Projekt 35600/91

ESD for 2030:KLIMA-AKTIV Klimaschutz aktiv gestalten & politische Handlungskompetenzen entwickeln

ProjektdurchfĂŒhrung

Gottfried Wilhelm Leibniz UniversitĂ€t Hannover Institut fĂŒr Didaktik der Demokratie (IDD)
Callinstr. 20
30167 Hannover
Telefon: +49 511 762 5705

Zielsetzung

Die Klimakrise ist eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen der Gegenwart. FĂŒr ihre BewĂ€ltigung ist eine tiefgreifende Klimaschutz-Transformation notwendig. Damit diese gelingen kann, braucht es aktive „Change Agents“ bzw. lokale Akteur*innen des Wandels, die sich nicht nur auf individueller Ebene fĂŒr Klimaschutz engagieren, sondern gemeinsam mit anderen auf der Ebene des Politischen auf VerĂ€nderungen hinwirken.
Studien der Jugendforschung belegen, dass sich junge Menschen mit globalen Fragen und
Umweltfragen auseinandersetzen und ihre Bereitschaft sich politisch zu beteiligen hoch ist. Auch
Bewegungen wie Fridays for Future zeigen, dass aus dieser Bereitschaft auch tatsÀchliches klimapolitisches Engagement erwÀchst.

Das geförderte Projekt sollte es Jugendlichen ermöglichen, als VerÀnderungsakteur*innen (lokale)
Klimaschutztransformationen voranzutreiben und die hierfĂŒr notwendigen Kompetenzen zu
erwerben. DafĂŒr sollten SchĂŒler*innen aller weiterfĂŒhrenden Schultypen (Gymnasium, Gesamt- und Berufsschule) handlungsorientiert und klimapolitisch anhand selbstbestimmter nachhaltigkeitspolitischer Aktionen politische Lernerfahrungen sammeln und reflektieren. Dabei gilt es Strukturen sowie Lehr-Lernsettings aufzubauen, zu erproben und zu reflektieren, die das jugendpolitische Klima- Engagement langfristig in der Region verankern und zugleich eine Übertragung von der Modellregion LĂŒchow-Dannenberg auf andere Regionen ermöglichen.

Ziel des Projektes war es, den SchĂŒler*innen einen Entwicklungsprozess zu ermöglichen. Sie sollen als klimamĂŒndige BĂŒrger*innen ihr Umfeld gestalten und dabei Selbstwirksamkeit in Bezug auf den Klimaschutz erfahren. Dabei sollten die Rahmenbedingungen geschaffen werden, politische und gesellschaftliche Spannungen, Konflikte und Dilemmata innerhalb der Transformationsprozesse wahrzunehmen und kooperative LösungsansĂ€tze hierfĂŒr zu entwickeln. AnknĂŒpfend auch an eigene Erfahrungswelten sollen die Lernenden Strategien und Möglichkeiten zum aktiven Handeln entwickeln. In freiwilligen Arbeitsgruppen (AGs) oder in ihrem Klassenverband wĂ€hlten die SchĂŒler*innen aus ihren eigenen Erfahrungswelten heraus Themen im Kontext von Klimakrise und Nachhaltigkeit, mit denen sie sich vertieft auseinandersetzten und zu denen sie eigene Aktionen planten und durchfĂŒhrten. Dabei wurden sie unterstĂŒtzt von einer Lehrkraft, die die Gruppe das Schuljahr ĂŒber begleitete, sowie durch Workshops, die das Projektteam regelmĂ€ĂŸig durchfĂŒhrte.

Projektwebsite

Arbeitsschritte

Die Praxisphase von KLIMA-AKTIV erstreckte sich ĂŒber die Schuljahre 2021/22 und 2022/23. Die Arbeit mit den SchĂŒler*innen-Gruppen war in fĂŒnf Phasen aufgeteilt, wobei zunĂ€chst Themenfelder, Interessenlage und Politikfelder analysiert (Phase 1), Dilemmata identifiziert sowie Klimaschutz-Projekte geplant (Phase 2) und umgesetzt (Phase 3) werden sollten. Anschließend wurden die Lern- und Partizipationserfahrungen reflektiert (Phase 4) und eine Verstetigung des politischen Klima-Projekts in Schule und sozialem Nahraum vorbereitet (Phase 5), wobei die Phasen im Projektverlauf nicht streng chronologisch und getrennt voneinander stattfanden, sondern fließend ineinandergriffen und sich stellenweise zyklisch wiederholten.

