wasserverschmutzung zu engagieren.

Das Projekt verbindet auf neuartige Weise ein Theaterstück mit einem umwelt- und theaterpädagogisch aufbereiteten Workshop und Begleitprogramm. Grundschulkinder zwischen 8 und 12 Jahren sollen zu „Botschaftern“ für einen zukunftsfähigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen ermutigt und in die Lage versetzt werden, sich dafür aktiv einzusetzen. Die beteiligten Lehrkräfte sollen die nachhaltige Wirkung des Projektes an den verschiedenen Orten sichern.

Zu Beginn des Projekts nehmen die Schülerinnen und Schüler an einem 3-tägigen Umwelt-und Theaterworkshop teil, in dem Experten ihnen grundlegendes Wissen über die Notwendigkeit des Gewässerschutzes vermitteln. Verbunden mit den Inhalten des Theaterstücks entstehen zudem Geschichten, Installationen, Malereien u.v.m., die ergänzt durch die EUCC-D Wanderausstellung „Mensch â–Ș Müll â–Ș Meer“ vor Ort die Öffentlichkeit informieren. Vor der Aufführung werden alle Bürgerinnen und Bürger des Aufführungsortes zu einer öffentlichen Prozession eingeladen, bei der eine Fisch-Skulptur als Symbol des Projekts und zentraler Teil des Bühnenbilds ins Theater getragen wird. So soll das Projekt über die Grenzen der Schule hinaus in den Stadtraum hineinwirken. Auf der Theaterbühne agieren – musikalisch unterstützt - professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler.

Das Stück feierte im Juni Vorpremiere in Dessau und wurde im Juli im Rahmen des „Kotor Festival für Kindertheater“ in Montenegro uraufgeführt. Auch in Smederevo (Serbien) fand bereits eine Aufführung statt, weitere in Banja Luka (Bosnien-Herzegowina) und Berlin folgen.

Weitere Informationen zum Projekt und zu dem Stück finden Sie unter http://theparliamentofthefish.com/

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In Smederevo, Serbien nahmen 30 GrundschĂŒlerinnen und –schĂŒler der „Dr. Jovan Cvijić“ Schule am Umwelt- und Theaterworkshop teil
© Parlament der Fische
Zum großen Finaltag prozessierten die Kinder und LehrkrĂ€fte gemeinsam mit den Partnern sowie einer Tanz- und Folkloregruppe durch die Stadt
© Parlament der Fische
Die Plastikqueen (Astrid Strassburger) ist der böse Geist des StĂŒckes, die Gier, die VerfĂŒhrerin
© Parlament der Fische

Smartphones und ihre Apps sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Dokumentation von beliebigen Ereignissen über soziale Netze ist selbstverständlich geworden. Doch zur wissenschaftlichen Umweltdokumentation und Umweltbildung nutzen wir sie bisher nur wenig. Die Entwickler der PAN App möchten das ändern. Die Universität Osnabrück und das Unternehmen mindQ machen sich die enorme Verbreitung von Smartphones und deren Sensorik zu Nutze. Sie verknüpfen eine App zum wissenschaftlichen Umweltmonitoring mit dem Trend zu Citizen Science. So wollen sie Menschen für ihre Umwelt, den Umweltschutz und Umweltveränderungen sensibilisieren und aktiv in die Dokumentation von Veränderungen in der Landschaft einbinden.

Veränderungen der Umwelt sind und waren oft schleichend, so dass man sie häufig nicht wahrnehmen kann. Die Grundidee des Citizen Science Projektes PAN (der griechische Gott des Waldes, der Weiden und der Natur) ist es, diese Veränderungen in Time-Lapse-Videos, die aus Einzelfotografien zusammengefügt werden, über große Zeiträume zu dokumentieren und zu visualisieren. Dafür werden Natur-, Umwelt- und Wissenschaftsinteressierte, Touristen, Wanderer und Radfahrer, Schul- und Studiengruppen innerhalb des UNESCO Global Geopark TERRA.vita mittels der PAN App durch GPS- und Augmented-Reality-Navigation ähnlich zum Ansatz von „Pokemon-Go“ in die Lage versetzt, Geländeausschnitte bzw. Fotografien von annähernd gleichen Standorten mit möglichst identischer Perspektive über lange Zeiträume per Handy-Kamera zu dokumentieren.

