
Straußberg/Hainrode/Großlohra. Für die rund 1.200 Hektar große DBU-Naturerbefläche Westliche Hainleite hat die Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, zusammen mit Partnern einen Managementplan entwickelt. Zu den erfassten Besonderheiten zählen neben ausgedehnten Buchenwäldern stattliche Orchideenvorkommen, die es zu erhalten gilt. Welche Ziele es gibt und was in den kommenden zehn Jahren naturschutzfachlich erforderlich ist, das beschreibt der jetzt fertiggestellte Naturerbe-Entwicklungsplan.
90 Prozent der Waldflächen bereits ohne menschliche Eingriffe

Die DBU-Naturerbefläche Westliche Hainleite gehört zu einem Höhenzug am Nordrand des Thüringer Beckens. Sie liegt im Kyffhäuserkreis und im Landkreis Nordhausen. Charakteristisch sind ausgedehnte naturnahe Buchenwälder auf kalkhaltigem Untergrund mit felsigen Steilabstürzen im Norden und tief eingeschnittenen Tälern. Künftig soll sich der Großteil des Waldes ohne menschliche Eingriffe entwickeln, teilte die Stiftungstochter und zugleich Flächeneigentümerin mit. Die rasche Überführung der Wälder in eine natürliche Waldentwicklung sei eines der grundlegenden Ziele im DBU Naturerbe, das insgesamt 66 Flächen mit rund 70.000 Hektar umfasst. „Für den Naturwald von morgen haben wir in der Westlichen Hainleite sehr gute Voraussetzungen – bereits mehr als 90 Prozent der Waldflächen bleiben schon jetzt sich selbst überlassen“, sagt Henning Schneidereit, Projektleiter im DBU Naturerbe. Die Wälder bieten Lebensraum etwa für Wildkatze, Mopsfledermaus, Schwarzspecht sowie zahlreiche Alt- und Totholz bewohnende Käferarten wie den Hirschkäfer.
Schafbeweidung und Mahd erhalten bunt blühende Wiesen

Ein 76 Hektar großes Areal im Westen der heutigen Naturerbefläche diente ehemals als militärisches Übungsgelände. Dieser „Schießplatz Großlohra“ genannte Teil entspricht flächenmäßig rund 106 Fußballfeldern. Die Übungsflächen galt es damals, von aufwachsenden Gehölzen wie Kiefern und Birken freizuhalten. „So konnten sich artenreiche Kalkmagerrasen und Grünland entwickeln“, so Schneidereit. Besonders bemerkenswert seien die Vielfalt der Schmetterlinge und die stattlichen Orchideenbestände. Aber auch seltene Tierarten wie Neuntöter, Wachtel und Braunkehlchen finden hier geeignete Lebensräume. „Heute werden diese bunt blühenden Wiesen mit ihrem hohen Kräuteranteil durch Schafbeweidung offengehalten“, sagt Schneidereit. Weitere kleinere Offenlandflächen werden größtenteils ebenfalls beweidet oder in Zusammenarbeit mit örtlichen landwirtschaftlichen Betrieben ein- bis zweimal im Jahr gemäht ohne Einsatz von Düngern oder Pflanzenschutzmitteln.
Europäisches Schutzgebietsnetz: Gebiet liegt im Biotopverbund
Eingebettet in die weitläufigen Wälder der Hainleite kommt der DBU-Naturerbefläche Westliche Hainleite in einer ansonsten landwirtschaftlich geprägten Region eine besondere Bedeutung als Biotopverbund zu. Als Teil eines Fauna-Flora-Habitat- sowie Vogelschutzgebiets gehört die Naturerbefläche zu etwa zwei Dritteln zum europäischen Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000. Zudem überlappt sich das Areal mit zwei Naturschutzgebieten und einem Landschaftsschutzgebiet. Die Naturerbefläche wurde im Jahr 2008 vom Bund an die DBU-Tochter zur dauerhaften Sicherung von Naturschutzzielen übergeben. Seitdem zählt sie zum Nationalen Naturerbe.

Naturschutz ist Gemeinschaftsaufgabe
Gemeinsam mit dem Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge hat das DBU Naturerbe den Naturerbe-Entwicklungsplan erstellt und mit den Behörden abgestimmt. Grundlage waren Erhebungen zu Biotopen, Waldzustand sowie Pflanzen- und Brutvogelarten. Daraus leitete das Projektteam die geplanten Naturschutzmaßnahmen für Wald und Offenland auf der DBU-Naturerbefläche Westliche Hainleite ab. „Naturschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Für die Umsetzung stimmen wir uns mit den Behörden ab und arbeiten eng mit landwirtschaftlichen Betrieben und Partnerorganisationen zusammen“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe. Nun steht der naturschutzfachliche Fahrplan bis 2036 fest. Mitarbeitende des Bundesforstbetriebs setzen die Maßnahmen vor Ort um. Für DBU-Koordinator Jörn Krüger und Revierleiter Matthias Brehm dient der Naturerbe-Entwicklungsplan als Grundlage für die jährlich anfallenden Planungen.