Um die Gruppen bei ihrer Arbeit zu unterstĂŒtzen, fanden angelehnt an die fĂŒnf Phasen von KLIMA-AKTIV in AbstĂ€nden von zwei bis drei Monaten Workshops statt, die den SchĂŒler*innen nicht nur Wissen und das notwendige Handwerkszeug zur Umsetzung der eigenen Projekte an die Hand geben, sondern auch zur Reflexion der gemachten Erfahrungen anregen sollten. DurchgefĂŒhrt wurden die Workshops von den Projektmitarbeiter*innen. Ab dem zweiten Schuljahr wurde das Projektteam dabei außerdem durch sogenannte „Peer-Educators“ unterstĂŒtzt, die als junge, engagierte Menschen nahbare Bezugspersonen fĂŒr die Kinder und Jugendlichen waren und die Workshops durch ihre Perspektiven und Erfahrungen bereicherten. Die hauptsĂ€chliche Projektarbeit sollte aber nicht in den Workshops, sondern in den (bestenfalls regelmĂ€ĂŸigen) Treffen der Gruppen stattfinden.

Insgesamt wurden im Rahmen von KLIMA-AKTIV 23 Workshops an Schulen, drei schulĂŒbergreifende Veranstaltungen, ein außerschulischer Workshop sowie eine schulĂŒbergreifende LehrkrĂ€ftefortbildung durchgefĂŒhrt sowie verschieden Lehr-Lernmaterialien erarbeitet - unter anderem eine umfassende Handreichung.

Lehr-Lern-Material

Ergebnisse

Trotz verschiedener Schwierigkeiten ist es im Rahmen von KLIMA-AKTIV gelungen, wertvolle Impulse fĂŒr eine partizipative und politische Bildung fĂŒr nachhaltige Entwicklung (BNE) an Schulen zu setzen. Duzende SchĂŒler*innen konnten im Rahmen der von KLIMA-AKTIV angestoßenen Projekte nachhaltigkeitsbezogene Bildungserfahrungen sammeln, sich mit politischen Fragestellungen auseinandersetzen, ihre Sozial- und Organisationskompetenzen weiterentwickeln und wertvolle Selbstwirksamkeitserfahrungen sammeln. Auch LehrkrĂ€fte wurden im Zuge der persönlichen Zusammenarbeit sowie mithilfe einer LehrkrĂ€ftefortbildung fĂŒr eine politische BNE sensibilisiert. An zwei Schulen ist es außerdem gelungen, eine dauerhafte AG zu etablieren, die auch ĂŒber das Projektende hinaus bestehen bleibt.

KLIMA-AKTIV konnte einen Ausblick darauf geben, wie die Umsetzung einer politischen BNE in der Schule gelingen könnte und welche Lernerfahrungen und positiven Auswirkungen auf SchĂŒler*innen, LehrkrĂ€fte und ihre Umwelt möglich sind. Gleichzeitig muss eingestanden werden, dass es oftmals nicht in ausreichendem Maß gelungen ist, die politische Dimension der SchĂŒler*innenprojekte sicht- und bearbeitbar zu machen. Auch die anvisierte Bearbeitung von Nachhaltigkeitsdilemmata kam nicht bei allen SchĂŒler*innenprojekten ausreichend zum Tragen. Hier sind wir u.a. auf Hindernisse im Hinblick auf Schulstrukturen und die Rolle von LehrkrĂ€ften gestoßen, die strukturelle VerĂ€nderungen und zusĂ€tzliche Aus- und Fortbildungsangebote fĂŒr LehrkrĂ€fte erforderlich erscheinen lassen. Oftmals mussten politische Aspekte innerhalb von rĂŒckblickend zu spĂ€rlich gesĂ€ten Workshops eingebracht werden. WĂ€hrend dieser Workshops wurden allerdings Ă€ußerst positive Erfahrungen im Hinblick auf die Ziele von KLIMA-AKTIV gemacht, sodass sich fĂŒr zukĂŒnftige Projekte eine grĂ¶ĂŸere HĂ€ufigkeit solcher Workshops empfehlen lĂ€sst.