Ziel des DBU-geförderten Projektes PAN ist es, Daten von hoher Güte für Planer, Umwelt- und Naturschutzbehörden sowie zur wissenschaftlichen Auswertung von Umweltveränderungen unter anderem bezogen auf geschützte Geotope in UNESCO-Geoparks zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig werden die Menschen mit Hilfe neuer, mobiler Technologien bei der Wahrnehmung der Umwelt in Hinblick auf das Auftreten und Vorkommen von Umweltveränderungen und Umweltphänomenen sensibilisiert, begeistert und somit Teil des wissenschaftlichen Prozesses.

Ein Demo-Video zur Anwendung der App finden Sie hier https://panature.org/ggn_material/augmented_guiding_screen_cast.mp4 und weitere Informationen zum Projekt sowie ein Time-Lapse-Video finden Sie unter https://panature.org/

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Screenshot der PAN-App. Er zeigt das Menu mit den verschiedenen Funktionen
© UniversitĂ€t OsnabrĂŒck
Stand anlĂ€sslich der Tagung der GlobalGeoparks in Torquay, Großbritannien: (von links nach rechts) Norbert de Lange (UniversitĂ€t OsnabrĂŒck), Bastian Albers UniversitĂ€t OsnabrĂŒck, Björn Fuhrmann (mindQ)
© Dana Pietsch

Die Energieeffizienz von Gebäuden wird besonders interessant, wenn der eigene Hausbau ansteht. Dabei lohnt es, sich bereits in jungen Jahren mit energieeffizientem Bauen auseinanderzusetzen. Deshalb will Prof. Ulrich Bochtler von der Hochschule Aschaffenburg den Bauenden von morgen Wissen zu diesem Thema vermitteln. Zusammen mit der Architektin Bettina Sickenberger möchte er mit ENEFF-BLEND (Energieeffizienz – Blended Learning) das Gespür von Schülerinnen und Schülern für das Errichten und Sanieren zukunftsfähiger Gebäude fördern und sie gleichzeitig für Technik begeistern.

In der Lernform des „Blended Learning“ können sich die Schülerinnen und Schüler der 8.-12. Klasse unter anderem mit den Themen Wärmedämmung, Gebäudehülle, Lüftung oder Solarthermie sowie Photovoltaik auseinandersetzen. Wissensbasis ist dabei zum einen ein virtueller Kurs im Internet, der sich in einen theoretischen Teil und Kontrollfragen gliedert. Zum anderen gibt es ein sogenanntes dreistündiges Effizienzpraktikum, das an der eigenen Schule oder im Labor der Hochschule Aschaffenburg durchgeführt werden kann. Während des Praktikums bearbeitet jede Schülergruppe zwei bis drei Experimente und wertet die Ergebnisse aus. Zu jedem Experiment gibt es eine detaillierte Versuchsvorschrift, die per Tablet-PC zur Verfügung gestellt wird, sodass die Gruppen weitgehend eigenständig arbeiten können. Im Schwierigkeitsgrad an die Jahrgangsstufe angepasst, werden die Experimente mit Aufgaben wie Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Lückentexte usw. ergänzt. Alle Experimente können mit geringem finanziellem Aufwand und einfachen Materialien aus dem Baumarkt oder dem Elektronikhandel durchgeführt werden. Als Abschluss wird ein Energieexperten-Quiz am PC durchgeführt, bei dem die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen unter Beweis stellen können.

So wird beispielsweise in einem Versuch zur Wärmedämmung zuerst der Temperaturverlauf in einem nicht isolierten Papphäuschen gemessen. Dann erhält das Häuschen, wie teilweise auch in der Realität, einen dicken Styropormantel und die Messreihe wird wiederholt. Dabei kann erlernt werden, dass eine gute Dämmung das Haus schneller warm werden lässt und es langsamer auskühlt.

