Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs (ESD for 2030)

DBU-Ausschreibung zu den Themen Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten: Förderung von Kooperation und Kollaboration in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Sehen Sie selbst... © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Unsicherheiten und Dilemmata begleiten die Richtungsfindung

Aktivitäten der DBU im Rahmen der UNESCO-Programme

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (2005-2014) und das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung (2015-2019) maßgeblich unterstützt: In mehr als 300 Projekten wurden durch die DBU modellhafte Lösungswege sowie deren Überführung in langfristige Strukturen gefördert. Auch in den zentralen Gremien sind Vertreter(innen) der DBU aktiv.

Auch in dem ab Sommer 2020 beginnenden UNESCO-Programm Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs (ESD for 2030) wird die DBU in Form innovativer und modellhafter Bildungsprojekte und über ihr operatives Handeln entsprechende Impulse geben.

Adressiert werden sollen in einer neuen Ausschreibung Zielkonflikte – innerhalb einzelner SDGs und zwischen den SDGs –, die sich in Form sogenannter Nachhaltigkeitsdilemmata manifestieren.

Fokus der neuen Ausschreibung: Die große Transformation - Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten

Im Hauptgutachten des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen 2011 wurde die große Transformation als notwendige Bedingung für die Erreichung wesentlicher Nachhaltigkeitsziele wie Klimaschutz oder die Vermeidung des Biodiversitätsverlustes formuliert. Im Jahr 2020 befindet sich die Gesellschaft im Umbruch. Viele Transformationen wurden bereits in den Bereichen Klimaschutz (z. B. Energiewende, Sektorenkopplung, Mobilitätswende), Biodiversitätsschutz (Convention on Biological Diversity, UN-Dekade Biologische Vielfalt), Landnutzung sowie Raumplanung (z. B. Dialog nachhaltige Stadt des Rates für nachhaltige Entwicklung) und Bildung (UN-Dekade BNE, Weltaktionsprogramm BNE) angestoßen.

Die Ausgestaltung dieser Transformationsprozesse ist aber nach wie vor eine Herausforderung, die einer intensiven Begleitung durch Wissenschaft und Bildungsakteure sowie einer praktischer Umsetzung technischer und sozialer Innovationen bedarf. Das Umweltbundesamt weist im Sommer 2019 im Positionspapier „Wandelprozesse verstehen und erfolgreicher gestalten“ auf die besondere Bedeutung von Bildung und Lernprozessen für den Umgang mit Komplexität in Nachhaltigkeitstransformationen hin. Hieraus ergeben sich besondere Erfordernisse für Projektansätze, welche die DBU mit dieser Ausschreibung adressieren möchte.

1) Nachhaltigkeitsdilemmata als Bildungsanlass und Umgang mit Unsicherheiten als Bildungsziel

Mit den genannten Transformationen gehen häufig Nachhaltigkeitskonkurrenzen und Nachhaltigkeitsdilemmata sowie Unsicherheiten einher. Nachhaltigkeitsziele stehen räumlich in Konkurrenz zueinander (Fläche kann ggf. nur einmal genutzt werden), Lösungswege, die zu Beginn eines Transformationsprozesses aussichtsreich erschienen, verlieren an Plausibilität bzw. es offenbaren sich unerwartete Risiken (Bsp. Biogas und Biokraftstoffe).

Konkrete Beispiele für solche Dilemmata sind:

