DBU aktuell Nr. 4 | April 2010

Informationen aus der Fördertätigkeit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt

Die globale Finanzkrise hat nicht nur die Kapitalmärkte an den Abgrund gebracht. Auch die Realwirtschaft geriet ins Stocken, und nur durch ein bislang beispielloses Eingreifen der führenden Notenbanken und vieler Staaten konnte ein Kollaps der Weltwirtschaft vermieden werden. Die Kosten dieser Rettungsmaßnahmen, vor allem durch direkte staatliche Unterstützungen im Bankensektor und durch weltweite Konjunkturprogramme, werden uns in Form von enorm angestiegenen Staatsschulden noch Jahrzehnte belasten. Regelungsdefizite auf den Kapitalmärkten und kurzfristiges Gewinnstreben der Akteure haben letztlich zu gigantischen Vermögens­verlusten bei vielen Beteiligten geführt. Eine auf langfristigen Erfolg ausgerichtete Kapitalanlage sieht anders aus. Werden nachhaltig ausgerichtete Vermögens­anlagen aber wirklich die Gewinner dieser Ereignisse sein?

Medien & Infos

Bieten sich für nachhaltige Kapitalanlagen nach der Finanzkrise neue Chancen? Top-Experten diskutieren diese Frage im Rahmen der diesjährigen DBU-Sommerakademie.

Viele Fragen im Fokus

Um ein wenig Licht in den Dschungel umwelt- und sozialverträglicher Anlage­optionen zu bringen, hat die DBU ihre 16. Internationale Sommerakademie vom 20. bis 25. Juni 2010 diesem Thema gewidmet. Wie »grün« sind nachhaltige Anlagen wirklich? Wie hat sich die Finanzkrise auf nachhaltige Kapitalanlagen ausgewirkt? Und können weltweite Konjunkturprogramme „grünen« Investments einen Schub geben? Ist die Bewertung von Staatsanleihen unter Nachhaltigkeitsaspekten sinnvoll? Wie steht es mit Investitionen in Rohstoffe? Können diese überhaupt nachhaltig sein? Sind nachhaltige alternative Investments eine Perspektive? Dies sind nur einige der Fragen, die im Fokus der Tagung stehen. Professor Hans-Helmut Kotz, Vorstand der Deutschen Bundesbank, Markus Beumer, Vorstand der Commerzbank AG und Jürgen Fitschen, Vorstand der Deutschen Bank AG zählen ebenso wie andere Top-Experten aus Finanzbranche, Wissenschaft und Unternehmenspraxis zu den Referenten.

Am Eröffnungstag werden zunächst die Chancen und Risiken von nachhaltigen Kapitalanlagen aus volkswirtschaftlicher Perspektive insbesondere unter Berücksichtigung der Finanzkrise beleuchtet. Am Dienstag stehen spezielle Fragestellungen zur Nachhaltigkeit in den Asset-Klassen Aktien, Bonds, Immobilien und Rohstoffe auf dem Programm. Am Donners­tag wird die Frage­stellung untersucht, ob alternative Kapital­anlagen wie etwa Private Equity im Nachhaltigkeitsbereich eine Perspektive bieten können. Brauchen wir vielleicht gerade bei nachhaltigen Investments eine andere Risikokultur, um Innovationen voranzutreiben? Innovative Unternehmer werden Projekte aus der Förderpraxis der DBU präsentieren und mit den Teilnehmern unter anderem über Finanzierungsfragen diskutieren.
Natürlich darf im WM-Jahr 2010 der Fußball nicht zu kurz kommen. Für Gelegenheit, Spiele gemeinsam anzuschauen, ist gesorgt. Eine weitere Abendveranstaltung und Exkursionen (am Mittwoch) bieten Gelegen­heit zum intensiven Austausch.

Die Teilnahme an der Sommer­akademie ist wie immer kostenlos. Nur Anreise, Unterkunft und Verpflegung müssen selbst getragen werden, wobei das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal Zimmer für jeden Geldbeutel anbietet. Die Online-Anmeldemaske (bis 12. Mai 2010), weitere Informationen sowie das ausführliche und jeweils aktuelle Tagungsprogramm finden Sie hier.

