Technische Hochschule Georg Agricola
DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH
Herner Str. 45
44787 Bochum
Industriedenkmale sind materielle Träger der Industriekultur und regionale wie nationale Identitätsanker – gut besuchte Veranstaltungsorte. Auch ihre Wirtschaftsleistung ist bedeutsam als Teil regionaler Tourismuskonzepte, als Standort für Kreativwirtschaft und Start-Ups sowie als Arbeitsfeld für KMU, die an ihrer Erhaltung beteiligt sind: Architekt*innen- und Ingenieur*innenbüros, die Beschichtungsmittel herstellenden Unternehmen und betreibende Firmen. Die Gründung des Bundesverbandes Industriekultur im April 2025 hat die bundesweite Bedeutung gerade der kulturellen Leistung unterstrichen. Kernelement der Industriekultur bleiben allerdings die materiellen Industriedenkmale als greifbare Träger der Identität und Räume für Aktivitäten. Meist sind dies freistehende, große Objekte, deren umweltbelastete Oberflächen eines besonderen Schutzes bedürfen. Altbelastungen mit Schadstoffen aus der Produktionszeit sind die Regel, welche Schädigungen gegenüber anderen Denkmalarten meist verstärken. Hinzu kommen unzureichende oder schädigende Altrestaurierungen und die Anforderungen an das Erscheinungsbild der Denkmale.
Das Vorhaben beinhaltet die Entwicklung und Veröffentlichung einer praxisorientierten, online zugänglichen Datenbank zur Anwendung korrosionshemmender Beschichtungen auf freibewitterten Industriedenkmalen aus Eisenmetall. Den Schwerpunkt bilden transparente Beschichtungen, die den Charakter der Oberflächen erhalten und Schutz bieten. Bisher fehlt eine Übersicht praktisch bewährter Anwendungen. Ziel ist eine strukturierte Erhebung von Fallbeispielen, die Erfahrungen von Restaurator*innen, Architekturbüros und Materialwissenschaftler*innen zusammenführt. Neben einheitlichen Anwendungsdatenblättern enthält sie eine Planungshilfe in Form einer Excel-Tabelle, in der die gegebenen Informationen projektspezifisch sortiert werden können, sowie einen ausformulierten Leitfaden. Hierfür werden technische Effizienz und insbesondere ökologische Nachhaltigkeit sowie denkmalrechtlicher Genehmigungsfähigkeit bewertet. Die Datenbank wird über Indumap.de bereitgestellt, das als Fachplattform etabliert ist. So entsteht ein niedrigschwelliger Zugang für das Fachpublikum und die interessierte Öffentlichkeit.
Drei KMU sind als Projektpartner in das Projekt eingebunden: die Firma KADDI LACK in Dortmund, Böll Architekten in Essen und Ferropolis in Gräfenhainichen. Sie sichern mit der bestehenden Kooperation mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum die Praxisrelevanz.
Die Datenbank ist als kritischer Anwendungsratgeber für die korrosionshemmende Beschichtung freibewitterter Industriedenkmale konzipiert. Aufgrund vielfältiger Umwelteinflüsse und denkmalpflegerischer Anforderungen lassen sich Konservierungsmaßnahmen nicht schlicht nach einer Norm abarbeiten; es geht vielmehr darum, gebündelte Informationen zu erhalten: Unterschiede in Altbeschichtungen, Kontaminationen und korrosionsbedingten Schädigungen müssen differenziert erfasst werden. Um eine qualifizierte Auswahlhilfe für die Praxis zu schaffen, werden im Rahmen des Projekts Informationen von den Herstellern und Anwendungsbeispielen in einheitlichen Datenblättern zusammengefasst und mit Literatur referenziert. So werden verschiedene Möglichkeiten der Beschichtung, ihre Vor- und Nachteile sowie Einflüsse auf Umwelt und Gesundheit vergleichend dargestellt.
Diese Form als ein Anwendungsratgeber kann sich methodisch am Vorbild der Steinkonservierung im Denkmalbereich orientieren. Rolf Snethlage betonte dort es gebe „keine fertigen Rezepte“ –, und bedürfe immer der „Bereitschaft, aus einem Katalog von Möglichkeiten im interdisziplinären Disput den besten Lösungsweg zu finden“. Ein solcher Katalog entsteht hier für den klar umgrenzten Bereich der Industriedenkmalkonservierung für Eisenmetalle.
Das Projekt hat im Oktober 2025 mit der Aufbereitung des Kenntnisstandes (AP 1) begonnen und ein erstes als Best-Practice bewertetes Fallbeispiele besucht, womit auch die Standard-Datenblätter überprüften wurden. Die Einordnung des Kenntnisstandes (AP 2) nach vorher festgelegten Kriterien beginnt im Dezember 2025. Es folgt im Frühjahr 2026 die Formulierung des Kenntnisstandes (AP 4), die zugleich eine Aufbereitung zum Ziel der Kommunikation der Ergebnisse mit Akteuren (AP 5) darstellt: Eine Tagung mit Workshopcharakter im Sommer 2026 dient der Prüfung der Konsensfähigkeit des Ratgebers in der Community of Practice. Die Tagung ist für Interessierte offen. Es folgt im Herbst 2026 das Erstellen der Datenbank, Veröffentlichung des Anwendungsratgebers (AP 6): Alle dokumentierten Anwendungsfälle und Beschichtungssysteme sind dann mit allen Kategorien dargestellt. Das Projekt endet mit der Veröffentlichung dieser Ergebnisse auf Indumap.de.
So sind diese Daten für die Praktiker*innen einfach zugänglich und können um weitere Beispiele ergänzt werden. Damit verbessert sich die effektive und nachhaltige Anwendung von Beschichtungen.