Projekt 40660/01

Integration von Biodiversität in Kreditscoring- und Risikobewertungsverfahren privater Finanzinstitute (BioScore)

Projektdurchführung

Technische Universität Dresden
Internationales Hochschulinstitut (IHI) Zittau
Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbes.
Umweltmanagement
Markt 23
02763 Zittau

Zielsetzung

Aufgrund ihrer Bedeutung für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen, stellen Biodiversitätsverluste ein hohes Risiko für die wirtschaftliche Stabilität dar. Jedoch finden sie im Finanzsektor bislang kaum Berücksichtigung. Im Rahmen des Risikomanagements im Kreditvergabeverfahren fehlen bislang geeignete Konzepte zur systematischen Erfassung und Integration von biodiversitätsrelevanten Risiken und daraus entstehenden Kosten. Dadurch bleiben relevante biodiversitätsbezogene Umweltrisiken für Kreditportfolios unberücksichtigt, während Kapitalströme weiterhin in biodiversitätsschädliche Aktivitäten gelenkt werden. Somit bleibt das Potenzial der Finanzinstitute, dieser Entwicklung als Kapitalintermediäre entgegenzuwirken, weitgehend ungenutzt. BioScore setzt hier an und verfolgt das Ziel, biodiversitätsbezogene Risiken systematisch zu erfassen, methodisch zu integrieren und praktisch anwendbar in Kreditentscheidungsprozesse einzubetten. Dazu werden bestehende Verfahren anhand qualitativer Methoden analysiert, ein interdisziplinäres Risikomanagementmodell entwickelt und im Dialog mit Akteurinnen aus Politik, Praxis, Wissenschaft und Zivilgesellschaft validiert. Das Forschungsvorhaben implementiert einen partizipativen Ansatz, um den Transfer zwischen Wirtschaftswissenschaftlerinnen, Finanzexpertinnen, Betriebswirtinnen und Naturwissenschaftlerinnen anzustoßen, welcher als Schlüssel gilt, um vorhandene biodiversitätsbezogene Daten besser zu bewerten und in Entscheidungsprozesse zu integrieren. Das Forschungsvorhaben BioScore adressiert daher diesen Bedarf durch die Erarbeitung und Modellierung von praxisrelevanten Kriterien zur systematischen Bewertung und Integration von biodiversitätsrelevanten Risiken in Kreditentscheidungen privater Finanzinstitute. Unsere zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie können biodiversitätsrelevante Risiken in das Kreditrisikomanagement integriert werden?“. Obwohl bereits allgemeine und unterschiedlich ausgerichtete Bewertungsmodelle existieren, fehlt bislang eine interdisziplinäre und sektorspezifische Betrachtung für Bewertung und Management von biodiversitätsbezogenen Risiken. Konkrete Teilziele des Projektes sind: (1) Konzeption und Analyse der bestehenden Literatur; (2) Entwurf eines praxisrelevanten und wissenschaftlich fundierten Kreditrisikomodells; (3) Risikoquantifizierung; (4) Validierung des Kreditrisikomodells in einem partizipativen Prozess; (5) Stärkung der gesellschaftlichen Resilienz; (6) Öffentlichkeitsarbeit.

Arbeitsschritte

Zunächst erfolgt eine integrative Literaturanalyse, in der bestehende Verfahren des Kreditratings und der Risikobewertung mit Ansätzen der Biodiversitätsbewertung aus Umweltökonomie und Ökologie zusammengeführt werden. Während bisherige Arbeiten zur Integration ökologischer Aspekte in finanzwirtschaftliche Entscheidungsprozesse häufig auf wirtschaftswissenschaftlichen Perspektiven basieren, sollen in diesem Vorhaben ökologische, umweltökonomische und verwandte naturwissenschaftliche Erkenntnisse systematisch berücksichtigt werden, um einen holistischen Ansatz zum Kreditrisikomanagement zu schaffen. Dabei wird nicht nur wissenschaftliche Literatur, sondern auch praxisrelevante Literatur berücksichtigt. Die integrative und vor allem interdisziplinäre Recherche dient der Identifizierung und konkreten Ableitung von geeigneten Datenquellen, Kriterien und Implementierungsansätzen, wobei die Validierung im partizipativen Prozess erfolgt.

Auf dieser Basis werden geeignete Indikatoren und Datenquellen mit Fokus auf Biodiversität als zentrale planetare Grenze systematisch identifiziert und im Projektverlauf anhand partizipativer Dialogformate weiter konkretisiert und validiert. Dabei soll das zu entwickelndes Kreditrisikomodell die Schwachstellen der aktuellen Ansätze wie etwa eine fehlende Interdisziplinarität, eine fehlende Übersetzung der Metriken in finanzielle Risikokennzahlen, fehlende Berücksichtigung der räumlichen und zeitlicher Aspekte, begrenzte Szenariofähigkeiten, fehlende Modellierungsmethodiken zur Ableitung quantitativer Finanzrisiken überwinden. Das geplante Forschungsvorhaben soll unter Berücksichtigung ortsspezifischer Risikomodelle eine Brücke zu den finanziellen Auswirkungen schlagen.

