Fortbildungsangebote etablieren Thema Klimawandel in der Medizin

ESD for 2030: Fortbildung für transformative ärztliche Praxis, Planetary Health und Klimaschutz

Die Klimakrise ist nach Einschätzung von Expertinnen und  Experten die größte Bedrohung für die Gesundheit in unserem Jahrhundert. Ein besonderes Dilemma besteht darin, das der Klimawandel im Gesundheitssektor bislang nur eine marginale Bedeutung hat © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Die Klimakrise ist nach Einschätzung von Expertinnen und Experten die größte Bedrohung für die Gesundheit in unserem Jahrhundert. Ein besonderes Dilemma besteht darin, das der Klimawandel im Gesundheitssektor bislang nur eine marginale Bedeutung hat. Das Projekt setzt genau hier an.
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Die adressierten Nachhaltigkeitsziele des Projekts. © Deutsche Bundesstiftung Umwelt / UN Global Goals
Die adressierten Nachhaltigkeitsziele des Projekts. Das Bild ist verlinkt mit der Aufzeichnung der Kurzvorstellung dieses Projekts auf der digitalen Auftaktveranstaltung zur DBU-Ausschreibung „Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten“ vom 21. Juni 2021.

Die Kurzvorstellung dieses Projekts auf der digitalen Auftaktveranstaltung zur DBU-Ausschreibung „Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten“ vom 21. Juni 2021 finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.

 

Die Klimakrise verursacht massive gesundheitliche Schäden. Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse nehmen an Intensität zu, tierische Krankheitsüberträger breiten sich aus und tragen neue Infektionskrankheiten ein. Die Klimakrise ist nach Einschätzung von Fachexpertinnen und Fachexperten die größte Bedrohung für die Gesundheit in diesem Jahrhundert. Ein besonderes Dilemma besteht darin, dass der Klimawandel im Gesundheitssektor bislang nur eine marginale Bedeutung hat. Für den Gesundheitssektor liegen Herausforderungen u. a. darin, eine klimaneutrale und ressourcenschonende Gesundheitsversorgung zu entwickeln, Prävention und Lebensstilveränderungen für Gesundheit und Klimaschutz zu priorisieren; soziale Ungleichheiten in der Versorgung zu verringern, resilient(er) gegenüber Klimawandelauswirkungen zu werden. In Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen (u. a. Charité Universitätsmedizin Berlin, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Helmholtz-Zentrum für Gesundheit und Umwelt München, Lancet Countdown on Climate Change) sowie mit Landesärztekammern und medizinischen Fachgesellschaft sollen Fortbildungsangebote zu Klimawandel und Planetary Health für Ärztinnen und Ärzte entwickelt, erprobt und implementiert werden.

Kurse sollen von Ärztekammern anerkannt werden

Diese Grund- und Praxiskurse, fachspezifischen Vertiefungskurse und Workshops sollen durch Ärztekammern anerkannt werden, sodass Ärztinnen und Ärzte sie zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Fortbildungspflichten anrechnen lassen können. Spätestens im zweiten Jahr erfolgt eine Skalierung auf den gesamten deutschsprachigen Raum, zudem werden Fortbildungsangebote für Pflegeberufe angestrebt. Die erarbeiteten didaktisch-fachlichen Konzepte finden langfristig Eingang in die ärztliche Weiterbildung (Facharzt). Das Planetary-Health-Konzept wird durch das vorliegende Projekt strukturell im Gesundheitssektor verankert. Zielgruppe sind Ärztinnen und Ärzte in Kliniken und Praxen.

 Projektziele sind daher:

  • Entwicklung und Umsetzung von Fortbildungsangeboten für Ärztinnen und Ärzte in Zusammenarbeit mit Ärztekammern, Fachgesellschaften und Universitäten: Grundkurse, Praxiskurse, fachspezifische Vertiefungskurse und Workshops.
  • Aufbau eines Pools an Referentinnen und Referenten für Fortbildungen und Fachtagungen.
  • Etablierung eines breiten Netzwerkes von Ärztinnen und Ärzten, die sich als Change Agents für die anstehenden transformativen Veränderungen verstehen.

 Schlüsselthemen:

  • Grundlagen zu Klima- und Biodiversitätswissenschaften und Planetary Health und deren Bedeutung für das Gesundheitswesen.
  • Grundlagen der Gesundheitsfolgen bei Überschreitung der planetaren Grenzen aus der Perspektive wesentlicher medizinischer Fachrichtungen (Physiologie, Innere Medizin, Pädiatrie, Psychiatrie, Neurologie, Infektiologie, Allergologie, Public Health, Global Health, Umweltmedizin, Hygiene, Prävention u. a.). Hiermit assoziierte Nachhaltigkeitsdilemmata (z. B. Biodiversitätsschutz und Gesundheit bei Zoonosen) und resultierende Unsicherheiten (Infektionsschutz).
  • Identifikation therapeutischer und präventiver Maßnahmen für Einzelpatienten, aber auch auf kommunaler und institutioneller Ebene

Methodisch sollen alle Fortbildungen neben der Wissensvermittlung zum transformativen Handeln befähigen. Sie werden daher zu großen Teilen interaktiv gestaltet.

Das Vorhaben begeht neue Wege, wenn im Rahmen von Fortbildungen zum Konzept „Planetary Health“ Ärztinnen und Ärzte berufsbegleitend zu gesundheitlichen Aspekten des Klimawandels und den resultierenden Unsicherheiten und Handlungserfordernissen qualifiziert werden. Hierbei werden komplexe Verknüpfungen zwischen Ökosystemen und menschlicher Gesundheit beleuchtet und auch soziale Aspekte wie Ungleichheit berücksichtigt. Aus dem Klimawandel resultierende Unsicherheiten für das Gesundheitswesen sollen dabei besondere Beachtung finden. Hierüber wird ein zentraler inhaltlicher Aspekt der Ausschreibung aufgegriffen. Das Thema spielt in den berufsbegleitenden Fortbildungen von Ärztinnen und Ärzten und in Pflegeberufen bislang kaum eine Rolle. Es sind neuartige Fortbildungen und Konstellationen von Akteuren sowie Impulse für koordiniertes transdisziplinäres Handeln im Gesundheitswesen zum Thema Planetary Health zu erwarten.

 

Projektdurchführung:
KLUG - Deutsche Allianz Klimawandel und Ge-sundheit e.V.
13465 Berlin
www.klimawandel-gesundheit.de

DBU-AZ: 35601/17

Förderzeitraum: Januar 2021 – Dezember 2022

Stand: 15.07.2021