DBU aktuell Nr. 7-8 | Juli-August 2013

Informationen aus der Fördertätigkeit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt

Das Bauwesen hat eine Schlüsselfunktion in der Energiewende. Zusammen mit den Faktoren Materialherstellung, Bauprozesse und Transport beansprucht der Gebäudesektor nahezu 50 % des Gesamt­energieverbrauchs in Deutschland. Ebenso entscheidend ist der Einfluss im Bereich der Stoffströme und des Material­einsatzes.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat dieses Thema folgerichtig zum Schwerpunkt des diesjährigen Herbstsymposiums gemacht, das am 19./20.September 2013 in Benediktbeuern.stattfindet. Der Titel des Symposiums, das von der DBU und dem Verein der Freunde und Förderer des Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten und der Bayerischen Architektenkammer ausgetragen wird, lautet: »Bauen für die Zukunft – Aus der Praxis für die Praxis«.

Am ersten Tag geht es nach der Einführung um Praxis­beispiele im Zusammenhang mit energieeffizienten Sanierungen im Gebäudebestand. Der zweite Tag ist dem Thema nachhaltig Bauen in Modellprojekten der DBU gewidmet. Eine Podiumsdiskussion mit namhaften Vertretern unter dem Titel » Messlatte Nachhaltigkeit – Prozesse und Kriterien für zukunftsfähiges Bauen« rundet die Veranstaltung ab.

Die Teilnehmergebühr beträgt 98,- Euro. Anmeldungen bis 20. August an folgende E-Mail-Adresse: p.schatkowski@dbu.de

Näheres sowie das ausführliche Programm unter: www.dbu.de/135.html

Das ZUK im malerisch gelegenen Kloster Benediktbeuern beherbergt erneut das Herbstsymposium – in diesem Jahr zum Thema »Bauen für die Zukunft«.
© Simon Mayr

Zum 1. Oktober 2013 wird Dr. Heinrich Bottermann neuer Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück. Das Kuratorium der DBU unter Vorsitz von Hubert Weinzierl berief den 57-jährigen Präsidenten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucher­schutz in Nordrhein-Westfalen an die Spitze der Geschäftsstelle der größten Umwelt­stiftung der Welt. Bottermann tritt die Nachfolge von Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde an, der Ende September mit 65 Jahren in den Ruhestand geht. Bottermann studierte Veterinärmedizin in Gießen und wurde in Hannover promoviert.

Der zukünftige DBU-Generalsekretär arbeitete von 1985 bis 1990 als beamteter Tierarzt im Kreis Borken. Von 1990 bis 1993 war er Referatsleiter beim Gesundheitssenator der Freien Hansestadt Bremen, danach von 1993 bis 1995 Referatsleiter im Bundesministerium für Gesundheit. Es folgten Stationen als Referatsleiter für Tierschutz und Tierarzneimittel im Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (MUNLV, 1995 bis 2007), Leiter des Landesamtes für Ernährungswirtschaft und Jagd NRW (2003 bis 2006) und stellvertretender Abteilungsleiter für Landwirtschaft im MUNLV. Seit dem 1. August 2007 ist Bottermann Präsident des Landesamtes, einer Behörde mit rund 1 400 Mitarbeitern.

Ab 1. Oktober Generalsekretär der DBU: Dr. Heinrich Bottermann
© LANUV/H. SĂĽdhaus

Nach dem aktuellen Wasserhaushalts­gesetz müssen an Wasserkraftwerken Maßnahmen ergriffen werden, um den Schutz der Fische vor Turbinen und den Abstieg wandernder Fischarten zu verbessern. Dies gelingt nach Aussage der Versuchsanstalt und Prüfstelle für Umwelttechnik und Wasserbau an der Universität Kassel zuverlässig nur mit feinen mechanisch wirkenden Sperren, sogenannten Feinrechenanlagen. Diese Sperren schützen die Tiere zwar vor den Turbinen, hindern sie aber daran, das Wasserkraftwerk zu passieren.

Umgangen wird dies durch technische Baumaßnahmen, die einen gefahrlosen und leicht zu findenden alternativen Wanderkorridor für Fische eröffnen. Bisherige Lösungen, die nach dem Konzept »Fische leiten« funktionieren, arbeiten jedoch wegen hoher Kosten und nicht nachgewiesener Effizienz derzeit nicht überzeugend. Alternativ dazu wurde von der Versuchsanstalt für Wasserbau (Universität Kassel) ein Fischhebe­trog untersucht, der nach dem Funktions­prinzip »Fische abholen« arbeitet und für den Fischabstieg entscheidende Verbesserungen verspricht. Dieser Fischlift kombiniert die Aufgaben der Rechen­reinigung und des Fisch­abstiegs in einer Anlage.