Im nächsten Schritt wird das konzeptionell abgeleitete Modell anhand qualitativer Methoden in unterschiedlichen partizipativen Formaten wie öffentliche Veranstaltungen sowie Fokusgruppendiskussionen mit Stakeholdern aus Finanzsektor, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft validiert, auf Praxisrelevanz geprüft und optimiert. Das Modell soll die Komplexität der Biodiversität auf praxisrelevante Schritte und Kriterien runterbrechen und zur Komplexitätsreduktion sowie zur effizienten Risikosteuerung beitragen. Die wissenschaftliche Evaluation erfolgt durch den Besuch von Konferenzen, Seminaren und das Verfassen der Publikationen. Im letzten Schritt wird eine zukünftige Forschungsagenda formuliert.

Ergebnisse

BioScore adressiert folgende Zielgruppen und Zielbereiche: Private Finanzinstitute, Regulierungsbehörden und politische Entscheidungsträgerinnen, Wissenschaft, Zivilgesellschaftliche Akteure und Umwelt-NGOs, Wirtschaftsprüferinnen, ESG-Ratingagenturen und Nachhaltigkeitsberatung, Bankenaufsicht, Gesamtbanksteuerung, Risikocontrolling. Bei unseren Zielgruppen konzentrieren wir uns auf kleinere und mittelständische Banken und regionale Wirtschaftsunternehmen, da diese die Mehrheit der deutschen Unternehmen darstellen.
Geplant sind folgende Ergebnisse:
(1) Konzeption und Analyse: Im Rahmen einer integrativen Literaturrecherche und -analyse sollen Grundlagen und Herausforderungen der Integration von Biodiversität in die finanziellen Entscheidungsprozesse privater Finanzinstitute untersucht werden.
(2) Modellentwurf Rating und Costing: Ziel ist zunächst der Entwurf eines Modells zur Integration von Biodiversität in das Kreditvergabeverfahren mit einem Schwerpunkt auf Rating und Costing.
(3) Risikoquantifizierung: Das Ziel ist es, aufbauend auf der Risikoidentifikation und -bewertung Ansatzpunkte zur Integration von Biodiversität in ein quantitatives Risikomanagement und das Kreditmonitoring zu entwickeln, das Biodiversitätsrisiken systematisch in Kreditentscheidungsprozesse privater Finanzinstitute einbindet (z.B. Bepreisung).
(4) Validierung des Modellentwurfs: Um sicherzustellen, dass die Forschungsergebnisse des BioScore-Projektes bei den für sie relevanten Stakeholdern ankommen, und somit der Anwendungsbezug sowie die Praxisrelevanz des Forschungsvorhabens gewährleistet ist, werden die Ergebnisse in mehreren Veranstaltungsformaten, die jeweils auf die Besonderheiten des angesprochenen Publikums abgestimmt sind, den relevanten Akteursgruppen vorgestellt und diskutiert.
(5) Ableitung einer Agenda für die zukünftige Forschung: Biodiversitätsverluste entwickeln sich dynamisch und können mittel- bis langfristig erhebliche Auswirkungen auf Kreditportfolios haben (z.B. Werteverluste von Sicherheiten, regulatorische Anpassungen, sektorale Disruptionen).

Öffentlichkeitsarbeit

Zur Verbreitung der Ergebnisse sind folgende Maßnahmen geplant:
• Zwei wissenschaftliche Publikationen
• Policy Brief als Zusammenfassung der Handlungsempfehlungen.
• Praxisrelevanter Leitfaden mit den evidenzbasierten Empfehlungen für Finanzinstitute zur Integration von Biodiversität in Kreditverfahren.
• Kick-Off Veranstaltung als Dialog mit relevanten Akteurinnen aus der Wissenschaft, Praxis und Politik.
• Zwischen- und Abschlussveranstaltungen: Transfer und Präsentation der Ergebnisse sowie Einholen des Feedbacks und Identifikation weiterer Bedarfe seitens relevanter Stakeholder stattfinden.
• Partizipative und niedrigschwellige Online-Veranstaltungen mit den interessierten Banken
• Bildung des Beirates gewährleistet ein hohes Synergiepotenzial und Berücksichtigung der aktuellen Dynamik im Themenfeld.
• Wissenschaftlicher und praxisorientierter Austausch: stakeholderorientierte Vorstellung der Ergebnisse auf relevanten Konferenzen, Events und Foren.

Fazit

BioScore schafft wichtige Grundlagen für strukturelle Veränderungen im Finanzsystem mit Relevanz für Umwelt- und Ressourcenschutz. Durch die Umlenkung von Kapitalströmen hin zu biodiversitätsfreundlichen Wirtschaftsaktivitäten werden naturverträgliche Geschäftsmodelle gestärkt und schädliche Umweltwirkungen mittelbar reduziert. Eine praxisorientierte Handreichung unterstützt Finanzinstitute dabei, biodiversitätsbezogene Kriterien systematisch in ihre Vergabepraxis zu integrieren. Dadurch entstehen auch auf Unternehmensseite Anreize, bestehende Geschäftsmodelle zu überdenken und nachhaltiger auszurichten. Das Projekt leistet damit nicht nur einen Beitrag zur Erhaltung biologischer Vielfalt, sondern auch zur Internalisierung negativer ökologischer Externalitäten, indem Umweltrisiken stärker in betriebs- und volkswirtschaftliche Entscheidungen einfließen. In der Folge können langfristig volkswirtschaftliche Risiken, etwa durch Ökosystemschäden, Produktionsausfälle oder Preisvolatilitäten, verringert werden.

Übersicht

Fördersumme

326.260,00 €

Förderzeitraum

01.04.2026 - 31.03.2029

Bundesland

Sachsen

Schlagwörter

Umweltkommunikation