Projekt 40848/01

LaRe – Neuanfang: Verlassene Landschaften in Polesien (Ukraine) resilient entwickeln

Projektdurchführung

Technische Universität Dresden
Fakultät Architektur
Institut für Landschaftsarchitektur
Helmholtzstr. 10
01069 Dresden

Zielsetzung

In Polesien (Nordukraine) hat der Krieg das natürliche und kulturelle Landschaftserbe schwer beschädigt und bestehende Umweltprobleme infolge der Tschernobyl-Katastrophe, großflächiger Meliorationen sowie intensiver Forst- und Landwirtschaft stark verschärft. Die Verödung Polesiens hat sich durch zerstörte Siedlungen, Entvölkerung und die Aufgabe von Ackerflächen verstärkt; zugleich stehen einzelne Gemeinden unter wachsendem anthropogenem Druck durch die Aufnahme von Binnenvertriebenen und verlagerten Produktionskapazitäten. Die kumulative Wirkung natürlicher und anthropogener Störungen destabilisiert die mosaikartigen Landschaften Polesiens, die gegenüber Eingriffen besonders sensibel sind. Dies ist besonders kritisch, da Polesien zentrale wasserregulierende und naturschutzfachliche Funktionen erfüllt und – vor allem im Einzugsgebiet des Dnipro – national bedeutsam für Wasserhaushalt, Biodiversität und Ökosystemleistungen ist (hoher Anteil an Schutzgebieten und Smaragdgebieten/Emerald Network).
Landschaftsplanung ist als Bestandteil der kommunalen räumlichen Planung verankert und gilt als potenziell wirksames Instrument zur Integration ökologischer Anforderungen und zur Stärkung der Resilienz der Landschaften. Aufgrund der Neuheit dieses Instruments in der Ukraine (gesetzlich seit 2021) fehlen jedoch praktische Erfahrung und methodisches Know-how; zudem sind Ergebnisinterpretation und Mechanismen der Überführung in umsetzbare Vorhaben – einschließlich wirksamer Öffentlichkeitsbeteiligung – bislang unzureichend ausgearbeitet.
Ziel von LaRe ist die Entwicklung eines innovativen, übertragbaren Modells der Landschaftsplanung für die von Bevölkerungsrückgang, Degradierungen und kriegsbedingten Schäden betroffenen Landschaften Polesiens (Nordukraine), um ihre Resilienz zu stärken, die Multifunktionalität zu sichern und so einen Beitrag zu Natur- und Gewässerschutz zu leisten. Das Vorhaben zielt auf die Verringerung typischer Umweltrisiken, insbesondere: Störungen des Wasserhaushalts sowie Degradierung von Feuchtgebieten und Agrarlandschaften; Fragmentierung von Biotopen und Verlust der Biodiversität; Verlust klimaregulierender Funktionen. Der erwartete Effekt wird durch die frühzeitige Identifikation von Risiken für die Resilienz der Landschaften und die Vorbereitung entsprechender Maßnahmen in Landschaftsplänen erreicht. Die Ergebnisse sollen lokal in die Planungs- und Entscheidungsprozesse von rund 200 Gemeinden in Polesien integriert werden.

Arbeitsschritte

LaRe ist in die miteinander verknüpften Arbeitspakete A1–A3 gegliedert und baut über 24 Monate (01.03.2026–28.02.2028) schrittweise aufeinander auf.
Zu Beginn (A1) wird ein methodischer und diagnostischer Rahmen erarbeitet: Arbeitsdefinitionen werden abgestimmt, ein Indikatorensystem (u. a. zur Profilierung der Gemeinden) aufgebaut und ein modularer, GIS-orientierter Methodenbaukasten zur Analyse und Bewertung der Landschaften Polesiens entwickelt. Der Ansatz verbindet Methoden der Landschaftsökologie und physischen Geographie mit Geoinformationstechnologien (Geodatenbanken, Geoverarbeitungsmodelle) und dient der Bewertung der Resilienz der Landschaften, ihres Zustands sowie ihrer Empfindlichkeit gegenüber natürlichen und anthropogenen Stressoren und kriegsbedingten Belastungen.
Anschließend (A2) wird das Instrumentarium aus A1 im Pilot-Inkubator der Gemeinde Snovsk (Oblast Tschernihiw) angewandt: Die Diagnoseergebnisse werden zu einem Landschaftsplan als gesetzlich verankertem Bestandteil der kommunalen räumlichen Planung synthetisiert – Konflikte und Entwicklungspotenziale werden identifiziert, Szenarien, Prioritäten und Zielzonierungen erarbeitet und Maßnahmen ausgewählt; GIS-Modellierungen prüfen Szenarien und bewerten räumliche Wirkungen. Parallel werden partizipative Formate umgesetzt (Visualisierung von Zwischenergebnissen, Anhörungen, Konsultationen, Workshops) und die Ergebnisse für den Transfer dokumentiert.
In der abschließenden Phase (A3) werden Skalierung und Transfer gesichert: Ein methodisches Handbuch mit Katalog naturbasierter Lösungen und standardisierte Leitfäden zur Qualitätssicherung werden erstellt sowie eine interaktive WebGIS-Plattform als Referenzmodell finalisiert; vorgesehen sind Online-Trainings und eine Abschlusspräsentation.
Die Innovation liegt in der reproduzierbaren Verknüpfung einer Resilienzdiagnostik verlassener Landschaften mit GIS/WebGIS-Instrumenten und partizipativen Governance-Prozessen in einem realen „Inkubator“. Dadurch können Risiken für die Resilienz der Landschaften frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen in Landschaftsplänen vorbereitet werden, was Voraussetzungen für eine nachhaltige Verringerung von Umweltbelastungen auf kommunaler Ebene schafft.

Übersicht

Fördersumme

160.128,00 €

Förderzeitraum

01.03.2026 - 29.02.2028

Bundesland

Grenzüberschreitend

Schlagwörter

Grenzüberschreitend
Landnutzung
Ressourcenschonung
Umwelttechnik