  • Mobilität/Energie: Eine Umstellung der auf fossilen Kraftstoffen basierenden Mobilität hin zu einer nachhaltigen Mobilität führt zu einem erhöhten Bedarf an erneuerbaren Energien. Deren Bereitstellung bedingt wiederum den Ausbau z. B. von Windkraftanlagen mit einem potenziellen Effekt auf Lebensräume und die Biologische Vielfalt.
  • Fläche: Als knappes Gut dient Fläche der Nahrungsmittelproduktion, der Bio­masseproduktion, der Produktion von Energiepflanzen oder als Raum für Verkehrsinfrastruktur, Gewerbe- und Siedlungsgebiete. Doch auch der Biodiversitätsschutz erfordert Fläche für Schutzgebiete, die auch der Naherholung und der menschlichen Gesundheit dienen können.
  • Konsumgüter: Während der Einsatz nachhaltig produzierter Rohstoffe z. B. in der Textil-, Nahrungsmittel- und Holzindustrie an Bedeutung gewinnt, bleiben soziale Fragen der Produktionsverhältnisse in den Wertschöpfungsketten bislang noch unbeantwortet. Eine integrierte ethische Betrachtung erfolgt bislang nur unzureichend.
  • Digitalisierung: Der Einsatz digitaler Technologien verspricht die Realisierung von erheblichen Effizienzpotenzialen z. B. im Bereich der Energietechnik auch in privaten Haushalten. Zeitgleich gehen mit der Digitalisierung Neuentwicklungen von Technologien einher, die ihrerseits Ressourcen erfordern, Energieverbräuche nach sich ziehen oder Rebound-Effekte verursachen können. Neue Services (z. B. Streaming) bedingen erhebliche Aufwendungen bspw. von Energie. Insbesondere dieses Dilemma von Effizienz und Suffizienz im Bereich Digitalisierung wird bislang in Bildungskontexten noch zu wenig adressiert.
  • Kulturgüter: Auch Kulturgüter sind von diversen Nachhaltigkeitsdilemmata betroffen, wenn z. B. energetische Ansprüche auf das baukulturelle Erbe treffen oder der Klimawandel historische Landschaften beeinflusst und Kulturgüter in ihrer Substanz beeinträchtigt. Welterbestätten sind in sich wandelnde Landschaften eingebettet und hierüber von Veränderungen der Landschaft im Kontext von Nachhaltigkeitstransformationen (Bsp. Erneuerbare Energie) betroffen.

Diese und weitere Nachhaltigkeitsdilemmata sollen in den Vorhaben adressiert werden.

2) Umgang mit Unsicherheiten als didaktische Herausforderung

Bedingt durch die vielfältigen Nachhaltigkeitsdilemmata und diverse Zielkonflikte, für deren Lösung es häufig keinen „Königsweg“ gibt, zeigt sich, dass Transformationspfade hin zu einer nachhaltigeren Entwicklung mit einer Vielzahl von Unsicherheiten behaftet sind: Welche Entwicklungspfade sollen bei Landnutzung, neuen Technologien und sozialen Innovationen eingeschlagen werden? Neben der Erarbeitung möglicher Lösungsstrategien geht es also auch um den Umgang mit den aus den Konflikten resultierenden Unsicherheiten an sich: Wie kann mit der zunehmend als überfordernd wahrgenommenen Komplexität umgegangen werden, damit eine nachhaltige Entwicklung nicht als ein unlösbares Dilemma wahrgenommen wird? Damit der Einzelne nicht in eine Wahrnehmung mangelnder individueller Lösungswirksamkeit gerät und sich ggf. wissenschaftlich nicht begründeten Komplexitätsreduktionen („einfachen Wahrheiten“) zuwendet, sind neue Wege in der BNE zu beschreiten. Wie können Aspekte der Kooperation und Zusammenarbeit (Kollaboration) zur Lösung der oben genannten sowie weiteren Nachhaltigkeitsdilemmata und zum Umgang mit Unsicherheiten über geeignete Projekte unterstützt werden? Wie können Erkenntnisse aus der (Umwelt-)Psychologie und den Sozialwissenschaften nutzbar gemacht werden, um auf die Unsicherheiten solcher Transformationen sowohl als Individuum wie auch als Kollektiv resilient reagieren und gestaltend tätig werden zu können?

Auch normativ-ethische Fragen sind im Kontext der Ausgestaltung von Transformationen, der Lösung von Nachhaltigkeitsdilemmata und im Umgang mit Unsicherheiten von Bedeutung. Welche ethischen Fragestellungen ergeben sich im Kontext notwendiger Nachhaltigkeitstransformationen auch aus der Perspektive einer sozialen Gerechtigkeit und Umweltgerechtigkeit? Der Vermittlung von Bewertungs- und Handlungskompetenzen aber auch Aspekten einer politischen Bildung kommt im Kontext von Nachhaltigkeitstransformationen gerade für die Anbahnung eines gesellschaftlichen Konsenses gleichfalls besondere Bedeutung zu. Mit der Ausschreibung adressierte Vorhaben können auch diese Aspekte gezielt aufgreifen.

Was wir fördern:

Im Rahmen dieser Sonderausschreibung der DBU können Bildungs- und Kommunikationsprojekte mit einer Dauer von bis zu drei Jahren gefördert werden. Die Vorhaben sollen auf Nachhaltigkeitsdilemmata fokussieren und didaktisch neue Wege eröffnen, um Lösungsstrategien zu erarbeiten und/oder erforderliche Kompetenzen für den Umgang mit Unsicherheiten im Kontext von Nachhaltigkeitstransformationen zu vermitteln.

