Naturleben in blühender Heide

Rund 1000 Hektar Zwergstrauchheide auf DBU-Naturerbefläche Glücksburger Heide
Pflegeintensives Offenland: Schafe und Ziegen halten mit ihrem Appetit die Pflanzen kurz.
© Katalin Wiese-Brattig/Bundesforst

Jessen (Elster). Ein lila Pflanzenmeer, so weit das Auge reicht: Auf der DBU-Naturerbefläche Glücksburger Heide steht die Heide in voller Blüte. Im August entfalten die Zwergsträucher ihre Blütenpracht. Doch nicht nur Gäste schätzen die farbliche Ästhetik des Heidekrauts: Die Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Calluna vulgaris dient auch als verlässliche Futterquelle und Brutstätte für eine Vielzahl von Insekten.

Wo die Heide blüht

„Wer dieses blühende Pflanzenmeer sehen möchte, kann über die freigegebenen Wege am ehemaligen Flugplatz zwischen Russenwinkel und Morxdorf die rund 60 Hektar (ha) große Heidefläche erkunden“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Am besten erreichen Gäste die Blütenpracht im Norden der insgesamt 2.600 ha großen Fläche über die Zufahrt L111 nach Jüterbog oder von Jessen (Elster OT) Morxdorf. In der Vergangenheit unterlag die Fläche einer militärischen Nutzung, daher sind aus Gründen der Kampfmittelbelastung andere Wege nicht freigegeben.

Heimat für Ziegenmelker und andere außergewöhnliche Arten

Heute sind Heideflächen wichtige Rückzugsgebiete für seltene Tiere und Pflanzen. Vögel wie Heidelerchen, Baumpieper und Goldammer nutzen die halboffene Landschaft mit den vereinzelten Sträuchern und Büschen. „Eine besondere Vogelart, die auf vegetationsfreien Bodenstellen brütet, kann man nachts aus dem ehemaligen Übungsplatz rufen hören. Es ist das Schnurren des nachtaktiven Ziegenmelkers, der heute Nachtschwalbe genannt wird. Seine Laute gehören zu den wohl ungewöhnlichsten Gesängen unserer heimischen Vogelwelt“, weiß Revierleiterin Katalin Wiese-Brattig vom Bundesforstbetrieb Mittelelbe, der die DBU-Naturerbefläche vor Ort betreut. Den Tag verschläft der Ziegenmelker gut getarnt am Boden oder auf dem Baum, um in der Nacht Insekten in der Luft zu jagen.

Lila Pflanzenmeer: Auf der DBU-Naturerbefläche Glücksburger Heide steht die Heide in voller Blüte.
© Katalin Wiese-Brattig/Bundesforst

Pflegeintensives Offenland droht kontinuierlich zu verbuschen

Damit die Besenheide Jahr für Jahr so schön blüht wie zurzeit, braucht sie dauerhafte Pflege. Seit vielen Jahren hilft der Landschaftspflegehof aus Dabrun mit seinen Schäfern und einer Schar von Schafen und Ziegen als Landschaftspfleger auf den Offenlandflächen, die Pflanzen kurzzuhalten und damit zu erhalten. Ohne Beweidung und andere Entbuschungsmaßnahmen droht das Offenland durch aufwachsende Sträucher und Bäume zu verbuschen. „Wenn die jungen Bäume zu groß werden, gehen die Schafe da nicht mehr ran. Dann müssen wir manuell nachhelfen und von Zeit zu Zeit entkusseln, also Gehölzwuchs entfernen“, erklärt Wiese-Brattig. Dazu zählen kontrollierte Brände sowie maschinelles und manuelles Entbuschen, um die Heide zu verjüngen.

DBU Naturerbe hat 66 Flächen vom Bund übernommen

2011 gehört der ehemalige militärische Übungsplatz zu der wohl größten Naturschutzinitiative des Bundes, dem Nationalen Naturerbe, welches in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Es umfasst ehemalige Militärgebiete, Flächen am Grünen Band an der ehemals innerdeutschen Grenze und aus dem DDR-Volkseigentum sowie Sanierungsflächen des ostdeutschen Braunkohletagebaus – alles Flächen aus dem Bundesvermögen. Auf Initiative von Naturschutzorganisationen verzichtet der Bund seit 2005 auf die kommerzielle Privatisierung dieser naturschutzfachlich bedeutsamen Flächen auf insgesamt rund 164.000 Hektar und widmet sie dauerhaft dem Naturschutz.

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