Hochschule Darmstadt
Fachbereich Wirtschaft
Zentrum für Nachhaltige Wirtschafts- und
Unternehmenspolitik (ZNWU)
Holzhofallee 38
64295 Darmstadt
Kinder und Jugendliche sind zentrale Akteure für die Zukunft klimaresilienter Städte, werden in kommunalen Planungsprozessen jedoch bislang nur unzureichend beteiligt. Gleichzeitig fehlen praxisnahe Methoden, um Kinderperspektiven in Klimaanpassungsprozesse einzubinden und dabei Lernprozesse im Sinne einer transformativen Bildung für nachhaltige Entwicklung (tBNE) zu fördern.
Hier setzt unser Projekt an: In einem Reallabor in Eltville am Rhein werden Kinder- und Jugendperspektiven systematisch in die klimaorientierte Stadtentwicklung integriert. Im Zentrum steht die klimaadaptive Gestaltung des „Platzes der Kinderrechte“, die gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen, Studierende, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft entwickelt wird. Das Vorhaben ist zugleich als transdisziplinäres Lehrprojekt ausgerichtet: Studierende des Studiengangs Public Management sowie angrenzender Fachrichtungen (Soziale Arbeit, Bau- und Umweltingenieurwesen) arbeiten eng mit der Kommune und den beteiligten Kindern zusammen.
Es verfolgt drei Kernziele: (1) Entwicklung und Erprobung innovativer Beteiligungsmethoden, insbesondere eines spielbasierten Beteiligungstools, das zugleich als übertragbares Format für andere Kommunen dienen soll, (2) Stärkung der Lernprozesse von Kindern, Jugendlichen und Studierenden im Sinne von tBNE sowie ein Beitrag zur Kompetenzentwicklung zukunftsfähiger Fachkräfte und (3) Förderung institutionellen Lernens durch transdisziplinäre Zusammenarbeit – sowohl in der Public-Management-Ausbildung als auch in der kommunalen Verwaltung.
Das Vorgehen umfasst eine kollektive Situationsanalyse, die Co-Entwicklung und Erprobung von Beteiligungstools, deren Umsetzung in realen Beteiligungsprozessen mit prototypischen Interventionen sowie eine abschließende Co-Evaluation. Die Ergebnisse werden in einem Praxishandbuch und wissenschaftlichen Publikationen dokumentiert und über überregionale Netzwerke verbreitet.
So stärkt das Projekt die Klimaresilienz und Kinderfreundlichkeit der Stadt Eltville, liefert wissenschaftlich fundierte, praxisnahe Methoden der Kinderbeteiligung und trägt zur Transformation kommunaler Planungskultur im Sinne nachhaltiger Entwicklung bei.
In der ersten Projektphase (2026) wird das Reallabor gemeinsam aufgebaut. Kinder, Jugendliche und Studierende erarbeiten in einer kollektiven Situationsanalyse ein gemeinsames Verständnis der lokalen Herausforderungen der Klimaanpassung, etwa Hitze, Starkregen, Entsiegelung, Begrünung und Biodiversität. Dabei werden auch Fragen von Gerechtigkeit, Teilhabe und Zielkonflikten thematisiert. Der Prozess ist bewusst offen angelegt: Wissen wird nicht vorgegeben, sondern altersgerecht gemeinsam entwickelt. So entsteht ein tragfähiges Netzwerk aus Verwaltung, Bildungseinrichtungen, Zivilgesellschaft und jungen Menschen.
Auf dieser Grundlage werden in der zweiten Phase (2026–2027) spielerische Beteiligungsmethoden entwickelt. In Co-Design-Prozessen gestalten Kinder, Jugendliche und Studierende gemeinsam Spiele und Werkzeuge, mit denen Klimaanpassung erfahrbar und Beteiligung praktisch erlebbar wird. Dabei lernen die Beteiligten, wie komplexe ökologische, soziale und planerische Zusammenhänge zusammenwirken, und wie echte Mitgestaltung über symbolische Beteiligung hinausgeht.
In der dritten Phase (2027) werden die entwickelten Methoden im Stadtraum eingesetzt. Kinder und Jugendliche bringen mithilfe der Spiele ihre Ideen zur klimaadaptiven Gestaltung ein. Ausgewählte Vorschläge werden gemeinsam prototypisch umgesetzt. So erleben die Beteiligten unmittelbar, wie aus Ideen reale Veränderungen entstehen, aber auch, dass demokratische Prozesse Aushandlung, Priorisierung und Kompromisse erfordern.
Die vierte Phase (2027–2028) dient der gemeinsamen Evaluation. Kinder, Studierende, Verwaltung und Projektteam reflektieren die Wirkungen des Reallabors auf individueller, institutioneller und städtischer Ebene. Lernprozesse, Kompetenzgewinne und strukturelle Veränderungen werden sichtbar gemacht und ausgewertet.
In der Abschluss- und Transferphase (2028) werden die Ergebnisse systematisch aufbereitet und verbreitet. Eine praxisnahe Toolbox bündelt Methoden, Erfahrungen und Reflexionsinstrumente und macht sie für andere Kommunen und Hochschulen nutzbar. Publikationen, Materialien und eine öffentliche Abschlussveranstaltung sorgen dafür, dass die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse über Eltville hinaus Wirkung entfalten.