Deutscher Umweltpreis der DBU für Roda Verheyen und Klaus Vossenkaul

Verleihung am 25. Oktober – Bundespräsident beim Festakt
Möglichmacherin: Die Hamburger Juristin Dr. Roda Verheyen wird 2026 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit dem Deutschen Umweltpreis in Höhe von insgesamt 500.000 Euro ausgezeichnet, den sie sich mit Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul teilt. Die Verleihung ist am 25. Oktober in Aachen.
© Felix Schmitt/Greenpeace

Osnabrück/Aachen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt dieses Jahr den Deutschen Umweltpreis in Höhe von insgesamt 500.000 Euro an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen und Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer der Firma Membion. Überreicht wird die Ehrung, die zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas zählt, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Sonntag, 25. Oktober, beim Festakt in Aachen.

Betroffenen des Klimawandels eine Stimme gegeben

Ortstermin in Peru: Die designierte Trägerin des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Dr. Roda Verheyen (links), will Betroffenen des Klimawandels eine Stimme geben – auch international. Verheyen teilt sich den Preis in Höhe von gesamt 500.000 Euro mit Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul.
© Walter Hupiu Tapia/Germanwatch

Verheyen und Vossenkaul leisten laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde „innovative Pionierarbeit und bringen den Umweltschutz voran“. Verheyen setze sich „seit Jahren für Klimagerechtigkeit“ ein. Bonde: „Sie gibt Betroffenen des Klimawandels eine Stimme.“ Vossenkaul wiederum habe als Unternehmer „mit Mut, Beharrlichkeit und Innovationskraft Lösungen gefunden, um die lebenswichtige Ressource Wasser besser zu schützen“. Ihm sei „ein ganz wichtiger Schritt in der Abwasserreinigung gelungen“. Als Mitgründer früherer Firmen bringe er zudem „umfangreiche Expertise“ mit.

Membranfilter-Betrieb Membion startete als Garagenfirma

Wegen zunehmender Gletscherschmelze infolge des Klimawandels füllt sich der peruanische Gletschersee Palcacocha (Bild). Juristin Dr. Roda Verheyen, die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) 2026 den Deutschen Umweltpreis erhält, setzt sich dafür ein, dass das Recht Umwelt- und Klimafragen aktuell abbildet.
© Walter Hupiu Tapia/Germanwatch

Vossenkauls Betrieb mit heute 40 Mitarbeitenden ist buchstäblich 2012 als Garagenfirma entstanden. Sitz ist bis heute ein altes Haus in Roetgen mit einer kleinen Halle, das früher eine Weberei war. In den ersten Jahren kümmerten sich allein Vossenkaul und sein Mitstreiter, Verfahrenstechnik-Ingenieur Dirk Volmering, ausschließlich um die Weiterentwicklung der Membranbioreaktoren(MBR)-Technologie. Das Ergebnis könnte die Abwasserreinigung revolutionieren: ein energieeffizientes und platzsparendes Reinigungssystem mit Hohlfasermembranfiltern – dünne Röhrchen, die beim Einsatz in Kläranlagen aus dem Klärschlamm kristallklares Wasser filtrieren. Sie sehen aus wie Spaghetti, sind hohl wie Makkaroni und etwa 1,60 Meter lang. Feine Poren filtern problematische Stoffe wie Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime aus dem Abwasser heraus. Membranfilter-Technologie sorgte zwar bisher schon für mannigfach bessere Wasserqualität als konventionelle Abwasserreinigung. Der Haken aber: Unter anderem zu hoher Energieverbrauch für die Spülung der Membranen zum Vermeiden von Schlamm-Verstopfung hielt viele Kläranlagenbetreiber von einer Installation ab. Vossenkaul verbesserte die den klassischen Kläranlagen technisch und ökologisch bereits überlegene Membranfiltertechnologie derart, dass sie nun auch kostenmäßig konkurrenzfähig ist.

Fürs Recht auf Umwelt- und Klimaschutz: Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen (hier vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht) wird 2026 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Sie teilt sich den Preis in Höhe von gesamt 500.000 Euro mit Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul.
© Kathrin Pohlmann/DBU

„Das ist GreenTech made in Germany und hat das Zeug zum Exportschlager“

In seinem Element: Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul auf dem Gelände einer Kläranlage. Für seine Innovationen in der Abwasserreinigung erhält er 2026 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Auszeichnung in Höhe von gesamt 500.000 Euro teilt er sich mit Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen.
© Markus Große Ophoff/DBU