Mittels insgesamt 11 solcher Experimente soll ein breites Wissens über Zukunftstechnologien und Klimaschutz verankert werden. Die Schülerinnen und Schüler können Verbrauchs- und Produktionsgewohnheiten kennenlernen, die durch mehr Effizienz in der Produktion und Veränderung im Konsumverhalten zu einer Verringerung von Umweltbelastungen führen. Bisher wurde das Projekt an 14 Schulen in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg durchgeführt, sieben Schulen kamen zum Effizienzpraktikum in die Hochschule. Außerdem wurden die Experimente an der Hochschule in Formaten wie Girls‘ Day oder Ferienuni genutzt. Durch diese Aktionen konnten bereits über 400 Schülerinnen und Schüler erreicht werden.

Die Skripte zu den Experimenten sowie Hintergrundinformationen zu den einzelnen Lerneinheiten können über die Lernplattform kostenlos und ohne Zugang heruntergeladen werden: http://193.174.126.34/moodle/login/index.php à „Als Gast anmelden“ à in der Navigation links: Kurse, Energieeffizienz, ENEFF-BLEND auswählen

Weitere Informationen zum Programm finden Sie unter https://www.km.bayern.de/lehrer/meldung/3442/projekt-informiert-schueler-ueber-energieeffizienz.html

AZ 31809     

SchĂŒlerinnen bei einem Experiment zu Solarthermie
© U. Bochtler
Versuchsaufbau zum Thema WÀrmedÀmmung
© U. Bochtler

Deutschlandweit gibt es zahlreiche öffentliche Grünflächen aus den 1950er- und 1960er-Jahren, die in ihrer Gesamtheit als wertvolles Kultur- und Naturerbe einzustufen sind. Viele von ihnen wurden in den letzten Jahren umgestaltet oder partiell verändert.

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU), der Arbeitskreis Kommunale Gartendenkmalpflege der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) und das Fachgebiet Denkmalpflege der TU Berlin untersuchten, mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die Qualitäten solcher Grünanlagen und stellten die Ergebnisse in einem Leitfaden zusammen. Dieser Leitfaden wurde nun in der Abschlussveranstaltung des Projekts vorgestellt.

Der Leitfaden möchte auf das gartenkulturelle Erbe der Nachkriegsmoderne in unseren Städten aufmerksam machen. Er soll sowohl zu einer größeren Bekanntheit und öffentlichen Beachtung dieser Grünanlagen als auch zur Wertschätzung und damit zur langfristigen Erhaltung dieser Objekte beitragen. Für Fachleute und interessierte Laien soll er vor allem Wissen vermitteln, um die Anlagen dieser Zeit aufzuspüren – selbst dann, wenn sie nur noch in Teilen erhalten sind – und ihre Qualitäten zu erkennen.
Zu diesem Zweck wurden die für die 1950er- und 1960er-Jahre typischen Gestaltungselemente öffentlicher Grünanlagen – Raumstruktur, Formensprache, Materialien und Ausstattung – kurz beschrieben und beispielhaft durch Abbildungen veranschaulicht.

Den Leitfaden finden Sie online unter http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5540, und den detaillierten Projektbericht unter http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5541. Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich gerne an Dr.-Ing. Sylvia Butenschön von der TU Berlin (s.butenschoen@tu-berlin.de).

Titelblatt des Leitfadens zu „Öffentlichen GrĂŒnanalgen der 1950er- und 1960er-Jahre
© TU Berlin
Titelblatt des Projektberichts zu „Öffentlichen GrĂŒnanalgen der 1950er- und 1960er-Jahre
© TU Berlin

Anlass für die Tagung war das laufende DBU-Modellprojekt „Energieeffizienz und Wohnungswirtschaft – Erprobung von Umweltkommunikationskonzepten zum energieeffizienten Bewohnerverhalten in Bestandssiedlungen in Erfurt und Kassel (EnWoKom)“, das das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP) der FH Erfurt seit 2013 durchführt.

