Heidepflege in Borkenberge

DBU Naturerbe organisiert Entbuschung und konkretisiert Planungen zur Ganzjahresweide mit Exkursion
Dr. Jörg Tillmann (5.v.l.), Offenlandmanager im DBU Naturerbe, organisierte fĂŒr Vertreter des Naturschutzzentrums Kreis Coesfeld, der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, des Bundesforstbetriebes sowie fĂŒr Claudia und Heiner Keil (3. und 4.v.l.) als ausgewĂ€hlte Weidetierhalter eine Exkursion in die Niederlande, um drei beispielhafte Ganzjahresweiden zu besuchen. © Jörg Tillmann/DBU Naturerbe

Seppenrade. Von den freigegebenen Wegen kaum zu sehen, fĂŒr den Naturschutz auf der DBU-NaturerbeflĂ€che Borkenberge aber wichtig: Auf rund 120 Hektar haben Mitarbeitende des Bundesforstbetriebs Rhein-Weser sich in der Heide ausbreitende Kiefern entnommen, um den Offenlandlebensraum zu erhalten. Jahr fĂŒr Jahr wachsen junge BĂ€ume auf, die ohne RĂŒckschnitt irgendwann die europĂ€isch geschĂŒtzte Heide verdrĂ€ngen wĂŒrden. „Ein gewisser Grad an Aufwuchs hat seine Berechtigung, da er den Wald-Offenland-Übergang strukturiert und so einen Lebensraum bietet fĂŒr Vögel wie dem Ziegenmelker oder der Heidelerche. Aber wo Heide wĂ€chst, darf natĂŒrlich kein Wald entstehen“, betont Dr. Jörg Tillmann, stellvertretender Fachlicher Leiter und Offenlandmanager im DBU Naturerbe.

Tillmann: „Naturschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe“

Die trockene europĂ€ische Heide ist ein europĂ€isch geschĂŒtzter Natura-2000-Lebensraum. Das Land Nordrhein-Westfalen muss wie alle BundeslĂ€nder dafĂŒr Sorge tragen, dass sich die ErhaltungszustĂ€nde der gemeldeten FlĂ€chen dieser und weiterer Lebensraumtypen bestenfalls verbessern. Das DBU Naturerbe hat den ehemaligen TruppenĂŒbungsplatz mit ihrer Übernahme ins Privateigentum dem Naturschutz gewidmet. Die WĂ€lder werden langfristig sich selbst ĂŒberlassen und dĂŒrfen sich natĂŒrlich entwickeln. Bei den Wiesen und Heiden wird es aber wichtig bleiben, die Pflege zu organisieren. „Naturschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die es nicht zum Nulltarif gibt“, weiß Tillmann. Um Offenlandmaßnahmen wie die Entbuschung mit teurer Maschinentechnik zukĂŒnftig nur noch punktuell einsetzen zu mĂŒssen, will das DBU Naturerbe gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Naturschutzstation des Kreises Coesfeld ein Beweidungsprojekt auf die Beine stellen: eine riesige Ganzjahresweide ĂŒber mehrere hundert Hektar. Doch die Idee des „Wilden Westens Westfalens“ steht noch unter Finanzierungsvorbehalt. Die Kooperationspartner planen, mit der Beweidung durch Wisente, Rinder und Pferde die notwendige Offenlandpflege auf der DBU-NaturerbeflĂ€che Borkenberge sicherzustellen. „Ohne externe Förderung wird es aber nicht gehen. Trotz bislang fehlender Förderzusage stecken wir nicht den Kopf in den Sand, sondern konkretisieren die Idee weiter,“ erklĂ€rt Tillmann. So organisierte der Offenlandmanager jetzt eine Exkursion in die Niederlande mit Vertretern des Naturschutzzentrums Kreis Coesfeld, der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, des Bundesforstbetriebes und dem ausgewĂ€hlten Weidetierhalter. Die NaturschĂŒtzer schauten sich das „Wisentproject Kraansvlak“ bei Bloemendaal sowie die Beweidungsprojekte „Wisent op de slikken van de heen“ in Sint Philipsland und „Maasthorst“ in Nistelrode an, um ihre Expertise im Hinblick auf Ganzjahresweiden mit Wisenten, Rindern und Pferden weiter zu vertiefen.

Auf rund 120 Hektar haben Mitarbeitende des Bundesforstbetriebes Rhein-Weser im Auftrag des DBU Naturerbes Kiefern entnommen, um die Heide zu schĂŒtzen.
© Matthias Olthoff/Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld

Hof Keil unterstĂŒtzt Projektidee im DBU Naturerbe Borkenberge als Weidetierhalter

In einem transparenten Verfahren hatten sich Landwirte fĂŒr die angedachten ProjektflĂ€chen beworben. „Wichtig waren uns bei der Auswahl unter anderem die Erfahrung mit extensiver Beweidung, die NĂ€he zu den Borkenbergen und eine gewisse BetriebsgrĂ¶ĂŸe, um die Aufgabe auch meistern zu können“, so Tillmann. Letztlich ausgewĂ€hlt wurde der Hof Keil aus Reken, der im Falle einer Umsetzung die Weidetiere betreuen wird. Claudia und Heiner Keil haben sich ĂŒber den Zuschlag gefreut: „Unser Hof wird als Familienbetrieb gefĂŒhrt und steht fĂŒr transparente und nachhaltige Landwirtschaft. Wir zĂŒchten aktuell Blonde d’ Aquitaine-Angus-Kreuzungen, Aubrac, Taurus und WasserbĂŒffel. Viele unserer Tiere dienen auch jetzt schon der Landschaftspflege“, erlĂ€utert Heiner Keil.

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