Obwohl nicht alle Projektziele wie ursprĂŒnglich beabsichtigt erreicht werden konnten, bieten die Erfahrungen aus KLIMA-AKTIV eine gute Grundlage fĂŒr weitere Projekte im Bereich einer politischen Bildung fĂŒr nachhaltige Entwicklung. Zudem konnten durch das Projekt bereits zahlreiche AnstĂ¶ĂŸe gegeben und teilweise Strukturen wie etwa die beiden auch ĂŒber die Projektlaufzeit hinaus stattfindenden AGs an zwei der teilnehmenden Schulen oder die Vernetzung unter BNE-interessierten LehrkrĂ€ften im Landkreis geschaffen werden, die zu einer Etablierung einer auf Nachhaltigkeit abzielenden Bildung beitragen.

Öffentlichkeitsarbeit

WĂ€hrend des Projekts wurde immer wieder die lokale Öffentlichkeit eingebunden, indem nicht nur Kooperationen mit außerschulischen Akteur*innen eingegangen wurden, sondern auch die lokale Presse mehrfach ĂŒber KLIMA-AKTIV berichtete. Auch eine Begleitung ĂŒber Social Media fand statt und war sogar teilweise Teil der SchĂŒler*innenprojekte. Zur Verbreitung der Erkenntnisse und Beobachtungen aus dem Praxisprojekt, aber auch zur Verbreitung der erstellten Lehr-Lern-Materialien wurden außerdem ĂŒber die gesamte Projektlaufzeit und darĂŒber hinaus zahlreiche VortrĂ€ge und Workshops auf einschlĂ€gigen Veranstaltungen fĂŒr ein (wissenschaftliches) Fachpublikum gehalten. Auch eine LehrkrĂ€ftefortbildung fĂŒr BNE-interessierte LehrkrĂ€fte im Landkreis LĂŒchow-Dannenberg wurde organisiert und genutzt, um die Idee des Projekts und die Erkenntnisse daraus ĂŒber die vier teilnehmenden Schulen hinaus bekannt zu machen. Auch in zahlreichen einschlĂ€gigen Fachzeitschriften und wissenschaftlichen SammelbĂ€nden aus den Beeichen der Bildung und Nachhaltigkeit wurden BeitrĂ€ge publiziert.

Fazit

Das Ziel der Etablierung einer partizipativen politischen Bildung fĂŒr nachhaltige Entwicklung, die die Schule als politischen Sozialisationsort versteht sollte beibehalten werden. Es hat sich als wertvoll erwiesen, den SchĂŒler*innen FreirĂ€ume dafĂŒr zu bieten, eigene und selbstbestimmte politische Handlungserfahrungen zu sammeln und sie dabei didaktisch zu begleiten, um sie auf diese Weise bei der Entwicklung politischer Handlungskompetenzen zu unterstĂŒtzen. Neben den bereits vorhandenen theoretischen Überlegungen und empirischen Erkenntnissen konnte KLIMA-AKTIV einen Ausblick darauf geben, wie die Umsetzung einer so verstandenen politischen BNE in der Schule gelingen könnte.
Gleichzeitig muss eingestanden werden, dass es oftmals nicht in ausreichendem Maß gelungen ist, die politische Dimension der SchĂŒler*innenprojekte sicht- und bearbeitbar zu machen. In der Schule gibt es strukturelle Hindernisse, Wissensdefizite und Ressourcenmangel, die die erfolgreiche Etablierung von FreirĂ€umen fĂŒr selbstbestimmtes politisches Handeln erschweren. Umso wichtiger erscheint die politikdidaktische Begleitung eigenstĂ€ndiger SchĂŒler*innenprojekte. So kann ein VerstĂ€ndnis fĂŒr gesellschaftliche Strukturen, Bedingungen und AbhĂ€ngigkeiten geschaffen, die FĂ€higkeit zur politischen Selbstverortung innerhalb einer krisenhaften Welt gestĂ€rkt und letztlich die politische HandlungsfĂ€higkeit der Lernenden gefördert werden, um so die notwendige gesellschaftliche Transformation voranzubringen.

Übersicht

Fördersumme

218.816,00 €

Förderzeitraum

01.01.2021 - 31.03.2024

Bundesland

Niedersachsen

Schlagwörter

Landnutzung
Umweltkommunikation