Projekt 40890/01

Setting up a Rural Lighthouse Energy Community in Latvia – Process Support and Mentoring for Learning Communities

Projektdurchführung

Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein e. V.
Coworkhaus R. 2.09
Weimarer Str. 6
24106 Kiel

Zielsetzung

Das Vorhaben baut auf dem Projekt „Catalysing and building capacities for renewable energy communities in rural Latvia (Rural Energy CommunitiesLV” auf, welches vom 1. Januar 2024 bis 31. Oktober 2025 von der DBU gefördert wurde. Im Rahmen von Rural Energy CommunitiesLV wurde ein deutsch-lettischer Politikdialog zum Thema Energiegemeinschaften in ländlichen Regionen initiiert sowie zahlreiche Sensibilisierungs-, Vernetzungs- und Kapazitätsentwicklungsmaßnahmen in Lettland umgesetzt. Diese Aktivitäten fanden ihren Höhepunkt in der offiziellen Registrierung der ersten ländlichen Energiegemeinschaft des Landes im Dorf Kalniena (Gemeinde Gulbene). Obwohl die lettische Regierung einen Rechtsrahmen zur Umsetzung einschlägiger europäischer Richtlinien geschaffen hat, gibt es bislang noch keine praktischen Umsetzungsbeispiele für Energy Sharing-Projekte (d.h., die gemeinsame Stromnutzung innerhalb einer Energiegemeinschaft).
Das Nachfolgevorhaben hat sich die folgenden neuen Ziele gesetzt:
• Schrittweise Umsetzung, Begleitung, und Monitoring des Leuchtturm- bzw. Pilotprojekts in Kalniena (praktische Umsetzung von Energy Sharing)
• Analyse von Strategien zur Mobilisierung und Beteiligung vulnerabler (insbesondere einkommensschwächerer) Haushalte und Entwicklung entsprechender Umsetzungsvorschläge,
• Transfer der Erkenntnisse aus dem Leuchtturmprojekt an interessierte Gemeinden in Lettland mit dem Ziel, vergleichbare Nachfolgeprojekte anzustoßen,
• Vertiefung des Wissens- und Erfahrungsaustauschs zwischen lettischen und deutschen Energiegemeinschaften, Akteur*innen aus Politik und Verwaltung und weiteren Stakeholdern, insbesondere aus Schleswig-Holstein,
• Intensivierung des wechselseitigen Lernprozesses mit dem Ziel, auch von den Erfahrungen der Nachbarländer Estland und Litauen zu lernen, insbesondere zum Energy Sharing und zu Beteiligungsstrategien für vulnerable Haushalte,
• Formulierung von Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Latvian Rural Forum als zentrale Anlaufstelle für ländliche Energiegemeinschaften sowie zum Aufbau geeigneter Netzwerkstrukturen in Lettland,
• Beiträge zur Optimierung des regulatorischen Rahmens für Energiegemeinschaften und Energy Sharing, indem Erkenntnisse aus dem Leuchtturmprojekt in relevante Politikformulierungsprozesse in Lettland und Deutschland/Schleswig-Holstein münden sollen.

Arbeitsschritte

Das Vorhaben ist in drei thematische Arbeitspakete gegliedert (AP 2-4). Das AP 2 wird vom Latvian Rural Forum koordiniert und unterstützt die praktische Umsetzung des Leuchtturmprojekts in Kalniena in enger Kooperation mit dem Vorstand der neu gegründeten Energiegemeinschaft, lokalen Stakeholdern sowie externen Expert*innen. Die Energiegemeinschaft wurde im September 2025 von neun Privatpersonen gegründet und am 28. Oktober 2025 im Register für Energiegemeinschaften eingetragen. Zweck ist es, den in eigenen Anlagen der Gemeinschaft erzeugten Strom zu teilen und selbst zu verbrauchen. Das Projekt sieht eine schrittweise Prozessunterstützung vor. Dazu gehören die Rekrutierung weiterer Mitglieder, die Unterstützung bei der Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsplanes sowie der rechtlichen/organisatorischen Umsetzung (bspw. vertragliche Grundlagen, Genehmigungsplanung, Schaffung von kommunikations- und abrechnungstechnischen Voraussetzungen etc.). Ein Schwerpunkt liegt auf der Erarbeitung praktischer Vorschläge für die Einbindung vulnerabler Haushalte im Sinne der EU-Strommarktdesignrichtlinie, wobei Modelle und Erfahrungen fortgeschrittener europäischer Länder berücksichtigt werden sollen. Auch die technische Umsetzung soll unterstützt werden (u.a. Installation von PV-Dachanlagen und Batteriespeichern, Marktkommunikation, Abrechnungssysteme usw.).
Im AP 3, das ebenfalls vom Latvian Rural Forum geleitet wird, sollen die Erkenntnisse aus dem Leuchtturmprojekt an interessierte Kommunen in den vier ländlichen Planungsregionen Lettlands (außer Riga) weitergegeben und Nachahmer-Projekte angestoßen werden. Geplant sind u.a. Checklisten, Mustervereinbarungen zum Energy Sharing, ein Praxisleitfaden, Transfer-Workshops und der Einsatz von Mentor*innen.
AP 4 wird von der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein koordiniert und möchte den Erfahrungsaustausch zwischen Deutschland (insbesondere) Schleswig-Holstein und Lettland sowie Estland und Litauen fördern und vertiefen. Vorgesehen sind u.a. ein Workshop in Kooperation mit dem europäischen Verband der Energiegemeinschaften REScoop.eu im Rahmen des European Energy Communities Forum in Jūrmala (Lettland) im Mai 2026 sowie zwei Online-Workshops. Dabei sollen die Themen Energy Sharing und Einbindung vulnerabler Haushalte thematisiert werden. Außerdem werden Vorschläge für den Aufbau von Netzwerkstrukturen und die Weiterentwicklung des Latvian Rural Forum als ‚One-Stop-Shop‘ für ländliche Energiegemeinschaften erarbeitet

Übersicht

Fördersumme

174.692,00 €

Förderzeitraum

17.12.2025 - 17.12.2027

Bundesland

Schleswig-Holstein

Schlagwörter

Umweltkommunikation