Projekt 41176/01

Wiederansiedlung des Baltischen Störs – Aufzucht an der Blumberger Mühle und Ermittlung von Wiederherstellungspotenzialen der Laichhabitate in der Oder

Projektdurchführung

Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V.
Bundesverband
Fachbereich Politik
Charitestr. 3
10117 Berlin

Zielsetzung

Der Baltische Stör als anadrome Wanderfischart Mitteleuropas ist eine prioritäre Art nach EU-FFH Richtlinie. Die phylogenetisch alte Artengruppe existiert seit 250 Millionen Jahren. Der Baltische Stör, der im gesamten Nordeuropäischen Raum nach der letzten Eiszeit präsent war, hat eine transatlantische Verbreitung mit rezenten Beständen an der amerikanischen Ostküste. Die Wiederansiedlung dieser Fischart im Einzugsgebiet der Ostsee, die durch Überfischung und Lebensraumverluste durch den Menschen ausgerottet wurde, ist ein wichtiges Ziel des HELCOM Baltic Sea Action Plans. Die Wiedereinbürgerung der Störe soll die ursprüngliche Artenvielfalt im Lebensraum der Ostsee und ihren Zuflüssen regenerieren und stärken.
Für die hierfür erforderliche Aufzucht großer Stückzahlen spielt die Teichwirtschaft Blumberger Mühle sowohl für die Aufzucht von Besatzfischen, wie auch der zukünftigen Elterntiere aus eigenen Nachzuchten eine wichtige Rolle. Die technische und operative Weiterentwicklung der Störaufzucht soll die Rolle der Teichwirtschaft und des NABU-Naturerlebniszentrums im Rahmen der Wiederansiedlung weiter stärken und sichern.
Insgesamt verfolgt das Vorhaben folgende Ziele:
1. Aufzucht von Baltischen Stören am Standort Teichwirtschaft Blumberger Mühle, und Besatz der Jungstöre in der Oder.
2. Um die Bemühungen zur Wiedereinbürgerung auch langfristig zu unterstützen, soll eine Machbarkeitsstudie die Defizite und Potenziale zur Wiederherstellung wichtiger Lebensräume für frühe Lebensstadien des Störs in der Oder als Ausgangspunkt für eine sich selbst erhaltende Population des Baltischen Stör ermitteln.
3. Begleitende politische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zur Einbindung von Stakeholdern und Sensibilisierung der interessierten Öffentlichkeit sowie Kindern und Jugendlichen zur Lebensweise der Störe und den Lebensbedingungen in der Oder.

Arbeitsschritte

Aufzucht und Besatz von Baltischen Stören in der Oder:
Der Besatz von ex situ aufgezogenen Jungfischen stellt aufgrund des Ausfalls der Art in den 1950er Jahren eine unverzichtbare Grundvoraussetzung für die Etablierung einer sich selbst erhaltenden Population in der Oder dar. Die Aufzucht unterteilt sich in die Sicherung des Nachwuchses für den Elterntierbestand, der durch jährliche Reproduktionen von Besatzfischen die Basis des zweiten Arbeitsschrittes darstellt. Hierbei wird der Nachwuchs ab Beginn der aktiven Nahrungsaufnahme im Verlauf des Sommers bis zur Besatzgröße von bis zu fünfzehn Zentimetern herangezogen. Diese Arbeiten finden im Bruthaus der Blumberger Mühle und in den Hälterteichen der Teichwirtschaft statt. Zur Absicherung der Haltung und Aufzucht ist es wichtig, die Infrastruktur technisch gegen externe Faktoren (Trockenheit, Hitze und Sauerstoffmangel) abzusichern, um den sich aktuell rapide verändernden Rahmenbedingungen unter den Auswirkungen des Klimawandels Rechnung zu tragen. In diesem Rahmen gilt es, die Umsetzung der ex situ Guideline der Berner Konvention vor Ort zu implementieren und die Aufzucht und Haltung an internationale Standards anzupassen und in die internationalen Arbeiten zu integrieren.

Erfassung von Habitat-Defiziten der Grenz-Oder zur dauerhaften Bestandssicherung des Baltischen Störs in der Oder:
Auf Basis einer Defizitanalyse der Oder-Lebensräume sollen Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung von Laich- und Nahrungshabitaten des Baltischen Störs und weiterer Flussfischarten abgeleitet werden. Dabei werden aktuelle, aus dem Flussausbau resultierende Defizite erhoben und abgebildet. Auf dieser Grundlage werden Maßnahmen entwickelt, um gewässertypische Lebensräume wiederherzustellen. Diese Maßnahmenplanung soll mit den bestehenden Konzepten zur Renaturierung der Grenzoder (Blaues Band Oder u.a.) abgeglichen und in ein Gesamtkonzept eingebettet. Ziel ist es, die Defizite im Sinne einer nachhaltigen Gewässerbewirtschaftung großflächig anzugehen.

Begleitende politische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit:
Eine intensive politische Stakeholder-Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit für ein breiteres Zielpublikum im Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle, soll die Inhalte und Lösungsansätze nachvollziehbar und erlebbar machen. Dazu gehört eine interaktive Ausstellung, ein extra geschaffenes Veranstaltungsformat und Workshops zum Thema "Reise des Störs".

Übersicht

Fördersumme

436.617,00 €

Förderzeitraum

16.06.2026 - 16.11.2028

Bundesland

Berlin

Schlagwörter

Landnutzung
Naturschutz
Ressourcenschonung
Umweltkommunikation
Umwelttechnik