
Osnabrück/Hamburg. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt 2026 den Deutschen Umweltpreis an die Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen. „Sie arbeitet zielstrebig daran, klare rechtliche Vorgaben zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen zu schaffen und erzielt dabei Wirkung“, würdigte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde die Preisträgerin. Der Preis in Höhe von insgesamt 500.000 Euro zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas. Verheyen teilt sich die Summe mit dem Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer der Membion GmbH aus Roetgen bei Aachen, der eine innovative Membranfiltertechnologie für ressourcenschonende Wasserwiedergewinnung in Kläranlagen entwickelt hat. Der Deutsche Umweltpreis wird 2026 zum 34. Mal von der DBU vergeben, dieses Jahr am Sonntag, 25. Oktober, beim Festakt in Aachen – überreicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Konsequenter Einsatz für klaren rechtlichen Rahmen

Verheyen arbeitet in Hamburg als Rechtsanwältin und ist zugleich Mitglied des Hamburgischen Verfassungsgerichts. In ihrer mehr als 20-jährigen Tätigkeit als Juristin habe sie sich konsequent darum bemüht, rechtliche Vorgaben zum Schutz von Klima und Umwelt durchzusetzen, begründete Bonde die Entscheidung des DBU-Kuratoriums. „Roda Verheyen wendet abstrakte Vorgaben aus dem nationalen und internationalen Recht auf konkrete Fälle an und macht sie so wirksam. Sie verschafft Menschen Gehör, die von Klimafolgen betroffen sind. Und sie trägt dazu bei, deren Rechte und die künftiger Generationen zu wahren“, sagt der DBU-Generalsekretär.
Hoher Wissenschaftsbezug in juristischer Arbeit
Verheyens Arbeit zeichne sich durch eine hohe Bezugnahme auf Erkenntnisse aus der Klima- und Umweltforschung aus. Als „hervorragender Kommunikatorin“ gelinge es ihr, komplexe Sachverhalte einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. „Für eine neue Generation von Juristinnen und Juristen ist Roda Verheyen mit ihrem entschlossenen und eloquenten Auftreten ein Vorbild“, so Bonde.

Die 1972 in Düsseldorf geborene Verheyen wuchs in Hamburg auf. Dort, in London und Oslo studierte sie Jura. Seit 2006 ist sie als Anwältin tätig. Ihre Schwerpunkte liegen im Umwelt- und im Planungsrecht, im öffentlichen Baurecht und im Völkerrecht. Die Bandbreite ihrer Tätigkeit reicht von kommunalen Bebauungsplänen über Sachverständigenberichte für den Bundestag bis hin zu völkerrechtlichen Problemstellungen. Sie ist Mitgründerin und Vorständin von „Green Legal Impact“. Der Verein unterstützt zivilgesellschaftliche Gruppen darin, das Recht effektiv für Umwelt- und Klimaschutz zu nutzen.
Entscheidende Rolle bei wegweisenden Entscheidungen

Ihre berufliche Karriere stand von Beginn an im Dienst von Klima und Umwelt. „Ich hatte schon als Kind die Vorstellung, dass die Umwelt keine Stimme hat, um für ihre Rechte einzutreten. Also müssen wir Menschen das übernehmen – zumal es auch um unsere Rechte geht“, beschreibt Verheyen ihren Antrieb. DBU-Generalsekretär Bonde erklärt mit Blick auf die wegweisenden Resultate, die Verheyen in ihrer Karriere erzielen konnte: „Unsere Preisträgerin leistet Pionierarbeit. Sie liefert einen wichtigen Beitrag, um Fragen, die Klimawandel und Umweltschutz aus rechtlicher Sicht aufwerfen, zu benennen und zu klären.“ So ließ Verheyen per Klage feststellen, dass Verursacher von Emissionen grundsätzlich für Klimafolgeschäden haftbar sein können. Eine zentrale Rolle spielte sie auch beim Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) 2021. Darin gab das BVerfG einer Klage Verheyens statt, wonach unzureichender Klimaschutz die Freiheitsrechte künftiger Generationen verletze.

Anwältin sieht sich als „Möglichmacherin“ eines handlungsfähigen Staates
Klagen nutzt Verheyen gezielt, „um Fragen zu klären und einen verbindlichen Rahmen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen“. Nur wenn Gerichte per Klage angerufen werden, könnten sie ihre im Grundgesetz verankerte Kontrollfunktion wahrnehmen – auch zum Schutz der Umwelt, die sich von den Menschenrechten nicht trennen lasse, so Verheyen. Die Juristin will aber ausdrücklich nicht auf die Rolle der Klägerin reduziert werden. Sie sieht sich als „Möglichmacherin.“ Ihr Ziel sei es, angesichts der Herausforderungen der Klimakrise die Handlungsfähigkeit des Staates zu stärken. „Handeln braucht Ziele, die für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft klar formuliert und verlässlich sind und die sich transparent aus wissenschaftlichen Fakten ableiten“, sagt sie. Wer diese kenne, könne auf der Sachebene sicher argumentieren, überzeugen und Akzeptanz schaffen.
DBU-Kuratorium würdigt Fachwissen und Überzeugungskraft Verheyens
Ein Ansatz, der das Kuratorium der DBU bei der Preis-Entscheidung überzeugt habe, sagt DBU-Generalsekretär Bonde: „Wir freuen uns, mit Roda Verheyen einen Menschen zu würdigen, der auf Grundlage eines großen Fachwissens juristisch stichhaltige Argumentationen liefert und so erheblichen Anteil daran hat, den Schutz von Klima und Umwelt langfristig abzusichern.“