Erweiterung von Wesendorfs wildem Weideland

Robuste Rassen pflegen Magerrasen im DBU Naturerbe
Weiß-gelb und leuchtend Pink im Sommer: Blühende Margeriten und Heidenelken zaubern bunte Farbtupfer in einen Sandmagerrasen auf der DBU-Naturerbefläche Wesendorf.
© Roland Schröder/DBU Naturerbe

Wesendorf. Rund um die ehemalige Sandgrube im Süden der DBU-Naturerbefläche Wesendorf wird derzeit ein Weidezaun gesetzt. Für die Schottischen Hochlandrinder und Konikpferde erweitert sich dadurch die bereits vorhandene Weidefläche um rund zehn Hektar. Die Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, sichert damit sowohl ausreichendes Futterangebot für die Ganzjahresbeweidung als auch den Erhalt von selten gewordenen Magerrasen – Lebensräume der gefährdeten Heidenelke und der Blauflügeligen Sandschrecke.

Schottische Hochlandrinder und Konikpferde stellen sich auf Frühling ein

Zusammen mit Konik-Pferden (Bild) verhindern die Schottischen Hochlandrinder das Aufwachsen von Kiefern und anderen Bäumen im DBU Naturerbe. Hufescharren und Bodenwälzen der Pferde schaffen immer wieder offene Sandstellen – zum Nutzen von Silbergras und Blauflügeliger Sandschrecke.
© Roland Schröder/DBU Naturerbe

Das frostige Wetter im Februar war für die Schottischen Hochlandrinder und Konikpferde auf der DBU-Naturerbefläche keine Herausforderung. „Für die Tiere mit ihrem dicken und isolierenden Winterfell sind null bis sechs Grad Celsius absolute Wohlfühltemperaturen“, sagt Tierhalter Martin Rautenberg, Besitzer des gleichnamigen Hofes in Müden an der Aller und Pächter im DBU Naturerbe. Die robuste Haustierrasse aus den Highlands Großbritanniens und die von einer polnischen Landrasse abstammenden Pferde sind ihm zufolge bestens angepasst. Mit Einsetzen frühlingshafter Temperaturen setzt jedoch der Fellwechsel ein. Rautenberg: „Vor allem die Koniks sehen dann etwas zerzaust aus. Das ist aber ganz natürlich.“ Jeden Tag schaut der auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsene Rautenberg nach den Tieren und bringt ihnen frisches Wasser zum Trinken. „Das ist aufgrund der Trockenheit sehr wichtig. Außerdem gibt es keinen natürlichen Wasserzugang auf den Weiden“, sagt er. Wie im Nationalen Naturerbe verpflichtend vereinbart, richtet er sich dabei nach den Leitlinien für die tiergerechte ganzjährige Weidehaltung von Rindern und Pferden auf Naturschutzflächen, die unter anderem von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz herausgegeben wurden.

Ganzjährige Mischbeweidung fördert wertvolle Lebensräume im Offenland

Derzeit lässt sich beobachten, wie die Rinder und Pferde verstärkt die Baumrinden schälen. „Durch den Fellwechsel haben die Tiere einen erhöhten Nährstoffbedarf“, sagt Rautenberg. „Der jetzt im Frühling in den Gehölzen aufsteigende Saft liefert viel Energie.“ Die Folgen für die Gehölze sind erwünscht: Um das Offen- und Halboffenland vor dem Verbuschen zu bewahren, setzt das DBU Naturerbe auf ganzjährige Mischbeweidung. „Rinder ziehen die Blätter vom Ast“, sagt Rautenberg, „Pferde ringeln die Rinde runter. Zusammen verhindern sie das Aufwachsen von Kiefern und anderen Bäumen.“ Auf der nördlich angrenzenden Weidefläche sei das an einigen bereits abgestorbenen Gehölzen gut zu erkennen. Eine Zufütterung ist in der Regel nicht erforderlich und wegen des zusätzlichen Nährstoffeintrages aus naturschutzfachlichen Gründen auch nicht erwünscht. „Die Sandmagerrasen und Silbergrasfluren rund um die sogenannte Sandkuhle im Süden der Naturerbefläche bieten aufgrund der Nährstoffarmut spezialisierten Pflanzenarten wie dem Sandglöckchen und der in Niedersachsen gefährdeten Heidenelke sowie Heuschrecken wie der Blauflügeligen Sandschrecke und dem landesweit immer seltener werdenden Warzenbeißer wertvolle Lebensräume“, sagt Dr. Roland Schröder, Offenlandmanager im DBU Naturerbe. Kürzlich hat der Bundesforstbetrieb Niedersachsen im Auftrag der Stiftungstochter zusätzlich junge Kiefern in der Sandgrube entfernen lassen.

Natur pur erleben auf mehr als acht Kilometern: Das DBU Naturerbe bittet Besuchende auf den Wegen zu bleiben und Hunde anzuleinen.
© DBU Naturerbe

DBU-Naturerbefläche durch mehr als acht Kilometer Wegenetz gut erschlossen

Nachwuchs im Frühling: Das ganze Jahr über sind die genügsamen Rassen samt Nachwuchs draußen, etwa die Schottischen Hochlandrinder (Bild). Jeden Tag schaut Tierhalter Martin Rautenberg auf der DBU-Naturerbefläche Wesendorf nach seinen Tieren.
© Rebecca Donath

Nach und nach sind seit drei Jahren Weideflächen in der Mitte und im Süden der DBU-Naturerbefläche Wesendorf entstanden. „Aktuell zäunen wir rund zehn Hektar Offenland rund um die ehemalige Sandgrube ein“, sagt Schröder. Die insgesamt etwa 30 tierischen Landschaftspfleger seien zwar sehr genügsam, bräuchten als Ganzjahresbeweider jedoch ein größeres Areal und wechselten deshalb von Zeit zu Zeit das Gehege. Die neue Weidefläche umfasst mehr als 300 Pfosten und rund 1400 Meter Zaun, so Rautenberg. Der Landwirt weiter: „Mit der Einzäunung wollen wir bis Ostern fertig sein.“ Manche auf Sandböden spezialisierte Tier- und Pflanzenarten profitieren vom Verhalten der Pferde. „Hufescharren und Bodenwälzen der Koniks schaffen immer wieder offene Sandstellen“, so Schröder. „Da keimt etwa das Silbergras gut und die Blauflügelige Sandschrecke legt ihre Eier in den Sand.“ Durch die Umzäunung der Flächen um die ehemalige Sandgrube ist die Nutzung eines kurzen querverlaufenden Feldwegs nicht mehr möglich. Schröder: „Die DBU-Naturerbefläche bleibt jedoch durch ein mehr als acht Kilometer langes engmaschiges Netz an Wanderwegen überdurchschnittlich gut erschlossen und für Besuchende erlebbar.“ Um Weidetiere, Bodenbrüter und andere störanfällige Wildtiere nicht in Unruhe zu bringen, bittet das DBU Naturerbe darum, auf den Wegen zu bleiben und Hunde anzuleinen. Im nördlich an die Naturerbefläche angrenzenden Hammersteinpark gebe es zudem eine Hundeauslauffläche.

Internationales Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums erklärt, um auf die ökologische, kulturelle und wirtschaftliche Rolle extensiver Beweidung hinzuweisen. Auch auf zahlreichen unserer DBU-Naturerbeflächen ist die Beweidung für den Naturschutz bedeutend. Denn dort, wo Tiere grasen, fördern sie die biologische Vielfalt und erhalten wertvolle Ökosysteme. Foto: ©Rebecca Donath

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