Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hat eine national und international herausragende Rolle für den Schutz von Brut- und Gastvögeln, welche auf intakte Salzwiesen und Wattflächen angewiesen sind. Der Rotschenkel ist eine wertbestimmende Art des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, in dem 30% des deutschen Bestandes brütet. Trotz europaweit fallender Revierzahlen (Rote Liste: „stark gefährdet“) zeigt die Wattenmeer-Population insgesamt einen stabilen Trend. Allerdings unterscheidet sich die Bestandsdynamik stark zwischen Festland und Insel: Am Festland ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, während die Revierzahlen auf den Inseln gestiegen sind. Als Hauptgefährdungsursachen am Festland gelten Habitatverlust durch Eindeichung, Entwässerung und Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung sowie hohe Verluste durch Prädation. Als Indikatorart signalisiert der Rotschenkel die Qualität von Salzwiesen – weltweit wertvollen Ökosystemen mit herausragender Bedeutung für Biodiversität, Küstenschutz und Kohlenstoffspeicherung. Der Nationalpark führt gezielte Renaturierungsmaßnahmen durch, deren Erfolg unter anderem anhand der Entwicklung von Rotschenkel-Beständen bewertet wird.
Das Projekt untersucht die genauen Habitatansprüche des Rotschenkels und den Einfluss des Salzwiesenzustands (anthropogen überprägt vs. natürlich/renaturiert) auf Verhalten und Bruterfolg. Zentrale Fragestellungen sind welche Faktoren die Ansiedlung in Renaturierungsgebieten fördern, wie sich Reviergröße, Energieaufwand und Bewegungsmuster zwischen den Habitaten unterscheiden, wie hoch der tatsächliche Bruterfolg in den unterschiedlichen Salzwiesenstrukturen ist und in welchem Zusammenhang Raumnutzung und Habitatstruktur mit dem Aufzuchterfolg stehen.