Das System besteht aus einem vertikal verfahrbaren Trog, der aus einer Ruheposition in oder über der Sohle nach oben fährt, wobei das Rechengut abgeschabt wird und die Fische im Trog eingesammelt werden. Am Wasserspiegel angekommen wird der Trog seitlich entleert. Die Fische werden dabei zusammen mit dem Rechengut in das Unterwasser geschwemmt. Dieses Konzept wurde in einer halbtechnischen Anlage im Labor mit lebenden Fischen (Aale, Lachs-Smolts, Gründlinge, Rotaugen) untersucht und erbrachte sehr gute Ergebnisse.

Lediglich das Ableiten aus dem Trog muss nach Darstellung der Kasseler Fachleute mithilfe einer Naturanlage optimiert werden. Dank der guten Ergebnisse konnte der Prozess der Patentierung und Lizenzierung aktuell vorangetrieben werden. Ein kommerzieller Kooperationspartner, an den eine Lizenz vergeben wurde, plant den Bau einer Pilotanlage, um die noch ausstehenden Tests durchzufĂĽhren.

Zur Erklärung der Funktionsweise des Fischhebetroges wurde eine Animation erstellt, die auf folgender Website zugänglich ist: www.uni-kassel.de/fb14/vpuw/Download/FischSchonRechen/FSRReinigung und Fischabstieg.wmv

Funktionsskizze des Fischhebetrogs
©

Die meisten Reinigungsprozesse werden heute mittels wässriger Reiniger durchgeführt. Wenn deren Reinigungsleistung nicht ausreicht, sind lösemittelbasierte Reiniger allerdings eine häufig genutzte Variante. Dies ist besonders im Bausektor der Fall, etwa im Handwerk und im privaten Bereich, wo lösemittelbasierte Pinselreiniger oder Klebstoffentferner noch vielfach eingesetzt werden. Allein in deutschen Baumärkten werden pro Jahr rund eine Million Liter Pinselreiniger verkauft.

Um hierzu eine Alternative zu schaffen, wurde am Forschungs­zentrum Jülich zusammen mit der Firma Bernd Schwegmann GmbH & Co. KG (Grafschaft-Gelsdorf) ein neuartiger Mikroemulsionsreiniger entwickelt. Der wasserbasierte Reiniger ist vollständig kennzeichnungsfrei und enthält keine Lösemittel. Die Komponenten sind leicht biologisch abbaubar. Darüber hinaus ist der Reiniger hautverträglich, pH-neutral und geruchlos.

Er eignet sich zum Reinigen von Pinseln und anderem Malerwerkzeug und ist den lösemittelbasierten Reinigern in der Reinigungskraft ebenbürtig. Neben den erheblichen Vorteilen im Bereich Gesundheits- und Umweltschutz besitzt der neue Reiniger auch einen weiten Anwendungsbereich. So lassen sich damit eingetrocknete Farbreste ebenso entfernen wie Klebe- und Teerrückstände oder Dichtmassen. Der Reiniger wird von der Firma Clou vermarktet.

Näheres siehe: www.clou.de/bau-heimwerker/service-aktuelles/experten-tipps/universal-farbloeser/

Links: Beim Entfernen schon eingetrockneter Farbe ist der neue Reiniger (rechts) den lösemittelbasierten Pinselreinigern (links) sogar überlegen. Rechts: Auch Kleberückstände lassen sich mit dem Mikroemulsionsreiniger entfernen.
©

Sie haben sich gegenseitig besucht, Umweltprojekte recherchiert und für renommierte Tageszeitungen ihrer Heimatländer aufbereitet: Deutsche und türkische Schülerinnen und Schüler, die in den vergangenen Monaten als »Nachwuchsjournalisten« am Umweltbildungsprojekt »Umwelt baut Brücken – Çevrecilikle Kurulan Köprüler« der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) teilgenommen haben. Zehn dieser jugendlichen »Brückenbauer« wurden Anfang Juni – zusammen mit Vertretern von Partnerzeitungen und 20 deutschen und türkischen Schulen, die zukünftig am Projekt teilnehmen – im Schloss Bellevue in Berlin empfangen. Schirmherren des deutsch-türkischen Projekts sind Bundespräsident Joachim Gauck und der Staatspräsident der türkischen Republik, Abdullah Gül.

