Fließgewässerökosysteme stehen weltweit zunehmend unter dem Einfluss klimatischer und anthropogener Belastungen. Eine besorgniserregende Folge dieser Entwicklungen ist die fortschreitende Versalzung von Süßwassersystemen, die eine erhebliche Bedrohung für die aquatische Biodiversität und die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen darstellt, sowohl global als auch in Europa und Deutschland.
Steigende Salzgehalte resultieren aus einer Vielzahl von Einflussfaktoren, darunter geogene Prozesse, landwirtschaftliche Flächennutzung, industrielle und kommunale Einträge sowie veränderte Abflussregimes infolge des Klimawandels. Erhöhte Salzkonzentrationen können die physiologische Leistungsfähigkeit vieler Süßwasserorganismen beeinträchtigen, zur Verdrängung salzempfindlicher Arten führen und die Ausbreitung salztoleranter oder invasiver Taxa begünstigen. In der Folge verändern sich Artenzusammensetzungen, trophische Interaktionen und biogeochemische Prozesse, was langfristig die Stabilität und Funktionsfähigkeit von Gewässerökosystemen gefährdet. Neben ökologischen Auswirkungen gehen damit auch erhebliche sozioökonomische Folgen einher, etwa für Trinkwasserversorgung und Gewässerbewirtschaftung.
Um den Ursachen und Dynamiken dieser Entwicklungen wirksam zu begegnen, ist ein vertieftes Verständnis der räumlichen und zeitlichen Muster von Salinitätsbelastungen erforderlich. Insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender klimatischer Extremereignisse bedarf es flächendeckender Analysen, die hydrochemische Prozesse, Abflussdynamiken und anthropogene Einflüsse integrativ erfassen. Hierfür stehen mittlerweile umfangreiche, großskalige und hochaufgelöste Datensätze zur Verfügung, die eine solche Analyse erstmals in dieser Breite ermöglichen.
Im Fokus des Projekts stehen zentrale Einzugsgebiete in Deutschland und angrenzenden Regionen. Da Stoffeinträge und hydrologische Prozesse nicht an politischen Grenzen haltmachen, ist ein transnationaler Ansatz entscheidend, um grenzüberschreitende Eintragspfade zu berücksichtigen und Aussagen im Sinne der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie fundiert abzuleiten.
Das Projekt kombiniert datengetriebene Modellierung mit szenariobasierten Analysen, um die räumlich-zeitliche Variabilität der Salinität in Fließgewässern unter aktuellen und zukünftigen sozioökonomischen und klimatischen Bedingungen zu quantifizieren. Ziel ist es, ein integratives Verständnis der heutigen und zukünftigen Salinitätsbelastung zu entwickeln und dieses sowohl als wissenschaftliche Grundlage als auch als anwendungsorientiertes Online-Tool für Gewässermanagement, Kommunikation, Politik und Prävention im Kontext des Klimawandels nutzbar zu machen