Der Umwelt Recht geben

Deutscher Umweltpreis der DBU für Juristin Roda Verheyen
Begnadete Kommunikatorin: Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen ist wegen ihrer rechtlichen Expertise im Umwelt- und Klimaschutz geschätzte Gesprächspartnerin der Medien. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) verlieh ihr 2026 den mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis, den sie sich mit Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul teilt.
© Alexander Luna/Germanwatch

Osnabrück/Hamburg. Die Hamburger Umweltjuristin Roda Verheyen ist am Sonntag von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet worden. Sie teilt sich den Preis in Höhe von insgesamt 500.000 Euro mit dem Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul von der Membion GmbH mit Sitz in Roetgen bei Aachen. Ebendort überreichte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Festakt die Ehrung. Es ist das erste Mal, dass die DBU explizit juristische Leistungen prämiert. Begegnung mit einer Anwältin, die Pionierarbeit zum Schutz der Lebensgrundlagen leistet.

Schreckensszenario in der Uni-Bibliothek

Betroffenen des Klimawandels eine Stimme geben: Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen (Mitte, hier in ihrer Kanzlei mit dem peruanischen Landwirt Saúl Luciano Lliuya und ihrer Kollegin Clara Goldmann) setzt sich dafür ein, dass das Recht aktuelle Umwelt- und Klimafragen abbildet. 2026 erhielt sie unter anderem dafür den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Verheyen teilt sich die Auszeichnung in Höhe von 500.000 Euro mit Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul.
Betroffenen des Klimawandels eine Stimme geben: Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen (Mitte, hier in ihrer Kanzlei mit dem peruanischen Landwirt Saúl Luciano Lliuya und ihrer Kollegin Clara Goldmann) setzt sich dafür ein, dass das Recht aktuelle Umwelt- und Klimafragen abbildet. 2026 erhielt sie unter anderem dafür den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Verheyen teilt sich die Auszeichnung in Höhe von 500.000 Euro mit Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul.
© Alexander Luna/Germanwatch

Es ist ein zufälliger, aber auch ein wegweisender Moment: Irgendwann im Jahr 1992 steht eine junge Jura-Studentin am Bücherausleger der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek. Sie blättert durch einen Bericht voller Diagramme, Prognosen und Berechnungen, die zum Schluss kommen: Das Klima ändert sich – womöglich drastisch. Die jährliche Durchschnittstemperatur im Jahr 2100 könnte, ausgehend von den damaligen Schätzungen globaler Treibhausgasemissionen, um drei bis fünf Grad Celsius über dem Mittel des Jahres 1990 liegen.

Eintreten für die Rechte der Umwelt

Die Studentin denkt zurück an ihren Biologie-Leistungskursus: „Mir stand sofort vor Augen, was für zerstörerische Folgen das für alle lebenden Organismen haben würde“, beschreibt sie den Moment gut 34 Jahre später. Aus der Studentin ist da längst eine renommierte Juristin geworden: Roda Verheyen, 54 Jahre alt, hat sich mit Gutachten, als Beraterin für Politik und Zivilgesellschaft, als Mitgründerin des Vereins „Green Legal Impact“ und mit wegweisenden Klimaklagen einen Namen gemacht. Der Bericht, den sie 1992 in der Hand hielt, war der erste Klima-Report des Weltklimarats (IPCC). Er bestärkt Verheyen darin, Anwältin zu werden und für die Rechte der Umwelt einzutreten. Dieses Credo hatte sie schon als Jugendliche formuliert, sagt Verheyen: „Wir Menschen müssen für die Umwelt eintreten, weil sie es nicht selbst kann. Damit schützen wir uns auch selbst. Wir sind ja ein Teil von ihr.“ Seither zieht es sich durch ihr Leben.

Bürozeit: Die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen erhielt 2026 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) – neben Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul. Die Auszeichnung in Höhe von insgesamt 500.000 Euro wurde am 25. Oktober in Aachen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.
© Kathrin Pohlmann/DBU

Zur Not zieht sie vor Gericht

Verheyen sitzt in ihrer Hamburger Kanzlei. Ein Altbau nahe der Alster, ein heller Besprechungsraum mit hohen Decken. An den Wänden stehen, farblich geordnet, Gesetzesbände in den Regalen. Ein kaum fassbares Maß an Paragrafen, klar und nachvollziehbar in Form gebracht. Klar und nachvollziehbar ist auch Verheyen, wenn sie erläutert, auf welcher Überzeugung ihre juristische Arbeit gründet, wie sie verschiedene Rechtsgebiete und naturwissenschaftliche Erkenntnisse miteinander verknüpft und wie sie so juristisch stichhaltige Argumente schafft, um Akteure aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft auf den Schutz von Umwelt und Klima zu verpflichten. Zur Not zieht sie dafür auch vor Gericht. Denn im Grunde ist die Sache ja klar.