Der Empfang beim Bundespräsidenten war feierlicher Abschluss des seit September laufenden Zwischenprojektes, das in Kooperation mit dem Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) aus Aachen und dem Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der DBU durchgeführt wird: »Wir freuen uns sehr, dass – nach der mehrjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit mit Schulen in Mittel- und Osteuropa – seit 2011 die Türkei neues Partnerland unseres europaweiten Schüleraustausch- und Medienprojektes ist«, erklärte DBU-General­sekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde.

Seit vergangenem Herbst hatten sich etwa 140 Jugendliche fünf deutscher und fünf türkischer Schulen im Rahmen bilateraler Partnerschaften besucht. Der Empfang war gleichzeitig Startschuss für das dreijährige Hauptprojekt »Umwelt baut Brücken – Çevrecilikle Kurulan Köprüler«, das von 2013 bis 2016 stattfindet.  Zehn deutsche und zehn türkische Schulen werden sich im Rahmen dieses Vorhabens gegenseitig besuchen.

www.umwelt-baut-bruecken.de

Bundespräsident Joachim Gauck (Bildmitte) empfing Anfang Juni deutsche und türkische Schüler/-innen des Umweltbildungsprojekts »Umwelt baut Brücken« sowie DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde (letzte Reihe links) im Schloss Bellevue.
©

Seit nunmehr über 15 Jahren lobt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) bei »Jugend forscht« zwei interdisziplinäre Sonderpreise im Bereich Umwelttechnik aus. Die Preisträger des DBU-Sonderpreises im diesjährigen 48. Bundeswettbewerb, dessen Finale Ende Mai in Leverkusen stattfand, sind:

Jonas Engelhard entwickelte ein Messgerät für Kläranlagen. Mit ihm lässt sich, wie in der Klär­anlage Hersbruck bei Nürnberg gezeigt, ein Einsparpotenzial von 4,5 % beim Stromverbrauch realisieren. Kläranlagen haben ihren höchsten Stromverbrauch durch die Versorgung der Klärbecken mit Sauerstoff.
Dieser ist Voraussetzung für die Abbau­tätigkeit der Bakterien. Unter bestimmten Umständen bzw. zu bestimmten Zeiten befindet sich auch ohne externe Luftzufuhr genügend Sauerstoff im Klärbecken. Um dies zu erfassen, bedarf es allerdings einer genauen messtechnischen Ermittlung des Bakterienverhaltens. Ein solches Messgerät hat Jonas Engelhard entwickelt und erprobt.

Lärm lässt sich durch Schutzwälle oder durch sogenannten Antischall bekämpfen. Beim Antischall macht man sich zunutze, dass sich die Wellen der Schallquelle und der Antischallquelle bei entsprechender Phasenverschiebung auslöschen. Um dieses Konzept zu testen, bauten die Jungforscher Eva-Lena Stange, Lasse Roth und Phillipp Schönhoff aus Kiel eine Versuchsapparatur. Sie bestand aus Lautsprechern, Mikrofon und Mikro­prozessor. Damit gelang es ihnen, einen bestimmten Ton zu eliminieren – vorausgesetzt, der Zuhörer befand sich an einer bestimmten Stelle im Raum.

www.jugend-forscht.de

DBU-Juror Felix Gruber (2. v. r.) mit den diesjährigen Preisträgern des DBU-Sonderpreises bei Jugend forscht (v. l.): Jonas Engelhard, Phillipp Schönhoff, Lasse Roth und Eva-Lena Stange
©

Die Firma Postberg+Co. Druckluftcontrolling GmbH (Kassel) hat den mit DBU-Förder­mitteln entwickelten PB+Controller im Juni zum internationalen System­patent angemeldet (siehe DBU aktuell 04/12). Eine Pilotanlage, bestehend aus einem PB+Controller und einem PB+Compressor, wurde ferner Anfang Juni bei der Firma Hübner (Kassel) eingeweiht (siehe Bild). Mit dem KWK-Druckluft+-System kann ein einzelner Anwender nach Firmenangaben 240 t CO2 pro Jahr einsparen, was etwa dem Ausstoß von 24 Bundesbürgern im Jahr entspricht. Ziel des Unternehmens ist es, 500 solcher KWK-Druckluft-Anlagen zu bauen und zu vertreiben.

