Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum
Helmholtz Institute for Functional Marine Biodiversity
Im Technologiepark 5
26129 Oldenburg
Der Meeresspiegel steigt aufgrund des fortschreitenden Klimawandels und stellt Küstenschutz und Meeresnaturschutz an der Nordseeküste vor große Herausforderungen. Aktuell vorhandene Küstenschutzmaßnahmen (vor allem Deiche) bieten nur bis zu einem Meeresspiegelanstieg von etwa 1m einen sicheren Schutz. Zusätzlich werden bei einer weiteren Beschleunigung des steigenden Meeresspiegels vor den Deichen liegende Habitate wie Wattflächen und Salzwiesen in ihrer Ausdehnung zunehmend begrenzt und hinter den Deichen liegende Gebiete durch ein zunehmend aufwändigeres Wassermanagement beeinflußt. Viele der betroffenen Areale stehen unter Naturschutz und gehören zum UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer. Somit macht der Meeresspiegelanstieg Anpassungsstrategien erforderlich, die über die in den letzten Jahrhunderten praktizierten Maßnahmen hinausgehen und sowohl Küstenschutz als auch Naturschutz gleichermaßen berücksichtigen. Dies erfordert ein innovatives Denken bei den zu ergreifenden Maßnahmen im behördlichen, ingenieur-, natur- und sozialwissenschaftlichen Kontext, welches auch die vom Meeresspiegelanstieg betroffenen Bevölkerungsgruppen einbezieht sowie Rechtsverhältnisse berücksichtigt.
Seit längerem ist bekannt, dass veränderte adaptive Strategien im Rahmen des Meeresspiegelanstiegs notwendig sind. Dies wurde in zahlreichen Einzelprojekten unter Beteiligung verschiedener Stakeholder aufgegriffen. Eine zusammenfassende und übergreifende Synthese zur Einordnung der gewonnenen Ergebnisse fehlt jedoch. Somit sind konkrete Handlungsoptionen auf lokaler und übergreifender regionaler Ebene bisher nur schwer abzuleiten. Dies wird zusätzlich dadurch erschwert, dass in der Entwicklung von Strategien, Planung und Umsetzung von potenziellen Maßnahmen große Unterschiede zwischen den einzelnen Küstenbundesländern als auch im internationalen Vergleich bestehen.
Das Ziel dieses Projektes ist es deshalb, die bisherigen Erkenntnisse bezüglich zukünftiger Anpassungsoptionen und -strategien, sowie die rechtlichen Grundlagen dafür zusammenzufassen und regionalspezifisch einzuordnen. In Zusammenarbeit mit den länderspezifischen zuständigen Behörden sollen darauf aufbauend konkrete gebietsspezifische und auch übergreifende Maßnahmen für einen naturverträglichen und nachhaltigen Küstenschutz diskutiert und hergeleitet werden, um Lebensräume und deren Funktionen an der Nordseeküste in Zeiten des Klimawandels langfristig zu erhalten.
AS 1 –Bestandsaufnahme nationaler und internationaler Anpassungsstrategien
Literaturrecherche (wissenschaftlichen Studien, durchgeführte und laufende Projekte) Netzwerkaufbau: Kontaktaufnahme zu Behörden und Projektleitungen.
AS 2 – Datenakquise und Aufbereitung der lokalen Rahmenbedingungen
Analyse der lokalen Gegebenheiten entlang der deutschen Nordseeküste und Überprüfung der Übertragbarkeit bestehender Anpassungsstrategien. Zusammenführung der akquirierten Datensätzen zu:
• Geomorphologie und physische Parameter
• Raumplanerische und sozioökonomische Aspekte
• Wassermanagement und Entwässerungsstrukturen
AS 3 – Rechtliche Einordnung und Analyse
1) Analyse des bestehenden Naturschutzrechts im Kontext des Meeresspiegelanstiegs
• Aufarbeitung der Anforderungen des europäischen und nationalen Naturschutzrechts an den Erhalt und die Wiederherstellung gefährdeter Küsten- und Meereslebensräume
• Identifikation von Regelungslücken
2) Analyse rechtlicher Steuerungsinstrumente für flächenhaften Küstenschutz und Flächenverfügbarkeit
• Analyse raumordnungsrechtlicher Instrumente zur Sicherung von Flächen für Küsten- und Hochwasserschutz
• Untersuchung verfügbarer Instrumente zur Flächensicherung
3) Bewertung des bestehenden Rechtsrahmens und Erwägungen in Bezug auf weitere Regelungsoptionen
• Prüfung des bestehenden Rechtsinstrumentariums
• Identifikation rechtlicher Umsetzungshemmnisse
• Entwicklung von Regelungsoptionen
AS 4 – GIS-basierte Integration
GIS-basierte Zusammenführung der räumlichen Datensätze zu kartographischer Darstellung mit lokalen Rahmenbedingungen und Anpassungsoptionen.
Stakeholder Workshop I („Ist-Zustand Analyse“): Feedback zu Literaturanalyse und Einbindung von Fachleuten aus dem behördlichen Kontext sowie Küsten und Naturschutz, Ingenieurwesen und Landschaftsplanung in weiteres Vorgehen.
AS 5 – Entwicklung und Bewertung von Anpassungsoptionen
Entwicklung und Bewertung möglicher Optionen unter Berücksichtigung folgender Aspekte:
o rechtliche Rahmenbedingungen
o technische Umsetzbarkeit im Küstenschutz
o ökologische Auswirkungen und Potenziale
o Integration in bestehende Nutzungs- und Planungssysteme
Stakeholder Workshop II („Perspektiv-Analyse“): Ergebnisdiskussion und Identifikation potentieller Pilotprojekte stehen.
AS 6 – Synthese und strategische Weiterentwicklung
Synthesedokument und Veröffentlichung der Projektergebnisse.