Ein Froschkonzert auf das Elbehochwasser in der Aue

DBU-NaturerbeflĂ€chen Roßlauer und Ringfurther Elbauen profitieren von dem ĂŒberstauenden Nass

Ringfurth/ Dessau-Roßlau. Grau in grau – der Blick aus dem Fenster war monatelang nicht wirklich erhellend. Das regenreiche FrĂŒhjahr hat aber der Elbe so viel Wasser geschenkt, dass der Fluss in mehreren Wellen auch entlang der DBU-NaturerbeflĂ€chen Roßlauer und Ringfurther Elbauen ĂŒber die Ufer trat und die flussbegleitenden Auen nach jahrelanger Trockenheit wieder mit Wasser speiste. In Folge profitieren nicht nur die dort brĂŒtenden Kraniche, verschiedene Amphibien- und Libellenarten in den Flutmulden sowie die Eichen und Eschen in der Hartholzaue von den gut durchtrĂ€nkten Böden. Überstaute Auen dienen auch als Wasserfilter und Hochwasserschutz, bereichern die biologische Vielfalt, sind gut fĂŒr die Grundwasserneubildung und zudem wunderschön anzusehen.

Mehrere Wellen ließen Altarme, Flutmulden und Kolke volllaufen

Mehr als die HĂ€lfte der Flussauen in Deutschland sind laut Bundesumweltministerium stark verĂ€ndert, nur neun Prozent sind ökologisch intakt. Auf der DBU-NaturerbeflĂ€che Ringfurther Elbauen bei Magdeburg werden die Auen geschĂŒtzt. Dank des mittleren Elbehochwassers herrschen dort seit einigen Wochen ideale Bedingungen fĂŒr die LebensrĂ€ume und ihre spezielle Tier- und Pflanzenwelt. © Christian Block/Bundesforst

Intakte Auengebiete leben davon, immer mal wieder ĂŒberflutet zu werden. Sie nehmen beachtliche Wassermengen auf und helfen so, Hochwasserwellen abzuschwĂ€chen. „Sie werden auch als Nieren der Landschaft bezeichnet. Die Fließgeschwindigkeit des vom Fluss einströmenden Wassers verlangsamt sich in den Auen aufgrund der vergrĂ¶ĂŸerten FlĂ€che, wodurch sich Sedimente absetzen, damit auch NĂ€hr- und Schadstoffe“, erlĂ€utert Dr. Uwe Fuellhaas, GewĂ€sser und Feuchtgebietsmanager im DBU Naturerbe. Die gemeinnĂŒtzige Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat mit den Ringfurther Elbauen bei Magdeburg 1200 Hektar (ha) und mit den Roßlauer Elbauen bei Dessau-Roßlau 1650 ha vom Bund ĂŒbernommen und dem Naturschutz gewidmet. Fuellhaas freut sich ĂŒber das anhaltende Hochwasser ohne Gefahr fĂŒr die angrenzenden Gemeinden: „Es ist zehn Jahre her, dass die Auengebiete in diesem Maße vom Wasser profitiert haben.“ Seit Februar seien in mehreren Wellen Altarme, Flutmulden, sogenannte Kolke – kleine TĂŒmpel – sowie Teile der Weichholzaue in den Ringfurther Elbauen und der Hartholzaue in den Roßlauer Elbauen vollgelaufen.

Paradiesische Bedingungen fĂŒr Amphibien und Fische

FĂŒr die Versorgung aller elbnahen Feuchtgebiete und GewĂ€sser waren die hohen WasserstĂ€nde perfekt. Auch auf der DBU-NaturerbeflĂ€che Roßlauer Elbauen können die selten gewordenen LebensrĂ€ume entlang der Elbe nach einer jahrelangen Durststrecke wieder richtig „Wasser tanken“ – fĂŒr Amphibien und Fische perfekte Bedingungen. © Daniel Andrick/Bundesforst

„FĂŒr Amphibien und Fische sind das gerade perfekte Bedingungen“, betont Christian Block, Revierleiter vom Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt fĂŒr die Ringfurther Elbauen. Auen sind die Kinderstube fĂŒr Fische und Amphibien. Je mehr intakte Auen es entlang eines Flusses gibt, desto fischreicher ist dieser. Laut WWF-Aueninstitut kommen ungefĂ€hr zwei Drittel aller Lebensgemeinschaften Mitteleuropas in Auen vor – auf nur etwa sieben Prozent der LandflĂ€che. Aber mehr als die HĂ€lfte der Flussauen in Deutschland sind laut Bundesumweltministerium stark verĂ€ndert, nur neun Prozent sind ökologisch intakt und von dem einst prĂ€genden Auwald ist nur noch rund ein Prozent ĂŒbriggeblieben. „Auf der DBU-NaturerbeflĂ€che Ringfurther Elbauen sehen wir noch viel Potenzial etwa fĂŒr den Anschluss von Altarmen und Flutmulden zur Redynamisierung der flussbegleitenden LebensrĂ€ume“, betont Fuellhaas.

Maßnahmenumsetzung zeigt erhoffte Wirkung

„Wir können unsere Auen besser schĂŒtzen, indem beispielsweise Altarme wieder an FlĂŒsse angeschlossen, geeignete Deichabschnitte geschlitzt oder Flutrinnen vertieft werden“, so Daniel Andrick, Bundesforstrevierleiter fĂŒr die Roßlauer Elbauen. Die BiophĂ€renreservatsverwaltung Mittelelbe hatte eine entsprechende Maßnahme im Winter 2020/21 auf der DBU-NaturerbeflĂ€che in Zusammenarbeit mit dem Bundesforstbetrieb umgesetzt. Um dem vorhandenen Wasserdefizit ein wenig Rechnung zu tragen, haben die Projektbeteiligten fast am Ende des vorhandenen Sommerdeiches am Oberluch bei Roßlau eine Senke auf rund sechs Metern LĂ€nge eingearbeitet, um eine bessere Versorgung auch bei mittleren HochwĂ€ssern möglich zu machen. „Die Maßnahme zeigt Erfolg: Heute steht wieder ausreichend Wasser in der Flutrinne“, freut sich Andrick.

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