Klare Ansage: Die Hamburger Rechtsanwältin Dr. Roda Verheyen setzt sich für den Schutz der Umwelt und menschlichen Lebensgrundlagen ein. 2026 erhielt sie den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Höhe von insgesamt 500.000 Euro, den sie sich mit Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul teilt. Die Auszeichnung wurde am 25. Oktober 2026 in Aachen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.
© Kathrin Pohlmann/DBU

Erst am konkreten Fall „bekommt das Recht Zähne“

„Auf internationaler Ebene und auch im nationalen Recht ist geklärt, dass der Erhalt unserer Lebensgrundlagen, dass Klima- und Umweltschutz gleichbedeutend sind mit Menschenrechtsschutz, und sich z.B. aus dem deutschen Grundgesetz entsprechende Pflichten ableiten“, sagt Verheyen. Sie selbst hatte so schon in ihrer Promotionsarbeit aus dem Jahr 2005 argumentiert. 2025 kamen dann die Richter des Internationalen Gerichtshofes (IGH) in Den Haag zu einem ähnlichen Schluss: In einem Gutachten betonten sie, dass Staaten sich gegenseitig, aber auch ihrer Bevölkerung, bestmöglichen Klimaschutz schulden. Eine Bestätigung von hoher Stelle also, die Verheyen immer wieder in die Niederungen des Rechts überführt. Denn dort, am konkreten Fall, würde es „scharf“ und „bekommt Zähne“, sagt sie. Dort also, wo es um Radwege geht, um Agri-PV-Anlagen oder um Seegraspflanzungen in der Ostsee. Und manchmal eben auch um Grundsätzliches: 2021 folgte das Bundesverfassungsgericht (BVerG) einer Klage Verheyens, in der sie argumentiert hatte, dass unzureichender Klimaschutz die Freiheitsrechte künftiger Generationen verletze. Ein wegweisendes Urteil, das die Politik in die Pflicht nimmt. Ebenso richtungsweisend könnte sein, was nach jahrelangem Rechtsstreit das Oberlandesgericht Hamm 2025 auf eine Klage Verheyens feststellte: Unternehmen, die viele Treibhausgasemissionen verursachen, können grundsätzlich haftbar gemacht werden für Schäden infolge des Klimawandels.

Recht als wirksames Instrument des Klimaschutzes: Die Hamburger Rechtsanwältin Dr. Roda Verheyen erhielt 2026 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) den Deutschen Umweltpreis. Sie teilt sich den Preis in Höhe von 500.000 Euro mit Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte die Auszeichnung am 25. Oktober bei einem Festakt in Aachen.
Recht als wirksames Instrument des Klimaschutzes: Die Hamburger Rechtsanwältin Dr. Roda Verheyen erhielt 2026 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) den Deutschen Umweltpreis. Sie teilt sich den Preis in Höhe von 500.000 Euro mit Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte die Auszeichnung am 25. Oktober bei einem Festakt in Aachen.
© Peter Himsel/DBU

Verbindlicher Rechtsrahmen für die planetaren Grenzen

Für die Frage nach der Verantwortlichkeit sei das ein bis dahin noch unerreichter Meilenstein, erklärt Verheyen. Ansonsten gebe es für den Klimaschutz bereits einen wirksamen rechtlichen Rahmen. „Er muss nur konsequent angewandt werden“, sagt sie. In anderen Themenfeldern gebe es deutlich mehr offene Fragen, die Regelung bräuchten: Einen verbindlichen Rechtsrahmen nämlich fordert Verheyen auch für die übrigen acht planetaren Grenzen, die für den Erhalt der Lebensbedingungen definiert sind – darunter etwa die Landnutzung, der Zustand von Süßwassersystemen und die Integrität der Biosphäre. „Ein funktionierender rechtlichen Rahmen zum Schutz der Biodiversität fehlt. Ein Megathema, mit dem wir uns beschäftigen müssen. Da gibt es viel zu tun“, sagt Verheyen. Sie hat natürlich schon mal damit angefangen. 

Medien & Infos