Für ihre Förderinitiative »Nachhaltige Pharmazie« hat die Deutsche Bundes­stiftung Umwelt (DBU) ihre zweite Ausschreibung gestartet. Ziel der Initiative ist

Das Antragsverfahren für Projekte im Rahmen der Förderinitiative »Nachhaltige Pharmazie« ist grundsätzlich für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Forschungseinrichtungen offen. Ausdrücklich erwünscht sind Kooperationsprojekte zwischen KMU und Forschungseinrichtungen.


Weitere Einzelheiten unter: www.dbu.de/2031.html

Bei den schweren Hochwasservorkommnissen im Juni dieses Jahres kam auch ein von der DBU gefördertes Sandschlauch-System in Straubing (Bayern) durch den THW zum Einsatz (siehe Foto). Das Verfahren (siehe DBU aktuell 11/10) ist kostengünstiger und zeitsparender als die konventionell verwendete Methode mit Sandsäcken. Es ist nach Auskunft des entwickelnden Ingenieurs Eduard Demmelmaier (Markt Indersdorf) überall dort einsetzbar, wo Radlader sich bewegen können. Das Projekt wurde gemeinsam mit der bsg Handels-GmbH (Eglhausen) entwickelt und vom THW München erprobt. Erstaunlicherweise konnte nach Aussage Demmelmaiers trotz der teilweise akuten Hochwasserbedrohung in Deutschland noch kein einziges dieser Systeme verkauft werden.

Unter dem Titel »Ihrer Zeit voraus. Visionäre Frauen im Einsatz für den Umwelt- und Naturschutz 1899 bis heute« hat das Bundesumweltministerium (BMU) mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) eine Ausstellung konzipiert, die engagierte Frauen im Umwelt- und Naturschutz würdigt. Die Poster-Ausstellung ist bis Ende August im Zentrum für Umweltkommunikation der DBU in Osnabrück zu sehen. Sie ist montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei.

Ab Anfang November 2013 ist die Wanderausstellung »WasserWissen – die wunderbare Welt des Wassers« kurzfristig und letztmalig für eine Standzeit von mindestens zwei Monaten ausleihbar. Die gemeinsame Ausstellung von DWA und Deutscher Bundesstiftung Umwelt (DBU) präsentiert über 21 interaktive Mitmach­module zu Themen wie: Ressource und Lebensraum Wasser, Hochwasser, Trinkwasser gewinnen, Wasser verwenden, Virtuelles Wasser und Wasser reinigen.

Die Ausleihe dieser Ausstellung ist kostenlos, der Entleiher trägt lediglich die Kosten für den Transport und die Versicherung der Ausstellung. Das Zentrum für Umweltkommunikation der DBU (ZUK) hat pädagogische Materialien zur Ausstellung für Schulklassen der Sekundarstufen I und II sowie Broschüren und Faltblätter entwickelt. Die Begleitmaterialien stellt das ZUK dem Entleiher ebenfalls kostenfrei zur Verfügung.

Weitere Informationen telefonisch unter 0541|9633-921 oder s.tepker@dbu.de

Vor kurzem neu erschienen ist ein Video-Clip über »Nachhaltige Veranstaltungen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)«. Er klärt über »Green Meetings« im DBU Zentrum für Umweltkommunikation ebenso auf wie über weitere DBU-Veranstaltungen wie Umweltpreisverleihung, Jugend-Kongress und Ausstellungen, die Nachhaltigkeitskriterien folgen.

Der Film ist im Youtube-Kanal der DBU zu sehen unter: www.youtube.com/user/BundesstiftungUmwelt

Herausgeber
Deutsche Bundesstiftung Umwelt DBU
An der Bornau 2
49090 OsnabrĂĽck
Tel. 0541|9633-0
Fax 0541|9633-190
www.dbu.de

Redaktion
Stefan RĂĽmmele
Zentrum fĂĽr Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gGmbH ZUK
An der Bornau 2
49090 OsnabrĂĽck
Tel. 0541|9633-962
Fax 0541|9633-990

Verantwortlich
Dr. Markus GroĂźe Ophoff (ZUK)

Erscheinungsweise
monatlich (Doppelausgabe: Juli/August)
Adresse für Bestellungen und Adressänderungen ist die Redaktionsanschrift
kostenlose Abgabe

Gestaltung
Birgit Stefan (ZUK)