In den letzten zehn Jahren ist der Anbau von Energiepflanzen in Deutschland um das Vierfache angestiegen. Er nahm im Jahr 2008 bereits rund 2 Mio. ha ein, was etwa 17 % der Ackerflächen entspricht. Bei dieser bedeutenden Flächenentwicklung stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Naturverträglichkeit der Biomassebereitstellung. Die DBU förderte daher zu diesem Thema eine Reihe von Projekten. Eines davon ist das Vorhaben »Übertragbare Strategien zur naturverträglichen Biomassebereitstellung auf Landkreis­ebene – am Beispiel der Regionen Ostprignitz-Ruppin/Brandenburg und Chiemgau/Bayern«. Das Projekt wurde vom Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus der TU München in Kooperation mit dem Institut für Landschafts­architektur und Umweltplanung der TU Berlin sowie den beteiligten Landkreisen realisiert.

Schwerpunkt des Vorhabens war die Entwicklung einer Methodik, die aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes kulturarten- und standortspezifische Risiken für den Anbau von Energie­pflanzen darstellbar macht. Die Aussagen zur Naturverträglichkeit basieren auf einer ökologischen Risikoanalyse. Untersucht wurden Kulturpflanzen wie Mais, Raps, Roggen, aber auch neue Kulturen wie Sudangras oder Pappeln. Die Auswirkungen des Anbaus wurden hinsichtlich der Parameter Bodenerosion durch Wasser und Wind, Bodenverdichtung, Nährstoffauswaschung und Beeinträchtigung der Biodiversität bewertet. Als wichtige Ergebnisse entstanden pflanzen­spezifische Empfehlungskarten. Da die Methodik auf bundesweit verfügbare Datensätze aufbaut, ist sie mit wenigen Anpassungen auch auf andere Regionen anwendbar.

Wie naturverträglich ist die Biomassegewinnung aus Raps? Dieser Frage gingen die Forscher am Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus der TU München in einem Forschungsvorhaben nach.
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In Kurzumtriebsplantagen werden schnell wachsende Baumarten wie Weiden oder Pappeln mit 2- bis 10-jährlichen Ernte­intervallen auf Landwirtschaftsflächen kultiviert. Das Holz kann zur Energiegewinnung genutzt oder stofflich eingesetzt werden.
Wie sehen die Chancen und Risiken für eine naturverträgliche Produktion von Energieholz aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Vorhabens Novalis, das von der Georg-August-Universität Göttingen in Kooperation mit der Bundes­forschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, der Fachhochschule Eberswalde, dem Büro für angewandte Landschafts­ökologie (Göttingen) und der Waldmärker­schaft Uelzen sowie den Stadtwerken Gütersloh GmbH durchgeführt wurde. Im Einzelnen wurden Kenngrößen des Wasser- und Stoffhaushalts und der Biodiversität an bereits vorhandenen Kurzumtriebsplantagen in Niedersachsen, Hessen, Sachsen und Brandenburg erfasst.

Darüber hinaus wurden in zwei Regionen Kurzumtriebsplantagen als Landnutzungsalternative landschaftsökologisch bewertet. Die Ergebnisse zeigen im Bereich der Phyto­diversität, dass Kurzumtriebsplantagen die Pflanzenvielfalt steigern können, wenn diese in kurzer Distanz zu alternativen Landnutzungsformen (Wald, Brache, Grünland) angelegt werden und so eine Einwanderung von Arten ermöglichen. Auch die Variation der Umtriebszeiten und das Zulassen von Bestandslücken sowie Randstrukturen tragen aus naturschutzfachlicher Sicht zur Aufwertung der Kurzumtriebsplantagen bei. Diese und weitere Resultate werden in einer Handlungsanleitung zur Anlage von Kurz­umtriebsplantagen zusammengefasst.
Die Broschüre steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Kurzumtriebsplantagen – Handlungsempfehlungen zur naturverträglichen Produktion von Energieholz in der Landwirtschaft – Ergebnisse aus dem Projekt NOVALIS
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Dank des novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) von 2004 hat die Anzahl von Biogasanlagen in der Landwirtschaft stark zugenommen. Dabei ist jedoch eine adäquate Verbesserung der Planung sowie der technologischen Optimierung der Biogassysteme nicht in wünschenswertem Maße erfolgt. Ergebnisse des Biogas-Messprogramms, Betreiber­beratungen und Erfahrungen von Akteuren aus dem Bereich der landwirtschaftlichen Biogaserzeugung und -nutzung offenbarten klare Defizite bei Biogasanlagen. So konnte etwa die Aus­lastung der Anlagen wenig gesteigert werden. Obwohl Kenntnisse, Anregungen und Maßnahmen zur Anlagenverbesserung existieren, fehlten bislang verbindliche Anforderungen und Bewertungsmaßstäbe.