Zu Beginn verdeutlichte Dr. Reusswig vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dass die nationalstaatliche Sicht des Themas nicht ausreiche. Einige Metropolen, wie beispielsweise Tokio oder auch London, seien derzeit im Ranking bezogen auf Wirtschaftskraft und CO2-Ausstoß ganz oben; folglich wären Aktivitäten dieser Städte auch besonders hoch und im globalen Maßstab zu bewerten.

Neben den Ansätzen der Modellstädte, wurde auch das Züricher Praxisbeispiel zum Thema „Nachhaltiges Wohnen und Leben im Hunziker Areal“ von Peter Schmid, Präsident der Baugenossenschaft mehr als wohnen, vorgestellt. Er zeigte, dass das Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft durch unterschiedliche Strategien verfolgt wird. So leisten neben dem ausschließlichen Einsatz von erneuerbaren Energien, einer Quartiersversorgung mit lokalen Produkten und Dienstleistungen, insbesondere die dargebotenen Sharing-Möglichkeiten einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Quartiersentwicklung.

Am Nachmittag fanden zwei Foren zu den Themen „Energetische Quartiersentwicklung - Strategien und Erfahrungen aus Forschung und Praxis“ sowie „Kommunikationsansätze für nachhaltigen Konsum und Klimaschutz im Quartier“ mit Impulsgebung durch Dr. Kersten Roselt (EnergieWerkStadt eG) und Dr. Silke Kleinhückelkotten (ECOLOG Institut für Sozial-ökologische Forschung und Bildung gGmbH) statt. Einen Beitrag aus der kommunalen Praxis leistete Peter Warthenpfuhl (Städtischer Baudirektor der Landeshauptstadt Kiel). Wohnungswirtschaftliche Perspektiven wurden durch Frank Druska (GESOBAU AG) und Rainer Stoodt (GSW Gießen mbH) vertreten.

Gemeinsame Erkenntnisse aus den Foren waren, dass es Initialprojekte benötigt, um energetische Quartiersentwicklung voranzutreiben. Beispielhaft dafür ist der energetisch sanierte Energietreff „Auguste“ im Kieler Klimaschutzquartier Gaarden. Er fungiert als wichtige Anlaufstelle für Interessierte, die sich im Rahmen von Energiesprechstunden über die energetische Quartierssanierung informieren wollen.

Die Ergebnisse aus dem Bereich Kommunikation haben gezeigt, dass bei der Umsetzung bestimmter Verhaltensweisen insbesondere milieuabhängige Hürden auftreten, so dass die zielgruppenspezifische Kommunikation allein nicht ausreicht. Wichtig sei, immer wieder unmittelbare Erfahrungsbezüge im alltäglichen Lebensumfeld herzustellen, um darüber Motivation für das Thema zu generieren. Zudem bilden persönliche Kontakte zu Bewohnerinnen und Bewohnern, zeitliche Ressourcen der Unternehmen und kontinuierliche „Kümmerer“ im Quartier eine wichtige Basis.

Abschließend fand eine Podiumsdiskussion mit den Praxispartnern aus Stadtverwaltung und Wohnungswirtschaft statt. Schwerpunkte der Diskussion bildeten neben der zentralen Motivation von Akteuren sowie harten und weichen Instrumenten für die energetische Quartiersentwicklung auch Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren für klimaverträglichen Konsum im Quartier. Dabei hemmen vor allem gesetzliche Normen und Regeln sowie komplexe Förderlandschaften eine nachhaltige Quartiersentwicklung. Genossenschaftliche Modelle, eine enge Mietergemeinschaft sowie Mieter-Vermieter-Beziehung fördern hingegen gemeinsame Aktivitäten auf Quartiersebene.

AZ 30593

Nachhaltige Quartiersentwicklung hĂ€ngt von vielen Faktoren ab – gute Mieter-Vermieter-Beziehungen fördern gemeinsame AktivitĂ€ten
© MP_P - Fotolia

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