Ziel der beantragten Vorhaben sollte es sein, relevante Zielgruppen hinsichtlich der erforderlichen Kompetenzen zu fördern und ihre Resilienz im Umgang mit Nachhaltigkeitsdilemmata, mit den Unsicherheiten potenzieller Lösungswege und in ihrer Bereitschaft, an kooperativen und kollaborativen Lösungsansätzen mitzuwirken, zu stärken. Auch Vorhaben, welche die Förderung der Kapazitäten von Lehrenden, strukturelle Verankerungen von BNE (z. B. in einem Whole Institution Approach) oder die Förderung von Jugendengagement fokussieren, können Berücksichtigung finden. Hierbei dürfen auch anwendungsorientierte, für innovative Bildungsansätze und die Bildungspraxis besonders bedeutsame Forschungsfragen in den Blick genommen werden. Sowohl Projekte, die auf eine Umsetzung in Deutschland als auch in einem internationalen Kontext (idealerweise in Mittel-Ost-Europa) zielen, sind willkommen.

Für die Sonderausschreibung stellt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) Fördermittel in Höhe von rund 1 Mio. € zur Verfügung.

Wen wir fördern:

Die Ausschreibung richtet sich an Bildungsakteure aus den Bereichen Elementarpädagogik, Schulpädagogik, non-formales und informelles Lernen, Hochschule, Berufsbildung und lebensbegleitendes Lernen. Dabei werden zivilgesellschaftliche Akteure ebenso adressiert wie kommunale Akteure, Schulen, Bildungszentren, Museen sowie kleine und mittelständische Bildungsdienstleister.

Förderbedingungen und Zeitrahmen:

Das Bewerbungsverfahren zu dieser Ausschreibung sieht die Übermittlung einer 10- bis 15-seitigen Projektskizze inklusive Kostenkalkulation in begutachtungsfähiger Qualität und mit einem maximalen Datenvolumen von 10 MB vor.

 

Deadline: 28.05.2020

 

Im Rahmen der o. g. DBU-Ausschreibung ist ein einstufiges Bewerbungsverfahren vorgesehen. Zur Einreichung der begutachtungsfähigen Projektunterlagen nutzen Sie bitte unsere Online-Antragstellung. Bitte kennzeichnen Sie Ihre Projektskizze zu dieser Ausschreibung im Titel mit »ESD for 2030: [weiterer Titel]«, um die korrekte elektronische Zuordnung sicherzustellen. Einreichungen ohne diesen Zusatz können in der Ausschreibung leider nicht berücksichtigt werden!

Vereine, kleine und mittelständische Unternehmen sowie andere Institutionen in privatrechtlicher Trägerschaft werden bei einer maximalen Förderquote von 50% der förderfähigen Gesamtkosten auf Kostenbasis gefördert. Staatliche Hochschulen und vergleichbare staatliche Einrichtungen können davon abweichend auf Ausgabenbasis gefördert werden.

DBU Kosten- und Finanzierungspläne auf Kosten- und Ausgabenbasis und entsprechenden Informationsblätter sowie Hinweise zur Antragstellung finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Aussichtsreiche Projektskizzen werden einem Gutachtergremium durch die potenziellen Projektträger vorgestellt. Unter Berücksichtigung des Votums der Gutachter(innen) erfolgt eine Entscheidung über eine Förderung des Vorhabens in den Gremien der DBU.

Hier können Sie sich registrieren und Ihren Förderantrag stellen. Falls Sie bereits registriert sind, können Sie sich hier anmelden.

Hinweise zur Antragstellung - ESD

Towards achieving the SDGs (ESD for 2030)
19.8 kB - Aktualisiert/Update: 17.03.2020 14:18:20

Hinweise für die Förderung auf Kostenbasis

für Unternehmen, GbR/BGB-Gesellschaften, Verbände, Vereine, Stiftungen, Privatpersonen, sonstige Einrichtungen

80.21 kB - Aktualisiert/Update: 13.06.2018 11:40:48

Hinweise für die Förderung auf Ausgabenbasis

für Universitäten, Hochschulen, Akademien, öffentliche Einrichtungen mit staatlicher Grundfinanzierung etc.

68.72 kB - Aktualisiert/Update: 13.06.2018 11:41:25

Weitere Hinweise und Arbeitshilfen für die Antragstellung

87 kB - Aktualisiert/Update: 26.04.2018 13:40:07
64.24 kB - Aktualisiert/Update: 13.06.2018 11:41:53
Kontaktdaten der "Förderinitiative ESD"
Hier finden Sie eine Übersicht nach Förderthemen und unser Organigramm als PDF.