Nunmehr wurde vom Deutschen BiomasseForschungsZentrum (Leipzig) und dem Johann Heinrich von Thünen-Institut, Institut für Agrartechnologie und Biosystemtechnik (Braunschweig), ein Kriterien- und Bewertungs­katalog zur gezielten Steigerung der Planungsqualität, der Errichtung und des Betriebes von Biogasanlagen erarbeitet, der diesen Missstand behebt. Dieser Katalog liegt als webbasiertes Werkzeug vor, das dem Nutzer die Eingabe diverser Parameter und die Beantwortung einer Vielzahl an Fragestellungen ermöglicht sowie eine Bewertung der Biogasanlage unter technischen, ökonomischen und ökologischen Aspekten liefert. Die Auswertung erfolgt jeweils nach dem Ampelprinzip und gibt zudem Hinweise auf schwerwiegende Fehler oder Ausschlusskriterien. Begleitend zum Webtool wurde ein umfassendes Handbuch mit ergänzenden Kommentaren erarbeitet. Durch diese Anleitung können Fehler in der Anlagenplanung und im Umgang mit landwirtschaftlichen Biogas­anlagen vermieden werden.
www.dbfz.de

Der Katalog zur Bewertung von Biogasanlagen liegt als webbasiertes Werkzeug vor.
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Die niederschlesische Stadt Bielawa hat ein neues Vorzeigeobjekt: In 32 Monaten Bauzeit ist in der polnischen Stadt nahe des Landschaftsparks Eulengebirge ein ökologisches Modellgebäude aus Holz und Glas entstanden, das in Form und Charakter einzigartig ist. In der so genannten Waldschule wird in Zukunft auf 100 Quadratmetern ökologisches Wissen an unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen vermittelt – vom Kindergarten bis zur Fachhochschule. Die außerschulische Umweltbildungsstätte verfügt über einen Vortragssaal mit Medienausstattung, ein Labor für Schüler und Jugendliche sowie im Außenbereich über einen »grünen Klassenraum« für rund 40 Personen. Das attraktive Gebäude in landschaftlich reizvoller Lage fügt sich dank seiner Spinnenform auch optisch sehr organisch in die Umgebung ein. Nach seiner Eröffnung im September dieses Jahres wird es das Umweltbildungsangebot der gesamten Region spürbar erweitern.

Die neue Waldschule im polnischen Bielawa ...
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... wird das Umweltbildungsangebot der gesamten Region bereichern.
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Wieslawa Dyki, geborene Breslauerin (Wroclaw/Polen), ist seit 1994 als Sonderbeauftragte der DBU für Polen tätig – zusätzlich seit 2008 als Landes­koordinatorin des Internationalen Stipendienprogramms in Polen. Seit 2009 ist sie ferner für die DBU-Projekte sowie das Stipendienprogramm in der Ukraine zuständig. Zum Engagement der DBU in den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOE-Staaten) sagt die ausgebildete Diplomingenieurin (Schwerpunkt: Luftreinhaltung):

»Die DBU-Förderung in den MOE-Staaten, und dies gilt für Polen wie für viele andere Länder, ist aus meiner Sicht deshalb besonders effizient und wichtig, weil dort ein immenser Nachholbedarf im Umweltschutz besteht und es guter Erfahrungen, praktikabler Lösungen und entsprechen­der Technologien aus Deutschland bedarf.«

DBU-Sonderbeauftragte fĂĽr Polen und Ukraine: Wieslawa Dyki
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Kuratoriums-Vorstand der DBU komplett

Hubert Weinzierl (2. v. r.), Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), führt auch weiterhin die Geschicke der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU, Osnabrück). Dem Kuratoriumsvorsitzenden steht seit Mitte März folgendes Vertreter-Duo zur Seite: Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden des Kuratoriums gewählt wurde neben dem schon bisherigen »Vize« und mittelständischen Solarunternehmer Helmut Jäger
(r., Solvis, Braunschweig) der Staats­sekretär im Bundes­umweltministerium, Jürgen Becker (2. v. l.). Die Führungsriege komplettiert DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde (links).