„Das ist GreenTech made in Germany und hat das Zeug zum Exportschlager“, sagt DBU-Generalsekretär Bonde. Tatsächlich wird Membion-Technologie bereits in der Industrie eingesetzt, unter anderem beim weltgrößten Pommes-Produzenten McCain. Und: Sie ist Herzstück von Deutschlands größter Membran-Kläranlage, die derzeit in Wolfsburg-Stahlberg entsteht. Von den bundesweit rund 8700 Kläranlagen stehen Hunderte vor einem solchen Umbruch: Die Kommunalabwasser-Richtlinie (KARL) der EU verlangt bis Ende Juli 2027 für Anlagen ab bestimmter Größe oder in Risikogebieten eine zusätzliche vierte Reinigungsstufe gegen Mikroschadstoffe. Vossenkaul sieht sich dafür gerüstet: mit einer vollautomatisierten Membranproduktion und durch ein Modulsystem. Verschiedene Elemente lassen sich leicht ineinanderstecken. Mehr als 1600 „Makkaroni“-Membranen sind in einem Fußelement verankert und schweben frei wie Seegras in geschlossenen mannshohen Gehäusen, die im Schlamm der Kläranlage eingetaucht sind. In Wolfsburg werden künftig 3000 solcher Fußelemente eingesetzt. Die Spülung der Membranen erfolgt sekundenschnell in einem Luftschwall durch den „JetSplash“ (Wasserspritzer), eines von Vossenkauls 28 Patenten. Das von den Kläranlagen abfließende kristallklare Wasser schont Oberflächengewässer wie Flüsse, Seen und Talsperren und ist geeignet etwa für Bewässerung in der Landwirtschaft. Das wiederum schont Grundwasser, aus dem Trinkwasser gewonnen wird – zunehmend bedeutend wegen Extremwetters mit Dürre und Hitze infolge des Klimawandels.

Garage als Versuchslabor: Der Membranfilterbetrieb Membion aus Roetgen bei Aachen begann buchstäblich als Garagenfirma. Gründer und Geschäftsführer Dr. Klaus Vossenkaul erhält für Innovationen in der Abwasserreinigung 2026 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), den er sich mit Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen teilt. Der Preis ist mit gesamt 500.000 Euro dotiert.
© Membion GmbH

Verheyens konsequenter Einsatz für die Durchsetzung rechtlicher Vorgaben zum Umwelt- und Klimaschutz

Verheyen wiederum engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten nach Bondes Worten mit großer Kraft dafür, rechtliche Vorgaben zum Schutz von Klima und Umwelt durchzusetzen. Die Hamburger Umweltjuristin wende abstrakte Regeln aus nationalem und internationalem Recht auf konkrete Fälle an „und macht sie so wirksam. Sie verschafft Menschen Gehör, die von Klimafolgen betroffen sind.“ Und sie trage dazu bei, auch die Rechte künftiger Generationen zu wahren. Bonde: „Sie hat entscheidend mitgeholfen, dass Gerichte Umwelt- und Klimaaspekte angemessen berücksichtigen können.“ Die „hervorragende Kommunikatorin“ vermittle komplexe Sachverhalte einer breiten Öffentlichkeit.

„Wichtiger Beitrag für langfristigen Klima- und Umweltschutz“

Nach dem Lego-Prinzip: Die Membranfilter-Technologie der Firma Membion aus Roetgen funktioniert wie ein Baukastensystem, diverse Module lassen sich ineinander klinken – fertig für den Einsatz zur Abwasserreinigung in einer Kläranlage. Betriebsgründer und Geschäftsführer, Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, erhält 2026 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) den Deutschen Umweltpreis, den er sich mit Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen teilt.
© Membion GmbH

Die Umweltjuristin kam 1972 in Düsseldorf zur Welt und wuchs in Hamburg auf, wo sie wie auch in London und Oslo Jura studierte. Als Anwältin beschäftigte sie sich seit jeher mit Fragen, die aus Klimawandel und Änderungen in der Umwelt resultieren. Verheyen sieht sich als „Möglichmacherin“, die angesichts der Klimakrise die Handlungsfähigkeit des Staates stärkt. Dafür nutzt sie die ganze Bandbreite juristischer Handlungsmöglichkeiten. So tritt sie als Sachverständige auf, erarbeitet Gesetzesinitiativen, berät Politik und Zivilgesellschaft und verfasst wegweisende Klagen. Ihre juristisch stichhaltige Argumentation liefere „einen wichtigen Beitrag für langfristigen Klima- und Umweltschutz“, sagt DBU-Generalsekretär Bonde.

Hintergrund:
Der 2026 zum 34. Mal verliehene Deutsche Umweltpreis der DBU zeichnet Leistungen von Menschen aus, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beitragen. Für Vorschläge an die DBU sind etwa Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzverbände, wissenschaftliche Vereinigungen, Forschungsgemeinschaften, Medien, das Handwerk und Wirtschaftsverbände berechtigt. Selbstvorschläge sind nicht möglich. Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die endgültige Entscheidung. Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten: https://www.dbu.de/umweltpreis.

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