
Altwarp. Wenn in den kommenden Tagen Baufahrzeuge in die Ueckermünder Heide rollen, beginnen nachhaltige Renaturierungsmaßnahmen auf dem ehemaligen Militärgelände am Haff. Innerhalb von zwei Wochen sollen fünf Objekte wie Klärschächte und Betonelemente im Forstrevier Bellin rückgebaut werden. „Gefahrenzonen verschwinden und die Natur bekommt auf den neuen entsiegelten Flächen wieder die Oberhand – ein wichtiger Schritt für Mensch und Natur“, sagt Susanne Belting. Sie ist Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die als Eigentümerin die Entwicklung auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide verantwortet.
Sicherheitsrisiko entfernen: Sechs bis acht Meter tiefe Schächte werden verfüllt
Bei den Maßnahmen geht es um die Beseitigung potenzieller Gefahrenstellen, wie alte Versorgungsschächte und -rohre. Revierleiterin Christina Möller vom Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz: „Die könnten aufgrund ihrer Dimension und alten Substanz für Waldbesuchende gefährlich werden.“ Manchmal werde ihr zufolge gerne Mal ein solcher Schacht geöffnet, um hineinzusehen. „Verschlossen wird er dann häufig nicht mehr“, so die vom DBU Naturerbe beauftragte Forstwirtschaftlerin. Bei einer Schachttiefe von etwa sechs bis acht Meter und einem Durchmesser von rund einem Meter kann ein unachtsamer Schritt gefährlich enden. Deshalb wurde ein örtliches Unternehmen vom DBU Naturerbe beauftragt, um den Beton abzubrechen und die Schächte zu verfüllen. Außerdem werden weitere Betonelemente zurückgebaut. „Sie dienten früheren Bungalows als Regenentwässerung und Klärgruben“, so Möller. Die eigentlichen Bungalows und ein Großteil der Versorgungselemente sind schon vor Jahrzehnten zurückgebaut worden, zurückgeblieben sind dann die Schächte. Möller: „Die sind mittlerweile marode und deshalb ein Sicherheitsrisiko.“

Naturschutz an erster Stelle: Rückbau findet vor der Brut- und Setzzeit statt
Die Abbruchobjekte verteilen sich auf etwa vier Hektar der Naturerbefläche. „Bei der Umsetzung stehen die Verkehrssicherung und der Naturschutz an erster Stelle“, sagt Christian Sürie, Betriebsmanager im DBU Naturerbe, der den Rückbau gemeinsam mit dem Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz koordiniert. Sürie weiter: „Dies beginnt bereits mit der Festlegung der Ausführungszeit außerhalb der Vegetationsperiode und außerhalb von Brut- und anderweitigen Aufzucht-Aktivitäten geschützter Tierarten.“ Da es sich um kleinere Einzelmaßnahmen handelt, dürfte der Rückbau ihm zufolge nicht lange dauern. „Wenn der Frühling kommt, können die Besucher beobachten, wie sich die Natur die geräumten Flächen langsam zurückerobert“, sagt Sürie.
DBU Naturerbe hat 66 Flächen mit rund 70.000 Hektar vom Bund übernommen
Das DBU Naturerbe verantwortet als Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) den Naturschutz auf 66 überwiegend ehemaligen Militärflächen mit rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Der Bund verzichtet seit 2005 auf den Verkauf ausgewählter, wertvoller Naturflächen im Bundeseigentum und hat bislang rund 164.000 Hektar stattdessen dem Naturschutz gewidmet und an Stiftungen, Naturschutzverbände oder Bundesländer übertragen. Zum Nationalen Naturerbe zählen ehemals militärisch genutzte Gebiete, Flächen entlang der früheren innerdeutschen Grenze, Treuhandareale und stillgelegte Braunkohletagebaue. Im DBU Naturerbe sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, artenarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Zudem möchte die DBU-Stiftungstochter Menschen für die heimische Natur begeistern.