Zwölf DBU-Projekte ausgezeichnet

Insgesamt zwölf DBU-Projekte wurden Mitte März auf der Bildungsmesse didacta in Köln als offizielles Dekade-Projekt 2010/2011 vom Nationalkomitee der Dekade »Bildung für nachhaltige Entwicklung« der Vereinten Nationen ausgezeichnet. Darunter befinden sich unter anderem folgende Projekte: Lehrpfad Umwelt Vechta (Hochschule Vechta, Niedersachsen), Forschungsprojekt »Umwelt- und familienfreundliche Mobilität« (Technische Universität Berlin), das Umweltbildungsprogramm in Indien (terre des hommes Deutschland,
Osnabrück, Niedersachsen), die »Eco-Schools« (Eco-Schools, Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung, Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern), sowie die DBU-Ausstellung »Klimawerkstatt – Umwelt­experimente für Zukunftsforscher«. Auf dem Foto (v. l.): Martin Schulte, Kerstin Schulte (beide ZUK-Ausstellungsteam) und Prof. Gerhard de Haan.

DBU bereits zum dritten Mal »Ausgewählter Ort«

Nach 2006 und 2008 wurde die DBU in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zum »Ausgewählten Ort« im Land der Ideen. Prämiert wurde die weltweit größte Umweltstiftung für ihre interaktive Wanderausstellung »Klimawerkstatt«, die bis Sommer 2011 im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der DBU zu sehen sein wird. Anlässlich der Preisverleihung fand eine Sonderaktion zur Artenvielfalt statt, an der sich 24 Jugendliche beteiligten (siehe Bild): Neun Schüler der Ernst-Klee-Schule aus Mettingen, einer Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung, und 15 Jugendliche des Bildungswerkes der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW), Osnabrück, erbauten aus Holz, Heu, Laub, Steinen, Reisig und weiteren Materialien gemeinsam einen »Lebensturm« für verschiedene Kleintiere und Insekten.

DBU fördert Info-Zentrum in der Eifel

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt den Aufbau eines Informationszentrums im Nationalpark Eifel mit 850.000 Euro. DBU-General­sekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde überreichte das Bewilligungsschreiben Anfang März an das Nationalparkforstamt Eifel im Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Entstehen soll das Infozentrum auf 2.000 Quadratmetern in der ehemaligen NS-»Ordensburg« Vogelsang (Bild). Als Ausstellungsfläche werden zwei Etagen im Ostflügel des Forums Vogelsang genutzt, wo sich derzeit eine touristische Servicestelle befindet. Brickwedde sagte bei der Übergabe: »Hier entsteht eine einmalige Begegnungsstätte, die den Erhalt der biologischen Vielfalt und gleichzeitig politisch-historische Fragen thematisiert«.

»KITA21 – Die Zukunftsgestalter«

Das Unterstützungs- und Auszeichnungsverfahren KITA21 fördert Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) in Kindertageseinrichtungen (Kita) und wurde im Laufe der vergangenen zwei Jahre in Hamburg erprobt. Zum Abschluss der Modellphase richtet die S.O.F. Save Our Future – Umweltstiftung am 10. Juni 2010 im Zentrum für Umweltkommunikation (Osnabrück) eine bundesweite Tagung aus. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Welche Schlüsse lassen sich aus den Ergebnissen des Modellprojekts ziehen? Wie sieht BNE in Kitas konkret aus und welche Zukunft hat dieses Bildungskonzept im Elementarbereich? Kontakt: Meike Wunderlich, Telefon: 040|240 634 wunderlich@save-our-future.de

Anmeldung und Programm

Herausgeber:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt DBU; An der Bornau 2, 49090 Osnabrück
Tel. 0541|9633-0, Fax 0541|9633-190, www.dbu.de

Redaktion:
Stefan Rümmele, Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gGmbH ZUK, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück, Tel. 0541|9633-962, Fax 0541|9633-990, zuk-info@dbu.de

Verantwortlich:
Dr. Markus Große Ophoff (ZUK)

Erscheinungsweise:
monatlich (Doppelausgabe: Juli/August)

Adresse für Bestellungen und Adressänderungen ist die Redaktionsanschrift, kostenlose Abgabe

Gestaltung (Print):
Birgit Stefan (ZUK)

Satz:
ZUK

Bildnachweis:
S. 2 oben BMU/Brigitte Hiss,
S. 4 rechts vogelsang ip

Druck:
Steinbacher Druck GmbH, Osnabrück