Projekt 40455/01

Technische Lösung zum Herdenschutz vor Wölfen

Projektdurchführung

Pax Lupus GbR
Alter Holzhafen 19
23966 Wismar

Zielsetzung

Wolfsrisse gehören für viele Weidetierbetriebe inzwischen zum Alltag. Viele der etablierten Schutzmaßnahmen wie Zäune, Netze und Herdenschutzhunde sind arbeitsintensiv, nicht überall praktikabel und lassen sich bei akuten Bedrohungen oft nicht kurzfristig umsetzen. Währenddessen lernen Wölfe, Nutztiere gezielt als Beute wahrzunehmen. Für zahlreiche Betriebe wird Herdenschutz damit zu einer existenziellen Frage, da die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Weidehaltung zunehmend unter Druck gerät. Vor diesem Hintergrund ist die Zahl der Schafbetriebe seit Jahren rückläufig.

An diesem Punkt setzt Pax Lupus an. Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung eines autonom arbeitenden Systems zur Wolfsabwehr, das moderne Sensorik, künstliche Intelligenz und gezielte Vergrämung kombiniert. Das System erkennt Wölfe in Echtzeit, analysiert ihr Verhalten und löst abgestufte Maßnahmen aus, um potenzielle Gefahren für Weidetiere frühzeitig abzuwehren. Die gesamte Anlage ist solarbetrieben und arbeitet unabhängig von Mobilfunk oder Internet - ein entscheidender Vorteil für abgelegene oder schwer zugängliche Weideflächen.

Der Ansatz zielt darauf ab, einen kontinuierlichen Schutz von Weidetieren zu gewährleisten und Nutztierhalter im Alltag spürbar zu entlasten. Die technische Komplexität bleibt dabei im Hintergrund, die Anwendung bewusst einfach: Aufstellen. Einschalten. Läuft.

Neben dem unmittelbaren Herdenschutz und der Entlastung der Betriebe adressiert das Vorhaben auch übergeordnete Umweltziele. Dauergrünland ist ein ökologisch besonders wertvoller Lebensraum mit hoher Bedeutung für den Klimaschutz. In seinen Böden werden große Mengen Kohlenstoff gespeichert, zugleich weist es eine hohe Biodiversität auf. Extensive Schaf- und Ziegenbeweidung trägt dazu bei, diese Flächen zu erhalten und Böden vor Erosion zu schützen. Der Erhalt von Schäferbetrieben leistet damit einen unmittelbaren Beitrag zum Schutz artenreicher Dauergrünlandflächen.

Zugleich setzt das System auf einen ressourcenschonenden und tierschutzgerechten Ansatz im Herdenschutz. Durch die gezielte Vergrämung von Wölfen wird eine wirksame Alternative zu Abschüssen geschaffen. Gleichzeitig kann der Einsatz kurzlebiger Kunststoff-Herdenschutznetze reduziert werden, in denen sich regelmäßig Wildtiere verfangen. Das Ziel ist ein praxistauglicher Herdenschutz, der Landwirtschaft und Naturschutz zusammenbringt: wirksam im Schutz von Nutztieren, ohne den Wolf zum Feind zu erklären.

Pax Lupus Website

Arbeitsschritte

Das System wird in drei aufeinander aufbauenden Phasen entwickelt. Der Projektverlauf ist so geplant, dass jede Phase messbare Ergebnisse liefert und die jeweils folgende Phase logisch vorbereitet. Dabei werden beispielsweise Daten hinsichtlich Reaktionszeiten, Störanfälligkeit, Erkennungsqualität sowie Energiehaushalt ausgewertet und iterativ Anpassungen an Hard- und Software vorgenommen.

Phase 1 – Komponenten & Machbarkeit (Monat 1–12):
In Phase 1 erfolgt die Entwicklung und Fertigung einer mobilen Basisstation mit autarker Energieversorgung (Solar) sowie lokaler Recheneinheit (Edge-Computing). Parallel wird das Sensorik-Setup mit Wärmebild- und Tageslichtkameras realisiert. Es werden Daten unter Realbedingungen (Licht, Wetter, Vegetation) erhoben, um eine zuverlässige Erkennung von Wolf, Schaf und Mensch zu ermöglichen. Darauf aufbauend wird die Sicherheitslogik implementiert, unter anderem mit der Menschenerkennung als Negativ-Indikator für die autonome Vergrämung. Parallel dazu erfolgt die Konzeption der Schnittstelle zwischen KI-Erkennung und autonomer Vergrämung.

Phase 2 – Integration & Systemkopplung (Monat 10–18):
In Phase 2 werden die Schnittstellen zwischen Erkennungs-KI und autonomer Vergrämung programmiert und die Systemkopplung umgesetzt. Gleichzeitig erfolgt der Aufbau und Test der Vergrämungstechnik, einschließlich Start- und Recovery-Prozessen, Lade- und Energie-Management sowie der Wettertauglichkeit. Ergänzend werden Versuchsaufbauten mit künstlichen Zielen durchgeführt, um Reaktionszeiten, Fehlalarmraten und Sicherheitsabschaltungen zu validieren.

Phase 3 – Praxistests & Wirkungsauswertung (Monat 19–24):
Phase 3 umfasst die Vollintegration aller Systemkomponenten und die Durchführung von Feldtests auf Weideflächen in Wolfsgebieten. Dabei wird das Eskalationskonzept der Vergrämung unter Praxisbedingungen erprobt. Die fortlaufende Analyse der erhobenen Daten dient der Verbesserung der Erkennungsgenauigkeit, der Reduktion von Fehlalarmen und der gezielten Weiterentwicklung der Vergrämungsmechanismen. Abschließend werden die Praxistests ausgewertet, um technische und funktionale Anforderungen für die nächste Entwicklungsstufe bis zur Marktreife abzuleiten.

Nach Abschluss der drei Projektphasen steht ein praxiserprobtes System, das ein hohes Schutzniveau für Weidetiere bei deutlich reduziertem Arbeitsaufwand ermöglicht.

Übersicht

Fördersumme

125.000,00 €

Förderzeitraum

01.01.2026 - 31.12.2027

Bundesland

Mecklenburg-Vorpommern

Schlagwörter

Landnutzung
Naturschutz